Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 18 (6.5.1910)
- Date
- 1910-05-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 816 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 18 Der Mädchen- und Frauenverein „Krankenbesuch" („Bikur Chauliw") h'elt Donnerstag den 12. Mai d. I., 7 Uhr abends, im Sitzungssaatc der israelitischen Kullusgemcinde, I., Seitenstettengafse 4, seine VlI. ordentliche Generalversammlung ab und sind die P. T. Mitglieder höflichst hiezu eingeladen. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner D. Feuchtwang äußerte sich über den Verein: Dieser überaus notwendige Humanitätsverein entwickelte im abgelaufenen Jahre mit erneuten Kräften seine segensreiche Tätigkeit, hilflosen, israelitischen Kranken in den Wiener Spitälern allwöchentlich Besuche ahzustatten, mit Len armen Verlaffenen freundliche Zwiesprache zu halten und ihre etwaigen Wünsche m erfüllen. Es ist diesen Bedauernswerten gewiß auch ein erhebender Trost, zu wissen, daß sie, rekonvaleszent, in diesem Vereine einen Stützpunkt finden, und ein wackerer, unermüdlicher Vorstand ist stets bemüht, in diesem Sinne zu wirken. Mögen doch edle Menschenfreunde diese Tendenz unterstützen! Wien. (Todesfall.) Unter sehr großer Beteiligung fand am 29. v. M. das Leichenbegängnis des Religionslehrers der israelitischen Kultusgemeinde und städtischen Lehrers Josef Schwarz statt. Rabbiner Doktor Grunwald hielt eine ergreifende Trauerrede, in der er die Lehrtätigkeit des Verstorbenen und dessen Opferwilligkeit und Anspruchslosigkeit rühmend hervorhob. Die kantoralen Funktionen versah in erhebender Weise Herr Oberkantor M. Schorr. Unter den Trauergästen befanden sich die Herren: Inspektor Dr. Langfelder, Amtsleiter I. Braun, die dienstfreien Religionslehrer, ferner aus der Mädchenbürgerschule im XII. Bezirk, Migazziplatz, an der der Verstorbene lange Jahre als Lehrer wirkte, eine Deputation mit einer Kranzspende. Austritte aus dem Judentum Vom 24. bis 30. April 1910. Hirschler Hermann Friedrich, Annonceninstituts - Inhaber, geb. 17. Dezember 1876, Wien, VIII., Lederergasse 25. Kohn Robert, Federnhänller, geb. 29. Oktober 1884, Wien, VII., Schottenfeldgasse 17. Krakauer Josefine, Private, geb. 30. August 1882, Nikolsburg, II, Sterneckplatz 5. Löwy Johanna, Private, geb. 10. August 1888, Budapest, I.. Schönlaterngasse 11. Matzal Robert. Tapezierergebilfe, geb. 13. Juni 1885, Wiener- Neustadt, XVIII., Staudgasse 62. Nagelstock Hedwig, Private, geb. 15. Jänner 1876, Wien, VIII., Feldgasse 13. Salomons Charlotte, Private, geb. 24. November 1866, Weener, Ostfried, Hannover, I., „Hotel Bristol". Siegeibaum Helene, Kontoristin, geb. 10. Februar 1881, Wien, VII., Mariabilferstrasse 112. Tausky Ida, geb. 19. Jänner 1875, Wien, VII., Hermanngasse 33. Weiss Jakob, Dienstmann, geb. 27. Mai 1666, Damboritz (Mähren), XVIII., Gentzgasse 19. Weiss Kathi, Bedienerin, geb. 1871. Szered, II., Rueppgasse 4. Falkeuau a. d. Eger. Am 1. Mai l. I. feierte Herr Karl P o l l a k, Fabrikant und langjähriger Tempelvorsteher in Falkenau, im engsten Familienkreise seinen 60. Geburtstag. Herr P o l l a k, der unter anderem auch Bürger dieser Stadt und Obmann der hiesigen Beerdigungsbrüderschaft „Chewra-Kadischa" ist, hat sich durch sein Wirken eine ehrenvolle Stellung gesichert. Aber auch in nichtjüdischen Kreisen erfreut sich der Jubilar des größten Ansehens und besonderer Beliebtheit. Holleschau. Am 2. Tag Peffach feierte der allgemein geschätzte Tempelvorsteher Herr Moritz Grün in seltener körperlicher und geistiger Frische sein 70. Geburtsfest. Aus diesem Anlaffe war derselbe Gegen- .stand herzlicher Ovationen. Beim Gottesdienste wurde Herr Grün zur Thora gerufen, wobei Herr Kantor