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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-09-10 · 37 (10.9.1909) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
37 (10.9.1909)
Date
1909-09-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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SJflr. 37 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 635 das Doppelte und nehmen all die Unbequemlichkeiten in den Kauf, um nur nicht mit der Polizei in Berührung zu kommen: so sehr haben sie genug von all den Scherereien und Verfolgungen, die mit den Worten Gesetz und Polizei in Rußlanv verknüpft sind. Zwischen vier und sechs Uhr werden die Straßen leer. Petersburg hat sich nun doch endlich beruhigt. Man hört seine eigenen Schritte, die Dworniks fegen mit langen Besen die Straße, und dieses Geräusch hat etwas Hartes, Trostloses. Die Zeit schleicht immer langsamer, und es wird unangenehm kühl. Aber er hat eine Idee: um sechs Uhr wird der Nikolaj-Bahnhof geöffnet, da wird er in den Wartesaal gehen, sich unter die Gäste mischen, sich ein Glas Tee geben lassen, sitzen und sich e?rwärmen. Eigentlich ist er diesem Bahnhof nicht sehr gewogen. Da sieht man so viele Physiognomien, die einen an Pogrvmstftt r erinnern. Und dann riecyr es hier schon stark nach Moskau. Und Moskau ist eine besonders böse Stadt. Da werden Iuden von der Polizei auf der Straße überfallen und aufs Revier geschleppt. Und in den Wintermonaten sind schon so und so viele, die die Nächte durchwandern mußten, am Morgen erfroren aufgefunden worden. Ach ja, man soll, behüte, nicht sündigen. Und um acht Uhr wird er dann seine befreundete Familie aufsuchen, auf dem Tische wird eine blanke Teemaschine dampfen, frische Semmel, Butter und Milch werden dastehen, und ruhige, ausgeschlafene Gesichter, nicht diese widerlichen Trunkenbolde aus der Straße. Doch bevor er sich an den Tisch setzt, wird er ins Nebenzimmer gehen und sich waschen. Alsdann wird er sich an das lange, umständliche Morgengebet machen. Er wird Gott danken, daß er den Menschen nach seinem Ebenbilde geschaffen und daß er ihn nicht zum Heiden gemacht hat; er wird Gott auch um Regen bitten und um tausenderlei, was man so auf dem Herzen hat. Und wenn er dann wieder am Teetisch sitzen wird, ist alles vergessen, und in sein Herz wird Ruhe einziehen. Und wenn dann seine Zeit um sein und er endlich nach Hause fahren wird, dann wird er der Frau eiinen geräucherten Sig (Seeforelle) mitbringen und die Wunder Petersburgs preisen. Die vielen Droschken, die vielen Paläste, die schönen Geschäfte, den großartigen Trubel und all die großen Herren, und überhaupt Petersburg! Das aber, daß er wieder ein paar Nächte durchspaziert ist, das wird er nicht für wert halten, zu erwähnen, so belanglos, so selbstverständlich wird es ihm schon erscheinen. Und dann überhaupt, wozu daran erinnern? Mann soll, behüte, nicht sündigen. Briefkasten- A. M. Die Idee der sterbenden Sterne findet sich bereits um 1238 bei dem merkwürdigen Weltweisen R. Josef bar Kalonymos aus Worms in seinem Kommentar zum Schöpfungsbuche bei der Erklärung des II. Jgnorabimus zu Jjob 36, 17: Sind Dir etwa die Tore des Todes bekannt? „Tod ist ein relativer Begriff, denn der Untergang eines Wesens bedeutet Umwechselung in Leben anderer Wesen im Mineralreich sowohl wie im Pflanzen- und Tierreich bis zu den Sternen und Himmelskörpern und für alle Erschaffenen". Ebenso spricht der Talmud Chagiga von zwei Sternen der Kimah (Plejaden), deren Untergang mit der Sintflut im Zusammenhänge stand. K. F. Zur Frage der Marsbewohner notieren wir Ihnen: Es heißt im Liede Deborahs Richter 5, 20: Die Sterne von ihren Bahnen aus kämpften gegen Sisra. Dann 23: