Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 22 (3.6.1910)
- Date
- 1910-06-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 382 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 32 die Parias behandelt werden dürfen, daß sich keine einzige Hand erhebt, um den Mutwilligen ein „Halt" zuzurufeu, das fällt mit doppelter Wucht auf uns. Und mit welcher Liebe, ja Schwärmerei, wir an diesem Boden hangen, wer wird es uns, die wir doch „inferior" sind, zumuten. Denkst Du noch au die Tränen, die wir zusammen weinten, als wir die römischen Elegien lasen: „Kommet das traurige Bild der Nacht mir in die Gedanken, Welche die letzte für mich war in der heiligen Stadt, Ruf ich die Nacht mir zurück, die von allen Teuren mich trennte, Rinnen Tränen noch jetzt von den Augen hinab." Meine Epistel hat eine Ausdehnung genommen, mehr als ich die Absicht hatte. Auch weiß ich, daß ich zu viel Persönliches Dir mitteile. Doch darfst Du mich jetzt nicht mit dem Maßstab messen, der für gewöhnliche Verhältnisse genommen wird. Wenn Du mir noch schreiben willst, so mußt Du es sofort nach Erhalt dieses tun. Denn sonst begegnen wir uns nicht mehr. — Ob es überhaupt ein Begegnen noch sein wird? Lebe wohl und sei gegrüßt von Deiner Ruth. Literat«». Theodore Roosevelt der einstige Präsident der Vereinigten Staaten, nachdem er im dunklen Erdteil wilde Tiere gejagt hat, hält jetzt seinen Siegeszug durch Europa. Er ist ohne Zweifel einer der universellsten Geister unserer Zeit. Mit einer gründlichen Kenntnis der Geschichte, die sich auf die kleinsten Einzelheiten der deutschen erstreckt, verbindet er die Gabe, bei jeder Gelegenheit die praktische Anwendbarkeit der Lehren der Geschichte auf das politische Leben der Gegenwart zu zeigen — eine Gabe, - die sich am herrlichsten dokumentierte in der schönen Rede, die er bei der Enthüllung des Denkmals Friedrich des Großen in Washington hielt und die mit den denkwürdigen Worten schloß: „Ich bete (I xray), daß in Zukunft diese beiden großen Völker, die durch Blutsverwandtschaft verbunden sind, aneinandergeknüpst bleiben durch die Bande herzlichster Freundschaft und aufrichtigen Wohlwollens." Sein Name ist gerade jetzt in aller Munde, und die Deutschen rüsten sich auf die Ankunft des Freundes und des Gastes unseres Kaisers. Da muß ein Werk als im höchsten Grade willkommen bezeichnet werden, welches soeben im Verlage von Karl C u r t i u s, Berlin W. 35 (Preis M. 3.—, geb. M. 4.—) erschienen ist unter dem Titel: „Theodore Roosevelt, Staats- und Lebenskunst" Das Buch ist wie kein anderes geeignet, um uns in Roosevelts markiger Sprache einen tiefen Blick in die Gedankenwelt, in die Seele dieses seltenen Mannes tun zu - lassen. Das Buch zeigt uns wie Roosevelt über Ehe, Familie, über Erziehung und Unterricht, über Spiel und Sport, über die Pflichten des Bürgers, über Arbeit und Erfolg, Staat und Gesellschaft u. s. w. empfindet und denkt. In dem Buche kommt nur Roosevelt selbst zu Worte,- man muß es gelesen habe», um den Menschen Roosevelt zu verstehen und lieben zu lernen. Dr. Max Kullnick hat das Werk ins Deutsche trefflich übersetzt. Gerade im Hinblick auf seinen Besuch, den er in wenigen Tagen unserem Kaiser abstattet, fei nachdrücklichst auf das verdienstvolle Werk hingewiesen. „Der Wille zuw Leben", so beginnt ein kleines und feines Buch, ein Schatzkästlein für Gesunde und Kranke, welches soeben im Verlage von Karl Eurtius, Berlin W 35, Derflingerstraße 10 erschienen ist unter dem Titel: „Gesu'ndheitsbrevier" von Dr. med. Paul Meißner. Preis 2 Mark. Ein Arzt wendet sich an Hunderttausende von Laien und spendet aus dem reichen Schatz seiner in langjähriger Erfahrung und Praxis gewonnenen Kenntnisse wertvolle Winke, um uns das höchste Gut — die Gesundheit — zu sichern und zu bewahren. Er gibt Fingerzeige über die Hygiene der Arbeit, der Mode, der Toilette, über unsere Kinder und ihre Gesundheit, über die Frage, was und wie man effen soll, über den Takt und über das heikle Gebiet der sexuellen Probleme usw. Möge Keiner die geringe Ausgabe scheuen. Der Verfasser beleuchtet die verschiedensten Gebiete, die für die häusliche Gesundheitspflege in Betracht kommen. Das Buch, leicht faßlich und verständlich geschrieben, vom Verleger geschmackvoll ausgestattet, wird in jeder Familie willkommen sein, weil die wertvollen Anregungen bleibenden Nutzen in weiteste Kreise tragen werden. Briefwechsel zwischen Clemens Brentano und Sophie Merea« Nach den Handschriften zum erstenmal herausgegeben von Heinz A m e l u n g. Mit zwei Bildnissen in Lichtdruck. Leipzig im Insel- Verlag. Gchlftet Mk. 6.—, in Leinen Mk. 8.—. Vorzugsausgabe: 100 numerierte Exemplare auf Bütten, in Leder Mk. 18.