Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 44 (29.10.1909)
- Date
- 1909-10-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 768 der Würdigsten der Gemeinde waren, gab ihnen besonderes Gewicht. Ist doch auch die Mitwirkung des Rabbiners in der „Aboda" und in vielen anderen Agenden durch nichts zu ersetzen. Doch dieses Kapitel der Stellung des Rabbiners stellt eine Frage für sich dar, deren Lösung eine der Grundbedingungen einer gedeihlichen Entwicklung des Judentums bildet. Ll. Dr. Julius Eisler. Lehrbuch der Philosophie. Verlag von I. Eisenstein & Co. ly09. In seinem Geleitworte führt der Verfasser als den Zweck seines Lehrbuches an: „eine kurze, klare und vollständig orientierende Darstellung der Philosophie, welche auch zum Betriebe von Einzelforschungen und zum leichteren Verständnisse der (heute vielfach gerne als „Einführungen" bezeichneten) Systeme befähigen und daher den Anforderungen des Studierenden, wie des gebildeten Laien entsprechen soll, derart, daß sie so gemeinverständlich sein und ebenso Gemeingut aller werden kann und soll, wie etwa Physik oder Geometrie". Wir glauben, diese durch große Gewiffenbaftigkeit, vollständige Beherrschung des Stoffes und außerordentliche Zusammenfassung desselben, ferner durch besondere Klarheit, Uebersichtlichkeit und zwingende, einleuchtende Beweisführung der vielfach völlig neuen Anschauungen wärmstens empfehlen zu müssen, und zwar ebensowohl jenen, welche sich schon lange mit der Philosophie beschäftigen, als auch solchen, welche sich mit denkbar geringstem Aufwande an Zeit und Mühe in einer ihnen völlig neuen Materie zurechtfinden wollen; beide werden sehr befriedigt sein. , Die Schrift, welche das erste exakte Lehrbuch der Philosophie bedeutet, enthält vielfach ein Abweichen von den herrschenden Anschauungen, so in der Auffassung der Wahrheit, der Methoden, der Kategorien, der Prinzipien der Ethik und Aesthetik, des Gefühles und des Willens, der Dialektik, des Aufbaues der Methaphysik, in der Feststellung des Begriffes des Friedens, im Zusammenstcllen der Normen und in dem Versuche eines Systemes der Gesetze; sie berücksichtigt jedoch überall die bisherigen brauchbaren Forschungsergebnisse und widerlegt bündig ihr widerstrebende Ansichten. Bei der Reichhaltigkeit des Stoffes und bei dem geringen Umfange der Schrift, welche infolge ihrer ganz außerordentlichen Knappheit bloß 85 Seiten umfaßt, müßte, wenn man alles Bedeutsame hervorheben wollte, förmlich das ganze Buch zitiert werden; die Leser werden für diese Empfehlung zweifellos sehr dankbar sein. Was ist Wahrheit? Zeitgemäße Betrachtungen von G. Klocke. Brackwede, Verlag von Dr. W. Breitenbach. 1909. Oktav. 52 S. 60 Pf. In dieser Schrift nimmt ein gebildeter Laie das Wort zu den die Gegenwart bewegenden, religiösen Fragen. Der -Gegensatz, der überall zwischen dem alten Kirchenglauben einerseits und der modernen Wissenschaft andererseits klafft, hat ihm keine Ruhe gelassen und er hat es unternommen, die Ergebnisse seiner kritischen Prüfung der beiderteitigen Standpunkte in allgemein verständlicher Form dem gebildeten Publikum zu unterbreiten. Die Frage: »Was ist Wahrheit?" ist, so meint der Verfaffer, nicht mehr zugunsten der Kirche zu beantworten, deren Bau auf mehr und mehr schwankend gewordenen, dogmatischen Vorstellungen ruhe. Der Verfasser erkennt nur das als wahr an, was mit den im ganzen Weltall geltenden Naturgesetzen in Einklang steht. L. 8. Hedwig, v. Olfers, geb. v. Staegemann. 1799 bis 1891. Ein Lebenslauf. Erster Band. Mit zwei Bildniffen. Berlin 1808. E. S. Mittler u. Sohn. 413 S. Wir glauben uns keiner Uebertreibung schuldig zu machen, wenn wir dieses herrliche Buch zu den Perlen der deutschen Memoirenliteratur überhaupt zählen. Eine große Zeit erschließt uns hier in buntestem Farbenspiel ihr Innerstes, das vor den Augen der mitlebenden Oeffentlichkeit geheim gehaltene Spielen der Federn, die das Rad der Geschichte im Laufe erhalten. Und all das wechselvoll kreisende Leben durch edle, große, in sich starke Seelen beschaut. Ein Buch, für den Historiker unentbehrlich, wie für den rein literarisch Interessierten ein hoher Genuß. Ueber gewisse jüdische Wiener und Berliner Kreise aus der Zeit Napoleons bietet sich uns eine Fülle der Geschichte. Die Arnsteins, Eskelcs, Pereiras, Ephraims, Wertheiwsteins, Meyerbeers Eltern, der von Heine gezwackte Delmar, Henschel, Warschauer, Deutsch, Koreff, Mendelssohn u. v. a. ziehen an uns vorüber in dem Urteil, wie es Ehegatten einander in Briefen mitteilen, also ohne Seitenblicke auf Gnade oder Ungunst. Wir sehen mit Spannung der Fortsetzung entgegen, um alsdann über die Heldin dieser Biographie in Briefen Näheres mitzuteilen. Ll. Goethes Gespräche. Gesamtausgabe von Freiherr v. Biedermann. 