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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-01 · 26 (1.7.1910) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
26 (1.7.1910)
Date
1910-07-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr. 26 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 442 Charles Netter, der Begründer der Ackerbauschule Mikweh Jrsroßl bei Jaffa, und an erster Stelle Isidore Loeb genannt zu werden, der dreiuudzwanzig Jahre (1869—1692) als Generalsekretär der tatsächliche Leiter der „Alliance" war, die in erster Reihe seinem schöpferischen Geiste und seiner rastlosen Arbeit chren Aufschwung und ihren Ausbau dankt. Wie die „Alliance" ihr Programm zur Ausführung gebracht und was sie innerhalb des Halbjahrhunderts geleistet hat. darf als bekannt vorausgesetzt werden. Aus ihrer Tätigkeit zum Schutze unserer verfolgten Glaubensgenossen, der in den ersten Jahrzehnten ein breiterer Raum gewidmet war, sei die Intervention zugunsten der rumänischen Juden bei dem, Berliner Kongreß (1878) hervorgehoben, deren Erfolg zwar an dem ruchlosen Vertragsbruch der Gewalthaber au der unteren Donau scheiterte, aber darum dennoch eine verdienstvolle Tat bedeutete. Ihr reihen sich zahlreiche andere, namentlich zugunsten unserer Brüder in Rußland, der Türkei, Nordafrika, Persien rc. an. Das Schwergewicht der Wirksamkeit der „Alliance" ist mehr und mehr in ihr Schulwerk verlegt worden, dessen Ausbau sich darin offenbart, daß ihre UnterrichtSanstalten auf 144 mit zirka 48.000 Schülern angewachsen sind. Ueber den Charakter dieser Schulen, zumal den religiösen, zu urteilen, ist hmte nicht an der Zeit und erübrigt sich an dieser Stelle, da unser Standpunkt wiederholt präzisiert wurde. Die Mitgliederzahl, die sich über den ganzen Erdball verteilt, beträgt ungefähr 40.000, welche zirka 210.000 Frcs. an Jahresbeiträgen leisten. Selbstverständlich reicht diese Summe nicht entfernt aus, um auch nur einem kleinen Teil der Aufgaben zu genügen. Beläuft sich ja der Jahresetat auf mehr wie zwei Millionen Francs! Die Aufwendung n werden vorwiegend aus den Zinserträgen der grandiosen Stiftungen bestritten, mit denen Baron und Baronin Hirsch, Sakki Kann, S. H Goldschmidt u. A. die „Alliance" bedacht haben. 7v2 n? D's-u? bn — so lautet das Motto, das die „Alliance" auf ihre Fahne geschrieben hat. Möge es ihr vergönnt sein, von Erfolg zu Erfolg schreitend, ihre Wirksamkeit zum wahrhaften Segen für unsere Glaubensbrüder so fortzusetzen, daß die Gemeinbürgschast der gesamten Judenheit daran Anteil nehmen kann. Berlin. (E r k l ä r u n g.) In den verschiedenen Zeitungen wurde die Nachricht verbreitet, daß die Deutsche Conferen;- Gemeinschast der Alliance Jsraelite Universelle beabsichtige, sich von der Zentrale in Paris loszulösen und eine selbständige deutsche Alliance zu schaffen. Ich erkläre hiermit, wie ich dies auch in der außerordentlichen Tagung der Deutschen Conferenz- Gemeinschaft vom 29. Mai getan habe, daß das Präsidium und der Geschäftsführer der D. C.-G. nicht daran denken und auch nie daran g^acht haben, sich von Paris zu trennen, um die deutsche Abteilung selbständig zu machen und gewiffermaßen eine deutsche Alliance Jsraelite Universelle, unabhängig von Paris, zu schaffen. Ich habe damals erklärt und bin auch noch der Meinung, daß neben dem Hilfsverein der deutschen Juden in Deutschland absolut kein Platz für eine solche selbständige Organisation ist und daß ich als stellvertretender Vorsitzender des Hilfsvrreins der deutschen Juden mein Amt als Präsident der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft sofort niederlegen müßte, falls ein solcher Plan auch nur im entferntesten von irgend einer Seite propagiert werden würde. Daß ich die Absicht hatte, zu demiffionieren, entspricht den Tatsachen, ebenso wie es wahr ist, daß der Geschäftsführer Herr M. A. Klausner seine Demiffion gegeben hat. Die von mir beabsichtigte Demiffion ist einstweilen unterblieben, weil die zwischen Paris und Berlin schwebenden sachlichen Differenzen einer allseitig befriedigenden Lösung sich nähern. B. Timendorfer. Die russische Regierung fürchtet die ausländischen Protestkundgebungen Offizielle russische Blätter bringen die merkwürdige Meldung, daß die russische Regierung ihren diplomatischen Vertretungen im Auslande die Order erteilt habe, auf. die Regie rungen ihres Postens nachdrücklichst einzuwirken, damit alle Protestkundgebungen gegen die jüngsten Judenvertreibungen in Rußland unterdrückt