Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 11 (18.3.1910)
- Date
- 1910-03-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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«eite ISS Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 11 springe« zu sehe«, die andere« Reisenden für immer verschlossen bleibt. Adler hat es fertig gebracht, in den letzten zwanzig Jahren auf seinen Reisen etwa 2000 hebräische Manuskripte zu sammeln. Was er daraus mitteil!, ist kulturhistorisch hochbedeutsam, wie beispielshalber der aus dem 13. Jahrhundert stammende Geschäftsbrief eines indischen Juden an seinen Geschäfksorrespondenten in Kairo. Ein besonderes, ausführliches Kapitel ist den B'nei Israel, den schwarzen und weißen Juden von Chochin, gewidmet, die seit Langem die Ethnologen wie die Kulturhistoriker beschäftigen. Die kupferne, heute im Besitze der weißen Juden von Cochin befindliche Urkunde wird zum ersten Male hier vollständig mitgeteilt; die geheimnisvolle Affäre des jüdischen Gesandten am Hofe Karls V. und Clemens VII. wird kritisch dargestellt u. s. f. Eine Fülle zum großen Teil kulturhistorisch und ethnographisch wertvollster Illustrationen nach Originalaufnahmen schmückt den reichhaltigen Text. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das Werk, dessen Uebersetzung ein bekannter Ethnologe übernahm, wie in England, so auch in Deutschland die weiteste Verbreitung finden wird. Old English Colour-Prints. With 40 Choice Examples in facsimiie Colours. Special Winter Number ofThe Studio, 44 Leicester Square London 1909/10.. Unter den bisher erschienenen Sondernummern dieses glänzenden Unternehmens fesselte unser besonderes Interesse im Jahre 1906 der Band »Art-Revival in Austria», in dem unter Anderen unsere Landsleute Horowitz und Isidor Kaufmann gewürdigt Wertzen. Zu der vorliegenden Nummer hat M. C. Salaman, der Verfasser von «The old engravers of England«, den Text, ein Mitglied der bekannten Familie Behrens das Original zu einer der prächtigen Illustrationen geliefert. Die englische Porträtmalerei, die durch die Berliner englische Kunstausstellung, und insbesondere die Anerkennung, die ihr der deutsche Kaiser öffentlich gespendet hat, auf dem Kontinent immer mehr gewürdigt wird, ist hier durch Gravierungen nach alteren Meistern, wie Reynolds, Gainsboraugh, Hoppner, Angelica Kaufmann, Ryffol u. A. würdig vertreten. Die Namen der Gravierer selbst, wie Bertolozzi, P. W. Tomkins usw., dürften vielen Lesern hier zum ersten Male begegnen. Man steht im Anblicke dieser lieblichen Szenen ganz im Banne der Stimmung, die Fielding und Richardson, Goldsmith und Sterne seit unserer Jugend uns als spezifisch englischen Humor haben empfinden lehren. Der Band stellt dem Geschmack des Herausgebers das rühmlichste Zeugnis aus. x. Das Werden im Weltall. Kein geringerer als der große Philosoph Kant ist eS gewesen, der durch seine „Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels" seinen Namen mit der Sternenkunde untrennbar verknüpft hatte. Wie bei der Rückschau aber so oft, ergab fich auch Per, daß die Ansichten Kants über die Entstehung der der Welt, die in erheblichen Dingen mit denjenigen des großen französischen Mathematikers und Ast-onomen Laplace übereinstimmen, durch die neu bekannt gewordenen Tatsachen und die Fortschritte in der NaturerkenvtniS überholt waren. Kants Theorie hatte über ein Jahrhundert autoritäre Geltung. In den letzten Jahrzehnten aber bröckelte Stück für Stück ab. Dabei gab es bemerkenswerter Weise auf diesem für Theorienschmiede so fruchtbaren Gebiete keine systematische Anschauungsweise, die Kants oder Laplaces geschloffene