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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-01 · 40 (1.10.1909) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
40 (1.10.1909)
Date
1909-10-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 678 Nr. 40 Dr. Blechs Wochenschrift. scharfen Stimmen aus den Kreisen der sonst allezeit Getreuen gegen die Parteileitung. Diesen Teufel glaubt man nun durch Belzebub austreiben zu können. „Ihr wollt Antisemitismus rufen die Führer, „da habt ihr Antisemitismus!" Sie schreiben Feuilletons gegen die Juden, sie lasten in ihre Agitationsreden hie und da ein kräftig Wörtlein gegen die Semiten fallen und heulen mit den K. H. Wölfen mit. So glauben sie sich neben das Gefecht, seitwärts von den kämpfenden Schlachtreihen zu stellen und sich in Sicherheit gebracht zu haben. Da sie schon den Genossen die Vorurteile nicht abgewöhnen können, so zeigen sie die eigene Vorurteilslosigkeit und verspotten — sich selbst. Aber die Praxis hat immer noch ergeben, daß der Antisemitismus vor einem Juden nicht etwa Halt macht, weil dieser auf die Juden schimpft. Er läßt sich weder auf Klügeleien noch auf Ausnahmen ein und ist insoweit unparteiisch, daß er auch einem Juden ohne Judentum nicht das politische Leben schenkt. Wenn also einmal der Sozialismus des dummen Kerls in den Sozialismus eindringt, wird es den Herren von der „Arbeiter-Zeitung" durchaus nichts nützen, daß sie sich nicht nur nicht zu erkennen gegeben, sondern sogar verleugnet haben. Die Opfer an persönlicher Würde sind alle umsonst gebracht, haben weder Sinn noch Zweck. Ja, im Gegenteil, beschleunigen sie, was sie verhindern sollen. Denn es ist allzu durchsichtig, was die Herren mit ihrem Antisemiteln. bezwecken und dieses schöne und moralisch gediegene Mittel wird die Achtung der Genossen vor den Redakteuren des Zentralorgans alles eher als vermehren. Denn ein unjüdischer Jude mag es für klug oder für schön halten, den ungerechten Haß gegen seine Volksgenossen vermehren zu helfen, einem vom Ghetto nicht gebeugten Christen aber bleibt die Erbärmlichkeit eines solchen Treibens nicht verborgen. Da» Lol L!ür«-Grl»et »md die Zwangschristen. Der Artikel in der letzten Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" „Zur Entstehungsgeschichte des Lol Märs-Gebetes" hat mehrere Leser veranlaßt, uns um die historischen Belege für die dort dargelegte Austastung zu ersuchen. Nachstehend mögen einige Materialien zu dieser Frage ihre Stelle finden. L. I. M a n d e l st a m m in seinem Werke „Biblische und talmudische Studien", IV, Loras Talmudicae, schreibt S. 12: „Jene spanischen Apostaten, die im Laufe des Jahres so oft gegenüber der Inquisition und ihrem Verdachte zu Gelübden, Schwüren, Versprechungen, Kirchenbussen usw. sich verstehen mussten, meinten, weil eben alle jene Gelübde doch nur im Namen einer verhassten Kirche geleistet und weil sie erzwungen waren, darauf rechnen zu dürfen, dass die Synagoge am Versöhnungstage, wo Gott „der ganzen Gemeinde der Kinder Israel samt dem Fremdlinge, der unter ihnen wohnt, verzeiht“, auch ihnen völlige Verzeihung werde zuteil werden lassen. Daher pflegten sie, in weisse Leichentücher gehüllt, sich an jenem Tage ängstlich an ihre Brüder, die vor der heiligen Bundeslade in Fasten und Gebet sich versammelten, zu drängen, um vor Gott und seinem Volke feierlich zu erklären, dass alles, was sie etwa der Inquisition im Laufe des Jahres geloben, beschwören und versprechen sollten, nur als erpresst und erzwungen zu betrachten sei, dass sie im Herzen aber immer dieselben treuen Gläubigen geblieben seien und ewig bleiben werden, wie sie und ihre Eltern vorher gewesen. Nun findet sich das Beispiel einer ähnlichen Verwahrung schon in der Bibel 2B. Könige, V. 17—18, wo der syrische General Naaman den Propheten Elischa bittet, Gott möge ihm verzeihen, wenn er, obgleich im Herzen sein treuer Bekenner doch manchmal gezwungen sein dürfte, neben dem Könige, seinem Herrn, im Tempel des Eimon niederzuknien, und es ist nicht unmöglich, dass jenes Beispiel aus der Bibel den Apostaten bei ihrem Proteste vorgeschwebt habe. Darum also die herrliche Melodie für ein Gebet, welches beim ersten Anblick bar aller Poesie, aller nationalhistorischen Erinnerungen, ja sogar aller Inbrunst eines echt synagogalen Gebetes zu sein scheint. Der Gesang beginnt mit ernsten, ja schauervollen Akkorden, steigert sich in seinem Verlaufe zu gewaltigem, herzerschütterndem Donnergetöse, bis die aufgeregten Stnrmeswogen sich legen und am