Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 36 (3.9.1909)
- Date
- 1909-09-03
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 36 Dr. Vlochs Wochenschrift. krutor schimmerte noch goldig, in den Iudengätzchen aber webten bereits die grauen Schleier des verheitzungsreichen Abends, da sie kommen soll, die liebliche Braut Äes Sabbat. Fremder Besuch in der Synagoge mutz hier xoohl als grotze Seltenheit gelten, denn wir, mein Freund Dr. S. und ich, verursachten lebhaftesten Eindruck, da wir eintraten, und waren nach einigen Augenblicken Mittelpunkt des zutunlichen Kreises der Sephardim. Zutunlich waren sie, aber nicht vordringlich. Ich mutz diese Beobachtung dick unterstreichen. Vielleicht mochten wir ihnen als inkognito reisende Prinzen oder gar als russische Emissäre. Ordner irgend einer neuen frischfrommfröhlichen Iudenjagd erschienen sein — denn einige von der Gemeinde blickten uns schüchtern und zagend, ja scheel und mitztrauisch von der Seite an. Ab und zu scharfe Profile und Augen tief und schwärmerisch mit dem Blick verhaltenen Schmerzes oder Hasses. Die meisten von ihnen zeigten jedoch arischen Schnitt, freie Geberden und sicheres Gehaben. Eigentlich semitische Köpfe fanden wir zumeist unter der christlichen Bevölkerung, zumal unter den langbärtigen Popen mit kühn modellierten Nasen. Diese Priester würden in Kischinew oder Simferopol selbst durch das goldene Kreuz, das sie auf .der Brust tragen, vor den würgenden Händen nicht gerettet worden sein. Oder vielleicht gerade deshalb? . . . Das Innere des Tempels bot uns grotze Ueberraschung. Wer würde wohl unter diesen gedrückten Dächern und engen Mauern einen so luftigen, hohen Saal vermutet haben? Der „Almemor" ist an der östlichen Schmalseite aufgebaut. Der brokatene Vorhang der Bundeslade in Gold gestickt und mst Edelsteinen geschmückt. Die Gläubigen sitzen in der Längsachse und beten. Hier stört kein profaner Laut den Gottesdienst. In tiefer Andacht folgt man dem eintönigen Geplärr des Vorbeters, dessen widerwärtiger, langgezogener Sang an das Geheul eines angeschossenen Schakals gemahnt. Ich kenne diesen Nigan und kenne die Melodei aus den Tagen meiner Kindheit, da ich zu Fützen meines Großvaters satz, des Begründers und Vorstehers der ersten Sephardengemeinde in Pest. Allein, dem Gläubigen ist bald gesungen. Nun mag man dieses Gestöhne und Gekrächze an dem mitunter hinreitzend schönen Gesang der russisch-polnischen Chasonim messen! Die korfiotischen Juden Netzen es bei diesem einen Gotteshause nicht bewenden. Sie besitzen ihrer drei uno in allen dreien wohnt der Ewige ganz hübsch. In dem einen ist die verbindende Verständigungssprache die neugriechische, in den beiden anderen die spanische! Welch' rührende Treue, welche Liebe zu dem alten Vaterlande, aus dem sie vertrieben wurden, seine Sprache auch heute noch zu üben und zu pflegen. Im übrigen ist — wie sie uns erzählten in dieser jüdischen Gemeinde alles präzisiert, eigentlich orkginalgriechisch: die Verwaltungssprache ebenso. wie die Unterrichtssprache. Der Antisemitismus, der sich noch vor einigen Jahren so blutig betätigte, scheint — wie ja bei uns auch — nur mehr ein platonischer zu sein. Ist doch ein junger Jude — ich glaube gar, er heitzt Abarbanel — Lehrer der griechischen Sprache und Literatur an der städtischen Hauptschule. Immerhin ein Zeichen günstiger Wendung. Selbstredend wurden wir nach dem heiligen Amt im Vorhofe des Tempels mit Fragen bestürmt: Wer wir wären und woher wir kämen der Fahrt? Aus Ungarn, antworteten wir. Aus Ungarn? Ach, da beziehen wir ja unser Ostermehl. Wir wollen es diesmal doppelt weihen, da Sie Seite 619. ja unserer Armen gedachten. Gott segne Ihr Land, wo der Jude in Frieden und Freiheit lebt! Sie rüsteten also zum Osterfeste, und ich habe weder gelesen noch gehört, datz man hier während der jüngsten Passahtage mit den Lämmern auch Iudenkinder geopfert hätte. Eines aber ist sicher: seit dem ersten blutigen Erodus der Juden holen die Händler weder denheiligen „Etzrog", den Zedernapfel, noch auch den „Lulaw",? den friedenbringenden Palmenzweig, mehr aus Kvrfru. Neue Bücher. Samuel Krauß, Ph.