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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-11-26 · 48 (26.11.1909) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr 48 Dr. Bloch’s Jahrgang XXVI °Go Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. — - — - -0 o A. ft. Postsxarftaffensmt Gl Slearlng-Verkebr Vlr. 810.976. RedaMon und Administration:?• Dftn EX/i, Hahugasse Nr. 15. L Telefon Nr. 14.847. <J oO - —- ■ — Oo DO Wim, 26. November 1909 Brscbefnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, ix/i, Hahngasse 15. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. O (jr —-- "P Vrprgsprri» für Vesterrrich: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespaltene Petitzeile 24 Heller. nP ■■ -Oo Inhalt rWeitartikel: Ueber den Mabbat. Was kann uns der jüdische Emigrationskongreß geben? — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Bedeutung der Juden für das moderne Wirtschaftsleben. Professor Loeb. Die Schrift der alten Philister. Randglossen des Zaren zu dem Plehweschen Judengesetz. Ueber die Juden in Saloniki. Ueber den jüdischen Einschlag ‘im Hamburger Kaufmannsstande. Jugenderinnerungen eines Katholiken an zwei Würzburger Juden. — Korrespondenzen': Gouverneur Theodor Ritter v. Taussig. Aus den Plenarsitzungen des Kultusvorstandes vom 14. und 21. November unter dem Borfitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Das Gleichenfest im israelitischen Knabenwaisenhause in Wien. XIX., Probusgasse, Verein der Sabbatfreunde „Schomre Schabbos". Dr. Adolf Hoffmann. Abermals ein Mädchenraub in Galizien. Eine antijüdische Demonstration im Lemberger Gemeinderate. Budapest. Amtsjubiläum des Rabbiners Dr. Münz-Gleiwitz. Ein Gesuch der russischen Kaufleute für die Juden. Der Mädchenhandel der Joanniten vor Gericht. Eine jüdische Wahlkurie mit getauften Juden. Eine aufsehenerregende Erklärung Zangwills. — Vermischtes. — Feuilleton: Skizzen aus dem jüdischen Leben. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Meder den Sabbat. Von Dr. M. Güdemann. Ueber den Sabbat zu sprechen ist leicht und schwer. Es ist leicht: denn obwohl die Sabbatfeier im bürgerlichen Leben der Juden sich nur noch auf einen verhältnismäßig kleinen Kreis beschränkt, so hat sie doch in deren gottesdienstlichem oder synagogalem Leben ihre alte Autorität bewahrt. Die Versuche, statt des Sabbat den Sonntag gottesdienstlich zu feiern, sind — wenigstens in Europa — mißglückt. Mit Ausnahme der Berliner Reformgemeinde gibt es in diesem Erdteil keine jüdische Vereinigung, die den Hauptgottesdienst der Woche auf den Sonntag verlegt hätte. In Amerika ist diese Verlegung allerdings in mehreren Gemeinden durchgeführt, was aber gegenüber dem Gesamtjudentum nicht ins Gewicht fallen kann. Diese Tatsache beweist, daß die Anerkennung des Sabbat, wenigstens in gottesdienstlicher Hinsicht, im weitaus größten Teile unserer Glaubensgenossenschaft unerschüttert besteht: auch diejenigen, die den Sabbat nicht halten, sogar auch nicht einmal an dem Sabbatgottesdienste regelmäßig teilzunehmen pflegen, sträuben sich gegen seine grundsätzliche Abschaffung oder Verlegung. Sie werden dazu von der Empfindung bestimmt, daß die grundsätzliche Aufgebung des Sabbat die Selbstaufgebung des Judentums bedeute. Das ist aber das größte Zugeständnis, das dem Sabbat gemacht werden kann, und es erleichtert dem Redner die Aufgabe, über ihn zu sprechen und seine Bedeutung auseinanderzusetzen. Andererseits ist diese Aufgabe schwer. Darf man erwarten, einen, der in seinem Geschäftsleben den Sabbat nicht beobachtet, durch Worte dazu zu veranlassen? Man berührt damit eine der wundesten Stellen unseres religiösen Lebens, denn die Schwierigkeiten, die sich für den Einzelnen der Beobachtung des Sabbat entgegenstellen, sind unter den obwaltenden Umständen außerordentlich groß, das ist nicht zu verkennen. Soll man also die Wunde nicht berühren und über den Sabbat gänzlich schweigen? Das wäre die beredteste Art, die Aufgebung des Sabbat zu besiegeln. Aus diesem Dilemma führt die Wahrnehmung, daß es immerhin zahlreiche Glaubensgenossen gibt, die allen Schwierigkeiten zum Trotz den Sabbat gewissenhaft beobachten. Daraus darf man die Hoffnung schöpfen, daß eifrige Bemühungen, dem Sabbat wieder zu seinem alten Ansehen zu verhelfen, nicht ohne Wirkung bleiben werden. Diese Aufgabe hat der „Verein der Sabbatfreunde" sich vorgesetzt, und ich habe seiner Einladung, über den Sabbat zu sprechen, um so bereitwilliger Folge geleistet, als es überhaupt das erstemal ist, daß eine solche Einladung an mich ergeht. Ich darf in dieser Tatsache, ebenso wie in der zahlreichen Zuhörerschaft, den Beweis dafür erblicken, daß eine Besprechung des Sabbat der Teilnahme weiter Kreise begegnet. Ich fasse aber meine Aufgabe so auf, daß ich die Bedeutung des Sabbat vom wissenschaftlichen Standpunkte aus zu untersuchen und darzustellen habe. Danach gliedert sich mein Vortrag in drei Teile, von denen der erste den Sabbat in geschichtlicher, der zweite in ethischer, der dritte in sozialer Hinsicht behandeln soll. Nach allen diesen Richtungen verbreiten sich die Strahlen unserer Religion, und da der Sabbat ihre vornehmste Institution ist, so ist es klar, daß sie in ihm wie in einem Brennpunkte sich vereinigen müssen. T. Was die Geschichte des Sabbat betrifft, so können wir über seinen Ursprung nur aus unserer Bibel, insbesondere aus der Thora Belehrung schöpfen. Man hat zwar geglaubt, durch die Ergebnisse der babylonischen Ausgrabungen unsere Bibel kontrollieren zu können, und hat dieses Verfahren auch auf die Institution des Sabbat angewendet. Aber die Resultate, die man auf diesem Wege zu gewinnen glaubte, sind ausgeblieben. Ebensowenig hat die vergleichende Religionsgeschichte ergeben, daß bei irgend einem anderen Volke des Altertums etwas dem israelitischen Sabbat ähnliches zu finden, noch auch, daß er mit astrologischen und anderen mythologischen Vorstellungen verwachsen ist. Die Folge davon ist die Erkenntnis, daß an eine Entlehnung des Sabbat nicht zu denken, daß er vielmehr innerhalb der israelitischen Religion bodenständig und durchaus mit deren mono-

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