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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-10 · 50 (10.12.1909) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
50 (10.12.1909)
Date
1909-12-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zentralorgan für die gesamten Interessen des Zudentums. Jahrgang UV! Dr. Bloch’s -□ _□- Wien, 10. Dezember 1909 Lrscbetnr jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie:', IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. OG:' ""= -oo? Dexugspreis firr Vrstrrrrich: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare SO Heller. Für'» Btwlntti»: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petttzeile 24 Heäer. <j r>Q .—-Q L. ft. Postsparftassensmi Clearings! IDerftebr Mr. 610.976. Redaktion und Administration: IX/i, Hahngaffe Nr. 15. Telefon Kr. 14.847. Inhalt: Leitartikel: Die Listen der Deserteure. — Die Jubiläen der Deszendenz-Theorie. — BomJahrmarktdesLebens: Das Memorandum der englischen Juden über die rumänischen Judenverfolgungen. Ein neues rumänisches Jndustriegesetz gegen die Juden. Ein Dokument der Schande Rumäniens. Militärdienst bei den Juden vor 2400 Jahren. Anno 1800. Die Nationalisierung türkischer und palästinenfischer Juden in Amerika. Judenfeindliche Ausschreitungen rufföcher Behörden. Das jüdische Museum der Vereinigten Staaten in Washington. — Korrespondenzen: Heimstätte für jüdische Kinder. Die Leiden eines ungarischen Dorfjuden. Politische Versammlungen in Konstantinopler Synagogen. Aus den jüngsten Reden der jüdischen Dumadeputrerten. Uedelbelohnter Patriotismus. Gutachten der Helfingforser medizinischen Fakultät über das Schächten. Die amerikanischen Sozialdemokraten gegen die jüdische Einwanderung. — Vermischtes. — Feuilleton: Kultur-Kuriosa. —Literatur. — Neue Bücher. —Briefkasten. — Inserate. Die Kisten der Deserteure. Der Herr Abgeordnete A. Wutschet hat plötzlich das freisinnige Herz der Sozialdemokratie entdeckt. Er interpellierte die Regierung wegen und gegen die Listen der aus dem Judentum zur allein seelig machenden. Christenheit pder zur vorsichtig die Chance sparenden Konfessionslosigkeit ausgetretenen Personen. Diese Listen werden seit .dem 1. September 1905 von verschiedenen jüdischen Blättern veröffentlicht und das ärgert den Herrn Abgeordneten A. Wutschel über die Matzen. Er erblickt in dem gedruckten Pranger der Ueberläufer eine Religionsstörung, eine Behinderung der Konfession, die sich jeder nach seinem Belieben wählen könne, ohne datz es den Rest des Weltalls auch nur einen Pfifferling zu kümmern habe. Oh, Herr Wutschel, der Sie als parlamentarischer Vertreter eines nur mit sporadischen Juden besetzten Bezirkes so sehr kompetent s ind; wie spät entdeckten Sie Ihr für die Freiheit des religiösen Bewutztseins so empfängliches Parteigemüt! Wenn wir nicht sehr irren, hat das „Deutsche Volksblatt" anlätzlich fast jeden hohen jüdischen Feiertags Listen der jüdischen Kaufleute, welche ihre Läden und Geschäfte gesperrt hielten, veröffentlicht. Warum sind bei diesen zahlreichen Gelegenheiten nicht die sozialdemokratischen Jnterpellationskanonen gegen die Regierung aufgefahren, warum hat weder ein jüdischer noch ein christlicher Arbeiterführer aus diesem Anlatz nicht eine Verletzung der Staatsgrundgesetze gesehen und des sozialdemokratischen Programmsatzes: Die Religion ist Privatsache? Man nimmt sich derjenigen Juden an, welche durch die Hintertür über das Taufbecken davongelaufen sind, und das ist nicht gerade ein Ehrenzeichen für die Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit der Sozialdemokratie. Warum wurden und werden die Listen der Ueberläufer ^eigentlich veröffentlicht? Weil sich unter diesen . Marodeuren des Judentums sehr viele ausgesuchte Vagabunden der Moral befinden, Lumpen, welche sich den Weg zu öffentlichen Anstellungen und anderen guten Gelegenheiten des Fortkommens freihalten, dabei aber zugleich ihren Austritt verheimlichten und von jüdischen Körperschaften, Vereinen, Stipendienverwaltungen Vorteile verlangen. Diesen Leuten mutzte man die Gelegenheit %u einem doppelten Geschäft und zu einer Schädigung ehrlicher Leute verlegen und man mutzte sowohl ihre eigenen Familien, als die Gesellschaft auf sie aufmerksam machen. Denn das Judentum ist vor allem weder Konfession noch Rationalität, sondern es ist por allem Ehrensache, es mutz gegen feine zahlreichen Bedränger mit aller Tapferkeit verteidigt werden und wer sich feige davon schleicht und übergibt, ist genau so gut ein feiger Deserteur, wie irgend ein Ueberläufer aus einer belagerten Festung. Die jüdische Gesellschaft kann und will mit ihm nicht verkehren und sie will wissen, ob sie einen Menschen vor sich hat, der an ihrer Seite steht oder der ihre Interessen um Vorteile verkauft hat. Mit allem kann man aus dem Judentum austreten, nur nicht mit der Rase. Darauf bauend, möchten die Deserteure den staatlichen Behörden ihren Taufschein zeigen, der jüdischen Gesellschaft, der sie trotz Weihwasserflüssen allein angehören können, ihre Rase. Diese Doppelmoral verhindern eben die Listen und zwingen die Ueberläufer. Farbe zu bekennen, vor ihren Freunden, vor ihren Verwandten, vor allen Faktoren. Warum die Aufregung? Wer Übertritt, tut das aus Ueberzeugung oder ist ein Lügner. Seine Aeberzeugung mutz und wird eben ein jeder vertreten. Kann er es nicht, will er es nicht, sucht er sie zu verstecken, so ist es eben nicht die Ueberzeugung, die sein Motiv war. sondern er ist in moralischen Sumpf hineingestiegen und möchte das eben verbergen. Wenn jemand seine sozialdemokratische Ueberzeugung mit einer anderen vertauscht, so tritt der Henker der „Arbeiterzeitung" in Funktion und macht aus ihm eine tote, gestorbene, leblose Leiche. Wenn aber einer sein jüdisches Blut verleugnet und man blotz diese erbärmliche Tatsache erwähnt, so tritt Herr Wutschel in Funktion und ruft alle Paragraphen an, welche die Religionsfreiheit beschützen. Keine Seele ahnt, warum das eigentlich geschieht. Datz Frau X und Herr Y aus dem Judentum ausgetreten sind, ist eine interessante, mitteilenswerte Tatsache, aber sie hindert niemanden, alle Konfessionen der Welt, inklusive der Feueranbetung und der

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