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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-15 · 15 (15.4.1910) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
15 (15.4.1910)
Date
1910-04-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 259 tanzmitglieder wurde eine „Dr. Arnold Rosenbacher-Stiftung" errichtet, deren Zweck der Jubilar selbst bestimmen soll. Das Porträt des Jubilars wird im Sitzungssaale angebracht werden. Jüdische Kurgäste in Karlsbad. — Skandalöses Verhalten der Eisenbahnverwaltung. Nunmehr, wo die Badesaison in den Kurorten beginnt, empfiehlt es sich, über ein Vorkommnis in der Kurstadt Karlsbad zu sprechen, welches geeignet ist, nicht nur bei Juden, sondern auch bei liberal denkenden Andersgläubigen Aergernis heroorzurufen. Wir führen den Leser nach Karlsbad während der Kursaison. Neben den anwesenden Millionären, Staatsmännern. Schriftstellern usw. gibt es auch weniger Bemittelte, insbesondere eine nicht geringe Zahl von Juden aus Galizien, der Bukowina, Rußland rc.. welche ihre letzten Ersparnisse zusammengerafft haben, um an den Quellen der Kurstadt von quälenden Leiden Heilung oder Besserung zu erlangen. Vier bis sechs Wochen hält sich der arme Mann an die ärztlichen Vorschriften mit einer Genauigkeit, als ob ein verlängertes Bad oder einige Tropfen mehr vom Brunnen die schwersten Folgen nach sich ziehen würden. Endlich kommt der langersehnte Tag der Älbreise und wir führen den Leser zur Plattform des Karlsbader Bahnhofes nach Prag, um die Abreise der Kranken und Rekonvaleszenten am Nachmittage mit dem sogenannten „Polnischen Zug" mit anzusehen. Was man da zu sehen bekommt, steht wirklich dafür, daß man den weiten Weg von der Stadt zum Bahnhof zurücklegt. Sobald nämlich wenige Minuten vor Abgang des Zuges die gänzlich unzureichenden direkten Wagen nach Galizien geöffnet werden, beginnt ein wahres Handgemenge unter den Anstürmenden. Greise. Frauen, Männer und Kinder kämpfen um die Sitze, fallen übereinander, balgen sich und stoßen sich, und in der Nähe stehen die. Beamten, Träger, Türhüter und Portiers, sehen lächelnd und lachend diesem Treiben zu, und auf die neugierige Frage, was denn heute los sei, erhält man die Antwort: „So geht dies jeden Tag — das reinste Theater." — Freilich, es sind nur — Juden, die mit diesem Zuge dritter Klasse nach Hause fahren wollen: aber trotzdem ist es merkwürdig, daß ein solcher Zustand seit.Jahren bestehen kann, ohne daß sich die Gemeinden, die Polizei, die Bahngesellschaften, Behörden usw. um die Behebung dieses skandalösen Zustandes kümmern und vor allem für eine entsprechende Unterbringung der Reisenden sorgen. Die Stadt Karlsbad gibt jährlich, laut ihrer Angaben, Hunderltausende oder gar Millionen für den Komfort ihrer Besucher aus: sollte es kein Mittel geben, daß sich auch jemand um die Rückbeförderung der nach absolvierter Kur abreisenden Personen kümmert: freilich, in diesem Falle sind es nur Juden, aber schließlich — — — sind dies ja auch Menschen! Meran. Dienstag, den 29. März, fand die 2. ordentliche Generalversammlung des Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten" statt. Die zahlreich erschienenen Mitglieder begrüßte der Präsident, Herr Dr. M. Koref, und gedachte mit herzlichen Worten der Verdienste des verstorbenen Vizepräsidenten, Herrn Dr. Wilhelm Her sch. sowie der im Laufe des Jahres durch Tod entrissenen Mitglieder. Im Namen des ganzen Vorstandes dankte hierauf der Präsident der Witwe des Verstorbenen, Frau Dr. Rosa Hersch, dafür, daß sie in dieser schweren Zeit dem Vereine mit ihrer Tatkraft und Kenntnis der Geschäfte so bereitwillig beigestanden