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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-22 · 43 (22.10.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
43 (22.10.1909)
Date
1909-10-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 742 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 43 drückten Herr Rabbiner W. Reich, wie Professor Nachör in brillanten Toasten dem Oberkantor Anerkennung für seine künstlerische Begabung aus, die sowohl auf den Gefeierten, wie auf alle Teilnehmer den tiefften Eindruck machten. Resignation des Vizepräsidenten der Stadt Lemberg Dr. Aschkenase. Der Vizepräsident der Stadt Lemberg, Dr. Tobias A s ch- 1 e n a f e hat in der jüngste» Sitzung der Stadtrepräsentanz seine Demission als Vizepräsident angemeldet. Veranlaßt zu diesem Schritte sah er sich durch die heftigen Angriffe der Allpolen gegen ihn, weil er an der Eröffnung des vom jüdischen Rigorosantenverein in Lemberg errichteten jüdischen Akademikerheims teilgenommen hat. Diese Angriffe sind um so merkwürdiger, als Dr. Aschkenase Ehrenpräsident des Rigorosantenvereines ist, welcher gar keine politischen oder nationalen Tendenzen verfolgt. Pozsony. Eine intime Feier vereinigte am 3. d. M. die Elite der hiesigen israelitischen Gesellschaft im Mädchenwaisenhause, Edlgaffe 5. Anläßlich der Erweiterung des Schlafraumes und der Aufnahme des 14. Waisenmädchens brachte die Direktion und das gesamte Herren- und Damenkomitee dem verdienstvollen Präses des Mädchenwaisenhauses, Herrn Dr. Leopold Stein, eine Ovation in Form seines gutgetroffeuen Porträts, welches im Speisesaale obigen Hauses angebracht wurde. Herr Dr. Stein, der zu einer gewöhnlichen Ausschußsitzung einberufen zu haben glaubte, präsidierte nach erledigter Tagesordnung der ihm zu Ehren veranstalteten Festfeier, die die Waisenmädchen durch Ueberreichung prachtvoller Blumen auch an seine mittlerweile erschienene Gemalin, die ebenfalls sehr verdienstvolle Vorsteherin des israelitischen Frauenvereines der orthodoxen Kultusgemeinde einleiteten und hierauf eine für dieses Fest geschriebene Szene unter Anleitung und Mitwirkung der Waisenmutter tadellos zur Aufführung brachten. Hierauf folgten Ansprachen der beiden Vizepräsidenten, sowie der Präsidentin des Damenkomitees, Frau Betti Wellisch, und ein Schlußvortrag in poetischer Form, der die Verdienste des Gefeierten als Arzt und Mensch hervorhebt und von der Waisenmutter Fräulein Cäeilie Mandl wirkungsvoll gesprochen wurde. Herr Dr. Stein, sichtlich überrascht und gerührt von der spontanen Ehrung, dankte in längerer Rede in der ihm eigenen, bescheidenen Weise. Auszeichnungen anläßlich des internationalen medizinischen Kongresses. Das ungarische Ämtsbtatt veröffentlicht ein AllerhöMes Handschreiben, durch welches eine Anzahl von Persönlichkeiten in Anerkennung ihrer Verdienste bei der Veranstaltung des XVI. Internationalen medizinischen Kongreffes in Budapest höhere Auszeichnungen erhielten. Die meisten der Ausgezeichneten, so das Magnatenhausmitglied Prof. Dr. Koloman Müller, der in den Baronenstand erhoben wurde, ferner Universitätsprof. Dr. Emil Groß, der die Hofratswürde erhielt, Dr. Karl I a s u i g e r und Dr. Leo L i e b e r m a n n jun., die das Ritteckeuz des Franz Josephs-Ordens erhielten, sind jüdischer Abkunft. Das Grabdenkmal für die Sifre-Thora. Aus Zekaterinoslav wird berichtet: Sonntag nach dem Neujahrsfeste wurde im hiesigen jüdischen Friedhofe in Anwesenheit eines tausendköpfigen Publikums ein in seiner Art einziges Grabdenkmal aufgestellt. Es erhebt sich über dem Grabe, in welchem die heiligen Rollen bestattet liegen, welche ruchlose Hooligans in den blutigen Pogromtagen des Oktobers 1905 verunreinigt und zerrissen haben. Das Grabdenkmal ist ein Kunstwerk von großem Werte. Es hat die Form eines Zeltes, in dessen Innern das „ewige Licht" brennt. Auf drei Seiten des Monumentes ist mit großen hebräischen Buchstaben in Gold alles verewigt, was sich in jenen traurigen Tagen zugetragen hat. Aus dem Dache des Zeltes steht weithin sichtbar ein großes