Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 8 (25.2.1910)
- Date
- 1910-02-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Dr. Blochs Wochenschrift. Gelte )51 Religion h it erst mit dem Glauben an den auferstandenen Heiland. begonnen, wie er im Mythus des erlösungssüchtigen Orientes längst gelebt hatte. In der Auseinandersetzung mit dem Judentum hat erst Paulus, in der Herausarbeitung der Vorstellung vom Gottmenschen erst Markus den entscheidenden Schritt getan. „Erst an der Stelle, wo die von Paulus und Markus ausgehenden Einflüsse sich kreuzten, im Johannes-Evangelium ist der christliche Grundgedanke dem Gottmenschen als Leitmotiv einer neuen Religion und einer neuen, dem Judentume selbständig gegenüberstehenden Kirche herausgr'arbeitet worden." Der geschichtliche Jesus selbst bat sich noch nicht für den Christus gehalten. Er war nach Maurenbrecher nicht ein moderner Proletarier, auch „nicht ganz ein neapolitanischer Lazzaroni" (S. 197) Jedenfalls war. „was er wirtschaftlich vorschlug, das Gegenteil jeder planmäßigen Organisation; er wollte alle Menschen zu Besitzlosen machen und ihnen auch die Arbeit wehren; sie sollten die Hände in den Schoß legen und darauf warten, daß ihnen irgendwo ein Tischlein gedeckt würde." Mit dieser „heiteren Sorglosigkeit" hat er „die ganze tränenselige Sünden-Stimmung des Judentums völlig verschwinden" lassen. „Und damit war das Judentum als Religion auch in seinem Kern überwunden. „Denn nach jüdischer Lehre kann," meint Maurenbrecher, „die Erlösung nicht kommen, so lan>e die Menschen nicht ihre und ihrer Väter Sünden abgedüßt und gesühnt haben." Woher Maurenbrrcher wohl dieses Urteil über die jüdische Lehre geschöpft hat? Diese und ähnliche Betrachtungen des Judentums durch gefärbte Brillen in wajorsw eeelssias gloriam sind selbst von den freisinnigsten christlichen Theologen so unwiderruflich dogmatisiert, daß sogar Maurenbrecher ihnen seinen Tribut entrichtet. Doch das soll unser Urteil über seine sonstigen Ausführungen nicht trüben. Sie gehören zu dem Besten an Inhalt und Form, was über das Thema gegenwärtig zu lesen ist, und mit Spannung erwarten wir den zweiten Band, der uns darstellen soll, „wie aus der enthusiastischen Hoffnung auf das unmittelbar bevorstehende Ende der Glaube an die in der Welt sich auf die Dauer einrichtende Kirche ward." V. D. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Inden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden. Berlin C 2. An der Spandauerbrücke 15. Begründet von Dr. Arthur R u p p i n. Redigiert von Dr. Brunno Blau. VI. Jahrgang. Februar 1910. Heft Nr. 2. Inhalt: I. Abhandlungen: 1. Emil Hol lack, kgl. Baugewerksschullehrer in Königsberg: Zur Vorgeschichte der Juden in Ost- und Wesipreußen. (Schluß.) 2. Dr. Jakob S e g a l l, Berlin: Die Juden im Großherzogtum Luxembourg. — II. Statstisches Archiv. Die Juden in den Vororten Berlins. Konfession und Todesursachen in Berlin 1906. Die Mischehen und die Konfession der Kinder aus Mischehen in Breslau. Eheschließungen iu Deutschland 1907. Eheschließungen in Sachsen 1907. Berufszählung in Bayern 1907. Die Geburten im Großherzogtum Baden im Jahre 1908. Die prozentuale Verteilung der Bewohner im Hamburgischen Staate nach den Volkszählungen von 1871 bis 1905. Altersaufbau im Hamburgischen Staate 1907. Der IX. Zionistenkongreß, — in. Literatur. Holzmann: Geschichte der jüdischen Lehrerbildungsanstalt in Berlin. Maurenbrecher: Von Nazareth nach Golgatha. Cohen: Israel in Italien. „Die Quelle", Monatsschrift für volkstümliche Literatur. III. Jahrgang. Preis per Heft 30 Heller; jährlich 4 Kr. franko. Diese von der maßgebenden Presse. in ganz Deutschland und Oesterreich als erstklassig anerkannte, reichillustrierte Monatsschrift, die sich die Bekämpfung der Schundliteratur zur Aufgabe gemacht hat, steht gegenwärtig unter der zielbewußten Leitung von Dr. Robert .Reinhard im III. Jahrgang, der mit einem herrlichen, Marie v. Ebner-Eschenbach gewidmeten Hefte im Oktober 1909 eingeleitet wurde. Diesem folgten Adolf Pichler und Ferdinand von Saar gewidmete Hefte, die sich wie das vorliegende Februarheft, das „u n s e r e n H u m o r i st e n" gilt, durch ganz hervorragende u n gedruckte Beiträge uuszeichnen. Das beweisen Namen wie Franz Herold, Hugo Salus, Betti Paoli, Hans Fraung ruber, Else K a st n e r - M i ch a l i t sch k e, R. R. Freund. Max M e r o l d u. v. a. Als fortlaufender Roman erscheint die umfassende Erzählung „Verlorenes Glück" des österreichischen Altmeisters Stephan M i l o w. P.obenummern durch jede Buchhandlung, sowie durch die V-rwaltung: Wien, III., Beatrixgasse 14 \ (Buchdruckerei Karl Groak.) Soeben erschien Nr. 1 und 2 des „Jüdischen Freiland", Organ der westeuropäischen Sozialisten-Territorialisten mit folgendem Inhalt: 1. Von der Redaktion. 