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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-21 · 3 (21.1.1910) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
3 (21.1.1910)
Date
1910-01-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Bloch’s IahrgangXLVll Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. OQ ^o O A. k. Postfxarksffrnamr Lleartng-Vertrebr Mr. S10.S76. Redaktion und Administration: Wien u/i, Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. oP ■ ——Oo -n-n- Wien, 21. Jänner 1910 Brscbetnt jeden Freitag. - Brief-Adresse: Wie». IX/i. Hahngaffe 15. ' Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. DO 0L," . ' ■’" p Vrzugsprri» für Vrsterrrirh: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespallene Petttzeile 24 Heller. C Qp -=Oo Inhalt: Leitartikel: Die Kandidatur des R. v. Fürth. — Bilder vom Hamburger Zionistenkongreß. — Geistige Strömungen in der amerikanischen Judenheit. — Die neuen „Mekize Nirdamim". — Der Religionsunterricht und die Gemeinde. — Der Kampf in der ungarischen jüdischen Gemeinde in Jerusalem. — Schädlinge der Gesellschaft. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des israelitischen Kultusvorstandes vom 16. Jänner. Wien. Offener Brief an Herrn I. R. Stbg. Karlsbad. Professor Dr. Wilhelm Bacher. Die Juden im türkischen Heere. Ansiedlung rumänischer Inden in der Türkei. Verrechnung der Pogrom-Sammlungen. Der letzte jüdische Staatsrat. — Vermischtes. — F'euilleton: Jünglingsjahre. — Literatur. — Neue Bücher. — Brieflasten. — Inserate. Die Kandidatur des Kl u. Furth. Was jetzt in Wien im Namen des Freisinns vorgeht, ist so unerhört, daß man nicht scharf genug und nicht schnell genug Protest erheben kann. Man „macht" Gemeindewahlen, die eine beispiellose Provokation der jüdischen Wähler in der Kandidatenfrage bedeuten. Wir wollen davon ganz absehen, daß es mit der oft versprochenen Verjüngung der freisinnigen Partei wieder einmal gar nichts geworden ist. Man hat immer angekündigt, daß junge Matadore kommen und aus der Rathaussippschaft den bösen Traum einer verflogenen Vergangenheit machen werden. Wenn es aber von den Worten zu Taten kommt, stehen wieder als Kandidaten die Großväter der liberalen Idee da statt der Söhne, Schwächlinge, deren ganzer Geist von einem Witz Luegers Md deren ganze Kraft von einem Paragraphen der Geschäftsordnung im Gemeinderat lahmgelegt werden. Das gute Herz/ das Mitleid ist maßgebend in Momenten, wo es sich um die Zukunft ganzer Parteien handelt. Universitätsprofessoren müssen abdanken, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben. Bei liberalen Politikern kennt Inan aber keine Altersgrenze. Sie dürfen sogar noch als Mumien kandidieren, weil die Königsmacher so kernweich sind im Gefühl, daß sie es absolut nicht über ihr Mimosengewissen bringen, den Herrn X oder Z auszuwaggonieren, welche durch senile Kraftlosigkeit das Parteileben stören statt es zu fördern. Mit solchen Kandidaturen wollen dann die Liberalen die Stimmzettel von Wählern aus dem Ofen hervorlocken, in welchen sie aus Verdruß und Indolenz hineingeworfen werden. Das ist eben der schwerste Fehler des Wiener Freisinns überhaupt, daß er von ein paar Direktoren betrieben wird, welche sich um die Bedürfnisse und Wünsche der breiten Massen den Pfifferling scheren und ihre hochweise Privat- und Iustamentmeinung als Beisitzer des allmächtigen Wahlkomitees durchzusetzen belieben. Was sie aber in der Mißachtung des jüdischen iStanb* punktes aufbringen, übersteigt alles Dagewesene. Sie zwingen den jüdischen Wählern einen korrupten Bankerotteur als Vertreter auf, jenen versumpften Liberalismus, der einen eigenen jüdischen Standpunkt gar nicht kennt und sich der Juden höchstens gnadenweise und mit der größten Schwachherzigkeit annimmt. Wir haben aber von dieser Sorte schon genug, wir brauchen die Freisinnigen des Parlamentes, diese schweigenden Antisemiten nicht auch im Gemeinderat. Heute sind wir bereits zur Einsicht gelangt, daß der Jude nur am Juden den richtigen Vertreter in öffentlichen Körperschaften hat. Wir wollen -vertreten sein durch Leute, welche mit unserer Sache zugleich ihre eigene vertreten und jüdische Interessen nicht aus rücksichtsloser Klugheit vertreten, sondern aus dem pochenden Herzen heraus. Das haben wir schon bei den Reichsratswahlen gesagt und wiederholen es bei den Wahlen in den Gemeinderat: Es wäre eine politische Verblendung ärgster Art, wenn wir die Macht, die wir in Händen haben, wieder vertrödeln würden. Wer nicht ausgesprochen als Jude auf das jüdische Programm kandidiert, wird den Kampf, den die jüdischen Erwerbsstände gegen den Wiener Magistrat und Gemeinderat zu führen haben, bestenfalls nur durchführen wie ein sehr platonischer Liebhaber. Wir wollen nicht ungerecht sein. Trotzdem es notorisch ist, daß die Hochburgen des Freisinns in Wien durchaus von den jüdischen Stimmen abchängen, geben wir gerne zu. daß hier auch viel arische Mitbürger die mittelalterliche antisemitische Hetze nicht mitmachen. Ihnen gebührt eine Vertretung und wir selbst haben sie beantragt. Aber in dieser Beziehung geht man wieder so ähnlich vor wie in gewissen Assimililantenvereinen, die lauter jüdische Mitglieder haben und einen christlichen Präsidenten. Statt daß man einfach die Ziffernverhältnisse sprechen ließe, gibt man, in einem Anfall von Schutzjudentum den christlichen Mitbürgern weit mehr Kandidaten, als ihnen rechnungsmäßig zukommen sollten. Wenn wenigstens die jüdischen Kandidaten für die jüdischen Wähler etwas wert wären! Aber in dieser Beziehung gehen Dinge vor, welche sich die Juden absolut nicht gefallen lassen dürfen. Die deutschen Demokraten, ^welche im Parlament geradezu ein Debacle erlebt haben, rissen nun das Kommando in den Gemeindewahlen an sich. Daran wäre nun weiter nicht viel. Unter Blinden

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