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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-29 · 17 (29.4.1910) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
17 (29.4.1910)
Date
1910-04-29
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nl. 17 Dr. Blochs Wochenschrift. Seitr 303 primitiven Religionen; eine vulgäre Vollsmetaphysik, die sich im Laufe der Jahrtausende verdichtete zum Polytheismus und zuletzt im biblischen Monotheismus den Kulminationspunkt erreichte. Der Fortschritt der Religionsgeschichte bewegte sich wesentlich um den Kampf zwischen dem alten Naturalismus und dem höheren sittlichen Ideal. Für dieses kämpften überall die ernsten Denker und Propheten, aber sie drangen nur selten durch, bei der Menge blieb es meistens bei unbestimmten Kompromissen, dem „Hinken nach beiden Seiten"^, über das ein Zara thu stra nicht weniger alsein Elia zu klagen hatte. Pfleiderers Darstellung der Neligionsgeschichte ist eine ethnologische (nach Rasse und Völkern) mit chronologischem Einschläge. Doch ist dieses ethnologische System nicht genau genommen, denn alle Religionen der primitiven Menschen lassen sich auf e i n Prinzip, auf eine Entstehungsart zurücksühren. Nur steckt in jeder Nasse eine besondere Art, dieses gemeinschaftliche, religiöse Prinzip zu finden. Der Satz zum Beispiel „Die Furcht ist die Mutter aller primitiven Religionen" hat eine ganz andere Bedeutung bei den Chinesen oder Babyloniern, als bei den alten Griechen und Römern. Das Gemeinschaftliche aber ist die Idee. Die Ausgestaltung nnd die weitere Entwicklung dieser Idee ist das Wesentliche, worin der Unterschied und der Fortschritt bestehen. S i s s e k. Dr. B e n n o H e i s z, Bezirksrabbiner. Ed. Fuchs. Die galante Zeit. (2. Band der Jllustr. Sittengeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart.) Vollständig in 20 Lieferungen h 1 M. München 1910, Albert Langen. Nach der Behandlung der Renaissance im ersten Band kommen in dem vorliegenden das Barock und Rokoko zu Worte. Eine schier unübersehbare Fülle mit erlesenem Geschmack ausgewählter Illustrationen nach den besten Meistern bietet dem Text keine geringe Schwierigkeit, unter all dem üppigen bunten Ranken- und Blütenwerk des Buchschmuckes sich geltend zu machen. Doch schon diese ersten Lieferungen zeigen den Verfasser wieder auf der Höhe seiner feinen Beobachtungsgabe und in der vollen Meisterschaft künstlerischer Darstellung. Wenn auch gewiß nicht jeder in allem seinen der Richtung Kautsky huldigenden Standpunkt in der Kulturauffassung teilt, solche Wahrheiten, die so manchen Halbgott der Menge des angedichteten Nimbus entkleidet und von mancher eindringlich ausposaunten Großtat die Kehrseite der Medaille zeigen, sie müssen, in dieser populären gefälligen Form ins Volk getragen, reinigend wie ein Gewitter wirken. Für die jüdische Kulturgeschichte ergibt sich-aber aus diesen ungetünchten Sittenbildern der sogenannten zivilisierten Menschheit erst der rechte Maßstab zur moralischen Bewertung der damals so verachteten Ghettoleute auf der einen und ihrer stolzen Zwingherren auf der anderen Seite. x. Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg. Ins innerste Afrika. Leipzig 1910, Klinkhardt und Biermann. Mk. 14, geb. Mk. 15. Das herrliche Buch bedeutet nicht allein für die Wissenschaft, sondern ebenso für die deutsche Nationalliteratur eine wertvolle Bereicherung. Zum Teil auf den Spuren eines anderen Forschers aus fürstlichem Geblüt, des kühnen Herzogs der Abruzzen, wagt sich ein deutscher Fürstensohn an eine Entdeckerfahrt, die den höchsten persönlichen Mut und die schwersten Entbehrungen fordert, oft am Abgrund ernstester Gefahr knapp vorbeiführt. Sie läßt seine „Gedanken weit hinausschweifen zu denen, die jetzt in kalter Winterzeit bei rauschenden Festen und mehr oder minder anregenden Gesellschaften die konventionellen „Vergnügungen" der Saison durchzukosten hatten. Wie wenig beneidete ich sie! Wie viel zufriedener machte mich die Aufgabe, die ich mir selbst gestellt hatte! Wie begeisterte niich der Gedanke, durch Erschließung neuer Gebiete und durch die Forschungen meiner Mitarbeiter Positives wirken zu können, Lücken in der Wissenschaft auszufüllen und beständig meinen Gesichtskreis erweiternd, die törichten Nichtigkeiten des alltäglichen Lebens zu vergessen." (S. 350.) Seite 304 heißt es: „Einen Löwen zu erlegen angesichts eines tätigen Feuerberges! Wer hat wohl Gleiches erlebt? Das gewaltigste Raubtier zu bezwingen unter der Zeugenschaft des gewaltigsten Schauspiels, das die Natur zu bieten vermag. Wem wurde ein ähnlich:s Glück?" Uud ein andermal (S. 231): „Die Minuten, die ich jetzt erlebte, gehören nicht gerade zu meinen angenehmsten Reiseerinnerungen." Diese Proben sprechen kräftiger als alles Lob für die hohe Gesinnung und zugleich für die fesselnde Darstelluugskunst des Verfassers. Afrika fängt dank solcher Arbeiten an, nicht nur interessant, sondern auch den breiteren Schichten des Volkes bekannt zu werden. Unterstützt haben die Forschungsreise unter anderen Baron v. Goldschmidt-Rothschild, Dr. Karl Sulzbach, L. M. Goldberger, Dr. Georg v. Caro, v. Friedländer-Fould (als Schatzmeister der Berliner Gruppe). Mit Rücksicht auf solche Förderer jüdischer Herkunft empfiehlt es sich, in einer neuen Auflage die Stelle von dem „mosaischen" Aussehen des darum „Rebeckchen" genannten Affen (S. 428) wegzulassen. R. Neue Bücher. Dr. Israel SchaHiro. Maimüni's Mischnah Kommentar zum Traktat Arachim. Arabischer Urtext auf Grund von zwei Handschriften zum ersten Male herausgegeben und mit kritischen und erläuternden Anmerkungen versehen. Jerusalem 1910. Druck von A. M. Luncz. -) I. König 18, 31. Dumas, Der Craf von Monte Christo. Roman.. Unverkürzte Ausgabe« Neu übersetzt von F. P. Grev e. 1200 Seiten drosch. M. 5, in schmiegsames Leinen geb. M. 6. Erich Reiß Verlag. Berlin-Westend. Kaiserdamm 26. Joseph Sulzer. Ernstes und Heiteres ans den Erinnerungen eines Wiener Philharmonikers. Wien und Leipzig 1910. Verlag von I. Eisenstein n Co. Wien, IX., Währingerstraße 2. Max Manrenbrecher, Von Jerusalem nach Rom. Weitere Untersuchungen über die weltgeschichtlichen Zusammenhänge des Urchristentums. Preis des Buches 4 Mark kartoniert, 5 Mark in Leinen. 1910. Buchverlag der „Hilf e", G. m. b. H, Berlin- Schöneberg. _ Briefkasten- R W. in K. Der in diesen Tagm im 88. Lebmsjahre in Strehlen bei Dresden verstorbene Veteran der deutschen Literatur, Ed. Dubcc, der Uebersitzrr von Tennysons „Enoch Arden", war stets ein Gegner der Antisemiten; er hat einmal schriftlich ausdrücklich erklärt: „Unter meinen näheren Bekannten waren jederzeit Semiten, sowohl getaufte, wie ungetanste. Ich habe mich des Zusammenhangs mit ihnen gefreut; sie waren fast ausnahmslos von nicht gewöhnlicher geistiger Regsamkeit und hatten viel Sinn für höhere Genüsse." D. C., Amsterdam. Das goldene Toktorjubiläum des holländischen Staatsministers Dr. M. C. Ascher fand vorige Woche statt. Im Trevesaal wurde ihm in Gegenwart der Minister des Innern und des Aeußern gehuldigt. Der frühere Minister de Beaufort überreichte ihm den Ertrag einer Sammlung aus zwanzig Ländern für den Ankauf einer Spezi.rlbibliothek auf dem Gebiete des internationalen Privatrechts, die unter dem Namen Assersammlung im Friedenspalast aufbewahrt werden