werden. Hoffentlich werden die auswärtigen Regierungen, falls diese offizielle Mitteilung auf. Wahrheit beruht, den diplomatischen Vertretern Rußlands dieselbe Antwort erteilen, die der Chief-Rabbi von England, Dr' Adler dem russischen Konsul in London gab, als dieser verlangte, der Oberrabbiner möge auf die Juden einwirken, daß sie ein angeblich von Juden entführtes jüdisches Mädchen aus Rußland, das zwangsweise der Taufe zugeführt werden soll, dem Konsul ausliefern. Der Oberrabbiner antwortete kurz: „Ich weiß nichts von einem entführten Mädchen. Im Uebrigen, Herr Konsul, bin ich nicht der Spion Rußlands. Die hiesigen Juden'unterstehen gottlob den englischen Gesetzen und nicht den russischen." Sprachs und verabschiedete den Herrn Konsul. Vermischtes. Wien. (Ehrung.) In der am l 9. Juni stattgefundenen Religionslehrer.-Kouferenz nahm der Vorsitzende Herr Schulinspektor Professor M. Kanitz Veranlassung, den am» Kurgebrauche in Karlsbad weilenden Religionslehrer Leopold Schulhof zu seinem siebzigsten Geburtstage zu beglückwünschen, wobei er der großen Verdienste des Jubilars auf dem Gebiete der Schule und des Unterrichtes in höchst ehrenvollen Worten gedachte. Diese sinnige Ehrung gereicht sicherlich dem Jubilar zur Ehre, aber nicht minder ehrt sie den Spender dieser ehrenden Auszeichnung. Herr Schulinspektor Kanitz hat wiederum dargetan, daß er es versteht, feinen Takt mit strenger Gerechtigkeit zu paaren. So lange Männer an der Spitze des Schulwesens stehen, die nicht nur ein leuchtendes Beispiel strengster Pflichttreue geben, die aber auch gegebenenfalls das -Wirken der Lehrer zu würdigen verstehen, ist uns um den gedeihlichen Religionsunterricht nicht bange.. Wien. Vergangenen Samstag fand im Tempel des XX. Bezirkes in der Kluckyzasse die Barmizwah des' Erwin Reiter, Sohn des Tempelvorstehers Herrn Michael und dessen Gattin Kathi Reiter, statt. Der Konfirmand, zur Thora gerufen» verlas selbst die Parascha aus dem Wocheuabschnitte. Nachdem Herr . Oberkautor Baffer einen schwungvollen Mlscheberach rezitiert hatte, richtete Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Armin Aböles an den Konfirmanden eine herzliche Ansprache. Wien. (Die jüdische Mittelschule.) Ueber dieses Thema sprach Rabbiner Dr. Jung aus Ungarisch-Brod am Montag abends im großen Saale des „Baierischen Hof" vor einem gewählten Auditorium länger als eine Stunde in schwungvoller, nahezu hinreißender Weise und dürfte das positive Ergebnis nach dem Anträge des emeritierten Oberlehrers Rieseufeld, der an der Diskussion sich beteiligte, welche auf den interessanten Vortrag folgte, die Bildung eines „Jüdischen Mittelschulvereines" sein, da, wie der ehrw Redner ausführte — die erweiterte Kenntnis der jüdischen Literatur unbedin t zur Hebung des Selbstgefühles und der ethischen Weltanschauung wesentlich beiträgt — zumal in unserer im Allgemeinen den Materialismus und Mammonismus huldigenden Zeit — abgesehen von der herrschenden, gehässigen Strömung, unter welcher namentlich die jüdischen Studierenden an öffentlichen Schulen gar oft zu leiden haben. Geben wir daher der Hoffnung Raum und dem inständigen Wunsche Ausdruck, daß unsere Großen, von nationalem Ehrgefühl beseelt und' erfüllt, zur Kreierung dieser Anstalt ihr Scherflein beitragen! —u. Wien. Das neue Lokal des humanitären Vereines „Einheit" (ll.. Malzgasse 12), seit dessen Eröffnung erst sieben Monate verflossen sind, erfreut sich ungemein zahlreichen Zuspruches, so daß die Vereinsleitung sich bemüffigt sah, die Räumlichkeiten zu erweitern und außer der „Mensa academica" für Studierende, die ebenfalls alltäglich sehr gut besucht ist, wurde heute, am Ki-tow, eine besondere Abteilung mit einem geräumigen, lichten Zimmer eröffnet, welches im Vergleiche mit dem bisher in Verwendung stehenden großen Saale für Herren und Damen gewisse Vorzüge b.'sitzt, namentlich die ruhigere Gemütlichkeit, und werden gewiß auch gebildete und anspruchsvolle Glaubensgenossen fortan von dieser praktischen Neuerung mit Vergnügen öfters Gebrauch machen und diese Abteilung mit ihrem Besuche beehren. —n. Wien. (Todesfall.) Am 28. d. ist hier der emeritierte Schuldirektor Hermann Stein im '93. Lebensjahre gestorben. Er wohnte die letzten Jahre bei seiner Tochter Frau Verta Geiringer, der ehemaligen Sängerin im Theater an der Wien Berta Stein. Der Verblichene, der Ritter der französischen Ehrenlegion war, hat sich um die Kinderpflege in Oesterreich,

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