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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-14 · 2 (14.1.1910) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Blochs Wochenschrift. Teile 35 Jüdische Toynbeehalle XX., Othmargasse 46. Das nächstwöchentliche Bortragsprogramm wurde wie folgt festgesetzt: Samstag den 15. Jänner, Konzert. Arrangement Herr Pros. S. Storch. — Sonntag den 16. Jänner, Ibsen als Erzieher (Zyklus III), Bibliothekar Dr. Bernhard Münz. — Montag den 17 Jänner, Rechtswissenschaftlicher Zyklus. Dr. M Reiß. — Dienstag den 18. »Geschichte der Juden in den slavischen Ländern", cand. phil. Oskar Alexander Löwenthal. — Mittwoch den 19. Jänner, Thema Vorbehalten, Gottlieb Stern. — Donnerstag den 20 Jänner, Reiseeindrücke aus Amerika (mit Lichtbildern), Dr. Alois Klemperer. — Freitag den 21. Jänner, Bibelvortrag. Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an den Obmann Herrn Dr. I. Samuely, Wien, I., Fischerstiege 6, gelangen lassen. Wien. (Jubiläum.) Der Lehrkörper der städtischen Mädchen - Volksschule, II., Novaragasse 30, feiert am 19. Jänner das vierzigjährige Dienstjubiläum seines Oberlehrers, Herrn Ignaz Weber. Der Iubilar zählt zu den verdienstvollsten und populärsten Schulmännern Wiens und erfreut sich ob seiner pädagogischen Tüchtigkeit und seiner humanitären Bestrebungen ganz besonderer Wertschätzung in allen Kreisen unserer Bevölkerung, wie nicht minder bei den Schulbehörden und Berufsgenossen. Er ist der Begründer des am 12. April 1883 in Währing eröffneten „Ersten österreichischen Taubstummen - Erternates", dem er auch als pädagogischer Leiter bis zu seiner 1897 erfolgten Berufung als Oberlehrer an die städtische Mädchen-Volksschule in der Novaragasse Vorstand. Um die Erhaltung und Ausgestaltung des Erternates, aber auch um die Unterstützung der armen, taubstummen Schulkinder zu ermöglichen, gründete er 1885 den „Verein zur Unterstützung mittelloser taubstummer Schulkinder in Wien". Erternat und Verein, an deren Spitze gegenwärtig Landesschulinspektor Hofrat Doktor Karl Rieger steht, nahm unter Leitung Webers von Iahr zu Iahr gröberen Aufschwung und erfreut sich heute allgemeiner, wohlverdienter Anerkennung aller Fachkreise des In- und Auslandes. Wien. Der Erbauer des schönen Alten- und Siechenheiwes in Posen, über dessen Einweihung in diesem Blatte Nr. 1 berichtet worden, ist der königliche Baugewerkschul-Oberlehrer Herr Architekt Grotte, ein gebürtiger Prager, der seine Studien in Wien absolvierte und von dem auch die Pläne zu dem vor zwei Jahren eingeweihten Posener jüdischen Mädchenwaisenhause herrühren. Akademie und Ball des Frauen-Wohltätigkeits- , Vereines für den 4. und 5. Bezirk. Zu Gunsten des Baufonds für den Kaiser Franz Joseph- Jubiläumstempel der Bezirke Wieden-Mürgareten veranstaltete Mibwoch 5 Uhr abends der Frauen-Wohltätigkeitsverein für den 4. und 5. Bezirk in den Sofiensälen eine Akademie. Die Akademie eröffnete ein Prolog verfaßt von dem Vereinsschriftführer Franz Frankl, den Hofburgschauspielerin Lia Rosen mit Empfindung rezitierte. Der Männer- und Knabenchor der Synagogen Innere Stadt und Leopoldstadt sang dann mit Orcheflerbegleitung unter der Leitung des Professors Joseph S u l z e r den Psalm Hallelujah und Adon-Olom. Die Instrumentierung dieser Chorgesänge war eine der glänzendsten Leistungen des genialen Chordirektors Professor Sulz er, wobei noch betont werden muß, daß die vereinigten Chöre den Intentionen ihres Dirigenten in kunstvoller Weise gerecht wurden. Die Soli sang, von stürmischem Beifall gefolgt, Oberkantor Bela G u t t m a n n. Hofopernsängerin Francillo-Kauffmann brillierte mit dem Vortrage zweier Lieder und fand stürmischen Beifall. Lia Rosen trug mehrere Gedichte vor und war Gegenstand herzlicher Sympathiekundgebungen. Hofschauspieler Korff brachte einige lustige Vorträge dem beifallslustigen Publikum zu Danke. Professor Joseph Sülzer, der ausgezeichnete Cellist, spielte eine eigene Tondichtung „Idyll" und wurde lebhaft akklamiert. Um die Klavierbegleitung machten sich die Herren Professor P