Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 35 (27.8.1909)
- Date
- 1909-08-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 602 De. Bloche Wochenschrift. Nr. 35 Spitze und überreichten demselben unter herzlichen Glückwünschen und Worten der Anerkennung über dessen ersprießliches Wirken rum Gedeihe» des Vereines als Ehrengeschenk einen silbernen Chanukahleochter. Sodann erschienen die Vereinsbeamten, deren Führer Herr Oberkanwr Goldman» den Jubilar beglückwünschte und dessen Verdruckte um die Einföbrung eines täglichen öffentlichen Gottesdienstes, sowie dessen Wirken auf dem Gebiete der Wohltätigkeit würdigte. Am 81. d. M. beim Sabbatmorgengottesdienste wurde der Jubilar feierlich zur Thora gerufen, ein für diese Gelegenheit von Herrn Goldman» verfaßter Mischeberach wurde verlesen und von dem Jubilar mehrere namhafte Spenden zu wohltätigen Zwecken gemacht. Herr Rabbiner Dr. Spira schilderte in seiner Predigt die Tätigkeit des Jubilars auf dem Gebiete der Awoda und Gemilath chassubim in unserem Bethausvereine. Der Albilar, dem auch das Wohl des heiligen Landes und deren Bewohner am Herzen liegt, läßt zweimal jährlich Spenden eiNsammeln, die er au deck „Bikur Cholim"-Hospital und an die israelitische Volksküche in Jerusalem einsendct, weshalb er auch kürzlich zum Ehrenmitgliede des „Bikur Cholim"-Vereines ernannt wurde. Jüdischer Turnverein für Proßuitz und Umgebung. Vom schönsten Wetter begünstigt, fand am 22. d. M. unser Gartenfest statt. Unter den zahlreichen Besuchern von hier und auswärts konnten wir auch Vertreter der hiesigen Jsraelitengemeinde und der israelttischen Kultusgemeinde, den Kultusvorsteher Herrn Jaeques Mayer und die Herren Moritz Altar und Sigmund Reiner, bei uqö begrüßen; ferner waren settens des Boskowitzer Turnvereines und dar jüdischen Turnvereines in Brünn, der jüdisch-akademischen Verbindung «Makkabäa* in Wien und der jüdisch-akademischen Ferialverbinduttg ^Laetitiain BoSkowitz Delegierte zu uns entsendet worden. Von den hiesigen Turnvereinen hatte sich der Sokol-Turnverein und der Arbeiter-Turnverein durch mehrere ihrer Mitglieder vertreten lassen; {chließlich war auch die hiesige Ortsgruppe des «Zentralvereines" »^putativ bei uns erschienen. Die turnerischen Vorführungen, die programmmäßig abgewickelt wurden, dauerten anderthalb Stunden. Sie fanden außerordentlich großen Beifall, welcher besonders bei den Schwedischen Freiübungen der Damensonderriege wuchs und seinen Höhepunkt erreichte, als die Schülerriege in den letzten zwei Pyramiden ihre Huldigung dem Vereinswappen und dem von den Kindern sähst aus Ntckelstäben zusammengesetzten „Mögen Dowid" darbrachten. Dir Belustigungen, die geboten wurden, brachten viel gute Laune ins PMMm und bildeten den besten Uebergang zum Tanz, dem allseits fthr fleißig zugäprochen wurde. Den „greifbaren" Erfolg der Veranstaltung heimsttn wir in einem namhaften Reingewinn bereits ein, her wichtigere und wertvollere für uns aber war die ansehnliche Zahl von Neüümnelduügen zu allen Riegen unseres Vereines, die wir nach dem Feste zu verzeichnen hatten. Berlin. (Prediger Dr. Julius Oppenheimer.) Hier ist der Prediger der jüdischen Reformgemeinde Dr. Julius Opprnheimer Samstag den 21. d. M. im Alter von 84 Jahren gestorben. Dr. Oppenheimer hat noch bis in das hohe Atter seiner Gemeinde treue Seelforgerdienste geleistet, bis er kränkelte und in einem Sanatorium Heilung suchen mWe. In dem nun Heimgegangenen verliert die jüdische Reformgemeircke ein«: um ihr Wohl stets besorgten und pflichteifrigen Mann. Er hiuterläßt zwei Söhne und zwei Töchter. Eine Tochter ist mtt dem bekannten Aegyptologen Professor Dr. S t e i n d o r f f verheiratet, von den Söhnen ist der eine der bekannte NationalökonoM Dr. K^anz Oppenheimer, der andere der Chemiker Professor Dr. Carl Oppenheimer. Me Häuser in Jerusalem. Die Hauser Jerusalems wie anderer orientalischer Städte sind sehr eigentümlich eingerichtet, und wer nie soßche gesehen hat, kann sich schwer einen Begriff davon machen. So ein orientalisches Haus ist eigentlich ein Conglomerat von einzelnen Wohnstuben über oder neben einander, und zwar ohne