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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-09-17 · 38 (17.9.1909) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
38 (17.9.1909)
Date
1909-09-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Bloch’s Irrhrgan- XXYI Zentraloroan für die gesamten Unter essen des Judentums. .. -D o A. ft. Poflsparftslffensrni Sleartng-Verkebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: <f Wien u/i, Hahngasse Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. Qp Qo :o- Wim, 17. September 1909 LrscbeLnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie», IX/i. Hahugaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. Q(j— — --O O p Ve;ugsprris für Vesterreich: Q Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4mal gespalj tene Petttzeile 24 Heller. C QO -rvO Inhalt: Leitartikel: Zur Jahreswende. — Grundlegende Ideen des Judentums. — Anteil der Juden an der Entdeckung des Nordpols. Vom Jahrmarkt des Lebens: Das russische Luftschiff eines jüdischen Studenten. Der Aviatiker Liewenthal in Genf. Die amerikanisch-jüdische Paßfrage in Rußland. Die Hinrichtung eines Fürsten Windischgrätz wegen Gotteslästerung im XVII. Jahrhundert. «Er hat ge.'ettet." Glossen zu Genesis I. Hermann Lang über Arthur Schnitzlers „Der Weg ins Freie". Gekrönte Kaufherren. Sir Matthew Nathan — Sekretär des englischen Generalpostamtes. Die Nase deS Genies. — Eine „Moderne Jabneh» akademie". — Korrespondenzen: Juden in der Wiener Musik. Vom ältesten jüdischen Friedhofe in Wien. Der Bukowinaer Wahlreformentwurf im Permanenzausschuß. Antisemitismus im österreichisch-ungarischen Heere. Budapest. Ein krasser Fall russischer Justiz. Gouverneur und Rabbiner. Das Finnländische Judengesrtz. Zur Schächtfrage in Finnland. — Vermischtes. — Feuilleton: Vor dem Schofarblasen. Die Rothschilds. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Den geehrten Lesern, Gönnern und Freunden wünschen wir aus Anlass des Jahreswechsels n:nto noTim Die Redaktion der „ Oesterreichischen Wochenschrift“ Dr. JOS. S. BLOCH. Zur Jahreswende. Eine Betrachtung von Jda Oppenheim. . Wenn die Erde sich in ihr buntfarbiges Herbstkleid hüllt und der Erntesegen wohl verwahrt vor Rauhreif und Frost unter schützendes Dach gesammelt, wenn die Sonnenstrahlen schräger auf die eisigen Firnen fallen und der Wind über die kahlen Stoppelfelder weht, wenn die Natur langsam zur Rüste geht und sich zu ihrem langen Schlafe vorbereitet, dann geht auch für uns ein kurzer Zeitabschnitt zu Ende. In der Feierstunde, in welcher wir arbeitsmüde unsere Hände in den Schoß legen und Abschied nehmen von den vergangenen Tagen und in banger Erwartung vor dem kommenden Zeitabschnitt stehen, der langsam aus dem Unbegrenzten, Ewigen für uns in die Erscheinung tritt, halten wir Rückschau und unser Herz beginnt von neuem erfüllt zu werden von keimenden Hoffnungen und zahllosen Wünschen, die sich immer inniger, immer heißer um unser Denken und Empfinden ranken. Die Sonne sinkt. Wie ein flammendes Meer umlodert sie den Horizont. Leise beginnt die Nacht ihren dunklen Mantel über die Erde zu breiten und während am dämmernden Himmel der Abendstern langsam, silbern aufglüht, scharen sich die Gläubigen in die einladend geöffneten Gotteshäuser zusammen, um au geweihter Stätte Herz und Lippen zu öffnen und von der erbarmenden Liebe und Allmacht das zu begehren, was sie in Sehnsucht erstreben. Nicht laut jubelnd, sondern ernst bewegt, von Erinnerungen erfüllt, von neu erwachten Schmerzen überflutet, heben sie ihre Augen flehend auf zu fernen unerreichbaren Höhen, um für sich und die ihrigen die Güte dessen zu erflehen, der in seiner Allliebe und in seinem Erbarmen weder Zeit noch Stunde kennt, sondern ewig, dauernd seine Gnadenhaud auftut und immer voller Liebe gibt und gewährt. Sie bitten um Gesundheit, um Leben, um Erfüllung tausender Wünsche, sie begehren und fordern und ahnen nicht, daß ihnen vom Schöpfer soviel in die Hand gegeben, daß sie selbst es sind, die all die kleinen äußeren Wünsche, all das heiße Begehren selber erfüllen können und daß das Unbefriedigtsein und das Leiden und die tausend Schmerzen und Enttäuschungen abfallen würden wie welke Blätter vom Baum ihres Lebens, wenn sie sich sagen würden, daß nicht die Unrast und das äußere Streben den Frieden, das Glück bringen, sondern daß alles das von innen heraus wachsen muß, aus einem Herzen, das in Dankbarkeit erfüllt ist von all den tausend Schätzen, die täglich aus Gottes Hand jedem einzelnen von neuem verliehen werden. Sie bitten um Leben. Das Leben tritt zu ihnen heran in der ernsten Stunde, in der das neue Jahr, ein neuer Zeitabschnitt sich vor ihnen auflut und ihnen eine weite Perspektive eröffnet für all das, was sie erhoffen, erstreben. Es tritt zu ihnen und spricht: „Ihr fordert und begehrt und hebt Eure Hände in kindlicher Einfalt zum Himmel und ahnt nicht, daß der Schatz, den ich Euch gegeben, alles enthält, was Euch not tut. Ihr fragt: „Leben, was hast Du aus mir gemacht? und ich frage: Was hast Du Menschenkind aus Dir gemacht, wie hast Du mir, dem Leben, Wort gehalten?" Langsam senkt sich der bittende Blick. Für Augenblicke verstummt das heiße Gebet, bange Zweifel erfüllen die Deele und der Blick, den sie auf das scheidende Jahr und dessen Inhalt tun, schärft sich. Unwillkürlich erwachen Bilder und tauchen aus dem tiefsten Innern auf, wir denken nicht an das, was das Leben uns schuldig geblieben, sondern auch an das, was es uns geboten und womit es unser Dasein verschönt. Und je tiefer wir in uns hineinschauen und je ernster wir uns selbst prüfen, desto unzufriedener werden wir mit uns selber sein. Vieles haben wir genossen und vieles außer

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