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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-07 · 1 (7.1.1910) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Dr. Bloch’s Ww,ral1 Zeittcalocgan kür die gesamten Bnteressen des Judentums OG o A. K PostsparKrrssrnamt Clearing-VerKebr Mr. S10.S76. Redaktion und Administration: «- Wir« XX/i, Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. Do c\ OC: £>o -□=□- Wien, 7. Jämer 1910 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, IX/i. Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift. Wien. OU — - -DO p Verugsprri» für Drfirrrrich: H Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4mal gespal» 2 tene Petitzeile 24 Heller. C, nO -Qo Inhalt: Leitartikel: Blüten der superioren arischen Raffe und christlichen Zivilisation. — Die Juden in der österreichisch-ungarisch« Armee. — Die Industrialisierung Galiziens. — Geistige Strömungen in der amerikanischen Judenheit. — Schädlinge der Gesellschaft. — Unser Religionsunterricht und das Haus. — XXXI. Generalversammlung des Israelitischen Tempelvereines für den 6. und 7. Wiener Bezirk. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Religiöser Wahnsinn von Hofräten des Obersten Gerichtshofes. Die jüdische Herrscherrasse des Altertums. Wie Judenhetzen entstehen. Salomos Schatz. Die Juden in Kurdistan. Landwirtschaftliche Versuchsstation in Palästina. — Korrespondenzen: Neunter Zionisten-Kongreß. Aus den »Mitteilungen der Israelitischen Allianz" zu Wien. Verband der israelitischen Religionslehrer an beit österreickischen Mittelschulen. Prag. Oeffentliche Aufreizung gegen die Juden in Ungarn. Ein jüdischer Bürgermeister in Satoralja-Ujhely. Freie jüdische Vereinigung. Erste Landeskonferenz der Rabbiner Englands. Die französisch-jüdischen Reisenden in Rußland. Konzessionen in der Türkei. Uebertritte zum Judentum in Rußland. Bukarest. Ausweisungsbefehle gegen jüdische Journalisten. — Vermischtes. — Feuilleton: Jünglingsjahre. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Mitten der superioren arischen und christlichen Zivilisation. Das „Deutsche Volksblatt" hat uns die schätzenswerte Ehre angetan, uns ein gemeines und verlogenes Iudenblatt zu nennen und uns noch mit einigen tüchtigen Titulaturen zu bedenken. Wir hatten dieses Vergnügen wegen unserer Nachricht, daß den Verunglückten der Bahnkatastrophe bei Uhersko Wertgegenstände gestohlen wurden. Diese Nachricht wurde nuu durch den offiziellen Draht sehr postfestum und als uns schon eine Richtigstellung durchaus nicht möglich war, dementiert. Nehmen wir an, das Offizielle wäre das Wahre, obwohl Ungläubige hartnäckig werden durch die Verspätung und sich darauf berufen, daß man wohl ungern zugeben würde, daß die Bevölkerung eines Landstriches Leichenfledderer wären. Recht gerne stellen wir fest, daß wir niemandem ein Unrecht tun und Beleidigungen zufügen wollen, denn wir sind ja nicht das „Deutsche Volksblatt", und wir nehmen denn auch unsererseits die Nachrichten der Tagesblätter bis auf den letzten I-punkt zurück. Warum aber beschimpft uns das „D. V." nicht weiter, warum bleibt es bei der einen Anklage stehen? Wir haben der christlich-arischen Bevölkerung von Uhersko, den engeren Stammesgenossen des talmudkundigen Abgeordneten Myslivec, noch einen schweren Vorwurf gemacht, haben gegen sie noch eine Beschuldigung erhoben, die noch schwerer ist, als die des Raubes an Leichen. Dieser ist verhältnismäßig nur ein minderwertiges Eigentumsdelikt gegen die ungeheuerliche Barbarei, welche gegen die Schwerverwundeten der Eisenbahnkatastrophe verübt wurde. Man hört es und will es nicht hören, daß die Einwohner von Uhersko und Umgebung gleichgültig nach deü Berichten einiger Augenzeugen sogar mit höhnischem Lächeln daneben standen, als sich die Verwundeten in ihrem Blute wälzten und die Luft mit den Jammer ihrer Schmerzen erfüllten. Bezahlung wollten sie haben, bevor sie Hand anlegten. Bezahlung für die gefahrlose Rettung von Menschenleben! Wenn Juden das gewagt hätten! Jahrelang hätte die antisemitische 8oi disant-^ßreffe ein Coyotengeheul darüber erhoben, ja, es ist nicht ftu zweifeln, daß ein solcher Vorfall die Begründung zu gesetzlichen Ausnahmsbestimmungen gegen die Juden gegeben hätte. Mit Recht! Wir selbst beantragen antisemitische Ausnahmen gegen uns, wenn jemals ein Jude oder mehrere sich eines solchen Vorgehens schuldig machen. wie die Unmenschen von Uhersko. Denn Shylock — das ist die Phantasiefigur eines Dichters. Die Shylocks des Lebens, die Blut und Fleisch um Geld verkaufen wollten, die standen jetzt in Uhersko und waren Arier und Christen. Nicht nur das, sie kamen geradewegs aus der Kirche, kamen von einem besonders feierlichen, vom Weihnachtsgottesdienst und hatten die Predigt ihres Pfarrers gehört. . . Trotzdem wagte es der tschechischklerikale Abgeordnete Myslivec, im offenen Parlamente zu sagen: „Aber die Christen haben sehr scharfe Vorschriften in ihrem Gewissen, das ihnen nicht erlaubt, so vorzugehen, wie es der Talmud gestattet." Man darf gerade wegen dieser Leute wie Myslivec und Vergani aber nicht die ganze Schuld der christlicharischen Barbarei von Uhersko denen zuschreiben, die sie begangen haben. Nicht nur an Bindern, sondern auch an den primitiven Volksschichten zeigen sich fast mehr noch als' der Charakter die Einflüsse der Erziehung. Seit Jahren nun haben in Oesterreich Faktoren das Wort, welche die Roheit, Skrupellosigkeit und Gemeinheit systematisch züchten. Unter dem brausenden Beifall des Publikums vom „Goldenen Luchsen" verlangte der Mechaniker Schneider die Einführung eines Schußgeldes auf die Juden. Man hat die Bauern und Bürger von Galizien und Mähren, ja. man hat sogar in Wien den Mob zu schweren Gewalttätigkeiten in die Judengasfe geführt» das „Deutsche Volksblatt" schwärmt für die russischen Md rumänischen Pogroms. Wie immer, hat die böse jTat fortzeugend Böses geboren, blieb mit ihrer Wirkung nicht bei der Judengasse stehen. Im Einzelnen wie im Großen. Die Deutschen übten die gelernte Lynchjustiz jgn den Tschechen aus und umgekehrt und die brutale Verhetzung ergriff alle Volksstämme Oesterreichs. Daß sie von der antisemitischen Bewegung herruhrte, dafür gibt es zwei berühmte Beweise aus dem Anfang dieser mora-

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