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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-03 · 49 (3.12.1909) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
49 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Iahrgimg im Dr. Bloch’s Zentraloraan für die gesamten Interessen des Judentums. L. k. Postsxsrkastensmr Sleartng--Verk ebr Vlr. S10.S76. Redaktion und Administration: S» Wir« IX/i, Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. <1 60 — On -n" ~n- Wien, 3. Dezember 1909 Lrscbeint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie«. IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adreffe: Bloches Wochenschrift, Wie«. OG' ~ -=D° Drxugsprris für Veflerrrich: O Halbjährig 8 Kronen; > > Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Nn«t«nd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespattene Petitzeile 24 Heller. G oO - ■Oo InhaltLeitartikel: Ein neues Werk über die Rassenfrage. — Wenn er Jeiteles geheißen hätte. — Was kann uns der jüdische Emigrationskongreß gebend — Zur Entst hungsgeschichte des Zionismus. — Der Judeneid in Rumänien. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 28. November. Theodor Ritter v. Taufflg. tzerrenhausmitglied Ludwig Freiherr v. Oppenheimer. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Jüdischer Verein »Einheit". Z ntralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag. Eröffnung des Rathausstistes in Fü?th. Die Subvention für den Lemberger Rig-orosanteu-Verein abgelehnt. Preisausschreiben der Henry Jones-Loge U. O. B. B. zu Hamburg Hannover. Die größten Spenden des französischen Rationalmuseums. Die Wandmalereien im englischen Unterhause. Lord Swaythlrnas scharfer Protest gegen die Juüenmiffion. Nathan Straus neueste Wohlfahrtsaktion. Der neugewählte Richter am New Docker Obersten Gerichtshöfe. — Vermischtes. — Feuilleton: Skizzen aus dem jüdischen Leben. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Mn neues Werk nker die Kaffenfrage. Von Prof. Dr. S. Ehrmann. „Das Rassenproblem unter besonderer Berücksichtigung der theoretischen Grundlagen der jüdischen Rassenfrage" ist der Titel eines Buchs von Dr. Ignaz Z o l l s ch a n, das vor einer Woche im Verlag Wilhelm Braumüller — Wien erschienen ist. Das Buch enthält vollständig das, was der Titel verspricht, und es repräsentiert eine Tat, die eine grundlegende Aenderuug der herrschenden Ansichten auf diesem Gebiete zur Folge haben kann. Was die Rassenfrage für die politischen Verhältnisse der Juden unserer Gegenwart bedeutet, das ist heute zu sehr bekannt Die zerstörende Kraft dieser Theorien hat Destruktionen von vielleicht unheilbarem Charakter an dem Körper des jüdischen Volkes schon eingeleitet. Und während die Rassentheoretiker, wenn auch meist mit Recht, als bloße Pseudowissenschaftler und Dilettanten hingestellt wurden, so hat man leider auf unserer Seite bisher vollständig sich mit derselben Methode begnügt und in noch viel mehr dilettantenhafter, ja stuilletonistischer Art den ganzen Kampf austragen zu können geglaubt. Man glaubte bisher, die Rassenfrage auf die einfachste Weise dadurch aus der Welt schaffen zu können, daß man sie grundsätzlich ablehnte oder daß man sagte, die Juden seien keine Rasse. Das vorliegende Buch scheint ein tief angelegtes, rein auf Tatsachen fußendes wissenschaftliches Werk, das jeder einzelnen Frage aus diesem großen Komplex auf den Grund zu gehen trachtet, ein Buch, das endlich auch die langentbehrte Theorie derJudenfrage uns zu bringen scheint. Ausgangs- und Endpunkt aller seiner Untersuchungen ist für den Autor die Judenfrage. Da er sich aber die Aufgabe stellt, die Sache mit aller Gründlichkeit anzufassen, da er sich nicht mit prinzipiellen Ablehnungen begnügt, sondern auch in jeder Einzelfrage eine genaue systematische Analyse aller Argumente unternimmt, wächst seine Arbeit bald aus dem Rahmen der Judenfrage heraus und wird zu einer Behandlung des ganzen Rassenproblems. Das Wort „Rasse" hat für die Meisten gewöhnlich pur den Sinn, daß die Stammes-, die Blutgemeinschaft für die Individuen, welche sie umfasse, einen Käfig darstelle und sie auf eine Stufe stelle mit den Individuen einer tierischen Spezies, deren Instinkte und Begabungsrichtuug für ewige Zeiten determiniert sind durch die Zugehörigkeit eben zu ihrer „Raffe". Nichts ist da natürlicher als das fast instinktive Sträuben eines jeden Kulturmenschen gegen die Zumutung, mit seinem ganzen Denken, Fühlen und Wollen, mit seinem Instinkt und seiner P yche in den Pferch einer zoologischen Klasse gesperrt zu sein. Dieser Rössen-Wahnsinn mußte die besten Geister gegen sich entfesseln. Man schoß aber bei der Ablehnung des Rassentums weit über das Ziel. Es läßt sich nicht leugnen, daß ein Deutscher und ein Eskimo oder ein Jude und ein Hottentotte in ihren kulturellen Fähigkeiten doch sehr weit von einander abstehen. Und diese Verschiedenheit des Kulturwertes ist ganz entschieden an die Abkunft, d. h. eben an die Rasse gebunden. Dieser Widerspruch war bis jetzt ungelöst. Und da hat nun Zollschan den gerade wegen seiner Trivialität überraschenden Satz geprägt und durch interessante Deduktionen aus der Vererbungslehre bewiesen: für gegebene Zeilepochen konstant ist das Durchschnittsmaß der Begabungs quote, veränderlich je nach dem Milieu ist die Begabungs q u a l i t ä t. Die Begadungshöhe ist von der Raffe, die Begabungsrichtung ist vom Milüu abhängig. Der Sohn einer Talmudistenfamilie wird vielleicht wieder ein Talmudist sein, oder ein Jurist, ein Kaufmann, ein Schachspieler, oder etwa auch ein Hochstapler. Die Richtung, in der sich seine Begabung entfaltet, wird je nach seiner Lebensstellung eine ganz verschiedene sein. Der Grad des Intellekts aber steht zu seiner Abkunft in einem nicht zu leugnenden Abhängigkeilsverhältnis. Der Sohn einer hochbegabten Rasse wird einen höheren Grad der Intelligenz besitzen, wie immer er dieselbe betätigt. Er wird den Eskimo oder den Hottentotten, wenn derselbe etwa auch in den gleichen Berufen sich sollte betätigen wollen, an Begabung weit überragen. Er wird ein &effeier Kaufmann, ein besserer Schachspieler und auch ein raffinierterer Hochstapler sein. Die Begabungshöhe ist also von der Rasse abhängig. Doch nicht nur die Begabungsrichtuug jedes Einzelnen ändert sich, wenn die Verhältnisse sich ändern, auch ganze

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