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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-06-03 · 22 (3.6.1910) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
22 (3.6.1910)
Date
1910-06-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 380 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 22 gibt kein Gebiet öffentlicher Tätigkeit, auf dem man Herrn Dr. Kohner nicht schon im ersten Vordertreffen begegnet wäre. Als Chef eines großen und alten Hauses, als Mitglied der Verwaltung eines der größten Kreditinstitute der Monarchie, als MiLinteressent hervorragender Industrien und als Besitzer weitläufiger Domänen entfaltet er seit vielen Jahren eine ebenso ausgebreitete, als mannigfaltige und erfolgreiche Wirksamkeit auf wirtschaftlichem Gebiete. Dabei bewahrte er sich, selbst ein Künstler, die volle Empfangsfreudigkeit für alle Darbietungen der Kunst und der Literatur. Sein Haus ist ein aus erlesenem Geschmack und mit Aufwendung großer Mittel angelegtes Museum für nationale und fremde Kunst. Er schuf die Szolnoker Malerkolonie, und sein Name ist überall anzutreffen, wo es gilt, der Kunst und den Künstlern die bei uns noch sehr nötige Förderung angedeihen zu lassen. Ein Mäcen im edelsten Sinne des Begriffes. Hofrat Dr. Kohner ist Mitglied der Repräsentanz der Budapester israelitischen Kultusgemeinde und steht auch an der Spitze zahlreicher jüdischen Institutionen, wie auch anderer allgemeiner Vereinigungen, deren Ziel und Zweck die Hebung der Humanität ist. Freiwaldau. Am 27. v. M. besuchte der Herr Landespräfident Graf Max Coudenhove in offizieller Weise die Stadt Freiwaldau und wurde auch eine Deputation der israelitischen Knltusgemeinde unter Führung des Vorstehers Herrn Sigmund Brau« in leutseligster Weise empfangen. Müuchengrätz. Herr Adolf L i ch t e n st e r n, der seit 15 Zähren der Kultusgemeinde, dem Kultusaus schufst an gehört und seit 6 Jahren das Amt des Armenvorstehers und Kultusvorsteherstellvertreters bekleidete, ist von hier nach Wien überfiedelt; «ur ungern steht die Knltusgemeinde diesen Mann aus ihrer Mitte scheiden, da durch den Verkauf seines Restaurants in andersgläubige Hände die Kultusgemeinde einen nicht unerheblichen Schaden erleidet. An Stelle des Herrn Lichtenstern wurde in der Ausschußfitzung vom 23. v. M. Herr Georg Brada, Steiuindustrieller, einstimmig zum Vorsteherstellvertreter gewählt. Müuchengrätz. Wir ersuchen um Aufnahme folgender Warnung: Seit einiger Zeit werden Kultusbeamte, auch Privatpersonen von einer vornehm aussehenden Dame belästigt, welche jedoch mehr Hochstaplerin zu sein scheint. Diese, angeblich eine Frau Kraus, erzählt eine» ganzen Roman. Ihr Gatte, bei der Firma „Wolf", Weinhandlung in Wiener-Neustadt, habe sie schnöde verlassen und lebe mit einer anderen in Ziegenhrls (Preußisch-Schlesien). Sie wäre in großer Not und benötige, um an ihren Bruder depeschieren zu können, Geld und verlangt auch direkt einen gewissen Betrag von nicht unbeträchtlicher Höhe. Da diese Dame rm Vorjahre hier einige Familien auf diese Weise düpiert hat und diese Woche wieder in anderen hiesigen Familien mit demselben Romane in aufgeregter theatralischer Weise das allgemeine Mitleid erregen wollte, so wollen diese Zeilen den verehrliche» Kultusgemeinden zur Warnung dienen. Prag. (Trauung.) Mittwoch den 8. Juni 1910 um 12'/z Ühr vormittags findet in der Klaussynagoge Prag die Trauung des Fräuleins Recha Ehrenfeld, Tochter des Herrn Oberrabbiners Dr. Ehrenfeld in Prag, mit Herrn Alexander Danzig er, Gesellschafter der Firma Danziger u. Wosner aus Wien, statt. Prag. (T o d e s f a l l.) Im Alter von 73 Jahren starb am Sonntag den 29. Mai Herr Oberkantor Salomon Alor. Der Dahingeschiedene war in Sillein in Ungarn geboren, wurde im August 1875 von Budweis, wo er als Kantor kurze Zeit wirkte, nach Prag in dem Tempel des Vereines für geregelten Gottesdienst der Israeliten in Prag berufen. Seit 35 Jahren wirkte der Dahingeschiedene mit unermüdlicher Pflichttreue seines Amtes. Nicht nur als Tenorist war er ein stimmbegabter Sänger, sondern auch als Chasen hatten seine liturgischen Vorträge eine andachtsvolle Gemeinde. Bei seinem Leichenbegängnisse, welches Mittwoch den 1. Juni vor der Ceremonienhalle der israelitischen Friedhöfe Prags stattfindet, wird der Prediger der Tempelgemeinde Herr Emarmel Schwarz einen Nachruf halten. Am Grabe wird dann der Präsident Herr Dr. Ludwig Beudiner im Nameu des Vereines sprechen. Herr Mirsky. der Kantor der Tempelgemeinde. hat