2. Auflage. 1. Bd. Leipzig. 1909. F. W. v. Biedermann. 554 S. Der Herausgeber dieser Gespräche, die eine treffliche Goethe- Biographie darstellen, zeigt sich in jeder Hinsicht vortrefflich beraten. Eine Zeit, die in Goethe den großen Künstler nicht nur, sondern vielleicht noch höher den Menschen zu schätzen weiß, wird jedes Wort aus seinem Munde bedeutsam finden, aus den kleinen Zügen des Alltagslebens den Ueberragenden sich menschlich näher rücken und aus den Bildern, die der Spiegel der Umwelt von ihm reflektiert, sein getreues Porträt gewinnen. Diese Bändchen versprechen gute Freunde zu werden, die man zu jeder Stunde um ihre Gesellschaft ansprechen, und von denen man in jeder Stimmung freundlicher Eindrücke und fesselnder Unterhallung gewiß sein darf. Hier sehen und hören wir den ganzen, echten Goethe. Ll. Ottolsnghl Raffaels. Voci d’Oriente. Studi di storia religiosa. Vol. II. Genova. 1908. Libreria Modeina* Der mächtige Band von 1218 Seiten behandelt in 73 Kapiteln die heute io heiß umstrittene Frage der Ursprünge des Christentums. Wir behalten uns eine eingehende Besprechung vor, bis das gesamte Werk vorliegt. P. F M. Mayer. «Geschichte Oesterreichs mit besonderer Rücksicht auf das Kulturleben." 3. Aufl. Wien und Leipzig. 1909. Wilhelm Braumüller. 9. Lieferung. Neue Bücher. Dr. S. Wellenberg, Elisabethgrad. Die Spaniolen. Eine anthropometrische Skizze, (Sonderabdruck aus Band XXXIX (der dritten Folge Band IX] der Mitteilungen der Anrhropologischen Gesellschaft in Wien.) Mit 5 Abbildungen nach Photographien des Verfassers. Selbstverlag der Anthropologischen Gesellschaft, Wien. 1909. Friedrich Porges, Licht, Schauspiel in einem Akt. Jüdischer Buch- und Kunstverlag Max Hickl, Brünn. John Merlin Dowis Smith, the university ol Chicago. Books for Old Testament Study. The university of Chicago. Press 1908.- Dr. Max Kemmerich, Kultur-Knriosa. Verlag Albert Langen, München. Kriefkaften. Redaktion des „Amerikaner" in New-Nork. Die Notiz «Aus Cooks Jugend" in Nr. 38 der „Oest. Wochenschrift" stammt nicht, wie Sie irrtümlich annehmen, aus der Feder des Rabbiners Davor Grunwald, sondern wurde der Berliner «Vossffchen Zeitung" und dem «Neuen Wiener Tagblatt" entnommen. Diese Notiz war in der betreffenden Nummer der «Oester. Wochenschrift" unmittelbar nach einem Artikel Dr. Grunwalds: „Anteil der Juden an der Entdeckung des Nordpols" abgedruckt; beide wurden nebeneinander gereiht, wegen des verwandten Inhalts. Allein Dr. Grunwald hat bloß den von ihm gezeichneten Artikel verfaßt und die unter einer neuen Ueberschrift darauf folgende Notiz war den genannten Tagesblättern entnommen. Religiouslehrer I. Gl. in O. In den meisten. deutschen Ländern darf kein Ungar als Religionslehrer und Schächter fungieren. Eine Ausnahme bilden Hamburg und Lübeck. Zuständig ist Jedermann zu der Stadt, zu dem Ort und zu dem Lande, wohin sein Vater zuständig war. Die Zuständigkeit ist von der Steuerleistung unabhängig. Hunwald S. in L. Der dreijährige Zyklus bei der Vorlesung der heil. Schrift ist in Deutschland in vielen alten jüdischen Gemeinden schon seit Jahrzehnten üblich. A. R. III. Wenn Juden im «Deutschen Volksblatt" Inserate publizieren, so ist das gewiß eine Charakterlosigkeit und ein Ohillnl häschern. Notiz. Jüdisches BolkstHeater Im großen Saale des «Hotel Stefanie" produziert sich seit einiger Zeit eine Gesellschaft jüdischer Schauspieler und wurde diese Woche das bekannte Stück «Der Deserteur" von Lateiner mit großem Erfolge gegeben; namentlich Fräulein Weinberg und die Herren Siegler, Weintraub, Rappaport, Aschkenasi exzellierten in ihren anstrengenden Rollen. Die Handlung des Stückes ist wohl eine recht magere, doch bietet sich dabei gute Gelegenheit, das Ghetto-Leben kennen zu lernen und ansprechende Melodien — darunter auch eine hübsche Komposition des „Unesane-Tokef" — zu hören. Kaufm. gebildeter, junger Mann organisatorisch veranlagt, flinker und sicherer Rechner, routinierter Stilist. Schuhfachmann, mit langjähriger Praxis, sucht Stelle. Leo Hammer, Wien, II., Grosse Pfarrgasse 18, Tflr 12.