Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 42 (15.10.1909)
- Date
- 1909-10-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 42 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 729 Wien. (Auszeichnung.) Dieser Tage erhielt die bekannte Spezialfirma für Synagogen-Ornate Rudolf Gold stein — von der Internationalen Ausstellung in Paris 1909 die höchste Auszeichnung — das Ehrendiplom mit der dazu gehörigen großen goldenen Medaille und dem Ehrenkreuz für ihre Ornate in Prachtausführung! Dieser Firma wurde auch die Ehre zuteil, für die ehrwürdigen Herren Rabbiner im Inals auch im Auslande, die vor Majestäten zu erscheinen haben, die Ornate zu liefern, ebenso auch für die Herren k. k. Feldrabbiner, und wurde wiederholt für ihre tadellosen Lieferungen belobt! Wien. (Todesfall.) Das Leichenbegängnis des Fabriksbesitzers Herrn Adolf Ostersetzer fand Sonntag den 10. Oktober unter zahlreicher Beteiligung am Zentralsriedhofe statt. Der Verstorbene, welcher 25 Jahre dem Vorstande des Tempelvereines Wieden- Margarethen, darunter.16 Jahre als Präsident angehörte und dessen Ehrenmitglied war, erfreute sich ob seines biederen Charakters und seiner Anteilnahme an allen Kultusangelegenheiten im Bezirke der größten Beliebtheit und Achtung seiner zahlreichen Bekannten und Freunde. Unter der großen Schar Teilnehmender, welche erschienen waren, bemerkten wir: Kultusvorsteher Steiner; Obmann der Bezirkskommission k. k. Kommerzialrat Hacker; Obmann des Tempelvereines Adolf Hofmann; Vorsteher Schidrowitz vom V. Bezirk, die Vorsteher Berger, Taussik, Kantor Baßel u. v a. Vereins- Rabbiner Reich schilderte in langer Rede das selbstlose Wirken und bescheidene Wesen des Verstorbenen. Obmann Hofmann nahm in rührenden Worten namens des Vereines Abschied von dem Dahingeschiedenen, worauf die Beerdigung erfolgte. Austritte aus dem Judentum. Vom 3. bis 9. Oktober 1909. Kary Frieda, geb. Pick, Private, geb. 28. April 1884, Karlowitz (Böhmen), I., „Hotel Residenz Klinger Louis, Kellner, geb. 11. Dezember 1881, Holics, II., Ansstellungsstrasse 29. Koppel Rosa, Private, geb. 30. Oktober 1881, Wien, II., Untere Angartenstrasse 1 a. Pilpel Adolf, Optikergehilfe, geb. 24. Jänner 1874, Wien, III., Kegelgasse 2 b. Poilak Alfred, Fabriksleiter, geb. 18. Jänner 1885, Wien, XVI., Grandsteingasse 12. Poilack Otto, Edler von Parnegg, Dr., Industrieller, geb. 20. Oktober 1878, Wien, I., Nibelungengasse 7. Oesterreicher Robert, Glasergehilfe, geb. 27. März 1887, Wien, XX., Wolfsaugasse 8. Orcherowitsch Dwora, Dr., geb. 15. März 1882, Theödosia (Krim), VIII., Josefstädterstrasse 9. Saaz. Als Analogon zu der hübschen Schilderung in Nr. 41 „Laubhüttenfest in Paris" erlaube ich mir mitzuteilen, daß auch in Saaz am ersten und am zweiten Festabend nach dem Abendgottesdienst des Rabbiners in Gegenwart der Vorsteher mit ihren Frauen, vieler Gemeindemitglieder und der männlichen und weiblichen erwachsenen Jugend das „Kiddusch"-Gebet öffentlich in der Laubhütte verrichtet wurde. Frau Profeffor Dr. Stern lieferte das riesengroße Barches und sie und ihre Töchter machten die Honneurs. Jeder der Anwesenden erhielt sein Stückchen Mozeh. Es wäre wünschenswert, daß diese Pariser und Saazer Einrichtung überall Nachahmung fände, damit dem einst „poetischesten aller jüdischen Feste" ein Rest der Poesie gewahrt bleibe. Neutra. (Einweihung einer Thorarolle.) Eine schöne Feier wurde am 7. Oktober als am Schlußfeste in dem Tempel der Kongreßgemeinde vollzogen. Diejenigen Schüler des hiesigen Obergymnasiums, welche den Religionsunterricht bei dem Rabbiner Doktor D. Klein genießen, haben noch im verflossenen Schuljahre beschlossen, für den Tempel, wo sie an dem Jugendgottesdienste teilnahmen, eine Thorarolle anzuschaffen und haben sie zu diesem Zwecke eine Sammlung eingeleitet. Die Thorarolle wurde angekaust und am 7. Oktober im Rahmen des Gottesdienstes feierlichst eingeweiht. Studenten nahmen die Thorarollen und holten die im Sitzungssaale verwahrte und von Studenten bewachte, reichgeschmückte Rolle ab, die dann in den Tempel gebracht wurde. Oberkontor Jenö Weiß trug mit seiner herrlichen Stimme einen Psalm vor. Die Festrede hielt der als tüchtig bekannte Kanzelredner Rabbiner Dr. Klein. Bei dem darauffolgenden Gottesdienste wurde die neue Rolle in Gebrauch