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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-02-04 · 5 (4.2.1910) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 5 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 97 Meran. Am Freitag, abends 8 Uhr, starb in Meran nach langem Leiden der bekannte Professor und Inhaber des Sprachheil-Jnstitutes „Hephata" für Stotternde, Professor Albert Neumann-Schönfeld. Budapest. Freitag nachmittags, am Eingänge des Sabbaths, ist unter lebhafter Teilnahme die Witwe des Rabbiners Lazar Pollak, geb. PorgeA zur ewigen Ruhe bestattet worden. Die Beisetzung erfolgte, nachdem Rabbiner Dr. Elias Adler einen tiefempfundenen Nachruf hielt, in dem Friedhofe auf der Kerepeser Straße in einem von der Chewra-Kadischa beigestellten Ehrengrabe. Zimt 80. Geburtstage Karl Goldmarks. Aus Budapest telegraphiert man uns: Die Geburtsftadt des berühmten Komponisten Karl Goldmark, Keszthely am Plattensee, wird anläßlich des 80. Geburtstages Goldmarks im Mai ein Landesmusikfest veranstalten. Bei diesem Anlasse wird am Geburtshause Goldmarks eine Gedenktafel in feierlicher Weise enthüllt. Im Prunksaale des Stadthauses findet ein Konzert statte aufgeführt von Mitgliedern der Budapefter königlichen Oper. Vukovar. Hier starb Frau Fanny Baum, eine ehrwürdige 90 jährige Matrone, die Tochter des Rabbi Samuel Weil in Bonyhad, eine ebenso fromme als wohltätige Dame. Die am 26. erfolgte Beerdigung unter außerordentlicher Teilnahme war eine Manifestation der Verehrung. Die Geschäfte wurden beim Passieren des Leichenzuges gesperrt. Für Kranzablösung wurden 446 K gespendet. Oberkantor A. Schwarz exekutierte die Trauerpsalmen und Oberrabbiner Dr. Diamant widmete der Dahingeschiedenen einen würdigen und ergreifenden Nachruf. Verbo Eine dreifache Feier beging am jüngsten Samstag die angesehene Familie Kniszky. Der Sohn des Herrn Max Kniszky wurde Var Mizwa, sein Großvater, H. Jacob Bauer, feierte seinen 80. Geburtstag und sein zweiter Großvater, H. Benjamin Kniszky, sein 25 jähriges Jubiläum als erster Tempelvorsteher. Im Festhause halten sich eingefunden, H. Oberrabbiner Reich, der Gesamtvorstand, der Lehrkörper der Bürgerschule u. a. Der Konfirmand, ein Schüler det: Verboer Bürgerschule, hielt eine schöne Rede, worauf Oberrabbiner Reich in einer geistvollen Ansprache darauf hinwies. daß Herr Benjamin Kniszky bei seinem Amtsantritte Gott eine kostbare Thorarolle weihte und heute, nach 25 Jahren, wieder der heiligen Thora seinen Tribut zollte, aber nicht in Form schöner Buchstaben, sondern das lebende Gotteswort, das aus dem Munde seines frommen Enkels ertönt. Die Familie machte eine bedeutende Spende zum Bau eines Beth Hamidrasch. Horazdowitz. Bei der konstituierenden Wahl wurden in den Vorstand gewählt: Jur.-Dr. D. P o p p e r als Vorsteher; M. S t einer als Vorsteher-Stellvertreter und Tempelvorsteher; Karl Weiner, Kassier; C. F i s ch l, Hausverwalter, ferner Leopold Tr ei chling er, Josef Löwy und Karl Münz als Ausschußmitglieder. Olmütz. Hier verschied im hohen Alter von 84 Jahren der pensionierte Gendarmerie-Wachtmeister David Lederer, ein Radetzky- Veteran. Der Verstorbene, der sich in den Feldzügen von 1849 und 1866 so manche militärische Auszeichnung erworben hat, wurde am 30. Jänner auf der israelitischen Abteilung des Kommunalfriedhofes unter vielfachen Ehrenbezeugungen bestattet. Stampfen (Ungarn). Um auf heimatlichen Boden begraben zu werden, wurde der bekannte Polyglott Samuel Bruuner, vieljähriger Korrespondent der Firma Jos. Schlesinger in der Seiteustettengasse, der ein Alter von 62 Jahren errreichte, laut Ietztwillig:r Anordnung hieher nach Wien transportiert und vorige Woche unter allgemeiner Beteiligung seitens unserer Gemeinde, nachdem ihm unser ehrwürdiger Herr