Systeme auch nur einigermaßen ersetzen konnten. Erst vor wenigen Jahren trat der bekannte schwedische Chemico-Physiker Svante Arrhenius in zwei glänzend geschriebenen Werken an die Oeffentlichkeit, in denen er ein völlig selbständiges System entwickelte (Das Werden der Welten, deutsch von L. Bamberger), das einen ganz genialen und großen Zug aufweist. Arrhenius betrachtet das Wellgeschehen als einen ewigen Kreislauf der sich vor Ewigkeiten so vollzog, wie wir ihn jetzt am Himmel beobachten. So glänzend und klar auch sein Buch geschrieben ist, wendet ei sich doch mehr an die naturwissenschaftlich etwas vorgebildeten Kreise im Publikum. Felix Linke, der Herausgeber der Urania, hat die Arrhenius'fchen Anschauungen einer leichtverständlichen Bearbeitung unterzogen, die in den Hauptzügen in die neue Anschauungsweise einlettet. Das Werkchen betitelt sich „Das Werden im Weltall- und ist bei Theod. Thomas in Leipzig verlegt. Es gehört zu den Publikationen der Deutschen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, unter denen eS als erste außerordentliche Veröffentlichung erscheint. Der Preis (drosch, dl 1.—, geb. M 160) ist so niedrig angesetzt, daß daS Buch, das mtt 44 Textbildern und einem farbigen Umschlag ausgestattet ist, auch in breiteste Kreise eindringen kann. Oskar Jäger, Deutsche Geschichte. Mtt 220 Abbildungen und 15 historischen Karten. Zwei Bände, in Leinwand geb., jeder M. 7.80. A. L. Beck (O. Beck), München. Der Nestor der deutschen Historiker, der, wie kein Zweiter, die heuttge Geveratiou in die Hallen der Geschichte treu und sicher eingeführt und mit Behagen immer wieder dahin zurückzukehren angeregt hat, Oskar Jäger konnte seinen achtzigsten Geburtstag nicht würdiger feiern, als durch dieses herrliche Geschenk an sein Volk. Alle Eigenschaften, die seinen ltterarischen Namen zu einem der bekanntesten und beliebtesten in der deutschen Pädagogenwelt erhoben haben, vereinigen sich hier wie in einem Brennpunkt. Die meisterhafte Beherrschung des Stoffes wird fast noch übertroffen durch die große Kunst, mit der er hier Geschichte erzähll, so daß sein Buch, zunächst bestimmt, „jugendliche Leser, Jünglinge, nicht Knaben, für das Studium der trefflichen und glänzenden Spezialwerke, an denen unsere historische Literatur so reich ist, zu gewinnen und, sofern ihnen ihr späteres Leben, dieses Studium möglich macht, vorzubereiten", auch Erwachsenen eine angenehme Lektüre bietet. Daß Lassalle schlecht abschneidet (II, 610), kommt wohl auf Rechnung der Abneigung, die Jäger gegen „die ganze Richtung" empfindet. Daß er ohne Vorurteile über die Juden urteilt, beweisen mehrere Stellen, vor allem I, 195: „Daß nid t sie, sondern einige ihrer Vorfahren vor vielen hundert Jahren dies in Unwiffenheit getan und Jesus selbst für sie zu seinem göttlichen Vater gebetet hatte, danach fragte der Fanatismus — zur Zeit der Krenzzüge — nicht und er wird niemals danach fragen." 344: „Dem Haß gegen die Juden, der dem religiösen Wahn und Aberglauben entsprang und der selbst in unseren Tagen bei den Vielen seine Blüten treibt, die diesen Dämonen noch verhaftet sind, gesellte sich der Neid und die Begehrlichkeit." Dieses Buch kann man unbedenklich der jüdischen Jugend in die Hand geben. Auch hier möge sich der Wunsch erfüllen, mit dem der greise Vater sein jüngstes Geisteskind auf seinen Weg begleitet: „So wage ich für dieses mein letztes Buch, mit dem ich Abschied nehme, eine freundliche Aufnahme zu hoffen, wie sie die früheren in so reichem Maße gefunden haben!" Schlomer E. I. Erinnerungen aus dem „alten Moisling" von 1832 bis 1860. Lübeck 1909. Werner und Hörnig. Das Heftch.n bietet in anspruchslosester Form einen höchst lehrreichen Einblick in das Leben eines norddeutschen Ghettos in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Welche Bereicherung unserer historischen Kenntnisse würde es bedeuten, wenn, wie der Verfasser, auch andere Veteranen der Ghettonot sich zu solchen Aufzeichnungen verstehen wollten! L. Heines Werke. Unter Mitwirkung von I. Fränkel, W. Gensel, A. Leitzmann und I. Petersen, herausgegeben von O. Walzel. 