Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 34 (20.8.1909)
- Date
- 1909-08-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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_ Nr. 34 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 587 den Geist, der, wie jede erhabene Verstandesgröße. mit den Zinnen der Wissenschaft zugleich auch die Höhe der wahren Poesie erklimmt. Und dieser herrliche Mensch mußte so kläglich enden, ehe er seine großartigen Versuche mit jenem endgültigen Erfolg abschließen konnte, den dos Schicksal glücklicheren, wohl minder begabten Nachahmern reservierte. „Lilienthal" — schreibt Nimführ — „gebührt das Verdienst, erkannt zu haben, daß die Lösung des Flugproblems keine Erfindung im landläufigen Sinns darjteUi, daß an die praktische Realisierung des ballonfreien Fluges mit Erfolg nicht herangetreten werden kann, solange nicht die theoretischen Grundlagen sichergestelli sind. Lilienthal war nicht bloß Erfinder, sondern Flugforscher. . . Er hat das Problem des ballonfreien Fluges, statt es mit einem Schlage lösen zu wollen, in eine Reihe von Detailproblemen zerlegt. . . . Einerseits war er bemüht, seine Erfolge im Durchsegeln der Luft mit unbeweglichen Apparaten dahin auszudehnen, daß er die Ausnützung immer stärkerer Winde einübte, um dadurch womöglich in den dauernden Schwebeflug hineinzukommen: andererseits suchte er den dynamischen Flug durch Flügelschläge zu erreichen, die als einfache Zutat zu feinen Schwebeflügen eingesührt wurden." Lilienthal konstruierte auch einen Apparat zum Ruderflug, eine Maschine mit Flügeln nach Art der großen Raubvögel als Realisierung der in dem Werke über den Vogelzug ausgestellten Grundsätze. Der Apparat, dessen Flügelschläge durch einen Kolbenmotor mit zwei einfach wirkenden Zylindern bewirkt wurden (zur Speisung des Motors diente Kohlensäure in einem Eisenbehälter), war ein Motorflieger, ein Zwischending, halb Drachenhalb Schwingenflieger, den man am treffendsten als Motor-Segelflieger bezeichnen könnte, vorläufig nur ein Versuchsapparat, mit dem längere Flüge gar nicht möglich waren, da die Funktionsdauer des Motors nur einige Minuten währte. Wer weiß, wie weit Liljenthal es auch auf diesem Gebiete gebracht hätte ohne den verhängnisvollen Todessturz, der allem ein jähes Ende bereitete. Allem? Gewiß nicht. Das Schicksal, das Lilienthal, dem Bahnbrecher, gegenüber so tückisch war, hat die Menschheit durch würdige Nachfolger entschädigt. Vom Gleitflieger zum freifliegenden, manntragenden Drachenflieger ist nur ein Schritt. Rüstet man einen Gleitflieger mit einem Propeller aus, den ein Motor antreibt, so entsteht der Motorgleitflieger, beziehungsweise der Drachenflieger. Den einzigen trennenden Schritt zu vollführen, blieb Lilienthal versagt. Der erste Flug mit Drachenfliegern gelang Santos-Dumont am 23. Oktober 1906, als er im freien Fluge 60 Meter zurücklegte. Was seither namentlich die Brüder Wright leisteten, ist zu allgemein bekannt, um näher besprochen werden zu müssen. Wie weit es aber in der Zukunft noch kommen mag, es kann nur das Piedestal erhöht werden, auf welchem Lilienthal thront, ein Erfinder von Gottes Gnaden, dessen Andenken ewig leben wird in der Geschichte der Wissenschaft. („P. Ll.") Wie Gustav Karpeles auf dem Wiener Kt. Ktefarrsdonr die Glocken lautete. Es ist wenig bekannt, daß Gustav Karpeles in seinem 10. bis 11. Lebensjahre (1850—1860) an der Unterrealschule w Wien im