Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 9 (4.3.1910)
- Date
- 1910-03-04
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Dr. Blocks Wochenschrift. Sene iv? eingehenden statistischen Angaben den ungeheuren Schaden, der durch sie den Jaden, aber auch der russischen Volkswirtschaft zugefügt wurde, und endet mit einer Beschreibung und kritischen Betrachtung des nach den Pogromen eingeleiteten Hilfswerks, eines der großartigsten Denkmäler menschlicher Solidarität, das die Geschichte kennt. Die Einzeldarstellungen des zweiten Bandes geben in ihrer schlichten Sachlichkeit ein erschütterndes Bild jener Vorgänge, und bilden darin ein Seitenstück zu den grauenhaftesten Erzählungen.des Mittelalters, die uns überliefert sind. Die beiden insgesamt fast 1000 Seiten starken Bände verdienen in jeder Bibliothek aufgestellt zu werden. H. Winckler. Die babylonische Geisteskultur. Leipzig 1907. Quelle und Meyer. M. 1.—. Mit seiner bekannten, ganz außergewöhnlichen Kombrnationsgabe, die mit der Astronomie der alten Babylonier in lückenloser Kette den Sängerkrieg auf der Wartburg (S. 125) und so vieles andere zu unserer größten Ueberraschung in Verbindung bringt, bietet uns Winckler in diesem Büchlein eine unglaubliche Fülle von Anregung und wissenschaftlicher Belehrung. Nur muß die forcierte Durchführung seines Prinzipes nnd insbesondere die Anwendung auf das alte Hebräertum manche Bedenken erregen. Es bleibt abzuwarten, ob die fortschreitende Forschung ihm in Allem, was er hier behauptet, recht gibt. An glücklichen Feststellungen im Einzelnen ist das Schriftchen überreich. Der Hinweis, daß die masoretische Schreibung Merodach für Marduk (S. 145) analog der des jüdischen Gottesnamens ist, hätte zur Folge, daß als dessen richtige Aussprache Jahu anznnehmen sei, die ja auch Personennamen wie Elijahu u. a. aufweisen. L. Kriefkafterr« Ingenieur I. L. Im Apollo-Theater wird in der Variete- Nummer „Chanteclair" eine Figur ernes Juden als Herr „Rebhuhn" vorgeführt, der, fortwährend mauschelnd, im Reden und im Handeln die Verachtung heransfordert. Der Jude wird als hinterlistiger Verführer und als Feigling dargestellt. Das jüdische Publikum sollte durch seine energische Abstinenz die Direktion darüber aufklären, daß es doch sinnlos ist, wenn die Juden ihr gutes Geld hintragen, um sich dafür verlogene Sottisen und Beleidrgungen sagen zu lassen. Hermann B., Bankbeamter. Die groteske Reklame der sonderbaren Verlagsbuchhandlung Max Altmann in Leipzig spekuliert offenbar weniger auf die Dummheit der Juden, als auf die Einfalt Andersgläubiger. Die Firma soll übrigens Nichtjuden gehören. Militas. Gönnen Sie den österreichischen Antisemiten ihr Vergnügen über die Verhandlungen im Deutschen Reichstag betreffend die Zurücksetzung der Juden im Militär dienst. Was übrigens der deutsche Kriegsminister von dem „gewissen Mißtrauen des niederen Volkes gegen unsere jüdischen Mitbürger* sagte, ist natürlich Mumpitz. Alle Parteitage des „niederen Volkes", nämlich die sozialdemokratischen Parteitage, werden von dem Juden Singer geleitet. Dreiundeinhalb Millionen Männer des „niederen Volkes» bekannten sich bei der letzten Reichstagswahl als Anhänger des Juden Marx und Lassalle, die größte deutfche Handelsflotte, die der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrtsgesellfchaft, wird von dem Juden Ballin und die größte deutsche Fabrik, außer Krupp, die allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, wird von dem Juden Rathenau