9. Bd., Jnselverlag. Leipzig, 1910. M. 2.—, in Halbperg. 3. Dieser von Leitzmann besorgte Band der kostbar ausgestattetcn Ausgabe enthält „Lutezia" und „Kleinere Schriften aus den Jahren 1840 bis 1844", diese für die Geschichte des einst von Heine mitbegründeten jüdischen Bildungsvereines und anderer jüdischer Erscheinungen seiner Zeit so aufschlußreichen Partien. Der Kommentar ist bei aller Knappheit ausreichend und zuverlässig. Ein abschließendes Urteil über die gesamte Ausgabe wird erst das Erscheinen der übrigen Bände ermöglichen. A. 8. Eugen Wölbe, Ludw. Aug. Frankl. Ein Lebensbild für Jung und Alt. Frankfurt a. M., 1910. Auf dem Wege, den Wölbe mit seinen Biographien Burgs und Montefiores glücklich betreten hat, schreitet er rüstig fort... Die Rahel sagt einmal: Religion liefert die Vokale, Geschichte die Konsonanten. Hier sieht man das Wort bestätigt. Was allerhand Notizen mühsam zusammensetzten, es wird zum lebendig wahren und lebenweckenden Bilde durch den Hauch, mit dem ein warmes, jüdisches Herz es beseelt. Die Jugendschriften-Kommission der Großloge für Deutschland hat keinen Unwürdigen ausgezeichnet, als sie Wölbe für dieses gelungene Lebensbild unseres engeren Landsmannes und Glaubensgenoffen einen Preis zuerkannte. - R. Jüdische Volksbücherei. Frankfurt a. M. Jüdischer Volksschriftenverlag. Bd. 1. A. Kahn Sabbatstimmungen. Bd. 2. Herm. Schwab, Kinderträume. Bd. 3. Judaeus.Ein Tag aus dem Leben eines Juden. Bd. 4. Prof. E. Fink, Naturwissenschaftliche Hypothesen im Lichte der jüdischen Anschauung. B. 5. S. Schachnowitz, Skizzen aus Lithauen. Wenn dieses Unternehmen, gut ausgestattete Belehrungs- und Unterhaltungsschriften zur Stärkung und Hebung des jüdisch-religiösen Sinnes für ein paar Pfennige Jedem zugänglich zu machen, solchen Anfängen treu bleibt, dann darf sein Verdienst nicht gering eingeschätzt werden. Der Vortrag Prof. Finks besonders verdient die weiteste Verbreitung. L. L. H. Schütz, Die hohe Lehre des Confucius. Frankfurt a. M., 1909. I. St. Goar. Mit verschwenderischer Pracht und ausführlichen Schilderungen chinesischen Wesens und Schrifttums wird diese Perle orientalischer Weisheit in den deutschen Leserkreis eingeführt. Unter den Stimmen über China kommt auch Jesaja 49, 13 zu Worte. x. N. Conan Doyle, Onkel Bernhard, deutsch v. V. Eltz. Reclams Universal-Bibliothek Nr. 5157, 1158. Leipzig. Ein fesselnder Roman des beliebten Schriftstellers mit meisterhafter Schilderung der Leute des ersten Napoleon. R. Pauliue Wengeroff, Memoiren einer Großmutter, Bd. II. Berlin 1910. M. Poppelauer. M, 3.—, geb. M. 4. Ein Buch, das Hunderte aufwiegt. Haben wir schon den ersten Band neben die Memoiren der Glücke! von Hameln gestellt, so beweist die vorliegende Fortsetzung, daß diese beiden jüdischen Memoirenschreiberinnen in ihrer jüdischen Eigenart einzig, in ihrer Kunst neben den Allerbesten der Weltliteratur ihren Platz fordern dürfen. Freilich nicht crescendo schreiten sie fort, diese hier enthüllten Ahnenbilder. Die Taufe, das heißt die Selbstvernichtung lauert am Ziel ein Abgrund. Nur ein schwacher Steg führt hinüber. In den Pflanzen aus altjüdischem Leben und Boden erwacht aber doch trotz aller Mißbildung