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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-08 · 27 (8.7.1910) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
27 (8.7.1910)
Date
1910-07-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 27 Seite sss Dr. Blochs Wochenschrift. hie Jeschibah, die seit 300 Jahren daselbst besteht, ihren Namen. Das Haus ist ein riesiger Komplex und gehört heute einer dreißiggliedrigen Befitzergesellschast. In dem Hause befindet sich ein Bethaus. Außer zahlreichen Geschäften und Werkstätten auch ein Bethaus und die erwähnte Jeschibah. Der „Ramilo- Hof" hatte drei Etagen. Im ersten Stockwerke befanden sich die verschiedenartigsten Kaufläden, im zweiten Stock war eine Synagoge (die Ramilv'Klaus) untergebracht, während in der dritten Etage die Jeschibah ihre Räumlichkeiten hatte, aus welcher im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche jüdische Gelehrte hervorgegangen, find. Diese älteste littauische Jeschibah genießt auch heute noch großes Ansehen und wird von allen Seiten unterstützt und gefördert und wurde auch von der verstorbenen Baronin Hirsch reichlich bedacht. Als die Einsturzkatastrovhe sich ereignete, war das Studium in der Jeschibah in vollem Gange. Der besonderen Geistesgegenwart des Rosch-Jeschibah war es zu danken, daß von den Zöglingen niemand unter den Trümmern begraben wurde. Leider ging es doch nicht ohne Menschenopfer ab. Eine alte Frau, die in der Jeschibah Erfrischungen verkaufte, und mehrere Kinder und Frauen kamen ums Leben. Das älteste Haus im Wilnaer Ghetto, der historische Ramilo-Hof, ist heute ein großer Trümmerhaufen, an deren Wegschaffung jetzt gearbeitet wird. Minister Rufus Jsaacs bei König Georg von England. Das jüdische Mitglied des englischen Kabinets Sir Rufus Jsaacs wurde, wie aus London berichtet wird, von König Georg in längerer Privataudienz empfangen, an deren Schluß der König seinen Minister verständigte, daß er ihn in den Ritterstand erhoben habe. Eine Serenade jüdischer Schüler vor dem Sultan. Am 10. Juni gab der Sultan zu Ehren der Senatoren, Parlamentsmitglieder und Mitglieder der Presse einen Empfangsabend. Der Direktor des offiziellen Preßbureaus, Abraham Parchi Effendi, besorgte die Vorstellung der Vertreter der Presse, unter denen sich zahlreiche Juden befanden. Während des Abends erschienen im Burggarten des Sultans die Schüler und Schülerinnen der Konstantinopler Schulen der „Alliance Jsraelite Universelle", alle weiß gekleidet, mit Blumensträußen in den Händen. Der Sultan erschien im Kreise der Kleinen, nahm von einem kleinen Mädchen und einem Knaben je einen prächtigen Blumenstrauß entgegen und gab die Erlaubnis, daß die Kleinen einige türkische und hebräische Lieder, darunter auch die türkische Volkshymne zum Vortrage bringen. Der Sultan war von dem Anblicke der jungen Patrioten sehr gerührt und äußerte dem Direktor Parchi gegenüber: „Die Schulen der „Alliance" gefallen mir außerordentlich. Ich bitte, den Lehrern und Schülern meinen Dank auszusprechen!" Der Sultan veranlaßte sodann, daß den Kindern Erfrischungen gereicht werden. Der Gouverneur von Entre Rios über die jüdischen Kolonisten. Wie die in der jüdischen Kolonie Clara herausgegebene Zeitschrift „El Colono Jsraelita Argentino" berichtet, hat der neuernannte Gouverneur der argentinischen Provinz Entre Rios, Dr. Crespo, die jüdischen Kolonien inspiziert. Die Deputation der Kolonisten empfing den Gouverneur mit Brot und trug Scherpen in den Farben der Republik. Während des zu Ehren des Gouverneurs in Villagnay gegebenen Banketts, an dem auch mehrere jüdische Kolonisten teilnahmen, hielt der Gouverneur eine Rede, in welcher er mit begeisterten Worten auf die großen wirtschaftlichen Fortschritte der jüdischen Kolonisten und ihre kulturelle Bedeutung für das Land hinwies. Die großen Strecken Landes, die noch vor zehn Jahren wüst und unkultiviert dalagen, werden jetzt von ruhigen jüdischen Ackerbauern bearbeitet. -. .; In. kürzer Zeit entstanden auf der ganzen Linie von Juden gegründete Handelshäuser. Große Bewunderung verdienen auch ihre öffentlichen