wird. Auch der Minister des Innern hielt eine Ansprache. Aus Deutschland wurden dem Jubilar gleichfalls viele Ehrungen zuteil. — Asher ist bekanntlich ein treuer Jude. Kaf. Was der gefeierten Sängerin Selma Kurz widerfahren, geschah einmal auch Aoolf von Sonnenthal. „Anfang der Neunziger- Jahre sollte Sonnenthal ein Gastspiel in Petersburg absolvieren. Auf der Reise, wurden ihm keinerlei Schwierigkeiten in den Weg gelegt, aber am ersten Gastspielabend wartete das Publikum vor, der Künstler, schon kostümiert, hinter dem geschlossenen Vorhang in vergeblicher Ungeduld auf den Beginn der Vorstellung: die fürsorgliche Behörde hatte in Erfahrung gebracht, daß Sonnenthal nicht nur ein berühmter Mime, Ritter und k. k. Hofschauspieler, sondern unverzeihlicherweise auch Jude war,-worauf sie sein Auftreten kurzerhand untersagte. Vergebens alles Reklamieren und Petitionieren des bestürzten Theaterdirektors — weder Polizei noch Ministerium ließen sich erweichen, und so blieb der Zar seine einzige Hoffnung. Aber die sehnsüchtig erwartete Zusage des Kaisers kam nicht — das Gastspiel mußte von der Rampe aus abgesagt werden . . . Ein paar Tage später erfolgte dann doch die Aufhebung des Verbotes, sei es durch Intervention der österreichischen Botschaft, sei es, daß den Herren der k. k. Hoftitel und Adel Sonnenthals einen genügenden Ausgleich für das Verbrechen seiner Abstammung zu bieten schien; der Künstler konnte dann noch anstandslos im Deutschen Theater zu Riga auftreten, wo er als ein Träger deutscher Kultur und Kunsr stürmisch gefeiert wurde. — In den Jahren darauf verstärkten sich die antisemitischen Strömungen in Rußland zu jener Hochflut von blutigem Haß, die mehrere Hunderttausend Juden in das Ahasverschicksal des heimatlosen Manderns zwang. Und heute hält die russische Kultur wieder einmal bei dem Verbote „jüdischer" Gastspiele..." Notizen. Kapitalserhöhung d8r k. k. priv. Wechselstuben-Aktien-Gesell schaft „Mercur“, Wien. Die XXII. ordentliche Generalversammlung vom 6. April 1910 hat beschlossen, das Aktienkapital um Nom. K 10,000.000, also auf K 30,000.000 durch Ausgabe von Stück 25.000 neuen Inhaber-Aktien ä K 400 Nom., welche Aktien vom 1. Jänner 1910 ah in gleicher Weise wie die alten Aktien dividendenberechtigt sind, zu erhöhen. Auf Grund dieses Generalversammlungs-Beschlusses wird auf Stück 20.000 neue Aktien der k. k. priv. Wechselstuben-Aktien-Gesellschaft „Mercur“ ä X 400 Nom. den Inhabern der im Umlaufe befindlichen Aktien das Bezugsrecht zum Preise vom K 605'— für jede neue Aktie zuzüglich 5 Prozent Stück-Zinsen ab 1. Jänner 1910 unter den nachstehenden Bedingungen eingeräumt: Auf je fünf alte Aktien entfallen zwei neue Aktien. Aktien-Bruchteile oder Zertifikate auf Aktien- Bruchteile werden nicht ausgegeben. Die Anmeldung des Bezugrechtes hat bis einschliesslich 28. April 1910 während der üblichen Geschäftsstunden zu erfolgen: bei der Hauptkassa der k. k. priv. Wechselstuben-Aktien-Gesellschaft „Mercur“, Wien, l. , Wollzeile 1, sowie bei deren Niederlassungen in Böhm.-Kamnitz, Böhm.-Leipa, Brünn, Gablonz, Krakau, Leitmeritz, Mähr.-Schönberg, Neutitschein, Pilsen, Prag, Reichenberg, Wr.- Neustadt und Zwittau; bei der Wechselstuben-Aktien-Gesellschaft „Mercur“, Budapest, V., Badgasse 3; bei der Bank für Handel und Industrie in Berlin, Darmstadt, Frankfurt a. M.; bei der Basler Handelsbank, Basel.. Zur Geltendmachung dieses Bezugrechtes sind die Aktien ohne Kuponbogen mit zwei gleichlautenden, von dem Einreicher unterfertigten Konsignationen, deren Formalien bei den Anmeldestellen ausgefolgt werden, beizubringen

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