genommen und die Funktionen wurden ausschließlich von Studenten versehen. Die Thorarolle, aus dem Atelier des hiesigen hebräischen Skriptors Simon D u s ch i n s k y hervorgegangen, ist ein Meisterwerk hebräischer Kalligraphie und entspricht vollkommen allen masoretischen Vorschriften. Innsbruck. Donnerstag den 7. d. M. fand das Leichenbegängnis des Vorstandsmitgliedes und ehemaligen Obmannes der israelitischen Vereinigungsgenossenschaft Innsbrucks Herrn Viktor Schwarz statt. Mit diesem nur allzu früh den Seinigen, wie auch den Innsbrucker Juden entrissenen Manne verloren wir einen unserer Besten, dessen Abgang für die hiesige Judenschaft einen großen Verlust bedeutet und in der jüdischen Gesellschaft eine unausfüllbare Lücke zurückläßt. Ein lauterer Charakter, übte er still und unauffällig nach Möglichkeit Zedoko und gute Werke und mit allen Fasern seines Herzens hing er an seinem von ihm so sehr geliebten Judentume. Am offenen Grabe, wohin eine unabsehbare Menge wallte, um ihm den letzten Abschiedsgruß zu geben, gaben der Rabbiner Sagher und die Herren W. Daunhauser und Siegm. Abeles dem Schmerze um diesen großen Verlust beredten Ausdruck. Essegg. Die Auszeichnung des Effegger Kultusvorstehers Herrn Dr. Hugo Spitzer mit dem Ritterkreuze des Franz Joseph-Ordens, in Anerkennung seines gemeinnützigen Wirkens, hat hier freudige Empfindungen in allen Kreisen der Stadt, der Umgebuug und des Landes hervorgerufen. Seine Fürsorge und tiefe Kenntnis des jüdischen Volksthemas befähigten ihn, nicht nur für seine Gemeinde, sondern auch für die Judenschaft des ganzen Landes, durch die Schaffung des jüdischen kroatischen Gemeindebundes, durch Verbesserung des Musterstatutes, durch großangelegte humanitäre Gründungen und persönliche Mitwirkung bei allen möglichen nützlichen Institutionen Dauerndes und Nützliches zu schaffen. Herr Dr. Hugo Spitzer ist derzeit unstreitig die markanteste, im Lande allgemein bekannte und geschätzteste jüdische Persönlichkeit, die sich in dankenswerter Weise für alles, was jüdisch ist, interessiert und auch exponiert. Es möge hier besonders hervorgehoben werden, daß Herr Dr. Hugo Spitzer schon seit dem Jahre 1898 die Abolition des noch mittelalterlichen Judeneides anstrebt und — wenn nicht alle Anzeichen trügen — auch durchsetzen wird. Als Mann von angeborener Kraft und seltenen Fähigkeiten, als guter Patriot und edler Menschenfreund, als unermüdlicher Kämpfer für seines Volkes Recht und Ehre, hat unser kroatisches Judentum noch recht viel Gutes von dem vielgefeierten Liebling unserer Stadt zu erwarten. Feuilleton. Zwischen Ualer und Mutter. Von H. D. N o m b e r g. — Uebersetzt von Malwine B l u m b e r g. I. Isaak, ein elfjähriger Bursche, trägt seine Aufgabe vor. Es geht heute nicht gut, er stottert oft, aber -er Rebbe ist nicht böse auf ihn. Im Gegenteil, von Zeit zu Zeit hilft er dem Knaben ein, sagt ihm ein Wort vor. Und seine Stimme klingt heute so sanft, gar nicht so wie sonst. Worüber Isaaks Erstaunen aber den Höhepunkt erreicht, das ist, daß die immer zornige und düstere Frau des Rebben heute ebenfalls anders ist als sonst: jedesmal, wenn sie ins Zimmer kommt oder dasselbe verläßt, bleibt sie stehen, sieht den Knaben an und sagt: „Er ist schon müde, der Aermste." Und dann wendet sich der Rebbe, als gäbe er ihr eine Antwort, zu Isaak: „Gib dir Mühe", sagt er, „lerne gut. . . Du fährst heute nach Warschau, der Vater wird dich sicherlich examinieren." Bei der Erwähnung seines Vaters beginnt/Isaaks Herz unruhig zu schlagen. Seitdem die Mutter sich vom Vater geschieden, ist der Name „Vater" nicht über seine Lippen gekommen. Die Worte jedoch: „Du wirst nach Warschau fahren", stimmen ihn heiterer. Er sieht sich schon in seinem sauberen, neuen Feiertagsanzug, vor ihm steigt der Fuhrmann auf. Felder, Wiesen . . die Eisenbahn ... er hört schon den schrillen Pfiff. . . er fährt. In diese Gedanken versunken, hat Isaak vergessen, wo er zuletzt stehen geblieben ist. Der Rebbe zeigt ihm die Stelle und tröstet ihn: „Sorge nicht, Isaak, in Warschau sind gute Lehrer: ho, ho! und wie gute Lehrer sind dort. . . Und der Vater wird schon dafür sorgen, daß du etwas Tüchtiges wirst. Nun, lies weiter. . ." Das Kind kann aber kein Wort hervorbringen. Sein - Herz krampst sich zusammen vor Erregung, und ein auf