Anstalten, Bibliotheken, Spitäler, Apotheken und korporative Genossenschaften, die alle zur Zivilifierung des Landes beitragen. Die Juden verdienen deshalb die höchste Achtung und ein friedliches Zusammenwirken seitens der übrigen Bevölkerung. Dies gebiete auch der wahre Patriotismus. Und zum Polizeichef gewandt, sagte der Gouverneur: Auf Ihnen lastet die Verantwortlichkeit für alle Angriffe, die gegen die jüdischen Kolonien von welcher Seite immer gerichtet werden. In jüngster Zeit häuften fich die mörderischen üeberfälle auf die jüdischen Kolonien und ich erwarte mit Bestimmtheit, daß der Herr Polizeichef Alles aufbieten werde, um solche Üeberfälle in Zukunft zu verhüten. Die jüdischen Kolonisten mögen fich in allen Fällen, in denen sie eines Rates bedürfen, direkt an ihn wenden, er wolle ihnen stets zur Verfügung stehen. Jüdische Neger. Im „Raßwjet" wird die folgende intereffante Geschichte erzählt Vor einiger Zeit wurde der Odessaer Arzt Dr. Sapir wegen „unbefugten" Sammelns für den zionistische Nationalfond zu einem Monat Arrest verurteilt. Als er seine Strafe abbüßte, erzählt nun Dr. Sapir. traf er im Arrest mit fünf Negern zusammen, die mit einer Komöüiantentruppe nach Odessa kamen und der Polizei in die Hände fielen. Zu seiner großen Ueberralchung stellte es fich im Laufe des Gesp ächs heraus, daß zwei dieser Neger Juden waren, von denen der eine Isaak und der andere Simson hieß. Isaak stammt aus Sierra-Leona in Westafrika. Sein Großvater, ein englischer Jude, der fich in Afrika niederließ, war Kaufmann und heiratete eine Negerin. Die Kinder, die dieser Ehe entstammten, waren braunfarbig, hingegen ist die zweite Generation bereits ganz schwarzfarbig wie die übrigen Neger und weisen in ihren Gesichtern gar keine jüdischen Züge auf. Isaak, wie auch seine Geschwister wurden nach jüdischem Ritus der Eircumcision unterzogen, hat eine jüdische Erziehung genossen, versteht gut hebräi'ch und zeigt fich sehr stolz auf sein Judentum. Der zweite, Simson, ist selbst nicht mehr Jude, sondern stammt von einem jüdischen Vater, der eine mohammedanische Negerin heiratete und seinen Sohn in der mohammedanischen Religion erziehen ließ. Beide Neger erzählten, daß sie mit jüdischen weißen Mädchen verlobt seien und nach ihrer Heimkehr heiraten wollen. Simson wird aus diesem Anlasse zum Judentume zurückkehreu. Christinnen wollten sie durchaus nicht heiraten. Die beiden Juden-Neger erzählten Dr. Sapir, daß in Sierra-Leona viele Juden wohnen, die daselbst alle Rechte genießen. Die Neger und Engländer leben mit ihnen sehr gut und sie konnten es gar nicht begreifen, weshalb man die Juden in Europa verfolgt. Zurückweisung russischer Juden in Kanada. Wie die Londoner „Times" meldet, haben sich verschiedene europäische und amerikanische jüdische Gesellschaften an das kanadische Einwanderungsamt mit der Bitte gewendet, mehreren tausend russischen- Juden, die infolge der jüngsten Vertreibungen aus Rußland auswandern müssen, einige Konzessionen zu gewähren. Die betreffenden Mischen Gesellschaften erklärten sich bereit, für die Uebersiedlungsspesen aufzukommen und dafür zu sorgen,d aß sie nicht mittellos in Kanada ankommen. Trotzdem die Petition der gedachten Gesellschaften von einflußreicher Seite unterstützt wurde, wurde sie vom kanadischen Einwanderungsamt abschlägig erledigt. Die Einwanderungsbehörde gab ihrem tiefsten Mitgefühl für die Opfer russischen Despotismus Ausdruck, doch bedaure sie nach reiflicher Ueberlegung, die gewünschten Konzessionen nicht gewähren zu können. Vermischtes. KrauzablöfuugSfpeudeu zugunsten derChewra-Fkadtfcha i« Wie» I., Seitenstetteugaffe 4 für arme kranke Glaubensgeuoffen. Anläßlich des Ablebens der sel. Elisabeth Ragen dorfer Von Moriz Keteler K 10. Anläßlich des Ablebens des sel. Hermann W eimann: Von Jacques Renner und Moriz Chlamtatsch K 5. Anläßlich des Ablebens des sel. Friedrich K o h n: Von Josef Sittig L 10, Dr. Sigm. Haberfeld 10, Adolf Deutsch 10, Emil Storch 10. Znsammen K 40. Anläßlich des Ablebens der sel.: Marie D ankovitz: Bon Dr. Fritz^Dankovitz K 20.

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