II. Bezirk, Weintraubengasse, studierte; doch verließ er dann die Realschule und Wien, um in Breslau das theologische Studium zu beginnen. Karpeles wohnte damals bei seinem Onkel Donat, einem herzensguten Verwandten seiner Eltern in der Fuhrmannsgasse, jetzt Zirkusgasse. Ich wohnte in demselben Hause; und da wir Studieugeuossen und beide die Schule an Samstagen nicht besuchten, ich, weil ich wohlbestallter Chorknabe unter Meister Gelöstem war (Sänger Israels, wie mich unser nachmals berühmter Professor der Chemie Loscheidt scherzend titulierte), Karpeles, weil er als Rabbinerssohn an Samstagen nicht schreiben wollte, so benützten wir die Samstagnachmittage zu Wanderungen durch die Stadt, die mir, als seit frühester Kindheit in Wien ansässig, mit seinen Straßen und Durcyhüusern genau bekannt war. So kamen wir auch eines Samstags Nachmittags auf dem Stefansplatz und beschlossen, uns das Innere des altehrwürdigen Stephansdomes zu besehen. Wir wanderten von Monument zu Monument, von Altar zu Altar, bis uns die Vorbereitungen zu einer Leichenfeier vor einem der Altäre fesselte. Ein Meßner, der dort Umschau hielt und uns erblickte, fragte uns freundlich, ob wir nicht so gut sein wollten, ihm „läuten" zu helfen, da „seine Buben" noch nicht da seien! Wir erklärten uns gleich oapi bereit, in der Voraussetzung, dabei den Stephansturm ersteigen zu können und folgten willig dem Meßner nach aufwärts. Dort sahen wir freilich nichts von der erhofften Aussicht über Wiens herrliche Gefilde, sondern nur die geschlossene Glockenstube mit einem durchlochten Plafond in müßiger Höhe, von welchem 4 Glockenseile herabbaumelten. Der kräftige Meßner setzte die Glocken mit den Seilen in Bewegung, und wir beide faßten jeder abwechselnd einen der Stricke und zogen lustig an den Glockeusträngen, die uns hoch mit emporzogen und wieder zurückschwingend sanft zu Boden fteüten. Wir wußten wohl nicht, welchem braven Mitbürger wir das letzte „Gckäute" gaben. Kurz darnach schied Karpeles von Wien. Die Glocken von St. Stefan hat er wohl nachher noch manchmal gehört, aber gewiß nie wieder geläutet! Ich auch nicht. Zzt. S e e b e n st e i n, 6. August 1009. Franz Frankl. Briefkasten. I. T. Vornamensänderungen sind gesetzlich unzulässig; doch kann im Sinne eines Judikats des Verwaltungsgerichtshofes unter Umständen eine Verdeutschung spezifisch israelitischer Vornamen eintreten, wozu aber unter allen Umständen behördliche Bewilligung notwendig ist, während eigenmächti.e Namensänderung strafbar wäre. S. R. Von Privatwohltätigkeitsvereinen ist das Kaiserin Elisabeth-A>yl für verkrüppelte Kinder in Ober-Lanzendorf und eine Heimstätte für verkrüppelte Kinder (israelitisch) in Laa errichtet. Kundmachung. Es wird hiemit zur Kenntnis gebracht, dass anlässlich der hohen Festtage im Grossen Musikvereins-Saale,!., Dumbagasse 3, Hotel zur Post, Fleischmarkt 16, Hotel Continental II., Taborstrasse Nr. 4 wie in den Vorjahren feierliche Gottesdienste stattfinden werden. Parteien des Vorjahres, welche auf die im Vorjahre gelösten Sitzkarten auch heuer reflektieren, können dieselben vom 26. August bis 5. September a. c. an der Betsitzkarten-Kasse der Bultusgemeinde, I , Seitenstettengasse 4, I Stock, täglich von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags beheben. Ab 6. September a. c. beginnt der allgemeine Verkauf und gelangen die nicht im Vorverkaufe behobenen Karten zur Ausgabe. Wien im August 1909. Der Vorstand der isr. Kultusgemeinde.