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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-07 · 1 (7.1.1910) · page 22

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 20 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr 1 Aber gerade die nationalen Forderungen erschienen Dawid so klein im Verglich zu den großen Aufgaben, die sich die Menschheit gestellt hat. „Haben die Juden keine höheren Ziele; sie, die der Welt so viel Licht und Wissen gegeben haben?" fragte er Markus und es tat ihm fast leid, daß er mit ihm streiten mußte. Wieseltier verstand wenig von dem, was die beiden miteinander sprachen. Wenn er Dawid einen jüdischen Antisemiten und Assimilanten nannte, beruhigte ihn Grünbaum mit den Worten: „Segenreich ist für unsere Sache noch nicht verloren. Ich werde ihn schon auf die richtige Bahn bringen." Bei diesen politischen Gesprächen fand Dawid am Abend noch Zeit, sich mit seinem Stück zu beschäftigen und er war glücklich, wenn ihm sein Taschengeld einen Theaterbesuch gestattete. Wenn er aus dem Theater nach Haufe ikam, hielt er sich gar nicht in der Küche auf, sondern begab sich gleich ins Zimmer und holte sein Manuskript hervor. Aber Wieseltier und die Alten folgten ihm gewöhnlich bald. Sie machten es sich auf dem Sofa bequem, redeten ihre alltäglichen Weisheiten und wunderten sich über ihn. Doch Dawid konnte nicht sprechen. Sein Atem ging schwer. „Sollte jetzt dieses elende Leben wieder beginnen?" fragte er sich. Und Wieseltier stellte an ihn eine Frage nach der andern, bis er erstaunt ausrief: „Seht Euch nur unsern Dawid an! Der hat im Theater die Sprache verloren!" Als sie endlich gingen, setzte sich Dawid und schrieb. Seine Hand schrieb und zitterte und die Lippen zitterten. Das kleine Zimmer verschwand vor seinen Blicken. Vor sich sah er die Menschen, die er schilderte und die Ereignisse berührten ihn wie eigene Erlebnisse. Er schrieb wie auf eine höhere Eingebung und Satz reihte sich an Satz. . . . Das Hing so eine halbe Stunde oder etwas länger. Dann empfand er eine furchtbare Müdigkeit. Er konnte nicht weiter, saß ha und hörte, wie das Blut in seinen Pulsen hämmerte. — Für wen schrieb er? Niemand verstand ihn und niemand wollte von ihm etwas wissen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Wölbe Eug«r. Sir Moses Montefiore. Ein Lebensbild für Jung und Alt. Berlin. 1909. Louis Lamm. M. 2.50. Wenn mau sich erinnert, welch klägliches Schicksal den Versuch ereilt hat» hier in Wien eine.jüdische Jugenschriften-Kommifsion zu bilden, so muß einem vor Neid das Herz bluten angesichts der regen Tätigkeit, die in Deutschland ein solcher von der Großloge B'nei Brith eingesetzter Ausschuß entfaltet. Und in Wölbe, der eine derartige für die weitesten Kreise bestimmte, populäre Darstellung bereits vom Major Airg, dem weißen Raben in der Geschichte des preußischen OffizierSürrps, geliefert hat, ist die geeignete Kraft für solche jüdische Charakterbilder für die Jugend gefunden. Anordnung des Stoffes, Darstellung und Ausstattung empfehlen das Buch jedem jüdischen Hause. A. F. Rabbiuowitz H. Beth-Hamidrasch. Bruchsal, 1909. Selbstverlag des Verfassers, z. Z. in Thiengen (Baden). Der hebräischen Ausgabe dieses lehrreichen Buches läßt der Berfaffer nun eine wortgetreue deutsche Uebersetzung folgen. Dadurch wird die Aufgabe, die er sich gestellt, den Lehrern in kleinen Gemeinden für religiöse Vorträge eine Handhabe zu bieten, bei dem heutigen Stand der Kenntnis des Hebräischen erheblich gefördert. Rabbiuowicz, den wir schon aus feinen früheren Arbeiten als einen Darschan kennen, der aus dem Vollen einer reichen, lebendigen Tradition schöpft, hat nicht nur seinen Kollegen, sondern Allen einen dankenswerten Dienst erwiesen, die noch eine jüdische Predigt als Lektüre nicht verschmähen. A. F. HirMeS I Sprechende Bilder aus dem Reiche der Tonkunst. E. Pierson. Dresden. M. I.