Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 43 (22.10.1909)
- Date
- 1909-10-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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hi Nr. 43 Dr. Blochs Faik Bey und die Juden. Der Begründer der „Liga des Friedens und der Eintracht unter den Rassen" in der Türkei, Faik Bey, der lange Jahre in Saloniki lebte, wurde jüngst, zum Mutessarif von Skutari gewählt. Die jüdische Gemeinde von Haida Pascha entsendete unter Führung ihres Präsidenten Chekib Adont eine Begrüßung?- deputation an den als gerechten, liberalen Mann bekannten Faik Bey. Dieser empfing die Deputation überaus wohlwollend und erklärte ganz offenmütig, daß er aus innerster Ueberzeugung ein Freund der Juden sei, die er besonders in Saloniki schätzen zu lernen Gelegenheit hatte. Diese Wertschätzung — sagte er — stammt von seiner Wahrnehmung, daß die Juden loyale vttomanische Bürger, Förderer jeden geistigen und wirtschaftlichen Fortschrittes find. Er ist überzeugt, daß der ottomanische Staat noch Vieles werde den Juden zu danken haben. Der Sprecher der Deputation Chekib Adont dankte für die freundlichen Anerkennungsworte und meinte, die Juden hätten bloß die Ambition, ihre patriotische Pflicht zu erfüllen und auf diese Weise dem Lande und sich selbst zur Ehre zu gereichen. Sir William Willeocks in Konstantinopel. Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, ist Sir William Willeocks, der bekanntlich im Aufträge, der türkischen Regierung ein Expose über die Jrrigationsanlagen in Mesopotamien ausgearbeitet hatte, von der Pforte nach Konstantinopel berufen worden. Wie verlautet, soll in türkischen offiziellen Kreisen der Plan gereift sein, bevor man an die Herstellung der Bewässerungsanlagen schreitet, eine Bahnlinie auszubauen, durch welche das Innere Mesopotamiens mit Bagdad eine Verbindung erhalten soll. An diese Arbeit soll so rasch als möglich ge schritten werden. Mit diesen Arbeiten hängt auch die Berufung Willeocks zusammen, der in seinem Expose verschiedene Bahnprojekte zur Vorlage brachte. Ein wichtiger Regierungserlaß in ver Türkei. - Der Polizeidirektor von Salonichi lud dieser Tage die verantwortlichen Redakteure der dortigen Zeitungen zu sich ein, um ihnen eine Zirkularnote des Ministers des Innern Talaat Bey bekanntzugeben. In diesem Zirkulare beklagt sich der Minister, daß gewisse Provinzblätter Artikel veröffentlichen, die geeignet erscheinen, zwischen den verschiedenen Elementen des Landes Uneinigkeit hervorzurufen und die Einigkeit zu zerstören, die im Lande herrschen müsse. Mit Rücksicht auf das höhere Interesse des Vaterlandes werden die verantwortlichen Leiter der Journale verhalten, die Rassen- und Konfessionsfragen mit Takt und Zurückhaltung zu behandeln. Der Inhalt der Zeitungen wird regelmäßig kontrolliert werden. Der Generalprokurator hat den Auftrag erhalten, jedes Journal, das Schmähartikel gegen irgend ein Element der im Reiche lebenden Völker oder Konfessionen veröffentlicht, in der Person des verantwortlichen Redakteurs laut Artikel 16 des Preßgesetzes rücksichtslos zu verfolgen. Eine Marokkanische Delegation mit einem jüdischen Führer. An der amerikanischen Hudson-Fulton-Parade hat, wie „Newyork-Times" berichten, auch Marokko durch eine eigene Delegation teilgenommen, die der Sultan von Marokko eigens nach Newyork entsendet hat. Die Delegation bestand aus drei Hofbeamten sammt Gefolge. Als Führer der Delegation war der Leibarzt des Sultans, namens Dr. H o l z m a n n, mitgesandt worden, dem man, wie die amerikanischen Blätter verzeichneten, es trotz seiner marokkanischen Tracht anmerkte, daß er aus einem „weniger tropischen