Schlüsse in sanften, milden, aber immer noch majestätischen Klängen sich beruhigen. Es sind nämlich: anfangs die Beichte der schweren Sünde, dann der blutige Kampf der Verzweiflung und zuletzt der Friede der Versöhnung und der Hoffnung, welche sich in dem Gesänge einander ablösen zu jener Stunde der Busse. Daher nun kommen auch vor dem Beginn des Gebetes jene drei Rabbinen, die in ihrer Dreizahl ein vollgültiges Tribunal bilden, mit den Gesetzesrollen in den Armen und erteilten in feierlicher Erklärung im Namen Gottes und der Gemeinde die Erlaubnis, dass die Gebete der Busse zusammen mit den Uebertretern gesprochen würden. Daher auch wird gleich nach jenem Gebete der biblische Vers rezitiert, der dahin lautet, dass der ganzen Gemeinde der Kinder Israel sowohl, als dem Fremdlinge, der unter ihnen wohnt, verziehen werde, ein Ausspruch, der nach dem Talmud namentlich auf die Götzen, dien er sich bezieht. Jetzt wird uns endlich auch der Umstand erklärlich, dass dieses Gebet in der Geschichte so plötzlich erscheint, jetzt wird es uns nicht wunder nehmen, dass es, obgleich es doch äusserlich ohne alle religiöse Weihe zu sein scheint, dennoch eine so gewaltige Kraft und einen so wunderbaren Reiz für das gesamte Volk gewonnen hat. Das Gebet war eine Lebensfrage, ein heiliges Geheimnis! Ach! nur zu oft wurden diese armen Büssenden unter diesen bussfertigen Gebeten von der schrecklichen Inquisition überfallen, mussten mit ihrem Leben die unverbrüchliche Anhänglichkeit an den Glauben der Väter bezahlen und alle Qualen der Tortur im Auto-da-fe erdulden; nur zu oft wurden die Synagogen von den Feinden angefallen und samt allen Mitgliedern der Gemeinde, den treuen sowohl wie den wiedergekehrten verlorenen Kindern, verbrannt, so dass jene weissen Tücher des Gebetes ihnen zu wirklichen Leichentüchern wurden.“ Indessen scheint es, daß Mandelstamm das Alter des Lol Nidie-Gebetes zu jung taxiert hat. Nicht die Zeit der spanischen Inquisition, sondern jene Drangsal-und Verfolgungsperiode unter der Westgothenherrschaft hat das „Lol Nidre“ entstehen lassen. Die ältesten Autoren, welche „Lol Nidre“ erwähnen, stehen diesem Gebete ablehnend gegenüber und gehören dem VIII. und IX. Jahrhundert an. Der Gaon Natronai gibt an, „Lol Nidre“ werde in keiner der beiden Akademien (Sura und Pumbeditha) gesagt, der Gebrauch habe keinen Grund und keine Wirkung; ganz ähnlich Hai bar Nachschon. Amram Gaon (869/81 in Sura) kennt in seiner Gebetordnung (Seder Rab Amram Gaon) „Kol Nidre“ al§ „von manchen" gesagt. Das alles sind Stimmen von Autoren aus Ländern des C h a l i f a t s, Berichte aus Gemeinden, die nicht unter christlicher Herrschaft standen. R. Nissim Gerundi (Ran) schreibt in einer Glosse zu der Talmudstelle Nedarim 23 b. (Wer da will, daß seine Gelöbnisse keinen Bestand haben, der sage am Neujahrstage „jedes Gelübde, das ich oblegen werde, soll nichtig sein"): „es scheint, daß daher in einzelnen Gemeinden am Jom Kippur „Lol Nidre“ gesagt wird". Diese vorsichtige Stilisierung offenbart, daß R. Nissim Gerundi die landläufige Auffassung, welche „Lol Nidre“ aus der üblen Gewohnheit leichtfertiger Versprechungen und Gelöbnisse erklärt, nicht als außer allem Zweifel angesehen. Und auch der Text bietet der landläufigen Auffassung eine Summe exegetischer Schwierigkeiten, derart, daß man sich genötigt gesehen, Korrekturen des Wortlautes vorzunehmen, Korrekturen, welche wiederum die Bedenken der Grammatiker erregten. Der Text des „Lol Nidre “-Gebetes hat gerade in Folge der Unklarheit über seinen Ursprung und Zweck Veränderungen und Korrekturen erfahren. Die ältere Formel will die Gelöbnisse und Verpflichtungen des abgelaufenen Jahres aufheben und lautete: „Von dem vergangenen Versöhnungstag bis zu diesem Versöhnungstag". Der heutige Text stammt, von Rabbenu Tam und will die übereilten Gelöbnisse des kommenden Jahres in voraus aufheben in der Besorgnis, es könnten diese Gelöbnisse und Verpflichtungen nachher doch übertreten werden. Allein, einer der ältesten Autoren hat gegen diese Lesart die Einwendung erhoben, daß für Gelöbnisse und. Versprechungen, die man noch nicht geleistet hat, die man vielleicht im Laufe des Jahres in aufgeregter Stimmung und Uebereilung erst leisten werde und auch möglicherweise unachtsam übertreten — der Ausdruck der Reue und die Bitte um Vergebung dieser Sünden schwer zu begreifen ist. In “ns vbv riö vp mnn'-pn '21 ... “pap byman tun np Kian by nrrbo rcpniai mir nnna "2i rna »6» ria -mv

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