Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-05-20 · 20 (20.5.1910) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
20 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021873-3021894--19292-3044266
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 20 Seite 346 leiden. Dr. Adler hat sowohl das Totengebet für König Eduard, als das rührende Bittgebet für die königliche Familie, wie den Trauergottesdienst, der in sämtlichen Synagogen des Reichs am Begräbnisfreitag. 20. Mai, um 4 Nachmittags, stattfindet, zusammen gestellt. Der Trauermarsch aus Händels Saul wird dabei ebenso gespielt werden, wie beim Begräbnis in Windsor. Noch ergreifender als im eleganten Viertel gestaltete sich im Ostende Londons, in dem zumeist eingewanderte Juden wohnen, Freitag den 20. Mai, der Gottesdi«ist. Minutenlanges Schluchzen der Gemeinde Unterbrach den Rabbiner Schawzik, als er bekannt gab, dah eine Depesche König Eduards, vierzehn Tage vor seinem Tode die Vertreibung der Juden aus Kiew verhindert hat. Er hob hervor, dah die Masseneinwanderung der vertriebenen Juden nach Engand unter Königin Victoria und König Eduard nicht stattgefunden habe, weil in England das Geld auf der Gasse liege, wie die Gegner sagen, sondern, weil diese beiden Monarchen, die beide Juden zu persönlichen Freunden hatten — König Eduard war auf den Schlössern der jüdischen Aristokratie ebenso zu Gast, wie auf denen der heimisch-englischen — die Beschützer der bedrängten Juden auf der ganzen Welt gewesen sind. Wir trauern dreifach, als Bürger Englands, als Kaufleute, um den Friedensstifter, als Juden um den König, der gern jeden Unterschied zwischen uns und seinen andern Untertanen verwischt hätte. Mit dem Gebet, daß es König Georg dem V. gelingen möge, das von der Grohmutter und dem Vater überkommene Werk der vollständigen Gleichberechtigung der Juden glorreich zu vollenden, schloß Rabbiner Schawzik seine Rede. Die frarrzSfischerr Parlamentswahleu. Unter den 2600 Kandidaten^ die sich bei den letzten französischen Parlamentswahlen um ein Mandat bewarben, befanden sich 26 Juden, d. h. 1 Perzent. Außer den vier früheren Kammermitgliedern: die Brüder Josef und Theodor Reinach, Klotz und Louis wie z. B. Levi Uhlmann, Andreas Heß, Jules Noy und Rothschild-Mändel. Letzterer ein politischer Freund und Mitarbeiter Clemenceaus. Beachtenswert ist, daß im letzten Wahlkampf zum erstenmale auch Juden aus Rußland kandidiert haben: Dr. Winawer, ein Verwandter des bekannten Petersburger Rechtsanwaltes,. Gymnasiallehrer Leon Rosenthal, Fabrikant Bokauowski u. s. w. Von den älteren Deputierten ziehen mit Ausnahme von Louis Dreyfus wieder alle ins Parlament und als Neuer Andreas Heß. Ei« Kongreß der Karaiten. Wie „Rjetsch" berichtet, hat der oberste Rabbi der Karaiten in Rußland von der Regierung die Erlaubnis erhalten, im Juli und August dieses Jahres am Sitze des geistlichen Oberhauptes der Karaer, in Eupatoria, einen Kongreß dieser Religionsgesellschaft abzuhalte». Es find Unterhandlungen im Zuge, daß der Besuch dieses Kongresses auch Delegierten der außerhalb Rußlands buchenden Karaergemeinden möglich gemacht und der Kongreß «ms diese Weise zu einem allweltlichen Kongreß der Karaer gestaltet werde. Russische Brutalität. Ans verschiedenen russischen Städten langen Meldungen «n, wonach die Polizei überall von den Leitern der Krankenhäuser bindende Erklärungen unterfertigen laßt, daß Juden, die in den betreffende« Städten kein Wohnrecht besitzen oder ein solches nicht Nachweisen können, iu die Spitäler nicht ausgenommen werden. Auf diese Weise werden die Leiter der Spitäler gezwungen, der Polizei Spitzeldienste zu leiste«. Botschafter Oskar Straus Leim