Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 5 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 98 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 5 Wie«. Am verflossenen Sabbath Nachmittags hielt im Beth- H "midrasch Talmud-Thora der ehrwürdige Herr Rabbiner Dr. A. Schmiedl einen Vortrag über „Moses und seine Lehre", der den Zuhörern einen wahren Sabbath-Hochgenuß bereitete. Was tut der heutigen Generation besonders not, um fest im angestammten Glauben zu verharren?. Das erörterte der hochgelehrte Redner m überzeugender, besonders geistvoller Weise und alles lauschte gespannt seiner schwungvollen Rede, dem allbeliebten Redner am Schluffe dankbar zujubelnd. Das Minchagebet beschloß diese wahrhaft jüdische Sabbathfeier, die wohl auch als Vorfeier 4» des sehr verehrten Seelsorgers Geburtstag in dieser Woche einen besonders glänzenden Verlauf genommen hat. — Fxeitag den 4. Februar. 1910. abends halb 8 Uhr, findet daselbst ein Vortrag des Herrn Wolf Pappenheim statt. — Samstag den 5. Februar, nachmittags 3 Uhr, Vortrag Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Goldstein. Thema: „Rabbi Akiba ben Josef". Wien. (T r a u e r f e i e r.) Der Bethausverein „Beth-Hamidrasch Öhel-Abraham" veranstaltet Sonntag den 6. Februar d. I., 4 Uhr nachmittags, in seinem Bethause, IX., Grünethorgaffe 28, anläßlich des am 16. Jänner d. I. erfolgten Ablebens seines Begründers und langjährigen Obmannes, des Herrn Samuel Brunner, eine solenne Trauerfeier. Die Gedächtnisrede hält Se. Ehrwürden Herr Rabbiner H. Schenk. Gäste herzlich willkommen. Jüdische Toynbeehalle XX., Othmargaffe 46. Wochenprogramm; Samstag den 5. Februar: Konzert. — Sonntag den 6. Februar: Rabbiner M. Bach: Mcffianische Schwärmerei im Lichte der Moderne. — Montag den 7. Februar: Med.-Dr. Grün :- lieber Schulärzte. — Dienstag den 8: Februar: Dr. Hermann Kadisch: Die österreichische Reichsidee, eine historischsoziale Betrachtung. — Mittwoch den 9. Felruar: Dr. A. Klemperer: Eine Amerikareise (mit Lichtbildern). — Donnerstag den 10. Februar: Rabbinatskandidat Bäla Fischer: Jehuda Halevy's Al-Chasari. — Freitag den 11. Februar: Bibelvortrag. Jüdische Toynbeehalle. XV., Herklotzgaffe 21. Die Darbietungen des am 29. Jänner d. I. abgehaltenen Vortragsabendes gestalteten diesen zu einem besonders genußreichen. Mit meisterhafter Darstellungsgabe führte der mit Recht beim Publikum der Toynbeehalle jedesmal mit jubelnder Begeisterung willkommen geheißene Redner, Herr Oberlehrer Riesenfcld, in die Judenpolitik der Päpste und Könige um die Zeit des Lateranischen Konzils ein. Die Schwierigkeit, ein Laienpublikum mit den treibenden Faktoren jener entfernten Zeit anschaulich vertr« ut zu machen und die spärlichen Quellen über die Lage der Juden im Mittelalter zu einem packenden Gesamtbilde zu verarbeiten, überwand Rieseufeld mit verblüffender Leichtigkeit. Kaum hatte sich der nicht endenwollende Beifall nach diesem Vortrage ein wenig gesänstigt, als Herr Cand. Med. Ornstei» durch vortreffliche Wiedergabe zweier Piecen von Massenet und Schubert einen seltenen Kunstgenuß bot. Nach diesen mit reichem Beifall aufgenommenen Gesanqsvorträgen wurde der an Darbietungen so reiche Vortragsabend durch Klavier- und Violinvorträge der Herren Engländer und Komiuik würdig beschlossen, denen die höchste Anerkennung gebührt. Namens der Versammlung dankte den Mitwirkenden Herr Kodier, der sich auch um die Leitung des Abends besonders verdient gemacht hatte. Wien« Die Vereinigung der Austerlitzer in Wien veranstaltet im „Hotel de France" Samstag der 8. Februar d. I., anschließend an die diesjährige Generalversammlung dieses humanitären und geselligen Vereines, einen Unterhaltungsabend unter der artistischen Leitung des Herrn Oskar Sterufeld und unter Mitwirkung der Künstler und Künstlerinnen: Mr. Robins, Fräulein Frieda Helmer, Opernsängerin, Herr Ungrad. Fräulein Hilda Kirchhofer. Operettensängcrin, und Mr. Cook. Nach den Vorträgen folgt Tanz. Beginn 9 Uhr abends. Bon Mitglredern eingeführte Gäste sind herzlichst willkommen. Jüdischer Verein „Einheit". Eine hochherzige Dame, deren Anonymität gewahrt werden muß, übergab dem Obmann des Vereines „Einheit" Herrn Bernhard Hofbauer 1000 Kronen, für die Vereinsküche und der Mensa. Der Vorstand spricht der edlen Spenderin auf diesem Wege den besten Dank aus. Raummangel in der jüdischen Mensa. Die Speisesäle des Vereines „Einheit" werden zu klein! Es ist gar kein Wunder, wenn das gute, billige Essen einen solchen Zuspruch findet! aber es droht die Gefahr, daß viele Hungrige Wege »Raummangels abgewiesen werden müßten. Besonders in der jüdischen Mensa macht sich dieser Platzmangel recht'unangenehm fühlbar. Wer bis 1 Uhr Vorlesung hat, findet nur schwer einen Platz und an Sonntagen und Samstagen , müssen die Späterkommenden förmlich um einen Platz ringen. Dabei muß man in Betracht ziehen, daß noch nicht alle Studenten von der billigen Kost Gebrauch machen, wenn alle kämen — und sie werden kommen! — dann wird es da recht ungemütlich werden. Im großen Speisesaal, wo die ärmere Klaffe recht zahlreich vertreten ist, nehmen bessere Leute nur ungern Platz, und da die Mensa aus begreiflichen Gründen nur Hörern u.id Hörerinnen, die eine Legitimation vorweisen können, Zulaß gewährt, sind Leute in besserer, sozialer Stellung gezwungen, Brot und Wurstzeug, oder oft nur Brot zu essen. Diesem Uebel muß abgeholfen werden. Die Räume müssen vergrößert werden, zumal ein großes Lokal im selben Hanse zu vermieten ist. A. H; L. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein der Pohrlitzer in Wien veranstaltet am 29. Jänner sein diesjähriges Kostümkränzchen, das einen recht animierten Verlauf nahm und den armen Landsleuten wieder einen recht schönen Betrag zufließen läßr. Herr Oskar Naffau, Bankbeamter, stellte sich diesmal wieder mit einem reizenden melodiösen Walzer ein, der dem Vereine - mit dem Obmann Herrn Karl Steiner an der Spitze gewidmet ist. Der Walzer „Heimatsliebe" zeigt wieder, daß das Talent des Herrn Naffau zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Fünfmal wurde der Komponist, der selbst dirigierte, unter den lebhaftesten und anhaltenden Beifallskundgebungen zur Wiederholung seines netten Walzers gerufen und exakt wurde die Widmung den Besuchern zu Gehör gebracht. Herrn Naffau sind die herzlichsten Gratulationen zugekommen. Besonders ehrend für ihn war das Erscheinen seiner Vorgesetzten Herrn Weiguuy und Herrn Back, Oberbeamten und Vorständen der k. k. priv. allg. Verkehrsbank, die sich unter den Ehrengästen befanden. Ferner waren zu sehen: Herr Heinrich Eüinger, Bürgermeister von Pohrlitz, Herr (Laut) Gustav' Baudi, Sekretär des Brünner Stadttheaters. Austritte aus dem Judentum Vom 22. bis 29. Jänner 1910. Finkeistein Klara, Sängerin, geb. 12. Oktober 1985 in St; Uman (Russland), VIII, Lerchenfeld er Strasse 122. Hirschler Wolf, Monteur, geb. 10. September 1883 in Boldogaszony (Ungarn), XVIII., Mitterberggasse 32. Hirschmann Felix, Agent, geb. 21. Juli 1884, Wien, II, Leopoldsgasse 2 t. iokl Ernst, Gymnasiast, geb. 17. Dezember 1889 in Sekelfalu (Ungarn), II., Novaragasse 26. Klein, recte Jungwirth, geb. 30 August in Przemysl, XX., Kaiserplatz 16. . : . Margulies Ignaz, Kondukteur, geb. 26. Februar .1864, Lemberg. Neuruhrer Irene, geborene Winterstein, Privat-Beamtensgattin, geb. 13. Juli 1888 in Holics (Ungarn), VI., Fillgraderg. 11. Pasclikis Jakob Erwin, Hörer der Rechte, geb. 14. September 1887, I., Rudolfsplatz 12. Rudinger Stefan Josef, Beamter, geb. 27. März 1888 in Wien, I, Essiinggasse 2. Sessler Carl, geb. 1. Oktober 1870 in Turnau (Ungarn), V., Wienstrasse 22. Singer Richard, Ingenieur, geb. 5. November 1883, VII., Schottenfeldgasse 87. Schimmer Moriz, Monteur, geb. 3. Februar 1885, Wien, XIX., Pantzergasse 83. * . * * Dr. Josef Steinbach, geb. in Ungarn, Badearzt in Franzensbad, Parkstraße. Floridsdorf. (Reform beim Jugend gottesdienfte.) Vorige Woche wurde die erfreuliche Mitteilung gemacht, daß auch in Floridsdorf beim Jugendgottesdienste Knaben den Abschnitt aus der Thora selbst vorlesen, wie dies in den Wiener Gemeindetempeln feit dem Jahre 1905 fallweise geschieht. Die diesbezügliche Zuschrift des Vorstandes der Kultusgemeinde aus dem Jahre 1905, die jetzt' besondere Aktuellität erlangt hat, lautet: „Einer gegebenen Anregung gerne entsprechend, hat der Kultusvorstand die Verfügung getroffen, datz es jenen Knaben, welche beim Jugendgottesdienste als Bar- Mizwa aufgerufen werden, unbenommen bleibe, den Abschnitt aus der Thora vorzulesen, insoferne sie die hiezu erforderliche Kenntnis besitzen. Die Bar-Mizwaist rechtzeitig anzumelden und der Konfirmand hat sich einer entsprechenden Prüfung zu unterziehen. Wien, 24. Jänner 1905. Dr. Th. Lieben,. Sekretär. Der Präsident: Dr. Alfred -Stern.