Rabbiner Mor. Herzog einen seine Frömmigkeit und hohe Bildung hervorhebendcn Nachruf hielt, beerdigt. Seine vier würdigen Söhne und beiden Brüder, deren einer der bereits viele - Jahre in der Residenz tätige Kalligraph Majer Brnnner ist, gaben ihm hieher das Güeite und beobachteten dann die übliche Trauerzeit in Wien. Das Andenken dieses wahrhaft frommen Mannes sei gesegnet und die heimatliche Scholle sei ihm leicht! Feuilleton. Jünglingsjahre. Roman von Hermann Blumenthal. IX. Postenlos. Im Frühjahr traten für Dawid zwei ernste Ereignisse ein: Er erschien vor der Assentierungskommission und wurde für tauglich befunden, dem Vaterlande drei Jahre als Infanterist zu dienen. Ein paar Wochen darauf liquidierte Herr Karfunkelstein sein Geschäft. So war Dawid bald ohne Stelle und konnte sich für Herbst auf den Militärdienst gefaßt machen. Aber am traurigsten berührte ihn jetzt die Stellenlosigkeit, und er gab sich redlich Mühe, wieder Arbeit zu finden! Doch das war keine leichte Sache. Morgens war er schon um sieben Uhr vor den Annonzenbureaus in der Schulerstraße, und wenn die Zeitungen ausgehängt wurden, notierte er sich die freien Stellen, die ihm geeignet erschienen. Dann konnte er den ganzen Tag durch die Straßen laufen, um sich bei den Firmen vorzustellen. Doch so sehr er sich auch beeilte, gelang es ihm nicht, auf einem Platze der Erste zu sein; gewöhnlich waren schon andere vor ihm dagewesen. Dawid trug immer Offerte bei sich. Er verschickte sie durch die Post oder trug sie selbst in die Administration, aber es kam nie eine Antwort. Das ging so Tage und Wochen, ohne daß er einen Posten fand. Er scheute keine Anstrengung, lief in die entferntesten Bezirke, treppauf und treppab. . . . Und nirgends eine Aussicht! Bald wußte er sich keinen Rat mehr. „O Gott, was soll nun werden?" fragte er sich an jedem Abend. Die paar Gulden, die er vom Geschäft herausbekommen hatte, reichten nicht mehr lange. Manchmal wurde er vor lauter Angst wieder gottesfürchtig. Wie konnte ihn Gott so im Stiche lassen? Er fühlte sich überflüssig und unglücklich. — Wenn er nur wieder Arbeit bekäme! Was verlangte er denn viel? Er wollte das Notwendigste zum Leben verdienen. Nur nicht auf das Erbarmen der anderen Leute angewiesen sein! Wie wenig verstand er es, etwas für sich zu verlangen. Aber das Schlimmste waren die Selbstvorwürfe. Jeder stand auf seinem Posten, nur für ihn war kein Platz vorhanden und er mußte müßig durch die Gassen spazieren. . . . Jede Absage schmerzte ihn und er gab nur sich selbst die Schuld. D, er wüßte es 'im voraus, daß nichts daraus wird. Gewiß waren die Anderen tüchtiger als er! Mit jedem Tage fühlte er sich elender. Täglich sah er dieselben Gesichter der Arbeitslosen und sie erschienen ihm immer blässer und verzweifelter. Planlos irrten sie umher und hungerten, und keiner half ihnen, keiner.... Die Tage waren jetzt so unermeßlich lang. Dawid sehnte sich wieder nach.einer regelmäßigen Beschäftigung und hatte an nichts mehr Freude. Zu Hause hiÄlt er es gar nicht aus. So ging er in den Stadtpark, um die freien Stunden zu verträumen. Doch bald wurde es ihm auch dort unerträglich. Hatte er an einem Wochentage nichts Besseres zu tun. als in den Gartenanlagen herumzulungern? Und so trieb es ihn wieder auf die Gasse — wenn er auch mit dem Herumschlendern kein Ziel verfolgte. Es konnte nicht schaden, wenn er einmal bei der Assekuranzgesellschaft anfragte. . . Dann erinnerte er sich an einen Bureauvorsteher, der mit ihm vor einiger Zeit sehr fteundlich gesprochen hatte. Zu diesem ging er nun. . . Doch es war wieder nichts. Der Herr freute sich über Dawids Besuch. „Lassen Sie sich nicht abschrecken, junger Freund." sprach er. „Es wird schon bei uns etwas frei

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