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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-09-03 · 36 (3.9.1909) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
36 (3.9.1909)
Date
1909-09-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite «K Der Israelitische Landeslehrerverein in Böhmen hielt am Montag den 23. v. M. seine 36. Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Oberlehrer S. Springer, eröffnete die Sitzung mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser und erteilte das Wort dem Schriftführer Herrn Rabbiner M. Freund-Bodenbach zur Erstattung des Rechenschaftsberichtes. Demselben ist zu entnehmen, daß der Vereinsausschuß alles unternommen hat, um das Ansehen des Standes nach jeder Richtung hin zu heben. Vor allem ist es dem Ausschusie zu danken, daß die Rabbiner, Religionslehrer und Kantoren in das Versicherungsgesetz für Privatbeamte einbezogen wurden und daß die Gemeinden nun zur Beitragsleistung für die Altersversorgung ihrer Beamten gezwungen find. Einen vollen Erfolg hat der Ausschuß durch sein Intervenieren bei der k. k. Statthalterei über die Mißbräuche und Ungesetzlichkeiten, die bei der Anstellung und Kündigung der Rabbiner Vorkommen, zu verzeichnen. Auf Grund der vom Vereine erteilten Informationen hat die k. k. Statthalterei' an die Bezirkshauptmannschaften einen Erlaß herabgehen lassen, in welchem die strenge Handhabung der Gesetze aufgetragen wird. Bei Wahrung der durch das Gesetz gesicherten Autonomie der Gemeinden ist der Erlaß von einem für die Rabbiner freundlichen Geiste erfüllt und wird viel zur Hebung des Ansehens derselben beitragen. Wie in früheren Jahren, hat auch heuer der Ausschuß bei jeder Gelegenheit auf den Mangel eines Lehrernachwuchses, der bereits fühlbar ist, aufmerksam gemacht. Viele Gemeinden bekommen keinen Lehrer mehr und die Kinder bleiben ohne jeden Unterricht in Religion und in der deutschen Sprache. Der Rechenschaftsbericht sagt darüber: „Als die Schulen Böhmens aufgelöst wurden, da haben wir vorausgesehen, daß ein Geschlecht heranwachsen wird, das wlder Religion kennen, noch genügend fürs Leben vorbereitet sein wird. Heute gibt es in Böhmen viele Kinder, die keinen Religionsunterricht genießen, die aber auch ohne Kenntnis der deutschen Sprache Proletarier werden, die dem Judentum sicher verloren Men, aber auch sonst nicht konkurrenzfähig auf den 'Weltmarkt treten können, wie die jüdischen Kinder von ehedem." Zum Rechenschaftsberichte sprachen noch die Herren Utitz, Reichner, Dr. Kohner, Rabbiner Freund. Sodann wurde derselbe einstimmig angenommen. Dem Herrn Kassier wurde für die musterhafte Führung der Kasse der Dank der Versammlung votiert. Herr Rabbiner Freund referiert über die Stellungnahme zu dem vom Gemeindetage in Wien angenommenen Gesetzentwürfe, betreffend den Ausbau der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft. Es wird eine Resolution angenommen, in der ausgesprochen wird, daß der Verein die Schaffung einer behördlich anerkannten Vertretung der Juden begrüßt, sowie gefordert wird, daß in dieser Korporation die Fachorganisationen vertreten sein sollen. Die Resolution wird an das Präsidium des Gemeindetages, Dr. Stern in Wien, und an das Unterrichtsministerium geleitet werden. Die Wahlen wurden per Akklamation durchgeführt. Gewählt wurden die Herren: Oberlehrer S. Springe r-Prag, Obmann; Rabbiner S. A b e l e s-Zizkov, Obmannstellvertreter; Rabbiner M. F r e u n d-Bodenbach, Schriftführer; Religionslehrer David Löwy-Prag, Kassier; Direktor I. Schwager- Kgl. Weinberge, Rechnungsführer; Rabbiner I. G old st ei n- Nimburg, Rabbiner A. Stein-Radnitz; als Ersatz die Herren: Rabbiner U t i tz-Brandeis, Rabbiner Freu d-Kralup; als Revisoren die Herren: Rabbiner Munk, Lehrer Richter. Die „historischen" Belege von Judenstein-Rinn und Trient. Wir erhalten folgende Zuschrift: Löbliche Redaktion! Ersuche Folgendes in Ihrem werten Organe aufzunehmen. Anläßlich der Tiroler Jahrhundertfeier, wo Schreiber das Glück