geleitet. Allerdings wissen wir im Augenblicke nicht, ob diese Industriekapitäne getauft sind. Die Matrosen des „Hapag" und die Eisendreher der A. E. G. dürften aber auch nicht besser informiert sein. S. St., Lehrer in E. Wenden Sie sich an die Buchhandlung Sam. W. Pafcheles, Prag, Zeltnergasse 4. Dr. I. G. Der 8. März 1887 war Dienstag den 12. Adar 5617. In diesem Jahre fiel der 12. Adar auf Montag den 31. Februar. Der 12. des 2. Adar fällt auf den 23. März. Ehrwürden S. in I. Die Anfrage, betreffend Jahrzeit im Schaltjahr haben wir auf Grund eigenen Dafürhaltens nach Analogie der Purimfeier beantwortet. Wer alte Autoritäten anrufen will, der hat solche für den ersten und solche für den zweiten Adar und schließlich auch Autoritäten für eine doppelte Jahrzeitfeier. Die Entscheidung des Orach Chajim scheint uns dem gesunden Verstand zu entsprechen. Im Uebrigen dürfen andere Autoritäten auch Recht haben. Abonnentin P. Der 15. März 1895 fiel auf Freitag den 9. Adar 5655. Abonnent B. Leider Gottes vergessen die Juden viel zu leicht und haben kein Gedächtnis für ihre Leidensgeschichte. Wenn man den übertriebenen Lueger-Enthusiasmus, der sich nicht bloß in den Spalten der sogenannten liberalen Presse, sondern auch in einzelnen, privaten, jüdischen Kreisen in einer geradezu beschämenden Weise äußert, so ist das ein Beweis, wie rasch man vergessen hak, daß Dr. Lueger viel Leid und Elend speziell unter den armen Juden angerichtet hat, als er, als Oberhaupt der Partei, dekretierte: 1. Daß jüdische Lehrer, Beamte, Bedienstete rc. rc. bei der Gemeinde Wien und deren Unternehmungen nicht mehr angestellt werden und deren Avancement weitmöglichst gehemmt wird. (Vorzeitige Pensionierungen rc. rc.)' 2. Daß die Gelder jüdischer Legate „für Waisenkinder" ausschließlich christlichen Institutionen zugewendet wurden und jüdischen Waisenstistungen vorenthalten wurden. 3. Daß Dr. Lueger es.war, der seinerzeit anläßlich des Judenmaffakres in Rußland in einer Wahlrede im XX. und XXI. Bezirke eine fulminante Rede hielt und die Wiener Juden warnte, sie mögen sich nur in Acht nehmen, damit es ihnen in Wien nicht ebenso ergehe! Die Krankheit des Dr. Lueger ruft Mitleid hervor, sein Tod wird manches vergessen lassen, aber das hohe Lied des Dr. Lueger soll von Juden aus: Selbstachtung nicht angestimmt werden. Herrn Religionslehrer A. S. in Wien. Auf Ihre Anfrage können wir bloß konstatieren, daß das von ihnen zitierte Werk Bismarck's „Denkwürdigkeiten" überhaupt nicht existiert, sondern die „Gedanken und Erinnerungen". Ob das Wort „einzigartig" dort kommen mag, wissen wir nicht. Notizen. Kais. kön. priv. Oesterr Länderbank. Die nenuundztvanzigste ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der kais. kön. priv Oesterreich:scheu Länverdank findet Mittwoch de« 30. März d. I., 6 Uhr abends, im Anstaltsgebäude fl., Hohenstansengasse Nr. 3) statt. Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Bericht des Gouverneurs über das abgelaufene Geschäftsjahr. 2. Bericht der Zensoren über die Geschäftsbahrung im Jahre 1909. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes des Jahres 1909. 4. Bestimmung des Wertes der AnwesenheitSmarken für die Verwaltungsräte (§ 35 der Statuten). 5. Wahlen in den Verwaltuugsrat (§§ 21. 22 und 24). 