Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-28 · 4 (28.1.1910) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
4 (28.1.1910)
Date
1910-01-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021873-3021878--19004-3043962
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 4 Sette 74 Profeffor Stein einen Gönner verlieren, dessen stete Bereitschaft und Geverösität das beredteste Zeugnis eines edlen jüdischen Herzens gewesen. Profeffor Stein ist vom Lehramte zurückgetreten, um sich ganz der philosophischen Forschung zu widmen. Wir knüpfen hieran die Hoffnung und die Zuversicht, daß er auch jetzt mehr Zeit gewinnen wird, seine bedeutende Kraft dem Judentume zu leihen, das seiner benötigt und seiner harrt. L K. Ehrung eines jüdischen Bildhauers. Aus Paris wird berichtet: Der berühmte jüdische Bildhauer Emanuel Hanneaux, dessen bedeutenderen Werke vom Luxemburgischen Museum angekaust wurden, wurde dieser Tage in den Vorstand der Gesellschaft französischer Künstler gewählt. Hanneaur, der auch im jüdischen öffentlichem Leben aktiv tätig ist, gehört auch dem Zentralkomitee der Pariser Alliance Israelite Universelle an. Vom internationalen Rechtsinstitute. Den Mitteilungen des internationalen Rechtsinstitutes, das demnächst in Paris seine Sitzungen abhallen wkd, entnehmen wir, daß zum Vorsitzenden der Beratungen der jetzt von den Antisemiten so viel gehetzte Dekan der Pariser juristischen Fakultät, Prof. Lyon-Caen gewählt wurde. Die wichtigsten Referate und Berichte liegen ferner in den Händen des holländischen Ministers, Staatsrates Äffer und des Rektors der Brüsseler Universität Prof. Dr. Paul Errera, welch' Letzterer bekanntlich auch Mitglied des Konseils der Jca ist. Vizeadmiral Dr. Elias Pascha. Wie erinnerlich, wurde der Leibarzt des früheren Sultans, Abdul Hamid, Vizeadmiral Dr. Elias Pascha nach dem Sturze des alten Regimes mit der Begründung aus der Armee gestrichen, daß er während 27 Jahre das Marinehospital, in welchem er seine Stellung bekleidet hatte, nicht besucht habe. Dr. Elias Pascha appellierte gegen seine Entfernung an den Staatsrat, welcher den Akt an den Marinekonseil behufs Begutachtung abtrat. Die Untersuchung des letzteren ergab die volle Grundlosigkeit der gegen den Vizeadmiral vorgebrachten Beschuldigung und setzte ihn wieder in seinen Rang ein. Dr. Elias Pascha brachte nun, wie Konstantinopler Blätter melden, ein Gesuch um Pensionierung ein, welchem nunmehr Folge geleistet wurde. Jüdische Reisende in Rußland. (Wichtige Senatserklärung.) Das russische Amtsblatt gibt bekannt: In einem konkreten Falle erklärte der Senat, daß ausländische Juden, die nach Rußland kommen und die Erlaubnis erhalten, im Lande Geschäfte zu machen, verpflichtet werden, die Gebühren für die „erste kaufmännische Gilde" Zu entrichten. Diese Verfügung bedeutet gegenüber der bisherigen Gepflogenheit eine bedeutende Erschwerung. Massenausweisung von Juden aus Taschkend. Petersburg, 4. Jänner. Dreihundert jüdische Familien mit zusammen 2000 Personen, welche seit Jahrzehnten in Taschkend leben, wurden ausgewiesen und müssen die Stadt in vierzehn Tagen verlassen. Eine Deputation ist hier eingetroffen, um Stolypin um Milderung dieser drakonischen Maßnahlne zu bitten. Wie jedoch verlautet, ist wenig Hoffnung auf die Annullierung der Ausweisungsorder vorhanden, da die der Ausweisung unterliegenden Juden als „schädliches Element" bezeichnet wurden. Dumaabgeordneter Kißelowitsch wird wahrscheinlich ein Gnadengesuch an den Zar richten. Die Geisteskrankheit unter den ruffischen Juden. