Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 12 (25.3.1910)
- Date
- 1910-03-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 210 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 12 Wir haben auch noch viele andere Fragen vor uns. So z. B. die Fragen des Familienlebens Chalizah. verlassene Frauen (Agunvh), die infolge der Emigrationsbewegung zu einer Katastrophe angewachscn sind, dir Rabbinerfrage usw. Ich weiß nicht wir sich die Meinung der Tagung zu dreier letzteren Frage gestalten wird. Nach meiner persönlichen Auffassung sollte man nichts zerstören. Unsere wirklichen Rabbiner sind selbstredend nur die gelehrten Rabbiner, aber die Kronrabbiner haben sich im Laufe der Jahre gleichfalls zu einer nützlichen Einrichtung herausgebildet, für welche auch ein Platz in unserem öffentlichen Leben vorhanden ist. Das Kronrabbinat darf nur das wahre Rabbineitum nicht stören, das letztere müßte ebenfalls anerkannt werden und für gewi se Angelegenheiten eine Unabhängigkeit erlangen. Je weniger wir mit dem Alten brechen werden, desto besser wird es sein; von den fortwährenden Aenderuncen kann kaum etwas Gutes herauskommen. Hingegen müssen wir alles, was wir schon besitzen, verbessern und den gegenwärtigen Bedingungen anpassen. Es muß eine entsprechende. Arbeitsteilung vorgenommen werden, dann werden die Stceitigkeiten zwischen Kronrabbinern und Rabbinern aufhören. Was das Endergebnis der Tagung sein wird, ist 'chwer vorauszusagen. Ich zweifle nicht daran, daß sie in die verworrenen Fragen unseres Gemeindelebens viel Ordnung bringen wird, vorausgesetzt, daß wir nicht durch den Zwist zwischen den Frommen und den Freisinnigen gestört werden. Ich werde es daher als meine erste Pflicht erkennen, das Ansehen unseres Volkes zu wahren und maßlose Streitszenen hintanzuhalten. Wird der Friede nicht gewahrt bleiben, so wird diese Tagung oiü mehr Schaden als Nutzen bereiten." Auszeichnung eines jüdischen Schulmannes in Bulgarien. Aus Sofia wird gemeldet: König Ferdinand von Bulgarien hat dem Direktor der jüdischen Schule in Dubnitza, N i s s i m L a z a r o f s, in Anerkennung seiner hervorragenden Dienste aus dem Gebiete des öffentlichen Unterrichtswesens das Ritterkreuz des bulgarischen llnobhängigkeitsordens verliehen. Direktor Lazaroff ist der c-ste Jude, dem diese Auszeichnung zuteil wird. Die jüdischen Elementarschulen in der Türkei. Die türkische Regierung hat beschlossen, die nichtmuselmanischen Schulen aus Staatskosten zu erhalten, dafür aber einen größeren Einfluß auf die Leitung derselben in Anspruch zu nehmen. Die jüdischen und christlichen Gemeinden wandten sich an die Regierung mit dem Ersuchen, der Staat möge den einzelnen Kulten bloß die Erhaltungskosten ersetzen, die Aufsicht aber ihnen selbst überlassen. Dieses Gesuch wurde abgelehnt. Botschafter Oscar S. Straus in Salonichi. Der amerikanische Botschafter Oscar S. Straus in Konstantinopel hat sich in Begleitung seiner Gemahlin auf eine Inspektionsreise ins Reich begeben. Anläßlich seiner Anwesenheit in Salonichi empfing er an Bord seiner Jacht „Scorpion" die Vertretung der Salanichier Iudcnschast die unter Führung des Oberrabbiners Jacob Meir zu seiner Begrüßung erschienen war. Mr. St aus erkundigte sich eingehend über die Verhältnisse der Juden in Salonichi und stattete nachmittag der großen Talmud-Thora-Synagoge einen Besuch ab, woselbst ihm ein großer Empfang bereitet wurde. Bei seinem Eintritt spielte die Musikkapelle der ehemaligen Zöglinge der Älliance-Schule einen Marsch. Nach einer Begrüßungsrede des Oberrabbiners hielt Oscar Straus eine Ansprache, in welcher er sich über die oltomanischen Juden u. a. äußerte: „Ich bin sehr erstaunt, daß die Juden der Türkei noch immer die Sprache desjenigen Landes erhalten, aus dem sie verjagt wurden. Darin erblicke ich den Hauptgrund dafür, daß zahlreiche