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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-02-18 · 7 (18.2.1910) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ishrgangrxvll Dr. Bloch’s Zentralorgart für die gesamten linteressen des Zudentunls. -□ - □- Wien, 18. Februar 1910 Lrscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie», IX/i, Hahngaffe 15. ® Telegramm-Adresse: Bloch s Wochenschrift, Wie«. Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für s Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen : Dis 4mal gespaltene Petttzeile 24 Heller. —O o r TS. ft. Postsparftassenamt? Sleartng-Verk ebr Mr. S10.S76. Redattion und Administration: e- IVirn n/i, Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. £ oO -■■■■ ■■■■ - -Oo Inhalt: Leitartikel: Staatsbürger zweiter Klasse. — Das Buch Hiob auf der Oberstufe der Mittelschule. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Semitischer Antisemitismus. Die Jca-Expedition nach Mesopotamien. Der Erfinder der Cellulose. Die Weltmeisterin auf dem Eise. Eine jüdische Soldatenfamilie. Ueber die Eigenart israelitischer Geschichtsschreibung im biblischen Zeitalter. — Korrespondenzen: Ein Judentag mit Ausschluß der Oeffentlichkeit. Israelitischer Religionslehrerverein „Esra". Israelitischer Bethausverein *2lm Volkert". Karl Goldmarks Neffe preisgekrönter Tondichter. Erzwungene Demission eines jüdischen Bürgermeisters. Ein Duell wegen Bekämpfung des Zionismus. Berlin. Siebente Tagung der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Jsraelite Universelle. Die Juden in Buchara. Ein jüdischer Feuerwehrkommandant in London. Die Forderung einer galizischen Familie an die amerikanische Regierung. Ehrung eines jüdischen Kinderarztes in der Newyorker Kolonie. Einwanderungskommissär Williams in einer jüdischen Versammlung. Zum drittenmale Senator. — Vermischtes. — Feuilleton: Jünglingsjahre. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Staatsbürger zweiter Klaffe. Bei der Verhandlung über den Militäretat im deutschen Reichstage interpellierte der Abgeordnete Gothein von der Freisinnigen Vereinigung über die Zurücksetzung jüdischer Einjähriger überhaupt und bei der Wahl zum Reserveoffizier besonders. Darauf gab der Kriegsminister von Heeringen die wahrhaft klassische Antwort, er könne die vortrefflichen Leistungen des jüdischen Einjährigen im einzelnen wohl ruhig anerkennen, aber bei den Anschauungen des niederen Volkes müsse jede Persönlichkeit sorgsam darauf geprüft werden, ob sie geeignet sei. die Autorität zu wahren. Auch wolle man das demokratische Recht des Reserveoffizierskorps nicht verkümmern, sich ihre Mitglieder selbst zu wählen. Weiters erklärte der Kriegsminister, er verwahre sich gegen einen antisemitischen Sinn in seinen Aeußerungen. Auch sein Vorgänger habe den Gegensatz erwähnt, in welchem ein Teil der Bevölkerung, zu den Juden stehe. Es sei deshalb notwendig, zu prüfen, ob der Betreffende auch der Stellung. als Vorgesetzter gewachsen wäre. Darauf antwortete in gerechter Erbitterung der Abgeordnete Mugdan von der Freisinnigen Volkspariei, es sei unglaublich, daß in achtundzwanzig Jahren kein einziger jüdischer Einjähriger befähigt gewesen sein solle, Vorgesetzter zu sein. Sehr hübsch halte sich dazu die Tatsache, daß ein Führer der. antisemitischen Konservativen im Reichstage, die hinter dem Kriegsminister stehen, Herr von Limburg-Stirum, jüdisches Blut in den Adern gehabt habe. Abgeordneter Gothein fügte hinzu, man werde überall den Eindruck haben, daß der Minister das Vorgehen des Offizierkorps einfach habe verteidigen wollen. Das ist aber alles zu wenig, und zu schwach gesagt. Man hätte sich mit dem Kriegsminister des Deutschen Reiches noch abfinden können, wenn er den Mut seiner Ueberzeugung gehabt und sich als Antisemit ausgegeben hätte. Aber einfach seine Person und seinen Amtseid salvieren und die Zurücksetzung der Juden im Militärdienste als in den Wünschen und Vorstellungen des Volkes gelegen hinstellen, ist ein unerhörtes, hinterhältiges, verächtliches Vorgehen. Was heißt denn das eigentlich, das Volk wolle sich von einem Juden nicht befehlen lassen? Das Volk will sich überhaupt von niemandem etwas befehlen lassen, der Militärdienst ist ein schwer empfundener Zwang, und der Gehorsam beruht auf eisernen Gesetzen. Speziell in Deutschland. Oft und oft wird die Kulturwelt durch die Barbareien aufgeschreckt, mit denen die Disziplin im deutschen Heere aufrecht erhalten wird. Selbst gegen Soldatenschinder darf so ein armer Teufel aus dem Mannschaftsstande nicht aufmucken, wenn er nicht für schwere lange Monate und Jahre in den Kerker wandern will. Dem intelligenten gebildeten Juden aber wird die Mannschaft nicht gehorchen, die einem Gefreiten gehorcht,, der geradeswegs vom Misthaufen kommt? Der deutsche Kriegsminister fürchtet sich vor einer Revolution, wenn sich im Millionenheer d'es Reiches ein paar jüdische Manöverofsiziere befinden. Mehr als Reserveoffiziere werden zu wollen, wagen ja die deutschen Juden nicht. Sie drängen sich nicht dorthin, wo man sie nicht mag. Aber da sie schon als Einjährige dienen müssen, so wollen sie sich nicht als Parias behandeln und beim Abschluß ihres Präsenzjahres ohne Offizierswürdigung nach Hause schicken lassen. Der Herr Kriegsminister zuckt die unparteiischen Achseln und schiebt die Schuld auf die Vereinigungen der Reserveoffiziere, die ihre Kameraden wählen dürfen und Juden nicht hereinnehmen. Ein kleines Kind würde dem deutschen Kriegsminister sagen, daß zwei Reseroatbefehle und drei Disziplinaruntersuchungen kein Wunder wirken könnten. Aber man will dieses Wunder nicht, man will Juden mit Pflichten, aber ohne Rechte, man will Steuerträger, aber keine Staatsbürger, man hat die Macht und gebraucht sie, um sich Kammerknechte des Staates zu Hallen. Wer noch einen Funken von Gerechtigkeit und Ehre im Leibe hat, wird sich über das Vorgehen der deutschen Militärbehörde bitter entrüsten. Denn es gibt nichts, rein nichts, worüber sie sich bei ihren Juden zu beklagen hätte. Diese sind sich wohl bewußt, daß sie in einem von den Konservativen geführten und regierten Reiche auf keine Schonung rechnen können und in ihrem ganzen geschäftlichen Betriebe und ihrem gesellschaftlichen Auf-

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