Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-17 · 51 (17.12.1909) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
51 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021818-3021870--18878-3043830
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 51 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 881 standekommen dieses schönen Festes haben sich die Damen Frau Dr. Feuerstein. Frau Kantor Kurzweil, Frau Kaufmann Lang, Frl. Frida Pollak, Herr Rabbiner Dr. Feuerstein, Herr Hugo Bloch und Herr Kultusvorsteher Mohr besondere Verdienste erworben. r. Pohrlitz. (Trauung.) Am 14. d. M. fand im israelitischen Tempel zu Pohrlitz die Trauung des Fräuleins Else Bader, Tochter des Herrn Wilhelm Bader aus Pohrlitz, mit Herrn Dr. Emil B o d a n s k y, praktischer Arzt in Mährisch-Schönberg, statt. Bielitz. Sonntag, den 12. d. M., um 3 Uhr nachmittags, fand im Gebäude der isr. Kultusgemeinde die diesjährige Generalversammlung des isr. Handwerkervereins statt. Der Vereinßvorstand, Herr Kestel, eröffuete die Versammlung mit einer Ansprache an die Lehrlinge,, in der er sie ermahnte, in ihrem Berufe vollständig aufzugehen und durch Fleiß und Strebsamkeit ihr Vorwärtskommen zu finden. Ein Lehrling dankte Herrn Kestel für seine väterlichen Worte und versprach, die gegebenen Lehren stets zu beacht-n. Darauf wurden an die Lehrlinge Kleider und Schuhe verteilt. Herr Kestel begrüßte sodann die Erschienenen, insbesonders die Herren Rabbiner Dr. Steiner und Glaser, kais. Rat Pollak, Tugendhat. Sodann ging Herr Kestel zum Tätigkeitsbericht des Vereines über. Der Verein hat 6 Mitglieder durch den Tod verloren, einige sind ausgetreten. Lehrlinge gab es 35/ 18 wurden freigesprochen. 2 gingen nach Wien, 4 traten aus, 4 traten im Laufe des Jahres ein, so daß ihre Zahl gegenwärtig 25 beträgt. Redner betont, daß man seine Freude haben müsse, wenn man die galizischen veiwahrlosten Lehrlinge jetzt sieht, wie sie durch die Fürsorge des Vereins zu tüchtigen Handwerkern heranqebildet wurden. Der Verein hat sich an den Freitischverein mit dem Ersuchen gewendet, Lehrlinge zu bespeisen. Es werden in Zukunft 6 Lehrlinge, die in einem fabriksmäßigen Betrieb beschäftigt und in Bielitz wohnhaft find, bespeist werden, und zwar das ganze Jahr hindurch. Herr Schulrat Barmaber hat dem Verein 400 K gespendet; der edle Spender wurde zum Ehrenmitglied des Vereines ernannt. Die Einnahmen betrugen 1134 K, die Ausgaben 1115 K, sodaß ein Saldo von 49 K verbleibt. Der Vorstand wurde ohne Wahl auf Akklamation wiedergewählt. Herr kais. Rath Pollak ergriff sodann das Wort und sagte, der Verein habe mit kleinen Mitteln Großes geleistet. Dies sei in erster Linie das Verdienst des Herrn Kestel, der in dem Verein aufgebt und dem das höchste Lob gespendet w-rden muß. Herr kais. Rat Pollak sprach den Wunsch aus, Herr Kestel möge noch lange seines Amtes walten. (Beifall.) Nach einem Dankwort des Herrn Kestel wurde die Versammlung geschlossen. Klasno bei Wieliezka. Am 2. d. M. wurde hier eine Spiritus» und Potaschefabrik in Betrieb gesetzt. Die Fabrik, bei deren Einrichtung die neuesten Errungenschaften der modernen Technik Anwendung fanden, ist infolge ihrer Kapazität die größte und in Bezug auf die Fabrikation von Potasche die erste und einzige in Galizien und der Bukowina. Der Inhaber dieser Fabrik ist der infolge seiner Munifizenz und Humanität bekannte Großindustrielle Michael Perlberger, der gleichzeitige Eigentümer der seit 1836 begründeten k. k. landespriv. Spiritus- Raffinerie H. Perlberger's Sohn, Klasno bei Wieliezka. Das Unternehmen, das von Jahr zu Jahr an Umfang und Bedeutung gewinnt, hält die Traditionen seines Hauses aufrecht und läßt an Samstagen und jüdischen Feiertagen sowohl den kaufmännischen, wie auch technischenBetrieb seines Werkes vollständig ruhen. Ung.-Brod. Am Sonntag, den 12. d. M., wurde im hiesigen von Ehrwürden Dr. M. Jung gegründeten jüdischen Gymnasium eine Makkabäerfeier abgehallen, die in den zahlreich erschienenen Gästen einen erhebenden Eindruck hervorrief. Herrr Prof. Flesch eröffnete die Feier mit einer zündenden, von echt jüdischem Gerste durchwebten Rede. Hierauf folgten hebräische und deutsche Rezitationen und ein Violinvortrag jüdischer Melodien unter Leitung des Prof. Fischhof. Das stimmungsvolle Gedicht „Der Thränenbecher" beschloß die würdige Feier. Pakrae (Slavonien). (Chewra Sude.) Am 7. d. M., als am ersten Chanuka-Abende, veranstaltete die hiesige Chrwra- Kadischa das erste Brudermahl seit ihrem Bestehen. Um halb 5 Uhr abends versammelten sich die Mitglieder der Chewra-Kadischa in dem festlich beleuchteten Tempel, wo Se. Eh'würden Herr Bezirksrabbiner L. Schönfeld nach dem Anzünden des Chanuka-Lichtes eine nach Form und Inhalt gediegene