Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-17 · 51 (17.12.1909) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
51 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021818-3021870--18863-3043815
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette 866 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. ,51 Aus des altern Wahrmund Schriften cittrtc ’ber geistliche Redner: Zn Len Talmudvorschriften freilich stehe, daß das .«änze Vermögen-er Welt den Juden gehöre und es Sache der Juden sei, dieses Vermögen an sich zu bringen. Darum sind die Juden manchmal nicht sehr skrupulös, wenn sie Hie und da das Vermögen-auf leichtere Weise in ihre Tasche bringen können. Das riesige Anwachsen der Judenvermögen ist nicht auf natürliche Weise zustande gekommen, nicht durch Fleiß und Billmng, denn die Christen sind nicht so dumm, daß sie nicht verdienen konnten, aber die Christen haben sehr scharfe Vorschriften in ihrem Gewiffen, das es ihnen nicht gestattet, so zu manipulieren, wie es der Talmud erlaubt. Dann erging sich der Redner in Auslassungen, die aus Rücksicht für unsere Leser nicht weiter reproduziert werden sollen. Zu diesen Ausführungen, die man nur mit der Feuerzange aus dem Kot-heben möchte, um sie aus -dem Wege der Kultur zu räumen, hat nun der Präsident des Abgeordnetenhauses applaudiert. Nicht etwa aus Höflichkeit, sondern anhaltend, demonstrativ und stark. Nicht etwa aus Interesse, denn zu ihrer Verlogenheit waren die Reden und das Geschwader des tapferen Myslivec so fad, Daß die anderen Abgeordneten fluchtartig aus dem Saale stoben. Der Präsident Pattai applaudierte, weil ihm das ein Herzensbedürfnis war, weil man seine Ueberzeugung so schneidig vertrat. Er befand sich zwar nicht gerade in Ausübung seines Amtes, sondern hatte eine Pause im Präsidium gemacht und antwortete empört, er sei momentan ein einfacher Abgeordneter und lasse sich sein Abgeordnetenrecht nicht nehmen, als ihm zuerst und recht nachdrücklich der Abgeordnete Kuranda und dann auch die Mitglieder des Jüdischen Klubs energisch vorhielten, daß er seine Liebe zum Antisemitismus gefälligst einstecken möchte. Wenn ein freisinniger Präsident den feinen Unterschied machen wollte, daß er nur mit der Beruhigungsglocke in der Hand im Amte sei, nach dem Heruntersteigen von der Estrade aber bloß ein einfacher Abgeordneter, so würden ihm die Antisemiten wohl im Tone der höchsten Verachtung sagen, ein solches Vorgehen sei echt jüdisch, er habe als Präsident Unparteilichkeit zu wahren und hätte diesbezüglich sogar Einiges beschworen. Dr. Pattai ließ aber aus seinem Herzen keine Mördergrube machen und applaudierte wütend dem Verlangen nach Beraubung der reich gewordenen Juden. Ein solches Betragen eines Präsidenten wäre in keiner Volksvertretung eines zivilisierten Staates denkbar. Allein insolange Oesterreich verurteilt ist, daß die christlich-soziale Partei dem Parlament aus ihrer Mitte den Präsidenten gibt, muß dieses hohe Amt ohne Würde bleiben. Sehr bezeichnend ist übrigens bei dem Vorfälle, bei welchem der sonstige Beruhigungspräsident Pattai den Antisemitismus des Hauses anfeuerte, die Haltung der freisinnigen Parteien. Keiner einzigen fiel es ein, den Herrn Dr. Pattai zurückzuweisen und ihm das private Wohlwollen für den Antisemitismus zu verbieten, das er immerhin loslassen kann, wenn er für die Freiheit seiner Ueberzeugung feine sehr gut dotierte Stellung opfern will. Kein freisinniger Protest kam den Juden zuhilfe. Es gewinnt immer mehr den Anschein, daß man in Oesterreich schon dann als freisinnig gilt, wenn man seinen Antisemitismus nicht ausdrücklich offenbart. Zur Geschichte der silbischen Aerzte in Krakau, . Von Clytilde Benedikt. Spater als andere Zweige historischer Forschung, aber eben darum ausgerüstet mit allem Rüstzeug moderner Wissenschaft, hat die Geschichte der Medizin vor wenigen Dezennien ihr weites Arbeitsfeld zu bebauen begonnen und dabei die