die Funktionen in der Ceremonienhalle übernommen, worauf die in Prag anwesenden Kantoren der sämtlichen Synagogen Prags vereint mit dem Tempelchor die Trauer-Psalmen abfingen werden. Teplitz-Schönau. (Pensionatsfest R. L C. Altschul.) Das diesjährige, am verflossenen Sonntag im „Lindenhof" abgehaltene Pensionatsfest wurde durch einen warm empfundenen Prolog eingeleitet, worauf die jungen Sängerinnen das Chorlied „Ein Walzertakt, ein Polkaschritt" mit einer Frische zu Gehör brachten, die nur die bewährte Leitung der Frau Henr. Felsmann hervorzubringen vermag. Ebenso erntete ein anerkennenswerte Gewandtheit und Schneidigkeit dartuendes Stabturnen verdienten Beifall, ein schöner Erfolg des unermüdlichen Turnlehrers Herrn Herm. Vater, der seine Zöglinge so wohl zu meistern weiß. Die französische Oomeäie paetorale von A. Daudet „La Bete ä Bon Dien et le Papilion Bleu“ wurde mit vollem Verständnis und schönem Akzent borgetragen. Die beiden Sprecherinnen sowie die kleinen Tänzerinnen in ihren reizenden Kostümen entledigten sich ihrer Aufgabe so gut, daß die Jnstitutslehrerin Mlle. Marguerite Henrard ihre Freude daran haben konnte. Dem verständnisvollen und in seiner Einfachheit wirkungsvollen Vortrag des Liliencron'schen Gedichtes „Das taubstumme Kind", sowie dem flott gespielten Rondo von C. M. v. Weber folgte rauschender Beifall. Die englische Sprache war durch ein schön gesprochenes Gedicht „Casablanca" von Felicia Hemans besonders vorteilhaft vertreten. Munteres Leben brachten Anne und Hanne, welche den ..dienenden Geist" von Stadt und Land in drastischer Komik vertraten. Das Duett aus „Boccaccio" war eine treffliche Gesangsnummer, die hellen weichen Stimmen, die wir da hörten, schmiegten sich dem Italienischen schön an. Anerkennenswerte Geläufigkeit und musikalisches Verständnis ließ sich bei dem Klaviervortrag „W'llensang" wahrnehmen und man erfreute sich an der edlen Verkörperung und schwungvollen Deklamation der Mosenthalscheu Dichtung „Die drei Schwestern". ..Altschul's Rangen in Dichtung und Wahrheit" zeigten sich gar nicht übel: die übermütigen Zöglinge, die gestrengen Lehrerinnen, die immer gute Vorsteherin, die Märtyrerin Luise wurde köstlich dargestellt; besondere Heiterkeit erweckte Herr stud. med. Franz Ekstein, als brummiger Hausmeister. Eine besonders gelungene Darbietung war auch die Operette „Der Damensängerkrieg" von H. Burwig; unter den internationalen Sängerinnen war die Wahl schwer, alle die durchwegs schönen Trachten sangen gut und jede verdiente den Lorbeer. Großen Beifall errang das Ballett „Die vier Jahreszeiten": Im „Frühling" wiegten sich holde Elfen im Reigen, der „Sommer" wurde durch eine entzückende Gavotte versinnlicht, eine Bauernhochzeit und der Reigen der Winzerinnen charakterisierte den „Herbst" in. farbenfrohem Bilde, und das „Kostümfest auf dem Eise" stellte eine gelungene Verkörperung des Wintersports dar. Eine Polonaise vereinigte zum Schluß alle Mitwirkenden auf der Bühne. Mit Absingnng der Volkshymne schloß der offizielle Teil des Festes, das als sehr gelungen zu bezeichnen ist. Wahlen in Bosnien. Sarajewo. Bei den Wahlen in den bosnischen Landtag wurde der Kandidat der spaniolischen Juden, der Bankier Salom gewählt. Berlin. Herr« Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Senator ist der Rote Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub, Herrn Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Hermann C o h e n-Marburg der Rote Adlerorden zweiter Klaffe verliehen worden. Berlin. Dem Orientalisten Herrn Dr. Moritz Sobernheim ist der Charakter als Professor verliehen worden. Die Preisverteilung am Petersburger Konservatorium. Vorige Woche fand am Petersburger kaiserlichen Konservatorium die feierliche Preisverteilung anläßlich der Jahresschlußfeier statt. Mit Ausnahme eines einzigen Hörers — eines Polen — sind sämmtliche Ausgezeichnete Juden. Auch die Musikstücke, die bei der Feier zur Aufführung gelangten, waren Werke jüdischer Schüler des Konservatoriums. Der Konservatorist Markus Pischnoff erhielt außer der goldenen Medaille ein Klavier im Werte von 1000 Rubel. Der Geiger P i a st r o und der Harfenkünstler Jurmann erhielten goldene Medaillen. Das Stipendium zur Fortbildung im Auslande erhielt I. S t e p i n s k i, der im Vorjahre die erste Prämie erhalten hatte und mit Rücksicht auf seine hervorragenden Fortschritte jetzt mit dem Fortbildungsstipendium. ausgezeichnet wurde.

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