2. Die Avantgarde des jüdischen Volkes Bertoldi. 3. Die Internationale und die jüdische Sekt'on. Maxim Anin. 4. Die Juden und die Nationalitätenfrage in Oesterreich. Dr. H. Kadisch. 5. Der allweltliche Emigrationskorgreß. 6. Parallelen. Josef Kr k. 7. Aus der territorialistcschen Bewegung. 8. Das jüdische Leben. 9. Die Wahrheit über die Vereinigungskonferenz. D. 10. Auch Bundisten unter den Propheten. M. A. 11. Briefwechsel zwischen den Amerikanern S. T. und Zangw.ll. 12. Korrespondenzen. Abonnementsprels: l Nummer 30 Heller; 5 Nummern 1 Krone. Redaktion und Administration: N. Zmdwer, Wien, XX., Traunfelsgaffe Nr. 1, T. 10. Aus einem literarischen Gedenkbuch. In Olmütz besteht seit einem Jahre ein jüdisch-literarischer Verein, der die Hebung jüdischen Selbstbewußtseins durch die Verbreitung der Kenntnis der Geschichte und der Literatur des Judentums, durch Erörterung und Aufklärung über alle das Judentum berührenden Fragen bezweckt. Der Verein zieht, auch die Pflege allgemeiner Bildung und edler Geselligkeit in seinen Tätigkeitskreis. U. a. wurde ein Gedenkbuch eingerichtet, in das diejenigen Persönlichkeiten, welche im Laufe des Jahres Vorträge hielten, recht hübsche Widmungen eintrugen. Wir lassen diese hier im Wortlaut folgen: .Aus einem Volk kann man nicht austreten, wie aus einem Veieranen-Verein_" Felir Salt e n. ..Jüdisch-literarischer Verein!" Als ob es andere gäbe. Wenn die Juden nicht wären, müßten unsere Buchhandlungen Konkurs ansagen und unsere Theater schließen, Raoul A u e r n h e t m e r. Ich verdanke den Geschichten und Gestalten des Alten Testamentes die ersten und darum entscheidenden Regungen meiner Phantasie. Größe der Anschauung und ideale Versunkenheit, die dem modernen Leben nicht mehr gemäß und aller künstlerischen Hebung doch unentbehrlich sind, haben unsere gewaltigsten Männer aus der Bibel gesogen, für die wir dem Volke der Juden ewig Dank wissen. Ferdinand Gregor i. Die neuesten Bilder von Mar Liebermann. Mar Liebermann hat ein^neues Bildnis des Berliner Generaldirektors Wilhelm Bode, ein Kniestück, gemalt, das nach dem Urteil der „Kunstchronik" in der Zartheit und Helligkeit seiner Farbe eine neue Probe für die Verjüngung bietet, die Liebermann's Malerei gerade in letzter Zeit wieder durchgemacht hat. Auch zwei große Selbstbildnisse hat der Künstler pollendet. Das eine war für die Uffizien in Florenz, das andere für die Hamburger Kunsthalle bestimmt. Kriefkage« Rudolf Kafka, Linz. „Dr. M. Güdemanns Apologetik" erschien im Verlag Karl Flemming in Glogau im Jahre 1906, ist in jeder Buchhandlung erhältlich, ebenso auch bei Richard Löwit, Wien, I., Rolenturmstraße 22. I. I., Reisender in Knittelfeld. Das „Grazer Tagblatt" hat wohl nicht unrichtig vermutet, daß Elias V., der „stark betrunken ins Theater wollte", ein Jude gewesen sein mag. Nicht wegen seines Namens, denn „Elias" beißen auch Christen. Allein was ein rechter Arier ist, der sich angetrunken hat, geht nach Hause, um sein Weib zu prügeln. Eine Jude „stark betrunken" ist auch in der Tat eine unerhörte Frechheit". Das Saufen ist ein altgermanisches Vorrecht! Den Grazer Germanen zur Beruhigung drücken wir die Znversicht aus, daß die germanischen Sitten ihres Theaterdirektors, seines Regiffeurs und ihrer diversen „Freunde" vor jüdischer Usurpation bewahrt bleiben werden. Gewisse Raffeneigentümlichkeiten werden wir stets respektieren. Apoll. Lesen Sie den Artikel im „Expreß" Nr. 871: „Im Wiener Männergesangverein antisemitelt es schon seit längerer Zeit. Die alten israelitischen Mitglieder find entweder abgestorben oder durch Domizilwechsel gezwungen, aus dem Vereine auszuscheiden, und neue finden keine Aufnahme mehr im Vereinsverband. Der Antisemitismus hat hier seit Olschbauer's Tod auch die israelitischen Gastkünstler ausgeschlossen. Der Wiener Mannergesangverein ladet eher Dilettanten zu Gaste, als daß er sich entschließen könnte, einen jüdischen Künstler oder eine jüdische Künstlerin zur Mitwirkung an seinen öffentlichen Produktionen einzuladen. Mit seinem stillen Antisemitismus ist der Wiener Männergesangverein ganz in das Fahrwasser des Lehrergesangvereines Schubertbund geraten." „Alpha". Vom preußischen Junkertum, welches sich weigert, den Inden in die Offiziersgesellschaft auszunehmen, sagt einmal Gustav Freytag: „Sie waren Lumpe, bei aller Raufsucht ohne festen Mut, sie wurden allgemein für eine Landplage aehalten und mit Schmeißfliegen verglichen, aber sie waren bei alledem hochmütige, durchaus aristokratisch gesinnte Gesellen."