jüdische Gemeinden in der Türkei noch so zurückgeblieben sind. Sehen Sie sich Ihre Brüder an, die nach Amerika ausgewandert sind? Von dem Tage ihrer Ankunft in dieses Land angesongen, geben sie sich mit Eifer dem Studium der Landessprache hin. Ihre lebhafte Intelligenz und das ihnen innewohnende Sprachentalent bringen sie rasch über alle Schwierigkeiten hinweg. Deshalb hören die Juden der Vereinigten Staaten auch bald auf in irgend einer Beziehung inferior ^u sein als die Amerikaner, die sie umgeben, und dank ihrer Arbeitsamkeit überwinden sie die größten Schwierigkeiten. So sollte es auch bei Ihnen sein! Erlernen Sie die türkische Sprache, und mit Hilfe der Ihnen angeborenen Fähigkeiten werden Sie alsbald die höchsten Stufen der politischen und sozialen Leiter erklimmen können. Die Muselmänner, die genau wissen, daß die Juden ein Segen für das Land sind, das sie aufnimmt, haben ihnen in generöser Weise die Arme geöffnct und ihnen die Möglichkeit geboten, alle Stellen zu erlangen. Warum wollen Sie von diesem Rechte nicht Gebrauch machen?! Sie leben in einem historischen Augenblick, in dem Sie für Ihr Land Großes vollbringen können! Alle Horizonte. die weitesten, stehen Ihnen offen. Suchen Sie sich darnach einzurichten. Wäre ich nicht Amerikaner, ich möchte Ottomane sein, um aus vollem Herzen an der Regeneration dieses Landes und an der Veredlung und Erhebung der sephardischen Rasse zu arbeiten." Die Rede, die vom Dragoman der Botschaft ins Spaniolische übertragen wurde, fand enthusiastischen Beifall. Nachdem noch zwei spanialische Mädchen Herrn Straus und Gemahlin begrüßt hatten, begab sich der Botschafter in den jüdischen „Club des Intimes", wo ihm gleichfalls ein solenner Empfang bereitet wurde. Botschafter Straus fetzte am anderen Tage seine Reise nach Kairo weiter, wo er mit Erpräsident R o o s e o e l t zusammentrifft, um dann seine Reise nach Jerusalem, Jaffa rc. fortzusetzen. Vermischtes. Erster Spendenausweis für den Rechtsschutz- Reservefonds anläßlich des 25 jährigen Jubiläums der „Union" sind bisher eingegangen: Von Adolf Baer X 10, Sigm. Blumenschein 3, Oberlandesgerichtsrat Dr. Barber 10, Josef Broch 10, Josef Bielitz I, Johann Broda 4, Daninl Bonyhardi 2, Dr. I. Deutsch 20, Moriz Friedländer 4, Philipp Fröhlich 10. Dr. Siegfri d Fehl 5, Ignatz Fröhlich 20, Dr. Friedjung 3, Alois Feil 10, David Glück 3, Sigm. Geiduschek 20, Ferdinand Goldstein 5, Ernst Götzl 10. Heinrich Heinsheimer S. Heit 50, Julius Hellmann 20, Ludwig Jmmergut 2, Josef Jellinek 6, Leopold Koch 10, Isidor Kanitz 5, Richard Kohn 10, Simon Korani 5, Ehaim Kranzler 3, Ioief Vorder io, Heinrich Lembergcr 3, Julius Lederer 5, Alfred Menziles 5, Adolf'Mandl 10, Michael Nenrath 5, Dr. Samuel Renda 2, Dr. Julius Ofner 20, Kolomon Preuß 5, Emanuel Pollak 5, Hermann Sobotka 5, Gabriel Singer 5, S. Silberslein 5, Zahnarzt Dr. Szamek 5, kais. Rat Leopold Sachs 20. Oberkantor I. Schiller 5. Jakob Schwarz 2, Hugo Schwarz 5, Rudolf Schreier 1, Dl. Spiegel 4. Gustav Spitzer 2, Ignaz Stein 10, Moriz Strümpel l. Julius Thenen 2, Dr. Alfons Thorsch 100, Frau Adelheid Tnrcsan 10, „Tauria", G. m. b. H. 10, Dr. Eduard Thaler 10. Tesider Wollner 5, Felix Wohlmulh 2, S. Aufricht, Mistek, 2, Semil Adler, Pilsen, 2, Philipp Beck, Pilsen, 10, Dr Eugen Brunner, Triest, 100, Emil Beck, Blatna, 2, Ioief Bernstein, Jaroslan, 25, S. Eierer, Troppau, 5, Josef Dubsky, Suchenthal, 2, Sigmund Doktor, Dürrmaul, 3, Osias Diwer. Zarudzie, 1, Doktor Hieronymus Fialla, Brünn, 10, Julius Frey, Doberwitz, 5, Leopold Färber, Kremsier, 10. David Falk, Hermanmestee, 5. Hermann Glaser. Znaim, 4, Markus Giehner, Alexanderfeld, 2, Doktor Eugen Grünfcld, Saaz, 5, Markus Guttmann, Groß-Peeic, l, Abr. Grätzer, Holleschau. 5, Rabbiner S. Hahn, Damboritz, 1, Dr. Rudolf Heller, Kgl. Weinberge, 5, M. Haas. Welka, 2. Dr. I. Kohn