Fluchet dem Meros, fluchet seinen Bewohnern, denn sie kamen nicht zu Hilfe. Dazu bemerkt der Amoräer Ulla im Talmud Moedkatan 16: Meros ist nach Ansicht Mancher ein Stern. Dieselbe Ansicht teilt Sohar Ed Wilna S. 538, also ein Stern mit Bewohnern. Nun bringt schon Gesenius Wörterbuch (I. Aufl.), daß der altgriechische Name des Mars, Meros, von den Phönikern entlehnt sei. Alter Abonnent: Ein Rabbiner, der sich zu einem Mitgliede seiner Gemeinde äußert: „er verargt es bei der jetzigen Zeit niemandem, der sich taufen läßt," verdient augenblicklich seines Dienstes enthoben zu werden. 1863. Der 1. Sabbat nach dem Laubyüttenfeste des Jahres 1863 fiel auf den 10. Oktober oder 27. Tischri 5824. P. in L. M. in T. Berichte über Kaiserfeierlichkeiten werden nicht nachträglich publiziert. M. K. Jglau. Ueber die Bonität des von Ihnen genannten Prager Vereines sind wir nicht hinreichend informiert und können Ihnen darum eine Auskunft auch nicht erteilen. — In der Angelegenheit Ihres Bruders können Sie ohneweiters an den Schuldirektor einen entschuldigend»» Brief schreiben und es wird nichts auf sich haben, wenn dann Ihr Bruder den ersten Schultag versäumt. Notizen. Palästinareise der Israeliten. Abfahrt per Sonderzug und Extraschiff von Budapest am 21. Oktober 1909. Reisedauer 21 Tage. Streng rituelle Verpflegung. Mit Programmen und näheren Auskünften dient bereitwilligst die Ungarische Reise-Unternehmung A. G., Budapest, VII., Erzsebet Körut Nr. 12. Anmeldungen werden bis 20. September 1909 angenommen. Kundmachung. Es wird hiemit zur Kenntnis gebracht, dass anlässlich der hohen Festtage im Grossen Musikvereins-Saale, I., Dumbagasse 3, Hotel zur Post, I., Fleischmarkt 16, Hotel Continental II., Taborstrasse Nr. 4 wie in den Vorjahren feierliche Gottesdienste stattfinden werden. Parteien des Vorjahres, welche auf die im Vorjahre gelösten Sitzkarten auch heuer reflektieren, können dieselben vom 26. August bis 5. September a. c. an der Betsitzkarten-Kasse der Kultusgemeinde, I , Seitenstettengasse 4, X. Stock, täglich von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags beheben. Ab 6. September a. c. beginnt der allgemeine Verkauf und gelangen die nicht im Vorverkaufe behobenen Karten zur Ausgabe. Wien im August 1909. Der Vorstand der isr. Kultusgemeinde. Israelitische Kultusoemeinde Wien. Kundmachung. Es wird hiemit zur Kenntnis gebracht, dass die Bethauskarten für den Gemeindetempel Währing ab 8. August 1909 zur Ausgabe gelangen. Parteien, welche aut die im Vorjahre gehabten Plätze reflektieren, können die betreffenden Betsitzkarteu bis zum 2. September I. J. im Gemeinde-Bezirksamte Währing, Schopenhauerstrasse Nr. 39, täglich (ausgenommen Samstag) von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags beheben. Die bis zum 2. September I. 1. nicht behobenen Karten gelangen zum allgemeinen Verkauf. Wien im August 1909. Der Bethausvorstand Währing. Kundmachung. Es ist zur Kenntnis des Kultusvorstandes gelangt, dass von Vereinen, sowie von privaten Unternehmern Betsitze fiir an den diesjährigen hohen Feiertagen zu veranstaltende Minjanim verkauft werden, ohne dass Mie betreffenden Unternehmer die gesetzlich erforderliche Zustimmung des Kultusvorstandes Veranstaltung dieser gottesdienstlichen Uebungen erhalten hätten. Da unnachsichtlich mit der Sperrung aller unbefugten Betversammlungen vorgegaugen werden muss, wird aufmerksam gemacht, dass es vor Ankauf von Betsitzen zweckmässig sein wird, sich zu informieren, ob der betreffende Unternehmer im Besitze der amtlichen Bewilligung des Kultusvorstandes sich befindet. Wien, 6. September 1909. Der Vorstand der isr. Kultusgemeinde Wien.

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