Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 28 (15.7.1910)
- Date
- 1910-07-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Dr. Mochs Wochenschrift:, Nr. 28 •-3(tt3 der Jahresversawwl«ng der Deutschen Orient-Gesellschaft. Die Deutsche Ocient-Gesellschaft hielt im Hause des Herrn James Simon (Berlin) ihre ordentliche Hauptversammlung üb. Zunächst wurde der Jahresbericht für 1909 vorgelegt. "Leber die Fortführung der Grabungsarbeiten in Babylon und Äffur und über die unter Profeffor Dr. Sellins Leitung im 'Berichtsjahre zu Ende geführte Ausgrabung von Jericho waren 'dde Mitglieder durch die „Mitteilungen der Deutschen Orient- Gesellschaft" unterrichtet. Der Jahresbericht beschränkte sich daher äü' einen kurzen lieberblick über die vorjährigen Ergebnisse, 6em jedoch die aus eigener Anschauung geschöpfte Schilderung von dem in Affur aufgedeckten parthischcn Palast und der altassyrischen Denksteinreihe aus dem Munde des Herrn I. Jordan Farbe und Leben zu geben verstand, lieber die „Wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft" berichtete der als Delegierter der Akademie der Wissenschaften dem Vorstande angehörende Profeffor Doktor Edward Meyer. Er legte die im letzten Jahre erschienenen wissenschaftlich wertvollm Bände vor. Bon Profeffor. B o rchardt wird der erste Teil der Veröffentlichung über das Grabdenkmal des Sahu-re demnächst erscheinen: aus Profeffor dewe y s Feder steht der erste Band der babylonischen, - Rejhe, eine Zusammenfaffende Publikation der altbabylonischen Tempel in Kürze zu erwarten. Prost ssor P u ch st e i n, Generalsekretär d.s kaiserlich archäologischen Institutes, kündigte im Anschürß hieran an, daß seine und Dr. Curtius Veröffent. lichung der Resultate der Ausgrabungen in Boghasköi binnen Jahresfrist vorliegen werden. Dann erläuterte der stellvertretende Schatzmeister, Herr James Simon, den Kassenbericht, aus ..dem.hervorgeht, daß es durch Beschränkung auf die Hauptaufgaben und durch sparsame Wirtschaft gelungen rst, den großen . Fehlbetrag; mit dem das Geschäftsjahr begonnen wurde, er- . heblich zu verringern. Zugleich betonte er die Notwendigkeit auf hie Erschließung neuer Einnahmequellen bedacht.zu sein angc- $$(5 der großen, und. wichtigen. Unternehmungen, /die von der Herstschr^ Orient-Gesellschaft bereits in allernächster Zukunft , in . Angriff genommen werden müffen, wenn anders sie des Anrechtes auf ihr zugeficherte Grabungsstätten nicht verlustig gehen soll. Eure von diesen ist Tell ell-Amrrna, die Residenz des .durch seine Reformbestrebungen auf, religiösem und künstlerischem Gebiete berühmten egyptischen König Amenophls IV.. die ..gerade dadurch von hervorragender, kulturhistorischer Bedeutung . ist,, daß-sie nach dem Sturz ihres Begründers nie wieder bewohnt gewesen ist. Die andere ist der südbabylonische Ruinenhvgel Warko. Darin schlummert, wie Geheimer Oberregierunqs-, . rat Prostffor Sachau berichtete, die schon im ersten Buche. Moses genannte, altberühmte Königs- und Tempelsladt Erech, deren weithin sichtbarer Stufentempel, heute vom Wüsiensande berweht, eines der meistversprechenden Ausgrabunzsobjekte darjwllt. Der Vorstand wurde wiedergewählt. ^öesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. In den Räumen des Deutsch-Israelitischen Gemeinde- . bundes zu Berlin fand eine Sitzung des Ausschusses der. ^Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des r Judentums" statt. Der geschäftsführende Vorsitzende, Herr Prof. Dr. Martin. Philippson, war in der Lage, eine Reihe wichtiger und erfreulicher Mitteilungen machen zu können. Die Zahl der Mitglieder sei im abgelaufenen Halbjahre um abermals 100 gewachsen: soweit sie es gewünscht