—. Das, was, der Berfaffer anstrebt, „Schätze aus Werken edler Seelen mit seine« Ich herauszulesen", sollte er in Prosa zu meistern versuchen. Die Poesie liegt in ihm nicht. R. 8. §vitfk*fkm< Stabiler Leser in K. Wenden Sie sich an das Stiftungsamt der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, I., Seitenstettengasse a. F. H. Falls Sie den Wiedereintritt rechtsgiltig wi der anmelden, werden wir die Tatsache notieren. Historicus. Michael Servet bestieg am 27. Oktober 1553 den Scheiterhaufen als Ketzer. Er war. einer der Vorläufer der modernen Wissenschaft und dürfte vermutlich marranischer Abstammung gewesen sein. Kaph. Als 1752 die königliche Gesellschaft in England den Gregorianischen Kalender einführte, wurden einige Mitglieder der Gesellschaft vom aufgehetzten Pöbel in den Straßen Londons insultiert und verfolgt — weil sie ihnen 11 Tage ihres Lebens geraubt haben sollten. „Sos." Am 18« Juni 1894. Notiz. Jüdisches Theater, »Hotel Stefanie", II., Taborstraße 22. Ab Freitag den 7. Jänner 1910: „Blümele", Operette, .Text von Lateiner, Musik von Mogulesco. — Sonntag den 9. Jänner 1910, halb 4 Uhr nachmittags, zu halben Preisen: „Sulamith", Text und Musik von Goldfaden. An Wochentagen zahlen Studenten die Halste. An unsere. P. T. " Wir bitten um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements, damit in der Zusendung des Blattes keine Verzögerung eintrete. Die geehrten Aionnenten werden ersucht, bei Einsendung des Abonnementsbetrages den zugesandten Posterlagsschein zu benützen. Die neu eintretenden Abonnenten werden aufmerksam gemacht, dass das Abonnement im Vorhinein zu bezahlen ist. Die Empfänger von Probenummern werden um gefl. Mitteilung ersucht, ob sie auf weitere Zusendung reflektieren. Abonnements-Bedingungen: Ganzjährig K 16.—, halbjährig K 8.—, vierteljährig K 4.—. Die Administration. Jüdische Toynbee-Halle, Wien, XX-, Qthraargasse 46. Beginn der Vorträge: An Wochentagen 1/tS Uhr, Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für Jeden Ei wächsernen. für die Zeit vom 8. Jänner bis 14. Jänner 1910. Samstag, 8.: Konzert, Quartett Zerner. Sonntag, 9.: Thema Vorbehalten: Univ.-Prof. Dr. Leon Kellner. Montag. 10.: „Die hebräische Sprache“, Lehrer H. Löw-Vogel. Dienstag, 11.: „Pariser Sehenswürdigkeiten“, mit Lichtbildern, Lehrer J. Faltitschek. Mittwoch, 12.: „Ueber das Kartell- und Trustwesen“, Export- Akad. Oskar Fischer. Donnerstag, 13.: Ibsen als Erzieher, Zyklus II., Bibliothekar Doktor Bernhard Münz. Freitag, 14.: Bibelvortrag. Durch besondere Umstände veranlasste Aenderungen Vorbehalten. Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an den Obmann Herrn Dr. J. Samuely, Wien, I. Bezirk Fischerstiege 6, gelangen lassen. RQnlrVünom'fnv» mjt mehrjähriger Praxis, flinker DdillJAUtjcliXLütJI Rechner, derzeit in ungekündigter Stellung, wünscht seinen Posten zu verändern. Anträge erbeten unter H. E. an die Admin. dieses Blattes. In allen Zweigen der Wirtschaft tüchtiges Fräulein, inteil., Israelitin, sehr gute Köchin, sucht zur Führung eines besseren Haushaltes Stellung. Auch zu mutterlosen Kindern. Antworten erbeten unter E. Fischer, XVIII.. Pienergasse 17. Herausgeber uud verantwortlicher Redakteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIL 0611 7074^2

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