—. Die wenigen Proben, die aus dem Briefwechsel Brentanos mit Sophie Mereau bisher bekannt geworden waren, hatten längst in vielen den lebhaften Wunsch geweckt, ihn im ganzen kennen zu lernen. Nun ist es dem Herausgeber gelungen, die Fesseln zu lösen, durch die diese Korrespondenz so lange in Vornhagens Nachlaß in der Königl. Bibliothek zu Berlin' auf Hermann Grimms schroffes Urteil hin als „für die Okffentlichkeit nicht geeignet" sekretiert worden war. Sie wird allenthalben herzliche und begeisterte Aufnahme finden; denn die zwei Menschen, die hier bewußt eine „poetische Liebe" und einen romantischen Roman" zu leben versuchen, haben ohne Frage die schönsten Liebesbriefe jener uns so eng verwandten Zeit, geschrieben. Zugleich erhalten wir hier das erschöpfendste Dokument der ebenso oft gepriesenen wie geschmähten, selten aber liebevoll gewürdigten sittlichen und künstlerischen Bestrebungen vom Anfang des letztvergangenen Jahrhunderts. Im Aeußeren schließt sich die Ausgabe den bekannten Brentanobüchern des Insel-Verlags an. Stephan Hock. Erinnerungen an Ludw. Aug. Frankl. Prag 1910. I. G. Calvesche Hof- und Universitätsbuchhandlung. Die Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen hat durch diese Veröffentlichung nicht nur den Dichter bei der Zentenarfeier seines Geburtstages würdig geehrt, sondern auch ein wichtiges Memoirenwerk der österreichischen Geschichtsforschung beschert. Insbesondere die Wiener israelitische Kultusgemeinde, die, man könnte fast sagen, mit Frankl, ihrem Sekretär, zu Geltung und Ansehen gediehen ist, findet hier manches aus ihrer Vergangenheit festgehalten, was ihrem künftigen Monographen sonst entgangen wäre. Der Vormärz mit all seinen vor allem für die Juden Oesterreichs so drückenden politischen Schikanen, das „große" Jahr, auch die Geschichte mancher älteren jüdischen Familie, wie derer von Hönigsberg. und v. a. erhält hier lebendige Beleuchtung. A. 8. Hölscher G, Landes- und Volkskunde Palä st inas. Leipzig, 1907. G. I. Göschen. Mit acht Vollbildern und einer Karte. M. 0.80. Das Büchlein befriedigt alle Anforderungen, die man an eine wissenschaftliche Behandlung dieses Gegenstandes in knappem Rahmen nur irgend. stellen kann. Es wird auch der neuen Bewegung, die in das Leben Palästinas durch.diejüdischen K-olpnisationsbestreLuugen^ getragen wird, vollauf gerecht. Der Index ist sehr willkommen, diO ' Ausstattung vorzüglich. A. S. Neue Bücher. „Die Quelle". Die am 1. Juni d. I. erschienene Doppelnummer (9 und 10) gilt den österreichischen D.chterinnen Marie von Najmajer und Herma v. Skoda. Erstere wird durch die autobiographische Erzählung „Bei den Schwestern Fröhlich" (aus Grillparzer's Zeit), sowie durch herrliche Gedichte und die mit Bild versehene Eharakteristik von Else Kastner-Michalitschke näher gebracht, wogegen Viktor Orendi-Hommenau (Temesvar) der gleichfalls im Bilde vorgeführten, jungen anderen Dichterin eine liebevolle Würdigung zuteil werden läßt. Ungedruckte Beiträge von Franz Herold, Ernst von Wildenbruch, Regierungsrat Freund, Josef Kühr, I. K. Ratislaw und dem Herausgeber Robert Reinhard, Parabeln von Marie von Ebner-Eschenbach, aus dem Nachlaß herrührende „Einfälle und Schlagsätze" von Ludwig Anzengruber bilden nebst der so wichtigen Rubrik „Gegen den Strom", der reichhaltigen „Heiteren Ecke" und zahlreichen Buchbesprechungen den Inhalt der Doppelnummer, deren Umfang durch den in diesem Jahrgang abzuschließenden Roman Stephan Milows „Verlorenes Glück" bedingt ist. — Da das den III. Jahrgang abschließende letzte Doppelheft am 1. August d. I. erscheint und Nud. Hans Bartsch gelten soll, sei wegen geringen Restbestandes nochmals dringend Jahresabonnement (4 K. franko) empfohlen. Verlag: Wien, III., Beatrixgaffe 14 b. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Herausgegeben von Leo Winz. Verlag Ost und West. Berlin W. 8. Organ der .Deutschen Konferenzgemeinschaft der „Alliance JsraLlite Universelle". Heft Nr. 5. X. Jahrgang. Mai 1910. Inhalt: Der Zweck der Alliance-Schulen. — Constantin Brunner (mit Porträt). — Ernst Altkirch: Die Juden Nordafrikas, ihre Verbreitung und Abstammung (mit sieben Illustrationen). — Ernst v. Hesse- Wartegg: Die deutsche Bibel. Ein Versuch. — M. A. Klausner: „Der Moloch", Trauerspiel in. drei Aufzügen, III. (Schluß.) — Leo Birinski: Luigi Luzzatti. (Mit Porträt.) — Schach: Dr. Eman. Lasker. — Mitteilungen aus dem deutschen Bureau der „Alliance Jsraälite Universelle": Jahresbericht des Direktors Albala von der Alliance-Schule in Bagdad. Das Schuljahr 1909 in Hamadan (Persien). Habibs Rabbs Dr. Adolf Lewin. (Mit Porträt.) Dr. M. Koebner. — Notizen.