-D., Profeffor an der Israeli Theologischen Lehranstalt, Vienna, Austria. The Mishna Treatise Sanhedrin edited with an introduetion, notes and glossary. Kr. XI. der „Semitic Study Seriesy edided by Richard J. H. Gottheit and' M o r r i s J a s t r o w I s r. @. 3.38 r i t (, 8 e ih e n> 1909:' I. Braudeis. Wünsche zum jüdischen: Neujahr in Versen und Prosa für Knaben und Mädchen. Preis 70 Heller, Verlag von Richard Brandeis, Prag; 1909. Kriefkaste«. R. G. Wenden Sie sich an die Mädchen-Lehr- und Erzie-- hungsanstalt Stern, Wien, I., Werdertorgaffe 12. 1863. Samstag den 3. Oktober 1868 oder 20. Tischri 5633t A. F. Die jüngste Statistik über die russischen Juden stammt 1 von D. B. Brutzkus und wurde in den Publikationen der ,3P"; veröffentlicht. Insgesamt gibt es nach dieser Aufstellung in Rußland- 5,215.805 Juden, die also nach den Russen und den Polen die zahlreichst vertretene Nation Rußlands darstellen. Rußland ist bekanntlich" auch dasjenige Land, das die weitaus größte Zahl von Juden über-: Haupt, fast die Hälfte aller Juden der Welt, besitzt. Die Mehrzahl der russischen Juden, 75-6 %, leben im Gebiet des ehemaligen Königreichs Pole», wo sie im Durchschnitt 15% der Gesamtbevölkerung bilden. In den südlichen, genauer südöstlichen Gouvernements erreichen die Juden nur 4—5% der Gesamtbevölkerung. Außerhalb deS Ansiedlungsrayons bilden die Juden nur einen verschwindend geringen Bruchteil der Bevölkerung. Sie zählen dort im ganzen 316.478 Seelen,, d. h. 6-09 % aller russischen Juden. Abgesehen vom Kaukasus, vom Weichselgebiet und Mittelasien gibt es nach BrutzkUs insgesamt nur eine Viertelmillion Juden in Rußland, die einige Bewegungsfreiheit, haben. Interessante Daten gibt Brutzkus über die Sprache der Indem Trotz ihrer Zerstreutheit bilden die Juden in Rußland doch, eine homogene Waffe, die im wesentlichen eine Sprache spricht. Als. Muttersprache betrachten nämlich 96-9% der russischen Juden denjüdisch-deutschen Jargon! Die übrigen 31 % bilden hauptsächlich die 23.000 Bergjuden, die grusinischen Juden und Krimtschki (Bewohner.; der Krim) und die 145.000 andern Juden, von denen 76.000 russisch» 47.000 polnisch und 22.782 deutsch als Muttersprache angeben. Jüdische Forschungsreisende. Die Liste der jüdischen Forschungsreisenden vergrößert sich von Tag zu Tag. Nachdem Leute Me Foa, Glaser, Stein und viele andere durch ihre Reisen infremden Ländern die Wiffenschaft bereichert haben, kommt, jetzt aus B u d a p e st die Nachricht, daß Herr Dr. Prinz, von der dortigen Universität eine Expedition ins Innere Asiens unternehmen wird,, die. zur Aufgabe hat, die Gebirgsgegend von Tien-Schau nach ihrer' geographischen Lage und geologischen Beschaffenheit zu erforschen. K. I. In Egypten gibt es nach der letzten Volkszählung auf eine Gesamtbevölkerung von 11,387.359 Seelen 38.635 Juden, also 0-34 %. Im Jahre 1897 betrug die Zahl der Inden 25.300 auf eine Gesamtbevölkerung von 9,734.405 Seelen, also 0-26 %♦ Zur gefälligen Beachtung! Wirersuchen diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebühr im Rückstände sindy; die zur Einhebung derselben von uns versendeten Kostaufträge gefälligst honorieren zu wollen. Die Administration. %