überraschendsten Resultate zur allgemeinen Sprach- und Kulturgeschichte ans Licht gebracht. Es ist.nicht abzuleugnen, daß die wissenschaftliche Geschichte 'der Medizin durch viele Jahrhunderte ausschließlich die Geschichte der jüdischen und arabischen Aerzte ist. Um so mehr mußte es -die jüdischen und nichtjüdischen Jünger dieser gelehrten Disziplin überraschenjenes Land, in dem heute die Juden, wie seit sechs Jahrhunderten in so kompakten Massen Hausen .und das im letzten Jahrhundert so viel geniale Männer hervorgebracht hat, das Gebiet des ehemaligen Königreichs Polen, so viel wie nichts im Mittelalter und Renaissance zum wissenschaftlichen Fortschritt der Medizin geleistet, wenigstens was die Leistung jüdischer Aerzte betrifft. Da ist es dankenswert, daß Johannes Lachs in Krakau wenigstens für seine Vaterstadt durch mühseligste Forschung in den Archiven der zwei königlichen Städte Krakau und Kasimierz, dem Teil des heutigen Krakau, in dem hauptsächlich die jüdischen Aerzte gewohnt zu haben scheinen, das Dunkel teilweise gelichtet hat. Rur daß seine Publikation, der hoffentlich bald andere folgen werden, in einer medizinischen Festschrift erschienen ist, wo sie dem großen Kreise der Durchforscher jüdischer Geistestätigkeil entgehen dürfte. Freilich konnte er mehr darlegen, warum das jüdische Geistesleben auf diesem Gebiete brach lag, als daß es ihm gelungen wäre, das Vorhandensein medizinisch-jüdischer Forschung nachzuweisen. Kaum in einem anderen Lande Europas scheinen nämlich die jüdischen Aerzte so sehr unter der Mißgunst ihrer katholischen Kollegen — denn seit der Reformation ging es den protestantischen Aerzten nicht besser als den Juden — gelitten zu haben, und das Wort „perfidus Judäus" klingt nur zu oft in den Dokumenten, die sich über die Judenärzte vorfinden. Eine endlose Reihe von Steuerchikanen, zu denen die Akten noch vorliegen, beweist, daß man zu ganz modernen Mitteln des Konkurrenzkampfes griff; interessant ist noch, daß zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein königlicher Leibarzt auf Denunziation hin öffentlich des Ehebruches angeklagt wurde, aber seine Unschuld glänzend beweisen konnte. . . . Seit dem Jahre 1507 finden wir nämlich eine ununterbrochene Reihe jüdischer Leibärzte und von Leibärzten der Erzbischöfe von Gnesen, die Primas des Reiches waren, und die in den ehrendsten Ausdrücken abgefaßten Frei- und Bestallüngsbriefe der Könige und Erzbischöfe sind uns eine nicht geringe Genugtuung gegenüber den weniger schmeichelhaft abgefaßten Dokumenten der Fakultäten und medizinischen Körperschaften,' wenn auch diese Aerzte zunächst eingewanderte Spaniolen und Deutsche waren. Ein solcher, der Arzt Michael, wird vom Krakauer Rat in seinen damals (1511) deutsch abgefaßten Akten der „würdige Herr Michel Iudendoktor" und als „achtbar würdiger Herr" bezeichnet. Auch die Sapiehas und Dembinskis Haben um diese Zeit ausschließlich jüdische Aerzte gehabt, so daß die blutrünstigen Polemiken christlicher Aerzte, die sogar in Rom um Erkommunikationen für Patienten, die sich von Juden behandeln ließen, nachsuchten, wohl nicht entschuldigt, aber erklärt werden können. Trotzdem ließen sich die Spitzen der Polnischen Gesellschaft nicht beirren, und die Leibärzte wurden von ihren Königen sogar zu einer Mission ausersehen, die auch den christlichen Jüngern Aesculaps nicht oft in der Neuzeit blüht, sie wurden Gesandte und diplomatische Agenten an den Höfen der Tartarenchans, die teils Bundesgenossen, teils Vasallen der polnischen Krone waren. Noch heute sehen wir in Tschufutkale in der Krim jenes jüdische Gotteshaus — eine Photographie davon überließ ich dem jüdischen Museum in Wien — mit dessen herrlicher Lage auf der Spitze eines meerumbrandeten Felsens, in einem waldigen Hain, wohl ähnlich dem taurischen Dianätempel der Iphigenie) sich kein anderer Tempel messen kann, in dem unsere Psalmen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.