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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-03-18 · 11 (18.3.1910) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
11 (18.3.1910)
Date
1910-03-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 11 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 193 Dienstag, Mittwoch und Donnerstag den 5., 6. und 7. April finden täglich zwei Sitzungen statt, Mittwoch abends Bankett im Trocadero Restaurant. Freitag Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt. Als Konferenzsprachen wurden englisch, deutsch und französisch bestimmt. Mit Rücksicht auf die heiklen Fragen und sozialen Verhältnisse, die in der Konferenz naturgemäß zur Behandlung gelangen sollen, wird die Konferenz mit Ausschluß der Oeffentlichkeit abgehalten werden. Der Presse werden Berichte zugesendet werden. Der Poftminifter bei den Makkabäern. Die Londoner jüdische Gesellschaft „The Maccabaeens" veranstaltete dieser Tage zu Ehren des neuernannten englischen Ministers für Postwesen, Mr. Herbert Samuel ein Bankett, bei welchem auch der Minister persönlich erschienen war. Nach dem Trinkspruch des Professors Gollancz auf den Ehrengast erhob sich Minister Samuel, um für die Ehrungen zu danken. Der Minister sagte: Es sind erst fünfzig Jahre, daß ein Jude im englischen Parlament Sitz und Stimme haben kann. Er habe die Empfindung, daß der heutige Ehrenabend deshalb veranstaltet worden sei, weil die „Makkabäer" in ihm die Verkörperung des Erfolges erblickt, den ihre Väter in dem großen Kampfe um die Emanzipation der Juden in diesem Lande mit so großer Hingebung sieghaft ausgefochten haben. In ihm erblicke man die Erfüllung der gerechten Forderung nach Gleichheit in allen Staatsämtern, die unsere Väter durchgesetzt haben. Minister Samuel wies dann auf die verschiedenen hohen Positionen, die er bereits im Staatsdienste innehatte, hin und schloß mit dem Versprechen, seinem Glauben auch in Zukunft nicht minder treu zu bleiben, als dem Staate, in dessen Dienste er steht. Die neuen Mitglieder des London County Coneil. Die Wahlen in dem Rate der Londoner Gesellschaft haben vorigen Samstag stattgefunden. Es wurden 11 Juden gewählt, und zwar fünf von der Partei der Progressionisten und sechs von der Partei der Gemäßigten. Unter den Gewählten befindet sich der bekannte, jüdische Politiker Karl Stettauer, der in Mail End einen glänzenden Sieg errang. Eine Sensation dieser Wahlen bildet die Wahl der Tochter des Chief Rabbis, Fräulein Netti Adlcr, in Hackney Central mit progressionistischem Programm. Interessant ist, daß die sogenannten, jüdischen Wahlbezirke zum größten Teile die Kandidaten der Gemäßigten gewählt haben. Ernennung von Rnfus Jsaacs zum Generalanwalt. Der Anwalt Rufus Jsaacs ist zum Solicitor General ernannt worden an Stelle Sir S. Evans, der zum Präsidenten des Ehescheidungsgerichtshofes ernannt werden wird. Rufus Jsaacs ist einer der hervorragendsten Rechtsanwälte Englands. Er steht im 50. Lebensjahre. Seit dem Jahre 1904 ist er liberaler Abgeordneter von Reading, dessen Mandat er auch bei der letzten Wahl nach hartem Kampfe mit dem konservativen Gegenkandidaten erhielt. Die Familie Montag» in der englischen Regierung. Wie das „Londoner Amtsblatt" meldet, wurde Hon. Edwin S. Montagu zum Unterstaatssekretär für Indien ernannt. Montagu war 'ehedem parlamentarischer Sekretär des Ministerpräsidenten, eine Stelle, der große politische Bedeutung innewohnt. Mr. Montagu ist der zweite Sohn des Lord Swaythling und ist seit 1906 Mitglied des englischen Parlamentes. Interessant ist, daß mit Staatssekretär Montagu das zweite Mitglied der hochangesehenen, englisch-jüdischen Familie Montagu in her englischen Regierung platznimmt, da