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Auf dem soeben geschlossenen Kongreß rußländischer Psychiater machte das Referat des Dr. Werschubski über die „Geisteskrankheit unter den russischen Juden" besonderen Eindruck. Die Mitglieder des Kongresses waren nicht wenig erstaunt, als sie erfuhren, wie viel Geisteskranke und Irrsinnige der jüdische Ansiedlungsrayon mit seinem Elend cufzuweisen hat. Der Referent unterstrich besonders die erwiesene Tatsache, daß eine große Anzahl der jüdischen Irren in der „Tscherta" infolge der Pogrome und der Verfolgungen der letzten Jahre irrsinnig geworden sind. Er wies ferner darauf hin, daß die Lage der Juden durch die immerwährende Auswanderung nur noch verschlechtert wird. Die Ce'unden, Arbeitsfähigen verlassen allmählich das Land und Zurückbleiben die Greise, Kranken und Krüppel. Und trotz dieser traurigen Lage gibt es in den drei Gouvernements, dem Tscherta-Grodnoer, Wilnaer und Kowno«r Gouvernement, bloß ein jüdisches Spital für Geisteskranke. Aber auch in dieses werden nur solche ausgenommen, die kein eigenes Heim haben. Es komme daher oft vor, daß Irrsinnige von ihren Verwandten, die sich nicht anders helfen können, vor die Tür gesetzt werden, um auf diese Weise die Polizei zu zwingen, die Geisteskranken in das Spital zu bringen. Am Schlüsse seines Referates empfahl Dr. Wirschubski die folgende Resolution zur Annahme: „Der dritte psychiatrische Kongreß gibt nach Anhörung des Referates von Dr. Wirschubski seinem liefen Bedauern darüber Ausdruck, daß für die jüdischen Geisteskranken so wenig gesorgt und in ihrem Interesse so wenig getan wird. Der Kongreß spricht die Hoffnung aus, daß die Ausführungen des Referenten ihre Wirkung auf die privaten Wohltäter, wie auch auf die städtischen und staatlichen Verwaltungen nicht verfehlen und dazu führen werden, daß die Fürsorge und die Heilung der jüdischen Geisteskranken in erforderlicher Weise in Angriff genommen werden." Rach einer längeren Debatte, in welcher geradezu erschreckliche Bilder über die Lage der jüdischen Geisteskranken in Rußland aufgerollt wurden, wurde die vorgeschlagene Resolution angenommen. Der Grand-Rabbin von Tmkestan bei Stolypin. Vor einigen Tagen kam der Grand-Rabbin von Turkestan nach Petersburg, um beim russischen Premierminister Stolypin zu Gunsten der bucharischen Juden zu intervenieren, deren Vertreibung wiederholt, zum letztenmale bis zum 1. Jänner 1910 russischen Stils verschoben wurde. Mit dem Grand-Rabbin kamen viele Moskauer Großkaufleute, um die Bitte der bucharischen Juden zu unterstützen. Das Gremium der Moskauer Großhändler erklärt, daß die Vertreibung der Juden aus der Bucharei einen Massenbankerott in Moskau zur Folge haben würbe. Die Sitzungett der russischen Rabbinerkommission. (Die offizielle Tagesordnung.) Aus Petersburg wird berichtet: Endlich hat sich das Ministerium entschlossen, die von der Regierung eingesetzte Rabbinerkommission für den Monat März 1910 einzuberufen. Die Beratungen dürften einen vollen Monat dauern. Der Rabbinerkommission gehören 32 Vertreter des jüdischen Ansiedlungsrayons, 5 Delegierte aus Russisch-Polen und zwei aus Petersburg und Moskau an. Außerdem wird auch der sogenannte „gelehrte Jude" im Ministerium, Dr. Kreps, an den Beratungen teilnehmen. Die Mitglieder der Rabbinerkommission erhalten Diäten von je 400 Rubel, der Vorsitzende 500 Rubel. Ueberdies werden ihnen die Fahrtspesen vergütet. Diese Auslagen werden von der jüdischen Fleischsteuer „Korobka" gedeckt. Das Programm der Beratungen wurde in 11 Punkte zusammengefaßt. 1. Ueber die Lage des Rabbinates. Die Anerkennung der Rabbiner. Jüdische Kenntnisse der Kronrabbiner. Herabsetzung des Bildungszensus in den kleineren Städten. 2. Aenderung der Eidesformel für Juden. Anerkennung nicht beschnittener Kinder jüdischer Eltern. Das Recht der Juden, nicht-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.