Braunfeld einen eigens für diesen Anlaß verfaßten Mischeberach in würdiger Weise vortrug. Nachmittag fanden sich in der Wohnung des Herrn Grün Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Freimann mit dem ganzen Kultusvorstand, der Vorstand der Chewra-Kadischa, der Talmud-Thora-Vorstand mit dem Lehrkörper und viele andere Gratulanten ein. Herr Rabbiner Doktor Freimaun hielt an den Jubilar eine herzliche Ansprache, in der er die mannigfachen Verdienste des Herrn Tempelvorstehers hervorhob. Die Kinder des Jubilars spendeten aus diesem Anlasse ein sehr schönes Porauches aus dem Atelier des Buchhändlers I. Schlesinger in Wien. Fraueuberg. Am 23. v. M. starb Herr Philipp Stein im 74. Lebensjahre. Mit ihm ist ein Mann noch aus der alten guten Zeit des Judentums heimgegangen. Von bescheidenen Anfängen hat er das von ihn gegründete Unternehmen (Faßbinderei) zu einem der ersten unserer Monarchie erhoben. Ein ausgezeichneter Kenner unseres Schrifttums, unterstützte er alle Institutionen, Vereine rc., welche die Förderung jüdischen Wissens, jüdischen Geistes erstreben. In unserer Gemeinde bekleidete er jahrzehntelang das Amt des Vorstehers und ihm ist die Erhaltung des religiösen und jüdischen Sinnes in unserer Gemeinde meistens zu danken. Seine sterblichen Reste wurden am 26. v. M. unter allgemeiner Beteiligung von Nah und Fern am hiesigen Friedhof beigesetzt. Die ausgezeichneten Verdienste des Verstorbenen als Mensch und als Jude würdigte am offenen Grabe Herr Rabbiner Dr. Karl Thieberger aus Budweis in deutscher und Herr Rabbiner S. Kraus aus Wodnan in tschechischer Sprache. Kleinster. Vergangene Woche verstarb hier im hohen Alter von 87 Jahren Herr Adolf Knöpfelmacher, der sich ob seines einfachen und schlichten Charakters allgemeiner Sympathien erfreute und einen warmen Nachruf von Herrn Rabbiner Dr. Frankl Grün erhielt. Budapest. (Kaiserliche Auszeichnung.) Das heutige Amtsblatt meldet die Ernennung des Herrn Josef Engel de Janosy, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Fünfkirchen (Pecs) zum königlich ungarischen Hofrat. Paramaribo (Niederländisch-Guiana). Die niederländische Regierung hat Herrn David da Costa, den ehemaligen Präsidenten des kolonialen Parlaments und langjährigen Vorsteher der jüdisch-portugiesischen Gemeinde zu Paramaribo, zum Präsidenten des obersten Gerichtshofs der Kolonie ernannt. Feuilleton. Jünglingsjahre. Roman von Hermann Blumenthal. (Schluß) XXIV. Der Rekrut.-Ende. Es kam der Herbst und die Blumen welkten. Noch brannte die Sonne an manchen Tagen heiß, aber es war nur wie ein letzter Gruß des Sommers, der mit grünem Laub und Vogelfang und mit den stillen, warmen Tagen von dannen ging. Die Luft war abwechselnd hellblau und grau und dänunernd und die Wiesen prangten in den bunten Farben des Herbstes. — — Ein Wind erhob sich, schüttelte die Bäume und trieb die Blätter vor sich her. Er stöhnte durch die kahlen Zweige und verjagte das letzte Laub... Dann kam der Herbststurm mit Wind und Regen und peitschte den Boden. Er warf sich auf Büsche und Bäume und raste durch Dörfer und Städte, daß es gegen Häuser und Fenster schlug und in den Dachrinnen rauschte.- — Es war ein regnerischer Herbstmorgen, als Dawid in die Garnisonsstadl reiste. Mit dem Koffer in der Hand ging er durch die nassen, trostlosen Straßen. Vor ihm lag alles schwarz und traurig. Aengstlich betrat er den Kasernenhof. Vor der Regimentskanzlei warteten bereits viele Rekruten. Sie wurden angekleidet und die lange Lehrzeit begann... — Draußen war es finster und kalt und die Uhr zeigte die vierte Morgenstunde. Da riß der Jnspektionsgefreite die Tür auf und schrie das eine . Wörtchen: „Auf!" Man sprang aus den Betten und die Lampe wurde angezündet.