Seder. Wie aus Konstantinvpler Blättern jetzt bekannt wird, war der amerikanische Botschafter Oskar Straus samt Familie während der beiden Sedetabeude der Gast des Chacham Baschi Rabbi Chaim Nahum. Am zweiten Abende war auch der auf der Durchreise begriffene geschäftsführende Vizepräsident des Hilfsvereines der Deutschen Juden Dr. Paul Nathan als Gast anwesend. Ein neues Buch von Israel Zangwill. Londoner Tagesblätter kündigen an, daß im Herbste dieses Jahres unter dem Titel „Jtalian Fantasies" ein neues Buch Zangwills erscheinen werde. Zangwill, der jetzt in Italien weilt, wird in diesem Werke sich auch über die ältere und neuere Geschichte der Juden in Italien aussprechen. „Little Aliens". Unter dem Titel „Little Aliens" (Kleine Fremdlinge) ist in New-Iork bei Charles Scribners Sou ein interessantes, reichhaltig illustriertes Buch erschienen, das die Schriftstellerin Myra Kelly zur Verfasserin hat. In neun Skizzen wird das Leben und Treiben der Kinder im New-Iorker Ghetto in anregender Weise dargestellt. David Wolffsohn in Amerika. Die Federation der amerikanischen Zionisten haben an den Präsidenten des zionistischen Aktionskomitees Herrn David Wolffsohn eine Einladung ergehen lassen, im Herbste nach Amerika zu kommen. Herr Wolffsohn hat die Einladung angenommen und wird voraussichtlich die Reise in Begleitung des Dr. Franz Oppenheimer unternehmen. Die Jahresversammlung der Federation dürfte im Herbste in Pittsburg abgehalten werden. Der türkische Kronprinz Gast eines jüdischen Vereines. Die jüdische Vereinigung „Fcaternite Jsraelite" in Konstantinopel veranstaltete dieser Tage einen großen Gesellschaftsabend, an welchem auch zahlreiche hohe Beamte des Zivil- und Militälstandes, sowie mehrere Parlamentarier teilnahmen. Im Verlaufe des Abends erschien der Kronprinz Zia Aldiz mit der Suite, verblieb längere Zeit in der Gesellschaft und ließ sich beim Cercle verschiedene Persönlichkeiten der Konstantinvpler Judenschaft vorstellen. Der auch im Auslande bekannte Dr. Riza Tewfik Bey und Schriftsteller W. Zabotinsky hielten enthusiastische Reden über die Verbrüderung der Juden mit den Türken. Vermischtes. Wien. Sonntag den 29. Mai feiert Herr Gustav Breuer, Sohn des seligen Rabbiners Josef Breuer, mit seiner Gattin Berta geborenen B r i ck das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Gustav Breuer hat als Herausgeber des Kurortealbums, welches bereits 21 Jahre besteht, den Fremdenverkehr bedeutend gefördert. Das Ehepaar erfreut sich allgemeiner Sympathie. Wien. (Trauung.) Donnerstag den 26. Mai, halb 4 Uhr nachmittags, findet im Tempel, VI., Schmalzhofgaffe, die Trauung des Fräulein Dora Schüller, Tochter des Herrn Ernst Schüller, mit Herrn Robert Pfeiffer, Sohn des Herrn Hermann Pfeiffer, statt. Wien. Herr Rudolf Kohn, bisher Lehrer an der israelitischen Volksschule in der Malzgaffe, wurde zum Direktor des neuen Waisenhauses in Döbling ernannt. Wien. Am Samstag den 14. d. M. wurde im Josefstadter Tempel VIII., Neudeggergaffe 12, die goldene Hochzeit des Ehepaares Alexander Bloch gefeiert. Nach einer erhebenden Festrede des Rabbiners Herrn Dr. Bauer und nach einem vom Kantor Grob äußerst schwungvoll zum Vortrage gebrachten Mischeberach überbrachte Herr Gemeinderat Stahlich dem Jubelpaare die herzlichsten Glückwünsche des Bürgermeisters der Stadt Wien Herrn Dr. Josef Neumayer, ferner des Reichsratsabgeordneten Herrn Dr. Hetlinger, des Bezirksvorstehers für den VIII. Bezirk Herrn Berganer, an die er auch seine eigene Gratulation schloß. Zum Schluffe überbrachte der Vizeprases des Josefstädter Tempelvereines Herr Architekt Moder« die Glückwünsche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.