hätten, sei den Mitgliedern der zweite.Band der gesammelten Schriften David Kaufmann's Zugestellt worden: von Steinthäl's Aufsätzen „Heber Juden und Judentum" sei eine neue Auflage erf schienen i das Erscheinen der ersten beiden Bände des umfassenden Werkes über die „Talmudische Archäologw" von Prof. Dr. Krauß-Wien sei im Herbst dieses Jahres bestimmt zu erwarten. Ferner seien der Gesellschaft von mehreren Gönnern der jüdischen Wissenschaft, von Frau Marie Errera in Brüssel 4600, von den Herren Generalkonsul Franz Philippson in Brüssel und Baron.Edmund von Rothschild in Paris als erste Rate für die Mifchna- Ausgabe des Corpus Tannaiticum je 5000 Mark zur Verfügung gestellt worden. Bei der Beratung iHer hie wissenschaftlichen Arbeiten der Gesellschaft legte Herr Dr. Baneth einige Probeseiten der beabsichtigten Mischnä- Ausgabe vor,' die den Beweis lieferten, daß dieses bedeutsame Unternehmen nunmehr, aus dem Stadium der Vorbereitungen herausgetreten ist und greifbare Gestalt anzunehmen beginnt. Rühmend wurde auch von einem Mitgliede des Ausschusses auf die Beachtung und Anerkennung hingewiefen, welche die schon veröffentlichten Vorarbeiten für die Germania Judaica bei maßgebenden jüdischen und christlichen Gelehrten gefunden haben, und die diesem Unternehmen eine günstige Aufnahme versprechen. Der Ausschuß erledigte sodann eine Reihe geschäftlicher Dinge und erfüllte zum Schluß noch eine Ehrenpflicht der Gesellschaft, indem er mehreren Einzelforschern und wissenschaftlichen Verbänden, insbesondere dem ..Verband für Statistik der Juden" und dem „Gesamtarchiv der deutschen Juden" Subventionen bewilligte. Der König von Bulgarien bei Joseph Reinach. In Bulgarien bemühen sich gegenwärtig von Rußland bezahlte Agitatoren, unter der bulgarischen Bevölkerung antisemitische Propaganda zu machen. Antisemitische Blätter erstehen, judenfeindliche Broschüren werden verbreitet und die bulgarische Regierung hat große Mühe, die bereits laut werdenden antisemitischen Kundgebungen zu unterdrücken. Inzwischen befindet sich König- Ferdinand -von Bulgarien auf seiner Europareise-Wd war' dieser Tage in Paris der Gast des berühmten jüdischen Gelehrten und Publizisten Joseph Reinach. .Reinach, der auch Mitglied der französischen Kammer und eine Stütze der „Alliance Jsraelite" ist, hat zu Ehren des königlichen Gastes ein Dejeuner gegeben, zu welchem der französische Ministerpräsident Briand, Minister des Auswärtigen Pichon, mehrere Schriftsteller, Politiker, der jüdische Gelehrte Professor Vidal usw. geladen waren. Nach seiner Rückkehr erklärte König Ferdinand einem Journalisten gegenüber: „Ich habe im Hause eines der geistreichsten Männer Frankreichs, in Gesellschaft hoher Persönlichkeiten, Männern von Namen und Geist, einige unvergeßliche Stunden verbracht. König Ferdinand wird nun Gelegenheit gefunden haben, festzustellen, welchen intellektuellen Wert die Juden für ein Land bedeuten, wenn ihrer normalen, freien Entwicklung keine Hindernisse in den Weg gelegt werden. k Heber denselben Gegenstand wird noch aus Sofia gemeldet: Die Agence Telegraphique Bulgare setzt den von Belgrader Blättern gebrachten Meldungen über angebliche antisemitische Verfolgungen und Auswanderung jüdischer Familien aus Bulgarien das formellste Dementi entgegen. Ein Zirkular des Ministers des Innern, das diesen phantastischen Nachrichten vermutlich als Grundlage dient, konstatiert bloß zwei oder drei vereinzelt gebliebene Fälle, wo hergelaufene Individuen die Naivität des Volkes auszubeuten suchten, indem sie die Legende von der rituellen Verwendung von Christenblut durch die Juden wieder auffrischten. In Bulgarien bestehen keinerlei antisemitische Regungen.