a h l e n und I. Weiß verdient. Herr Professor P a h l e n brachte eine Phantasie aus Wagner'schen Motiven glänzend zum Vortrage. Das Gelingen des Festes war in erster Reihe der Vereinspräfidentin Frau Karoline H o f m a n n zu danken, die in den Damen des Vorstandes werktätige Mitarbeiterinnen fand. Wien. Der akademische Verein „Jüdische Kultur" veranstalte einen Sp^zialkurs über „Literaturgeschichte der jüdischen Sprach." (ostjüdische Volkssprache). Anmeldungen werden schriftlich oder mündlich im Vereinslokale (II. Blumauergasse 20) am Montag und Mittwoch von 7 bis 9 Uhr abends entgegengenommen. Der erste Vor^ trag findet am Montag den 17. d. M. um 8 Uhr abends statt. Der Kurs ist unentgeltlich. Wien. (Vortragsabende.) Der Verein „Netz Zionah" veranstaltet am 18. Jänner, 8 Uhr abends, im Klublokal »Cafe Mocca" I., Schottenring 12. leinen Vortragsabend, an welchem Dr. Tartakower über „R. Bial>k" sprechen wird. — Dienstag den 25. Jänner findet dortselbst ein Rezitationsabend des Schriststellers Friedrich Porges statt und am 1. Februar wird Dr. Tartakower einen Cyklns über „Neuhebräische Literatur" beginnen. Gäste herzlich willkommen. Akademie des Franen-Wohltätigkeits-Bereines „Zuflucht". Sonntag, den 9. d. M. fand in sämtlichen Räumen des Großen Musikvereinssaales die Akademie mit anschließendem Tanz des Vereines „Zuflucht" statt. Die Veranstaltung dieses Vereines gehört schon seit Jahren zu den vornehmsten der Residenz. Die jüdische vornehme Gesellschaft Wiens gibt sich für diesen Abend Rendezvous im Mufikvereinssaal. Kammersängerin Frl. Selma Kurz, die sich mit ihrer von Gott begnadeten Gesangskunst in der uneigennützigsten Weise in den Dienst des Vereines stellte, sorgte auch für das ganze künstlerische Repertoire des Abends. Außer ihrem herrlichen Gesänge hörten wir: Rezitationen des Frl. Lia Rosen, Mitglied des Hofburgtheaters, Liedervorträge des Kammersängers Leopold D e m u t h, heitere Vorträge der zwei Hofburgschauspieler Korff und v. Z e s k a. Der kleine zehnjährige Geigenvirtuose Ludwig Wittels entzückte das Publikum mit seiner Kunst, das Bachrichquartett tat auch das Seinige zur Erheiterung der Stimmung. Allen Vortragenden wurde für ihre Darbietungen reichlichst Beifall gespendet. Bei Frl. Kurz schien es jedoch, nach den Beifallsstürmen zu schließen, daß das Publikum nicht müde wäre, ihrem Gesänge eine ganze Nacht zu lauschen. In ihrer bekannten liebenswürdigen Weise kam sie dem Wunsche des Publikums nach und gab außer den bestimmten Liedern noch zwei darauf. Der Vereinsleitung, insbesondere der unermüdlichen Präsidentin Frau Laura Goldschmied gebührt der wärmste Dank dafür, daß sie es immer so gut versteht, Humanität und Geselligkeit harmonisch zu vereinen. Mögen doch all die Besucher dieses so gelungenen Abends sich des Vereins auch dann erinnern, wenn er keine Akademien veranstaltet und ihn ob seines humanitären Wirkens tatkräftigst unterstützen. Nach Schluß des offiziellen Teiles des Abends begann der Tanz, der bis früh morgens die Jugend in der anmutigsten Stimmung hielt. Herr Rudolf H e i m a n n, in dessen bewährten Händen das Tanzarrangement lag, erntete reichen Beifall für die Aufführung eines Retzens. 0. Jüdisch-Akademischer Juristenverein in Wien. Am 3. v. M. sprach eand. iar. D. Klinghofer über das Thema: Was ist und wozu studieren wir jüdisches Recht? Nachdem er kurz die Quellen besprochen hatte, wies er eingehend auf die Entwicklung des jüdischen Rechtes von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage, wo das jüdische Recht im Osten fich noch lebendig erhalten hat, während es im Westen schon durch die nationalistische Aufklärung vornehmlich unter Kaiser Josef II. in seiner Entwicklung gehemmt wurde. Dann folgte eine eingehende Besprechung der Systeme des jüdischen Zivil-, Straf- und Prozeßrechtes, wobei der Referent oft auf Unterschiede und Aehnlichkeiten im modernen, besonders österreichischen Rechte hinwies. Lebhafter Beifall der zahlreich Erschienenen lohnte den Referenten, besonders als

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