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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-22 · 43 (22.10.1909) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
43 (22.10.1909)
Date
1909-10-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 740 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 43 Beethoven ließ bei Spaziergängen öfter seine Kleider im Walde liegen und wurde in solchem Zustande einmal in Wiener-Neustadt als Landstreicher verhaftet. Trunksucht, die gleichfalls zahllose Insassen in die Irrenhäuser liefert — etwas für die Antialkoholiker! — habe seit dem grauesten Altertum unter den bedeutendsten Menschen schier epidemisch gehaust. Alexander starb, nachdem er den Becher des Herkules zehnmal geleert hatte, Sokrates, Cato, Seneca, Cäsar, Alkibiades, Antonius waren Säufer, Tiberius Nero wurde von den Römern Biberius Nero genannt. Sogar bei den Türken waren die bedeutendsten Männer dem Trünke ergeben. Unter den Dichtern, Malern nnd Musikern habe es immer und überall unmäßige Trinker gegeben. Endlich kommen Gemütlosigkeit und Mangel an moralischem Gefühl bei genialen Menschen ebenso häufig vor, wie bei Geisteskranken. Schon die Geschichte des Altertums enthalte eine reiche Chronique scandaleuse der damaligen Intelligenz rc. rc. Seiner äußeren Erscheinung nach war Lombroso von kleiner Statur, ein ungemein beweglicher und liebenswürdiger Herr. Er war verheiratet und hinterläßt zwei Töchter, von denen die eine Doktorin der Medizin und Philosophie ist, die andere sich als Schriftstellerin eines geachteten Namens erfreut. Beide Töchter leisteten dem von der ganzen Welt konsultierten Manne Sekretärsdienste. Schüler hat er in großer Zahl geschaffen. Einer der bekanntesten darunter ist der römische Freidenker und Historiker Guglielmo Ferrero. Seine Werke wurden in alle Kultursprachen übersetzt. Als Sohn einer Kaufmannes im Jahre 1836 zu Verona geboren, sprach er im 12. Lebensjahre geläufig lateinisch und griechisch, als vierzehnjähriger Knabe veröffentlichte er eine Arbeit „Ueber die Größe und den Verfall Roms". Im Jahre 1853 begann er, auf den Rat seines Sprachlehrers Marzolo, in Padua Medizin zu studieren; von dort begab er stch nach Pavia, dann nach Wien und im Jahre 1859 wurde er als Arzt promoviert. Bereits als Student veröffentlichte er eine Arbeit über den «Einfluß der Kultur auf den Irrsinn und des Irrsinns auf die Kultur", welche Beifall fand. Nach Erlangung des Doktorats reiste Lombroso von Pavia wieder nach Wien, um sich hier in der Psychiatrie auszubilden. Abef der Krieg zwischen Oesterreich und Italien rief ihn in seine Heimat, uvd er trat fteiwillig als Arzt in die italienische Armee ein. Er untersuchte und maß über tausend Italiener. So entstand seine «Anthropologische Geographie von Italien". Die erste größere Arbeit, welche Lombroso auf Grund seiner philologischen und historischen, seiner anthropologischen und psychologischen Arbeiten verfaßte, war das Werk „Der weiße und der farbige Mensch". In diese Zeit gehören auch Lombrosos erste Beobachtungen auf dem Gebiete der kriminellen Anthropologie, welche er in dem grundlegenden Buche: «Der Verbrecher in anthropologischer und juristischer Beziehung sowie als Strafgefangener" zuerst erörterte. Die Strafrechtspflege wurde durch die kriminelle Anthropoligie in neue Bahnen gelenkt. Im Jahre 1862 wurde der Militärarzt Lombroso zum Dozenten der Psychiatrie und der gerichtlichen Medizin in Pavia ernannt. Hier studierte er die Pellagra, den «mailändischen Aussatz", und arbeitete auch literarisch über diese Krankheit. Im Jahre 1863 quittierte er. Im Jahre 1864 wurde er zum außerordentlichen Professor der Psychiatrie und zum Direktor der Irrenanstalt in Pavia ernannt. Seine Antrittsvorlesung, welche er in zwei Fiebernächten niedergeschrieben hatte, über «Genie und Irrsinn", enthält bereits die Leitsätze zu dem in allen Kultursprachen übersetzten Werke «Der geniale Mensch". Sein berühmtestes Buch „Genio e follia" erschien im Jahre 1864, die «Ltuäü clinici sulle malattie mentali" 1865. Im Jahre 1876 wurde Lombroso ordentlicher Profeffor in Turin; hier hat er in 30jähriger Wirksamkeit gerichtliche Medizin und Psychiatrie gelehrt. Im Jahre 1904 legte er das Lehramt für gerichtliche Medizin zurück, um sich ganz der Psychiatrie zuwenden zu können. Hervorzuheben sind ferner von Lombrosos Hauptwerken die im Jahre 1888 erschienenen «Kerkerpalimpseste"; die «Poesie im Zuchthause" ist ja ebenfalls ein von Lombroso geprägtes geflügeltes Wort. Im Jahre 1890 erschien das Werk von Lombroso und einem Schüler Laschi: «Das politische Verbrechen und die Revolutionen". Politische Verbrecher haben den Gelehrten unausgesetzt lebhaft beschäftigt. Im Jahre 1892 erschien sein „Lehrbuch der Prophylaxe und Behandlung der Pellagra", in welchem neues Material zur Entdeckung Lombrosos verarbeitet erscheint. Im Jahre 1893 gab er gemeinsam mit Ferrero das Werk heraus: „Das Weib als Verbrecherin"; ferner schrieb er: «Ueber Kretinismus in der Lombardei". Lombroso verfaßte ferner ein „Handbuch der Graphologie"; er suchte den Antisemitismus auf wissenschaftlicher Basis zu widerlegen, publizierte im Jahre 1697 eine kleinere Arbeit über „Genie.und Entartung" und im Jahre 1900 ein „Lehrbuch der gerichtlichen Medizin". Als Ergänzung zu dem im Jahre 1876 erschienenen »Uomo Delinquente« gab Lombroso im Jahre 1907 «Reue Verbrecherstudien" heraus, in welchen er sich auch mit der Frage der Bekämpfung des Verbrechens beschäftigt. Gemeinsam mit seiner hochgebildeten Tochter Paola Lombroso hat der Gelehrte über den Seelenzustand jener geschrieben, welche sich aus dem Erdbebengebiet von Messina gerettet haben. Lombrosos Hauptwerke sind durch Uebersetzungen in alle Kultursprachen den Gebildeten der ganzen Welt bekannt geworden. Korrespondenzen Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom IV Oktober 1909 unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Im Einlaufe befinden sich: Zuschrift des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern mit der Mitteilung, daß er für zwei arme Bräute, welche wegen Unzulänglichkeit der Heiratsausstattungs-Stiftungen aus denselben nicht bedacht werden konnten, einen Betrag von 300 Kronen gewähre; Kondolenzen und Trauerkundgebungen anläßlich des Hinscheidens des Zweiten Vizepräsidenten Theodor Ritter von Goldschmidt; Dankschreiben der Hinterbliebenen für die Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich des Hinscheidens der Herren Baron Oskar Rothschild, Donat Zifferer, Dr. Gustav Karpeles, Doktor Albert Wagner; Dankschreiben des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Teschen für die Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich des Hinscheidens des Präsidenten Josef Philipp Glesinger; Dankschreiben des Jnnerösterreichischen Distriktskomitees für die Ueberlassung des Stadttempels anläßlich des diesjährigen Trauergottesdienstes für weiland Dr. Theodor Herzl; Mitteilung des Herrn Dr. Alfred Ritter v. Pfeiffer von der erfolgten Grundsteinlegung zum israelitischen Knabenwaisenhause; Dankschreiben des Vorstandes des israelitischen Tempelvereines für Mariahilf und Neubau für die Beglückwünschung des Kultusvorstandes anläßlich der Feier des 25jährigen Bestandes des Mariahilfer Tempels; Dankschreiben des Herrn Gouverneurs Theodor Ritter v. T a u s s i g für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich seines 60. Geburtstages; Dankschreiben der Frau Jda Diamant, Präsidentin des Ehrendamen-Komitees der Versorgungsanstalt der israelitischen Kultusgemeinde, für das Anerkennungsschreiben des Kultusvorstandes anläßlich des Ablaufes ihrer zehnjährigen Tätigkeit im Ehrendamen-Komitee; Dankschreiben der Ehepaare Salomon A b e l e s, Salomon Beck, Moriz Pfeiffer, Kantor Alfred Tauber für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich ihrer goldenen Hochzeit; Dankschreiben deS Herrn Rabbiner Viktor Schönfeld für die Beglückwünschung des Kultusvorstandes anläßlich seines Amtsantrittes als Rabbiner der «North London Beth-Hamidrasch"- Gemeinde; Dankschreiben des Oberkantors Simon Dürrmann für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich seines 25jährigen Amtsjubiläums. Weiters befindet sich im Einlaufe eine Zuschrift der Kinder des verewigten Vorstandsmitgliedes Emanuel Baumgarten, in welcher sie Mitteilen, daß sie behufs Durchführung des Beschlusses des Kultusvorstandes auf Anbringung des Bildniffes des Verewigten im Sitzungssaale der Kultusgemeinde, ein vom Maler David Kohn künstlerisch ausgeführtes Porträt ihres sel. Vaters dem Kultusvorstande zur Verfügung stellen. Die Widmung wird angenommen und hiefür den Geschwistern Baumgarten, sowie dem Schöpfer des meisterhaft ausgeführten Bildniffes der Dank votiert.

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