Festrede hielt. Um 7 Uhr abends fand das vom Vereine veianstaltete, rituelle Festbankett zu siebzig Gedecken im großen Saale des „Hotel Pakrac" statt, bei dem auch die frommen Vereine von Virovitica und Daruvar durch die Rabbinen Ehrwürden Dr. H. E. Kaufmann und Ehrwürden Dr. M. Frankfurter vertreten waren. Der Vereinspräses Herr Ignaz Adler begrüßte die Erschienenen in kurzen Worten, worauf der Vizepräses Herr Bezirkstierarzt Hirsch herzliche Begrüßungsworte an die fremden Gäste richtete und d.e Geschichte des Vereines verlas. Se. Ebrwürden Herr Bezirksrabbiner Schönfeld legte in einer geistreichen Rede die Aufgaben einer Chewra-Kadischa auseinander und schloß mit einem Appell an den Verein, weiter auf dem betretenen Pfad auszuharren und in seinem eifrigen Streben zum Wohle der Armen und Dürftigen nicht zu erlahmen, welches stürmische Begeisterung erweckte. Reichen Beifall ernteten auch die Rabbinen Dr. Kaufmann und Dr. Frankfurter mit ihren schönen und begeisternden Reden. Herr Kantor Steiner würzte das Mahl mit seinem herrlichen Gesänge. Auf Antrag des Herrn Bezirkstierarztes Hirsch wurden die Herren Rabbinen Dr. Kaufmann (Virovitica) und Dr. Frankfurter (Daruvar) per acclamationem zu Ehrenmitgliedern der Chewra- Kadischa Pakrac ernannt. Berlin. (Strftungsfest.) Am Sonntag, den 5. d. M. mittags 12 Uhr, fand im Isr. Lehrerinnenheim in Groß-L'chterfelde die Feier des 10-jährigen Bestehens statt. Eine große Zahl von Freunden und Gönnern des Heimes hatte sich in den stimmungsvoll dekorierten Räumen desselben eingefunden. Die Feier wurde eingeleitet durch „Die Himmel-rühmen", ansgeführt von dem Männerchor des Herrn Direktor Weinbaum; darauf begrüßt der Vorsitzende Herr Rabbiner Dr. Weiffe, der auch vor 10 Jahren die Welherede gehalten, hob den edlen Zweck des Vereines hervor, da die jüdische Lehrerin vor allem zu den Enterbten gehöre. Der Redner betonte die hohe Achtung, deren sich die Frau schon in alten Zeiten bei den Juden erfreut und hob die Verdienste der jüdischen Frau auch auf dem Geistes gebiete hervor. Er verlas zum Schluffe einen rührenden Brief einer Insassin des Heimes an den Vorstand, der Zeugnis ablegt von dem Glücksgefühl der Schrerberin und mit dem Wunsche schließt, daß allen alten Lehrerinnen geholfen werden möge, gleich ibr. Fräulein Münchhausen warf einen kurzen Rückblick auf das Erreichte und wies darauf bin, wieviel noch zu tun übrig fei. Ergreifend waren die Worte einer Lehrerin, die seit der Begründung des Heimes eine Zuflucht in demselben gefunden. Sie wendete sich an die Reichen und Mächtigen, deren stolzes Recht es sei, zu helfen, und ihre Rede klang aus in die Worte des Dichterfürsten: Wen die Götter lieben, den führen sie an die Stelle, wo man seiner bedarf. — Von außerhalb waren Briefe und Depeschen in großer Zahl eingelaufen und zum Schluß der Feier wurde ein Huldigungstelegramm an die Kaiserin abgesandt. Berlin. Die „Alliance Jsraelite Universelle" hat ihren Schulleiter in Beirut Herrn Nomtob Semach beauftragt, fich nach Jemen zu begeben, um sich über die Verhältnisse der Juden daselbst zu unterrichten und darnach Vorschläge zu machen, wie die üble materielle und kulturelle Lage der Juden von Jemen zu verbessern wäre. Herr Semach wird seine Reise in den nächsten Tagen antreten. Feuilleton. Iiinglingsjahre. Roman von Hermann Blumenthal. ' I. WieDawid sich die Gunst desHerrn Taubeles verscherzt. Im Wiener Volksprater fand eines Sommerabends eine gutbesuchte Handlungsgehilfeuversammlung statt. Auf der Tagesordnung stand die Einführung der vollständigen Sonntagsruhe. Mehrere Redner sprachen und ihre Ausführungen weckten stürmische Zustimmung. Nach Schluß der Versammlung strömten die Teilnehmer auf die Gasse. In einem langen Zuge marschierten sie durch die Ausstellungsstraße zum Praterstern. Doch hier stellte sich ihnen die Polizei in den Weg und suchte sie nach den Nebenstraßen abzudrängen; nur einem kleinen Trupp gelang es, die Praterstraße zu erreichen. Die Handlungsgehilfen klebten im Vorbeigehen an Mauern und Firmatafeln kleine weiße Zettel mit Trauerrand, auf welchen zu lesen war: Ein Verbrechen an 40.000 Handelsangestellten begeht ein Jeder, der am Sonntag seine Einkäufe besorgt. In der Adlergasse wurden die kaufmännischen Angestellten Dawid Segenreich, Adolf Schatz und Heinrich Liebermann von einem Wachmann beim Ankleben der Zettel überrascht. Er brachte die jungen Leute aufs Polizei-Kommissariat, wo sie einem langwierigen Verhör unterzogen und erst gegen Mitternacht wieder freigelassen wurden. Auf dem Heimwege protestierte Schatz, der Mitglied des sozialistischen Handlungsgehilfenvereines war, in heftigen Worten gegen die Verhaftung. Er suchte die Beiden, die nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.