hatte, beim Empfange Sr. Majestät an der Hofburg teilzunehmen und von Sr. Majestät kurz angesprochen zu werden, entgegen dem offiziellen Programm der Statthalterei, die jedwede Beteiligung außer der katholischen Honoratioren ausgeschlossen hatte, und es nur dem Landeshauptmänne zu verdanken war, daß der Schreiber, sowie der evangelische Geistliche am Empfange und den sonstigen Festlichkeiten offiziell teilnahmen, nahm Schreiber die Gelegenheit wahr, den versammelten Bischöfe von Brixen, Trient und Salzburg, mit denen er beim Empfange bekannt wurde, in einem Colloquium im Servitenkloster über die sogenannten historischen Belege von Judenstein- Rinn und Trient einen Bortrag zu halten. Schreiber verwies die hohen Herren auf die wissenschaftlichen Arbeite» der nichtjüdischen Gelehrten auf diesem Gebiete, ganz besonders aber auf die gelehrte Arbeit Professor Stracks' : „Der Blütabcrglaube bei den Völkern", in dessen letztem Werke die speziellen Fälle, über welche ich referierte, mit einbezogen find und deren Haltlosigkeit kritisch beleuchtet werde. Der Fürstbischof Endrizzi beglückwünschte mich zu meinem mannhaften Einschreiten, während der Fürstbischof Altenwiesel versprach, diese Angelegenheit als Kriterium auf seine Tagesordnung $u setzen und einen gerechten Modus zu finden, um diese scheußlichen Bilder in den obigen Orten, die den Ritualmord darstellen, zu beseitigen. Innsbruck. Rabbiner Sagher.. K. u. k. Feldrabbiner. Rumänische Frechheiten. Die offiziöse „Jndependance Roumaine" veröffentlicht einen Artikel als Antwort gegenüber der Ungarischen Liga in der Frage der transsylvanischen Rumänen. Der Artikel drückt zunächst seine Verwunderung darüber aus, daß die Ungarn den Nationalitäten kein Recht zuerkennen und daß sie unter dem Namen des ungarischen Vaterlandes nur die magyarische Ration verstehen. Schließlich kommt das Blatt auf den Vorwurf bezüglich der Lage der Juden in Rumänien zurück und sagt, die Juden erfreuen sich in Rumänien, obwohl sie nicht rumänische Bürger sind, aller Freiheiten und find viel glücklicher als die rumänischen Staatsbürger in Ungarn. Solche schamlose Lügen wagt man heute im Vertrauen auf die Unkenntnis der weitesten Oeffentlichkeit. In der Hat läßt sich die rumänische Judenpolitik nur mit den Grausamkeiten Pharaos vergleichen. Ist es einem Rumänen in Ungarn etwa verwehrt, ein Handwerk zu betreiben, Boden zu erwerben, eine Fabrik zu errichten? Ist den Rumänen in Ungarn der Zugang zu öffeutlichen Schulen verwehrt? Wenn rumänische Juden mit im Ausland erbetteltem Gelde sich eine Schule errichten, find sie verpflichtet, rumänische Antisemiten als Lehrer zu bestellen. Und hat die rumänische Regierung nicht die Juden einfach in der Donau ertränken lassen? Ihr eigener Minister Karp hat in öffentlicher Sitzung der sogenannten rumänischen Volksvertreter die Tatsachen einbekannt. Ein heutiges Telegramm aus Bukarest meldet übrigens, daß es in Falticeni zwischen dem Militär und den dortigen Juden zu schweren Exzessen gekommen ist. Zwischen einer vom Hauptmann Poppowici kommandierten Abteilung von zwanzig Soldaten und jüdischen Bürgern von Falticeni kam es auf der Straße zu einem Konflikt, in dessen Verlauf vier Juden, namens Nathan Tuchner, Adolf Recher, Josef Holowici und Israel Wolnea, zu Tode mißhandelt wurden. Derlei Exzesse gegen Rumänen in Ungarn waren bis jetzt wenigstens unerhört. Wie erinnerlich, ließ sich der rumänische Ministerpräsident Bratianu jüngst von einem Berichterstatter der „N. F. P." interviewen und widmete den größten Teil seiner Erklärungen der Judenfrage in Rumänien. Der rumänische Premier tat einige rätselhafte Aussprüche, denen Kenner der Verhältnisse deutlich genug entnehmen werden, daß an eine Besserung der Lage der rumänischen Juden vorläufig nicht zu denken ist. Herr Bartianu vermied geflissentlich, den Berliner Vertrag zu zitieren. „Falls sich die allgemeinen Verhältnisse Rumäniens günstiger gestalten, könnte es sein, daß auch

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