Ordnung und ohne Symmetrie. Die Zahl der Wohnstuben, welche zu einem Hause sich vereinigt, wechselt sehr, und darum auch der Umfang der Häuser. Im Inneren des Hauses befindet sich fast ausMchmslos ein Hofraum, aber nicht immer zu ebener Erde, sondern meist etwas höher. Um den Hofraum herum blinden sich dann die Wohnkammern in einer Seite de^elben, aber meistens nur eine Einschlußmauer. Es gibt nur wenige Häuser, welche, abgesehen von Denebenerdigen oder unterirdischen Räumen, mehr als ein Stockwerk haben. Die Häuser haben fast ausnahmslos ein glattes Dach, welches ein Steinpflaster deckt,- über.den Wohnkammern wölben sich eigentümliche Kuppeln, und... zwar hat jedes Wohngemach seine eigene Kuppel, nie haben zwei Gemächer eine gemeinsame Kuppel. Jndeß finden sich nicht gerade über allen Wohngemächern solche Kuppeln, aber doch über sehr vielen, und diese geben dem Hause und der Stadt überhaupt ein ganz eigentümliches Aussehen. Fast jedes Haus hat seine Zisterne, manches auch mehr als eine, in welche das Regenwasser von der Terrasse des Hauses hinabfließt. Vieledieser Zisternen sind sehr alt, manche auch sehr umfangreich. So lange Wasser in der Zisterne ist, benutzen hie Bewohner des Hauses dasselbe, ist es zu Ende, so mutz das Wasser gekauft werden, ist jedoch in der Regel nicht sehr teuer. Wenn man bedenkt, daß in Jerusalem fast nur Zisternenwasser verwendet wird, und dazu noch die Bevölkerung von mehr als 25.000 Menschen ins Auge faßt, kann man sich von der Bedeutung Der Zisternen für Jerusalem überzeugen, und ihre Zahl und ihren Umfang ermessen. Von außen sind die Häuser unscheinbar, fensterlos oder wenigstens vergittert an den Fenstern, mitunter sehr zierlich: diese Fenstergitter haben den Zweck, den vorwitzigen Weibern, welche sich nicht sehen lassen dürfen, das Hineinschauen von Fremden unmöglich zu machen. Im Innern sieht es manchmal nicht übel aus, namentlich wenn eine sogenannte „Phantasie" stattfindet, was sehr häufig der Fall ist. Phantasie heißt man hier die geselligen Unterhaltungen in und außer dem Hause. Manche Häuser gleichen eher einem Hundestalle als einer Wohnung für Menschen, andere dagegen haben auch äußerlich ein ziemlich prächtiges Aussehen. Dahin gehören namentlich die sarazenischen Bauten,- die bunten Steine der Mauern, die zierlichen Kuppeln auf der Terrasse und der elegante Torbau mit der strahlenartigen Dekoration nach oben, welche die Strahlen der Sonne darstellen soll, machen in der Tat einen angenehmen Eindruck. Doch sind dtiese sarazenischen Bauten meistenteils in hohem Grade zerfallen, und werden nicht mehr, oder wenigstens nicht stilgerecht restauriert. Einen nicht unangenehmen Eindruck machen auch manche moderne Bauten, die zwar schmucklos sind, aber doch Symmetrie haben. Ich meine hier nicht die nach europäischer Manier gebauten Häuser, welche fast alle aus neuerer Zeit her stammen und jeder Stadt zum Schmucke gereichen würden. Die Anzahl solcher Bauten ist jedoch verschwindend klein, und vermag nicht der Stadt ein anderes Aussehen zu geben. Es fällt schwer, sich davon zu überzeugen, daß Jerusalem eine Stadt sei: man begegnet darin bei jedem Schritt und Tritt dorfähnlichen Zuständen. Dazu kommt noch, daß fast jedes zweite Haus eine Ruine, oder wenigstens schadhaft ist, wenn es nicht ganz zusämmenzustürzen droht. In vielen Straßen Jerusalems bemerkt man Häuser, welche vermittelst Breiterbalken am gegenüberliegenden Hause gestützt sind',- man sieht, wie bequem es ist, wenn die Straßen eng sind'. Viele Hauser haben auch Stützpfeiler, welche sich über die .Straße wölben. Besondere Gefahr droht den Häusern von starkem Winterregen,- derselbe dringt in alle schlecht und manchmal auch in gut gebaute Häuser ein, durchnäßt alles und verwandelt den schlechten Mäuerkitt in Humus, so daß die Mauern entweder gleich Zusammenstürzen, oder zur Zeit der Wärme auseinandergehen, oder allmählich infolge der auf ihnen sich entwickelnden Vegetation verderben. Wie oft kann- Man in Jerusalem die Bemerkung machen, wie an den Mauern der Häuser und auf den Terrassen Gras und Kräuter, ja selbst Gesträuche und Bäume wachsen, und. gerade zur heißesten