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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-03-25 · 12 (25.3.1910) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
12 (25.3.1910)
Date
1910-03-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Bloch’s Jahrgang xrvil Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Zudentums. -n— -n-- Wim, 25. März 1910 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie». IX/i, Hahngasse 15. e Telegranrm-Adresse: Bloch s Wochenschrift. Wien. O (j-- -' O 1 - p Bfjaigsr»reia für Veflrrrrirl;: p Laldjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen : Die 4mal gespal- O tene Pettrzeile 24 Heller^ C, O O— -r-rD C °G O R. h. Postsparkassenamt Lleartng-Verkebr Nr. S10.97S. Redaktion und Administration: Wien IX/i, Hahugaffe Nr. 15. Xelefon Nr. 14.847. Do CI OC= =0O Inhalt: Leitartikel: Dr. Gustav Kohn. — Juden im Künstlerhaus. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Eine Abordnung der rumänischen Juden bei König Karl. Eine Abordnung der Juden beim rumänischen Ministerpräsidenten. Eine Weltorganisation vertriebener rumänischer Juden. Der Komponist der südafrikanischen Nationalhymne. — Die Zentralstelle für das jüdische Armenwesen in Wien. — Korrespondenzen: Wien. 70. Geburtstag des Herrn Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn. Generalversammlung des Adaß Jisroel (Schiffschul). Zur Eröffnung der jüdischen Museen in Krakau. Worte eines edlen Christen Verbreitung der Blutbeschuldigung durch eine Klosterpräfektin« Karlsbad. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in München. Die erste jüdische Rechtsanwältin in Holland. Rettungsgesellschaft jüdischer Frauen in London. Christliche Konkurrenz in der Mazzosbäckerei. Freispruch geständiger Pogromhelden. Baron Günzburg über den Zweck der Rabbinertagung in Petersburg. Die ersten jüdischen Zöglinge in der türkischen Offiziersschule. Auszeichnung eines jüdischen Schulmannes in Bulgarien. Die jüdischen Elementarschulen in der Türkei. Botschafter Oscar S. Straus in Salonichi. — Vermischtes. — Feuilleton: Jünglingsjahre — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Dr. Gustav Kahn. Von D. K. Es ist schwer, im vollen Lichte zu malen. Wer von der Malkunst etwas versteht, weiß, daß der Künstler gerne aus dem Schatten herausarbeitet, um allmälig ins höchste Licht zu gelangen — aber nur Licht — eitel Licht — das ist eine schwere Arbeit für den Künstler und Schreiber, wenn sie plastisch gestalten sollen. So geht es mir mit dem Bilde des Dr. Gustav Kohn. Wer kennt ihn nicht — den ewig Jungen? Wer würde es dem arbeitsfreudigen Manne ansehen, daß er die Schwelle des Greisenalters überschreitet? Wozu dann diese Zeilen? Es soll auch kein Bild für die Mitwelt sein. Der Nachwelt, den Jungen will ich ihn schildern, ein Musterbild will ich ihnen vorführen, zur Nacheiferung, zum Ansporn für die Heranwachsende Jugend. Schaut euch den Mann an, strebet ihm nach und werdet, wie er Einer ist. Und ihm sollen diese Zeilen Grüße des Dankes, der Liebe, der Verehrung und der Bewunderung bringen. Grüße von Nah und Fern. Wir blicken zu dem Manne auf, der all sein Wissen, seine Tatkraft, sein Denken und Sinnen, seine ganze Persönlichkeit, ja seinen Beruf in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hat. Mit inniger Freude, mit stolzem Bewußtsein nennen wir Juden ihn einen der Unserigen. Dr. Gustav Kohn gehört uns, wie wir ihm gehören! Wir lieben und bewundern ihn, wir verehren in ihm den höchsten Typus wahrer Herzensgüte. Nach dieser Richtung ist er ein Z a d d i k, wie ihn sein herzensguter, frommer Vater s. A. zu nennen pflegte. Die Schatten, welche das Relief eines so starken Charakters zu erhöhen vermögen — eine religiös-polemische Auseinandersetzung will ich einer anderen Gelegenheit Vorbehalten, etwa zu seinem 80jährigen Geburtstage. Der Landesschulrat und Vizepräsident Doktor Gustav Kohn ist kein Mann mit steifen, würdevollen Gebühren — ein Repräsentant — sondern schlicht und einfach in seinem Wesen, ein Mann, mit dem jeder, Arm und Reich, wie mit dem Bruder verkehren kann. Unsere Weisen sagen: Haß und Liebe lassen die Etikette außeracht. Bei Dr. Gustav Kohn ist es die grenzenlose Liebe zur Menschheit, der Grundzug seines Charakters, welcher die Schranken des Formenverkehres nicht kennt. Und gerade in seinem ungezwungenen Wesen, in seiner Einfachheit liegt der Zauber seiner Persönlichkeit, der die Herzen erobert. Wie Dr. Kohn mit den Armen verkehrt, das muß man sehen. „Armut ist für mich ein Nimbus", find seine eigenen Worte. Wer dem Armen gibt, sagen unsere Weisen, ist des Segens sicher, wer ihn besänftigt und tröstet, ihn seine Armut nicht fühlen läßt, den lohnt hundertfältiger Segen. Möge ihm dieser Segen in Jahre umgewandelt werden, in Jahre ungetrübten Glückes. Dr. Gustav Kohn ist kein Greis — sondern ein Jüngling, seine geistige Kraft, seine Energie, sein Auge ungebrochen wie in seinen besten Jahren. Und so ist zu hoffen, daß die Glück- und Segenswünsche, die ihm heute zuströmen, an ihm in Erfüllung gehen werden und ihm ein hohes glückliches Alter beschieden bleibt. Dr. Gustav Kohn wurde am 30. März 1840 in Prag geboren. Seine Wiege stand in einem echt jüdischen Hause. Seine Eltern ließen dem aufgeweckten Jungen eine sorgfältige Erziehung zu teil werden. Nach, absolvierter Normalschule besuchte er das Piaristengymnafium in Prag, wo er 1857 seine Maturitätsprüfung ablegte. Im Jahre 1859 bezog er die Wiener Universität und wurde daselbst im Jahre 1864 zum Or. juris promoviert. Dann absolvierte er in Prag seine Gerichtspraxis und trat in die Kanzlei des Advokaten Dr. Friedr. Ritter von Wiener ein bis 31. Dezember 1866. Im Jänner 1867 kam er nach Wien, wohin seine Eltern bereits ein Jahr vorher überfiedelt waren. Schon in frühem Alter verlor er seine Mutter, eine an Tugenden ausgezeichnete Frau. Sein Vater heiratete zum zweiten Male. Im Jahre 1870 errichtete er eine Kanzlei in der Kumpfgaffe, nachdem er vorher bei den Advokaten Doktor M ü h l f e l d und Dr. P i s k e r als Konzipient tätig gewesen. Schon in den ersten Jahren seiner selbständigen Tätigkeit wußten die armen Klienten ihn aufzusuchen. Am 29. Jänner 1871 führte er seine Gattin Eleonore, geb. Löwith, heim, deren Vater in Gesellschaft mit Oesterreicher eine der größten Großhandlungen in Hopfen betrieb und zu den geachtetsten Firmen in Prag zählte. Dieser Ehe entsprossen drei Töchter und ein Sohn. Ein Bruder Dr. K o h n s, Herr Theodor Kohn, gehört dem Bethausvorstand an. Rührend, ifl das Verhältnis Dr. K o h n s zu seinem Vater und seiner zweiten Mutter. Selten hat ein Kind das

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