Davids-Schild. Das Grab der Sifre-Thora ist in unmittelbarer Nähe jenes „Brudergrabes", in welchem die Opfer jener blutigen Tage begraben liegen. Auf jener Seite, die diesem Brudergrabe zugeweudet ist, befinden sich die folgenden Inschriften in hÄräischer Sprache: „Deinetwegen werden wir ständig getötet, wie Schafe, die zur Schlachtbank geführt werden." Und weiter unten: „Kannst du dich hierbei noch zurückhalten oh Gott, schweigen, da man uns so peinigt?" Eine Platte enthält das ganze Historikum jener Trauertage, es schließt mit folgenden interessanten Sätzen: „Wir, die wir Augenzeugen waren, dieser schrecklichen Ereignisse, haben die Thorarollen aufbewahrt und dieses Grabmal gestellt gegenüber dem Grabe, in welchem die Märtyrer liegen, die hingemordet wurden nur deshalb, weil sie jenem Volke entstammen, die die Thora am Sinai in Empfang genommen. Und wenn andere Kinder fragen werden: „Weshalb ist das Blut dieser unschuldigen Geschöpfe vergossen worden?", so wird dieses Grabmal antworten: „Weil sie treu blieben ihrem Volke und der Thora, weil sie die jüdische Fahne nicht aus ihren Händen ließen, deshalb haben die Hooligans sie hingeschlachtet," „Und unsere Kinder" — heißt es weiter — werden sagen: „Wir sind Kinder von heiligen Märtyrern, die sich für ihren Gott und seine Lehre geopfert haben." Bei der Aufstellung des historisch wertvollen Grabmals wurden auch mehrere ergreifende Reden gehalten. Zweimal gedient und bestraft wegen Nichtstellung. Das konnte natürlich nur in Rußland passieren. Und tatsächlich ist es einem jüdischen jungen Manne in Slonim, Grodnoer Gouvernement, so ergangen. Vor noch nicht langer Zeit kam er nach dreijähriger Dienstzeit beim Militär nachhause und wurde jetzt zum zweitenmale assentiert und zwar mit der Begründung, daß er das erstemal „irrtümlicherweise assentiert worden sei, da er damals noch nicht 21 Jahre alt war (!) und erst jetzt die Zeit seiner Militärpflicht gekommen sei". Aber nicht genug, daß der unglückliche Mensch zweimal dienen muß, erhält er noch ein Strafmandat auf 300 Rubel, weil er sich nicht zur rechten Zeit zur Assentierung gemeldet habe. Das Interessanteste an der Sache ist, daß derselbe Beamte, der das Zeugnis Unterzeichnete, daß der junge Mann seiner Militärpflicht genügte, jetzt auch' das Dokument Unterzeichnete, mit welchem er zu einem bestimmten Regimente zur Dienstleistung beordert wird. Der jüdische Bildhauer I. Ginzbnrg über die Perzentnorm in Kunstakademien. Der russische Bildungsminister ist in seinem Judenhaß so weit gegangen, daß er selbst in der Petersburger Kunstakademie eine Perzentnorm für Juden bestimmte. Dies veranlaßte den berühmten jüdischen Bildhauer I. Ginzburg zu folgendem Schmerzensschrei im Petersburger „Rjetsch". „Das ist schon eine wilde Sache, die alles übersteigt, was man in letzter Zeit gegen Juden getan hat. Jedec weiß, daß die Kunst nur karges Brot gibt und daß man die Kunst aufrichtig lieben muß, um sich ihr ganz hinzugeben und daß man, um in der Kunst Erfolg zu haben, Talent besitzen muß. .... Ebenso bekannt ist es, daß jüdische Bildhauer im Aufträge des Staates die Denkmäler der größten historischen Persönlichkeiten Rußlands angefertigt haben. (Peter der Große, Katharina rc.) Daß Perzentnormen in Kunstsachen etwas unerhört Wildes haben, haben selbst diejenigen eingesehen, die sie eingeführt haben, denn sie wurden nur für die Kunstakademie und nicht auch fürs Konservatorium und für Mittelkunstschulen eingeführt. Was taten jedoch die Professoren der Akademie? Sie schwiegen und haben in Demut die Ausführung dieser Verfügung auf sich genommen, für welche sie auch vor der großen internationalen Kunstwelt die Verantwortlichkeit tragen mögen". Hierzu sei übrigens bemerkt, daß die Perzentnorm für Juden in der Kunstakademie drei Perzent beträgt. Die Durchschnittsziffer der Schüler der Kunstakademie in allen drei Klaffen betrug feit Jahren zusammen 50 pro Jahr, so daß eigentlich nur 1*/, Juden in allen drei Abteilungen jährlich ausgenommen werden konnten.

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