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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-29 · 17 (29.4.1910) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
17 (29.4.1910)
Date
1910-04-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 17 Sette 301 Dr. Blochs Wochenschrift. Wien. Der Hietzinger Frauen-Wohltätigkeitsverein hält am 4. Mai, 9 Uhr abends, in den Gesellschaftsräumen des Parkhotels, Schönbrunn, XIII., Hauptstraße 12—14 seine vierte Generalversammlung ab. Wien. (Generalversammlung.) Der israel- Wohltätigkeits- und Krankenunterstützungsverein „Mazmiach Jeschua", „Hilfe und Heil", Wien, II., Leopoldsgasse 29, hält Donnerstag den 5. Mai 1910, 3 Uhr nachmittags, im Sitzungssaale der Synagoge II., Leopoldsgasse 29 die ordentliche Generalversammlung ab. Die Mitglieder werden ersucht, in Würdigung der wichtigen Beratungsgegenstände bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Wien. Lehrer Julius Muschel, Inhaber und Leiter einer konzessionierten Privatschule, eröffnet jetzt im II. B e z i r k, Große Sperlgasse 41 und im IX. B e; i r k, Grüne Torgasse 26 einen Kurs zur Vorbereitung für die Aufnahmsprüfung an Mittelschulen und ladet diep. t. Eltern höflichst ein. die Knaben in diese erfolgreiche Anstalt zu schicken. „Hasornir", Verein zur Pflege jüdischer Literatur und Kunst. Mittwoch den 4. Mai, 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Hotel Guth ein literarischer Abend statt, bei welchem Herr Schriftsteller Gerh. Tag über „Nation, Kunst und Leben" referieren wird. Hierauf Vorlesung von Novellen des Schriftstellers Asch im Original und Transskription und Humoresken von Scholem Aleichem. Eintritt frei. Gäste willkommen. Austritte aus dem Judentum Vom 17. bis 24. April 1910. Diamant Eleonore, geb. 10. März 1884, Wien, XVIIf., Martinstr. 19. Ebstein Anna, Erzieherin, geb. 30. Oktober 1883, Wien, II. Bez, Blumauergasse 23. Hirsch Hans, Privatbeamter, geb 24. Juni 1885, Wien, III. Bez., Hetzgasse 34. Hoffer Olga, geb. Gans, geb. 15. Mai 1873, Troppau, II., Am Tabor ll. Jarmuth Karl, Beamter, geb 21. Oktober 1886, Schwechat, VIII., Strozzigasse 2. Knobloch Irma geb. Pfeifer, geb. 11. Juni 1888, Brandeis a. d. Elbe. Kobler Zdenko, geb. 23. Juli 1885, Prag, X., Quellenstr. 120, Manol Julianne geb. Artzberger, Inspektorswitwe, geb. 16. Februar 1846, Klein-Zell, (Niederösterreich) III.. Hainburgerstr. 27. Weil Alfred Edmund, Ingenieur, geb. 10. November 1877, Wien, II., Franzensbrüekenstr. 3. Zeller Viktoria geb. Lechner, geh. 22. Oktober 1870, Wien, I., Maria Theresienstrasse 34. Mödling. (Eine traurige Gerichtsverhandlung.) Eine üble Lektion mußten sich der hiefige Kultusvorsteher (!?) Ignaz Belai und einige Mitglieder des Kultusausschusses wegen ihres traurigen Benehmens gegen den Rabbiner, den allseits geachteten Herrn Dr. Leo Bardowicz, gefallen lassen. — Schon vor mehreren Wochen sah sich Doktor Bardowicz genötigt, infolge eines vollkommen grundlos gemachten Anwurfes der Geldgier gegen Belai den Gerichtsweg zu betreten, nachdem sich derselbe weigerte, dem Schwergekränkten außergerichtlich eine Satisfaktion zu geben. Es kam zur Verhandlung, bei welcher alle Zeugen die große vollkommene Uneigennützigkeit und Bedürfnislosigkeit des verehrten Rabbiners hervorhoben, der Advokat Dr. Josef Brust erklärte vor Gericht, Herrn Dr. Bardowicz als den selbstlosesten und idealsten Menschen bezeichnen zu können, den er je kennen gelernt habe. Trotzdem Herrn Belai nunmehr eine empfindliche Strafe bevorstand, gab sich Herr Dr. Bardowicz mit einer Ehrenerklärung zufrieden, womit die Sache erledigt schien. Allein er hatte mit der Verfolgungslust seiner Gegner nicht gerechnet. Herr Belai veranlaßte