und bis zum heutigen Tag die ganze Bürde her Geschäfte eines geschäftsführenden Vizepräsidenten getragen habe. Nachdem über Wunsch der Generalversammlung dieser Dank zu Protokoll gegeben wurde, erstattet Frau Dr. Rosa Hersch den Geschäftsbericht über die Tätigkeit des Vereines seit der letzten Generalversammlung: mit regem Interesse folgten die Mitglieder den Ausführungen, welche ein ebenso klares, wie ausführliches Bild der Entwicklung unseres Vereines geben, und brachten durch spontanen Beifall ihre Anerkennung zum Ausdruck. Nach dem Kassaberichte des H. Katzen st ein (Kassier) und dem Revisionsberichte (H. Gulmann) sprach die Versammlung unter beifälligem Danke das Absolutorium für die Gebarung aus. Sodann erstattete Herr Dr. M. Koref als ärztlicher Leiter des Genesungsheimes seinen ärztlichen Bericht, aus dem die Mitglieder mit Befriedigung zur Kenntnis nahmen, daß die verfügbaren 100 Belten seit September bis zum Tage mit 204 Personen belegt waren. Aus den weiteren Ausführungen des Herrn Dr. Koref entnahmen wir. daß im Ganzen 418 Gesuche eingelaufen sind und der Durchschnittsbelag 86 Pfleglinge pro Tag ausmachte, daß 29 5°/» wesentlich gebessert und erwerbsfähig. 30 5°» gebessert und erwerbsfähig und 26 3° o gebessert und zu leichter Arbeit geeignet entlassen wurden. Die durchschnittliche Gewichtszunahme betrug 4 30 Kilogramm. Auch diese Ausführungen, deren wesentlichste Punkte wir nur erwähnt haben, lohnte reicher Beifall und der Dank der Versammlung. Die Ergänzungswahlen ergaben das Resultat: Frau Dr. Rosa Hersch. geschästsführende Vizepräsidentin, Herr Dr. G. Schnürd r e h e r. em. Hof- und Gerichtsadvokat aus Wien, Kassierstellvertreter, und Herr kais. Rat Moritz Hahn aus Prag, Schiedsrichter. Antisemitische Roheit. Ein niederträchtiger Akt antisemitischer Roheit wird uns aus Budapest gemeldet: Der Redakteur des Budapester Antisemitenblattes „Alkotmany" weilte dieser Tage in der Marktgemeinde Maria-Potsch. Zu Ehren des antisemitischen Gastes veranstaltete die Geistlichkeit der umliegenden, von strenggläubigen Juden bewohnten Städte einen Unterhaltungsabend, dessen Clou darin bestand. daß ein Bauernbursche, im Tallis und Tefillin bekleidet, durch die Straßen der Gemeinde geschickt wurde, um Spottlieder auf die Juden zu singen. Da einige Bauern in dieser Farce eine Aufmunterung zur Judenplünderung erblickten, begannen sie die Fenster der von Juden bewohnten Häuser mit Steinen zu bewerfen. Sie machten jedoch diesmal die Rechnung ohne die jüdischen Wirte. >die fich bald zusammentaten und. mit Stöcken bewaffnet, die Unruhestifter auseinandertrieben. Die Urheber der Unruhen und jenes Roheitsaktes blieben ungeschoren und hetzten in der Pfarre lustig weiter gegen die Juden. Wir wollen es gar nicht ausdenken, was geschehen wäre, wenn es einem Juden eingefallen wäre, einen Mummenschanz mit Meßkleidern oder ähnlichen religiösen Gewändern zu arrangieren und auf der Straße Spottlieder auf die katholische Religion zu singen... Patriotismus der jüdischen Soldaten in der türkischen Armee. Die türkischen Blätter konstatieren mit Befriedigung die erfreuliche Tatsache, daß eine große Zahl der jüdischen Rekruten ihren Militärsold zur Gänze oder zum Teile dem Fond zur Errichtung einer türkischen Flotte überlassen. Italienische Auszeichnungen an Juden in Alerandria. Der König von Italien hat dem Schulinspektor der jüdischen Schulen in Alexandrien. Egypten. Edgar Suäres, das Ritterkreuz und dem Präsidenten der jüdischen Gemeinde daselbst, Baron Jacques Behor de Menasse, den Titel und Charakter eines Kommandanten verliehen.

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