Klima, etwa aus Rußland oder Galizien" stamme. Dr. Holtmann beherrscht mehrere europäische Sprachen und trägt im allgemeinen ein europäisches, weltmännisches Benehmen zur Schau. Wochenschrift. Sette 743 Traurige Lage der marokkanischen Inden. Wie aus Tanger berichtet wird, ersuchte der Pascha der Asemmur infolge der blutigen zwischen Juden und Arabern ausgebrochenen Streitigkeiten den Befehlshaber des franzöfischen Militärpostens von Sidi Hali um Beistand, der ihm auch gewährt wurde. Eine franzöfische Schützenabteilung stellte die Ordnung in Asemmur rasch wieder her und kehrte nach Sidi Hali zurück. Da der Pascha aber befürchtete, daß sein Schritt das Mißfallen Mulai Hafids erregen könnte, hat er dem Sultan eine beträchtliche Geldsumme gesandt. Benennung eines öffentlichen Parks nach einem Juden. Die große amerikanische Stadt Milwaukee erwarb vor einiger Zeit eine große Gartenanlage zum Zwecke eines öffentlichen Parks. In der letztes Sitzung des dortigen Gemeinderates wurde nun der Antrag eingebracht, den Park nach dem berühmten jüdischen Pionier und amerikanischen Patrioten Mordechai Emanuel Noah zu benennen. Zur Begründung dieses Antrages wurde erwähnt, daß Noah ein Offizier in der Armee Washingtons war, überdies auch den Freiheitskampf finanziell förderte. Interessant ist, daß die Antragsteller darauf Hinweisen, daß wohl die Benennung eines öffentlichen Platzes nach Noah zumindest so berechtigt wäre, wie die Benennung eines anderen Parkes in Milwaukee nach dem polnischen Patrioten Kosciusko, wie dies kürzlich der Fall war. Die Eröffnung der ersten jüdischen Farmausstellnng in New Aork. Am vergangenen Laubhüttenfeste wurde in New-Iork die erste Ausstellung der Produkte amerikanisch-jüdischer Farmer eröffnet. An der Eröffnungsfeierlichkeit nahmen auch Vertreter der Regierung teil. Mr. Jfidor Straus wies in seiner Eröffnungsrede auf die Entwicklung des Farmerwesens unter den Juden hin und meinte, der Kongreß der jüdischen Farmer und die damit verbundene Ausstellung seien die beste Antwort auf all die Versuche, die gemacht wurden, die Einwanderung einzuschränken. Mr. Williams M. Hayes, Sekretär im Ackerbau - Ministerium, begrüßte die Farmer im Namen der Regierung und gab seiner Freude Ausdruck, im Kreise der jüdischen Farmer erscheinen zu können. Die Regierung sei bereit, die jüdischen Farmer mit Rat und Tat zu fördern. Er gab den versammelten Farmern mehrere wertvolle Winke, die fie für die bessere Ausnützung des Bodens nötig hatten. Die Ausstellung selbst hat unter den New-Iorker Juden das lebhafteste Jntereffe hervorgerufen. Während der ganzen zehn Tage, war die Ausstellung unausgesetzt von Tausenden von Besuchern besichtigt worden. Man sah hier nicht nur die verschiedensten Bodenprodukte, sondern auch die allermodernsten technischen Behelfe. — sogar die neuesten Brutmaschinen — ausgestellt. Interessant find die Spezialausstellungen der berühmten Baron Hirsch'schen Ackerbauschule in Woodbine, in welcher täglich mehrere Stunden hindurch populärwissenschaftliche Vorträge über verschiedene landwirtschaftliche Fragen abgehalten wurden. Auf dem Dache des Ausstellungsgebäudes wurde eine kleine Müllerfarm mit Gartenwirtschaft in natura hergestellt. Vermischtes. KranzablöfnngSspenden zugunsten der Chewra-Kadischa i» Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubeasgenoffen. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Leo Boral: Von Julius Brecher K 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. David Berger: Von Adolf und Hermine Fleischmann L 20, Katharine Berger 50 —. Zusammen K 70.—. Anläßlich des Ablebens des sel. De. Alexander Weiß: Von Dr. I. Weiß, München, K 30.—.