eine Zusammentretung einiger Ausschußmitglieder, in welcher in Form eines Beschlusses und einer Ermahnung die beleidigendsten Anwürfe gegen Herrn Dr. Bardowicz neuerlich erhoben wurden. Durch Herrn Dr. Heinrich Böhmer, dem Anwälte unseres Rabbiners, bei Gericht zur Rechenschaft gezogen, stellten sich Belai und Konsorten auf den sonderbaren Standpunkt, daß sie zu einer Ermahnung mit den darin enthaltenen beleidigenden Ausfällen berechtigt gewesen seien und daß Herr Dr. Bardowicz durch Einbringung der Klage die Würde des Judentums und seines Standes verletzt habe. Der Richter war jedoch anderer Anficht, er pflichtete den Ausführungen deS Anwaltes Herrn Dr. Heinrich Böhmer bei, daß Dr. Bardowitz durch das Vorgehen deS Vorstehers Herrn Belai und seiner Leute als Mann von Ehre geradezu in den Gerichtssaal gedrängt wurde und daß sie selbst durch ihr Benehmen und durch ihre Anträge bei Gericht die Würde des Judentums schwer verletzen. Er verurteilte alle 7 Angeklagten zu empfindlichen Geldstrafen. Mögen die Herren daraus die Lehre ziehen, daß man einen Seelsorger nicht wie einen Kommis behandelt. Nikolsburg. Unser ehemaliger Bürgermeister Herr Michael Glogau, der im Vereine mit seiner Gattin aus Anlaß der Konfirmationsfeier eines Neffen in unserer Gemeinde weilt, hat seiner Vaterstadt 1000 K zu wohltätigen Zwecken gespendet. Interessante Personalnachrichten. In den letzten Tagen wurden verschiedenen hervorragenden Juden Ehrungen erwiesen. So können wir lesen, daß die Univ ersität Edinburgh Herrn Dr. Frederic Cowen zum Doktor der Musik — „honoris causa“ ernannt hat, daß in Chicago Professor Albert S. Michelson, Empfänger des vorjährigen Nobelpreises, zum Präsidenten der American Association for 1he Advancement of Science gewählt worden ist. Aber auch in Hamburg ist ein Jude zu hohem Range gelangt. Dr. Georg Schaps ist der erste ungetauste Juden, den man bis zum Oberlandesgerichtsrat hat gelangen kaffen. Falkenau a. Eger. Am 1. Mai feiert der allgemein geachtete und durch seinen Wohltätigkeitssinn bekannte Fabrikant und langjährige Tempelvorsteher. Herr Karl Pollak, in ganz besonderer körperlicher und geistiger Frische seinen sechzigsten Geburtstag. R. Feuilleton. Iiingliogsjahre. Roman von Hermau« Blumenthal. XXIII. Es war... Auf seinen Spaziergängen lernte Dawid ein Mädchen kennen, mit dem er jetzt oft zusammen ging. Anna war mit ihren Eltern aus einer größeren Provinzstadt nach Palechov zur Sommerfrische gekommen,' doch nun langweilte sie sich hier zu Tode und> war froh, daß ihr Dawid in den Weg kam. 2hm war, als hätte er noch nie ein so schönes» Mädchen gesehen. Ihre Augen blickten bestimmt und ausdrucksvoll. Das Gesicht war weiß und rosig und die Lippen hatten das Rot der reifen Kirsche. Er mußte ihr von Wien erzählen. Im Geiste stellte sie sich die prächtigen Bauten und die breiten, graden Straßen vor. Sie hörte den Lärm, der sich durch dieselben fortpflanzt, und die berauschenden klänge der Musik, die die festlich dekorierten Ballsäle erfüllen, während sie in dem Neste verkümmern mußte... v Täglich gegen Sonnenuntergang lustwandelten sie in der Umgebung des Städtchens. Die Luft war weich und lind und die Vögel zwitscherten in den Bäumen. Wenn sie auf dem Marktplatze anlangten, war es schon dunkel. Vor ihrem Hause reichte ihm Anna die Hand, dann blieb er allein zurück und blickte lange auf die Fensterchen, die den silbernen Mondschein wiederspiegelten ... Die Tage waren einzig schön und glückverheißend. Dawid konnte sich eine halbe Nacht auf eine Zusammenkunft am nächsten Morgen freuen. Jedes ihrer Worte, jedes kleinste Zeichen ihrer Gunst beglückte ihn. Er nahm

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