Minister Herbert Samuel, ein Cousin des Montagu, gleichfalls der Familie angehört. Der Arbeitsnachweis in East-End von London. Die englische Regierung errichtete in verschiedenen Stadtteilen Londons Bureaux für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Das größte dieser Bureaux befindet sich im jüdischen Viertel des East-End, da in diesem Stadtteil auch die meisten Arbeitslosen wohnen. Die Beamten dieser Arbeitsnachweisstelle müssen auch yiddisch sprechen können, ebenso wie sämtliche Kundmachungen in diesem Lokale in englischer und yiddischer Sprache abgefaßt find. Eine jüdische Schutzbrigade gegen Verunglimpfung der Inden auf der Bühne. In Amerika werden in letzter Zeit zahllose Theaterstücke aufgeführt, in denen die Juden lächerlich gemacht oder als typische Schwindler dargestellt werden. Eine Aktion, die Theaterdirektoren zu bewegen, daß sie solche Stücke ablehnen, führte zu keinem Erfolg. Nun entschloß man sich, in Newyork eine jüdische Brigade zu schaffen, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, alle neuen Aufführungen zu besuchen und sie, falls sie judenfeindliche Tendenzen verraten, unter allen Umständen, selbst mit Gewalt zu verhindern. Diese Idee des Selbstschutzes hat in Newyork großen Anklang gefunden und es besteht die Absicht, sie in ganz Amerika dmchzusühren. Juden als Tabakpflanzer. In einem offiziellen Wirtschaftsberichte der kanadischen Regierung wird u. A. mitgeteilt, daß 500 jüdische Farmer, die in der Umgebung von Montreal angefiedelt find, auf ihren Farmen Tabakplantagen angelegt haben, die gute Erfolge versprechen. Der Regierungsbericht betont, daß die Tabakkultur bisher in Kanada fast gar nicht entwickelt war und daß die jüdischen Farmer wahre Pionierdienste leisten, indem sie sich dieser mühseligen, immerhin gewagten Kulturarbeit unterziehen. Die Regierung hat sich auch bereit erklärt, die Juden, die zum größten Teile aus Rußland und Rumänien eingewandert find, in ihrem neuen Unternehmen zu unterstützen. Eine Organisation der Marschalliks. Mit dem großen Strome der jüdischen Auswanderung aus dem europäischen Osten nach Newyork wurde auch manche alte Ghettofigur mit hinübergeschwemmt, die nun in amerikanischer Ausgabe in der Newyorker East Side ungetrübt weiterlebt. Zu den vergnügtesten dieser Ghettofiguren gehört der Badchan oder Marschallik, der Spaßmacher bei Hochzeiten und anderen Familienfesten. Im Newyorker Ghetto gibt es ihrer mehrere Hundert und es scheint ihnen nicht schlecht zu gehen, da sie beschlossen haben, sich durch eine Berufsorganisation vor unberufenen Eindringlingen zu schützen. Die neugegründete Organisation führt den Titel „The Social Brothers Amüsement Company“. Um ein vollwertiges Mitglied dieser lustigen Organisation werden zu können, muß der Bewerber den Nachweis erbringen, daß er fähig sei, Impromptu Reime auf das Brautpaar und die anwesenden Hochzeitsgäste vorzutragen, Hochzeitsgesänge zu fingen, die Mizwah-Tänze aufzuführen und andere zur Gelegenheit paffende Spässe zu produzieren. Das ordentliche Mitglied der Organisation wird auch auf sein Gewicht hin geprüft, da jeder Marschalllk, der irgend etwas auf sich hält, wenigstens 250 Pfund wiegen muß. So wiegt der Präsident der Organisation 300 Pfund. Der Nestor der Newyorker Marschalliks ist Sander Braunfeld und steht heute im 90. Lebensjahre. _ IDermiscbtes. KrauzablöfnugSfpeude» zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien Seitenstetteugaffe 4 für arme kranke Glaubeusgeuofsen. Anläßlich des Ablebens des sel. Edmund H o l l i t s ch e r: Von Jakob Morberger und Frau K 30.—, O. Elsenstädter 20.—, Josef Offer 10.—, Karl Schmeichler 20.—. Zusammen L 80.—.

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