6. Wahl der Zensoren und deren Ersatzmänner für das Jahr 1910 (§ 38) sowie Wertbestimmung der Anwesenheitsmarken für dieselben (§ 41). Die stimmberechtigten Aktionäre (§§ 42, 43), welche an der Generalversammlung teilzunehmen ' wünschen, werden hiemit ungeladen, ihre Aktien spätestens am 16. März d. I. zu deponieren, und zwar: in Wien bei der kais. kön. privil. Oesterreichischen Länderbank, in Prag bei der Filiale der kais.'kön. priv. Oesterreichischen Länderbank, in Graz bei der Filiale der kais. kön. priv. Oesterreichischen Länderbank, in Berlin bei der Deutschen Bank sowie deren Filialen und bei der Dresdner Bank, in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Vereinsbank und bei der Deutschen Bank (Filiale Frankfurt), in Stuttgart bei der Württembergischen Vereinsbank, in London bei der kais. kön. priv. Oesterreichischen Länderbank 120, Bishopsgate Street Mithin, in Paris bei der Ranque Imperiale Royaie Privilegiee des Pays Autrichiens, Succursale de Paris, 12, Rue du quatre-Septembre und bei der Soci6t6 Generale pur favoriser le developpement du Commerce et de ^Industrie en France, 54, Rue de Provence, in Lyon bei der Lociets Lyonnaise de Depots et de Comptes Courants et de Credit Industrie! Giselaverein, Lebensnnd Aussteuer - Versicherungsanstalt a. G. Eine beträchtliche Neuproouktion, demgemäß erhebliches Anwachsen des Versicherungsbestandes und der Reserven, sowie ein bedeutender Reingewinn sind wie jedes Jahr so auch aus der pro 1909 soeben veröffentlrchten Bilanz des Gsselavereines zu entnehmen. Der Verein hat in diesem Jahre 28 900 Polizzen über 36 2 Millionen Kronen Versicherungskapital ausgestellt, 6 Millionen, für Fälligkeiten gezahlt und am 31. Dezember 1909 einen Verficherungsstand von 178.022 Polizzen mit 224 Millionen Kronen VerficherungSkapital ausgewiesen. An Prämien und Zinsen wurden 13-6 Millionen Kronen vereinnahmt. Die Rücklagen zur Erfüllung der VerficherungSverbindlichkeiten betragen 76 Millionen Kronen, die gesamten Aktiven, welche hauptsächlich aus mündelsicheren Anlagen bestehen. 78'9 Millionen Kronen. Der Jahresgewinn beträgt 615 000 Kronen. Im Berichts- - jahre wurden den Versicherten für die Jahre 1904 bis 190S nicht weniger als 1,838.060 Kronen bar an Gewinstanteilen zugeführt. Eine einzig dastehende Einrichtung des Gifelavereines ist der Fonds zur Ausstattung armer Mädchen. Aus demselben werden solchen Bräuten, deren seinerzeitige Versicherungen wegen Verarmung der Eltern aufgelassen werden mußten, Heiratsstipendien zugeführt. Im Berichtsjahre stattete der Fonds 140 arme Mädchen aus.. Daneben verfügt der Verein über mustergiltige Einrichtungen zur Pensionsverficherung seiner Beamten, Agenten, Inkassanten und Diener, sowie der Witwen und Waisen derselben. Das Vermögen all dieser humanirären Fonds beziffert sich auf zusammen 1,702.000 Kronen. Indisches Theater. Regie M. Siegler, Hotel Stefanie, II*. Taborstraße 12. Ab Freitag den 4. März: „Die goldeneEhase u.e" von I. Lateiner. Montag den 7. März: „Zirikgekimen" von Schalom Asch, veranstaltet vom Vorbereitungskomitee des „Hafomir", Verein zur Förderung jüdischer Literatur und Kunst. Dienstag den 8. März: „Zirikgekimen" von Schalom Asch. Mittwoch den 9. März: „Schabes Koidefch" von S. Feinmann. Donnerstag; den 10. März: „Kreuzersonate" von Jakob Gordin. Ab Freitag den 11. März „Der Vizekönig" von S. Feinmami. Wir bringen unseren Lesern zur Kenntnis, daß sich die bekannte Ehokolade- und Eacaofabrik Johann Hoff, Wien-Stadlau, milder Erzeugung koscherer Ehokolade und koscheren EacaoS befaßt/ der in den Räumen dieser erstklassigen Fabrik, unter der strengen, perfanlichey Aufsicht Sr. Ehrwürden, Rabbiner S. Fürst der Schiffschul in Wien, hergestellt wird.