Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 31 (30.7.1909)
- Date
- 1909-07-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 880! Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 81 famtjudenheit zu werden berufen ist. Nur wer dem sich erneuernden Volksorganismus fernsteht, vermag immer noch den an seiner Trivialität dahinwelkenden Gedanken weiterzutragen, daß das Hebräische gleich dem Lateinischen und Griechischen nur noch die Sprache des Wissens und Gebetes, nicht aber die des Lebens und der siegenden Zukunft sei. Selbst in jenen Ländern, in denen das Hebräische einem verwüstenden Jndifferentismus zum Opfer gefallen ist, fühlt man leise sich durchringende, bald bewußte, bald unbewußte Strebungen, ein merklich erwachendes und steigendes Interesse für die totgeglaubte und aufgegebene Sprache unserer Väter. Wo aber, wie in den Ländern der großen Judenmassen, das Interesse in die Tat sich umgesetzt hat, da haben die positiven Ergebnisse bereits ihre Geschichte hinter sich und sind eine Folge mannigfacher Unternehmungen und Notwendigkeiten. Allein, was alle diese über die ganze Welt zerstreuten Kräfte schaffen, spiegelt nur das Sehnen des jüdischen Volkswillens nach Wiederaufbau der zerstörten Werte wieder, entbehrt aber der Einheitlichkeit, des programmatischen Zieles, der kraftschaffenden und richtunggebenden Zentralisation. Aus dieser Erkenntnis erwuchs der Gedanke an die Unentbehrlichkeit eines Kongresses für hebräische Sprache und Kultur, der sich mit den kurz gestreiften Problemen eingehend befassen und der Konsolidierung der hebräischen Kräfte organisatorisch dienen soll. Diese Erkenntnis hat auch das Unterzeichnete Komitee veranlaßt, von einer Spezialkonferenz die Aufgabe der vorbereitenden Schritte zu diesem Kongreß mit Freuden zu übernehmen, von der Hoffnung getragen, daß dieser Anfang zum Ausgangspunkt weiterer Entwicklungsmöglichkeiten werden wird. Aus dem Appell zur Einberufung des Kongresses geben wir im nachstehenden einen Auszua: „Es sind in unserer Zeit mancherlei Organisationen und Institutionen begründet worden zur Pflege der hebräischen Sprache, zur Förderung der hebräischen Literatur, zur Ausgestaltung der hebräischsprachlichen Erziehung; aber alle diese Gründungen und Gruppierungen, die nur dem Wohlwollen und der Initiative von Privaten überlassen sind, zersplittern ihre Kräfte, durchkreuzen einander oder streben gar einander entgegen. Jeder einzelne arbeitet nach eigener Einsicht und auf eigene Verantwortung, und darum bleibt diese Arbeit nur-Stückwerk- Streben wir daher danach, der hebräischen Kultur die Entwicklungsmözlichkeiten zu geben, die ihr gebühren, so müssen wir den Weg aller G:mei:rschaften gehen, die leben wollen: wir müssen eine Gesamtorgani ation schaffen, die alle Kräfte des lebendigen Hebraismus in sich sammelt und zu organischer Tätigkeit vereinigt. Um diese Organisation zu schaffen, berufen wir alle, die gleich uns ihre Notwendigkeit erkannt haben, zu einem Kongreß für hebräische Sprache und Kultur, der im Dezember dieses Jahres statlsinden wird. Die Aufgabe des Kongresses wird darin bestehen: 1. Die Grundlagen und das Programm einer Gesamtorganisation zur Förderung der lebendigen hebräischen Sprache, der hebräischen Literatur und der hebräisch-sprachlichen Erziehung auszuarbeiten. 2. -Eine sichere reale Basis — etwa in der Form der Begründung eines Fonds — zu finden, die allen Teilen dieser Tätigkeit den Bestand sichern soll. Der hebräische Kongreß ist nicht die Versammlung dieser oder jener Geuppe und Partei, sondern eine allgemein nationale Versamlung, und jeder Jnde, der die hebräische Sprache als unsere Nationalsprache betrachtet und an einer organischen Arbeit im Dienste ihrer Wiedergeburt mitzuwirken wünscht, kann daran teilnchmen. Die Tagesordnung und die in Aussicht genommenen Referate, sowie die genauen Angaben über Zeit und Ort werden demnächst mltgeteilt werden. S. I. Abramowitsch (Mendelc mocher seforim) (Odessa). Achad Haam (London). A L. Beu-Avigdor (Warschau). E. Ben Jehuda (Jerusalem). Sch. Ben Zion (Jaffa). CH. N. Bialik (Odessa). Dr. Markus Brande (Lemberg). Jakob Cahan (Bern). Professor H. P. Chajes (Florenz). Dr. I. Chasouowitz (Bialystok). S. Dubnow (Petersburg). Dr. M. Ehrenpreis (Sofia). Isaak Epstein (Lausanne). Salomon Epstein (Petersburg). David Frischmaun (Warschau). Jehuda Grasowsky (Beyrnth). Professor Josef Halevy (Paris). S. A. Horodezky (Bern) Markus Kahan (Jaffa). Dr. I. Katzeneleusohn (Petersburg) Professor Leon Kellner (Czernowip). Dr. Josef Klausner (Odessa). A. L. Lewinsky (Odessa). M. L. Lilieublum (Odessa). Dr. I. L. Magnes (New-Iork). Jakob Mase (Moskau). Dr. I. Niemirower (Jassy). Dr. Max Nordau (Paris). I. CH. Rawuitzky (Odessa). Professor Boris Schatz (Jerusalem). Salomon Schiller (Lemberg). S. Schneier (Warschau). Scholem Aleichem (Nervi). Dr. N. Slonchz (Paris). N. Sokolow (Köln). Dr. N. Syrki« (New-York). Dr. Osias Thon (Krakau). Dr. E. W. Tschleuow (Moskau). M. M. Ussyschkin (Odessa). Dr. CH. Zhitlowsky (New-Uork). HMel Zettli» (Warschau). David Uellin (Jerusalem). Zentralkomitee der „Jbria". Zentralkomitee des Lehrerverbandes in Palästina. Hebräischer Lehrerverband in Rußland. Hebräischer Lehrerverdand in Oesterreich. „Hasomir" in Warschau. Das vorbereitende Komitee in Berlin. Dozent Dr. E. Baueth. Rübe« Brainin. Dr. Martin Buber. Berthold Feiwel. S. I. Hurwitz. Dr. Schmarja Levin. Rabbiner Dr. Emil Levy. Dr. Heinrich Löwe. Privatdozent Dr. Eugen Mittwoch. A. L. Motzkin. Rabbiner Dr. M. Warschauer. Doktor L. Wileusky. Das Sekretariat: B. Gottlieb. Josef Lin. Adresse: Herrn Dozenten Dr. E. Baneth. für Kulturkongreß-Komitee, Berlin 6., Rosenthalerstraße 25. Ein Mikrobiologisches Institut in Palästina. Die Zahl der jüdischen Anstalten in Palästina wird in Kürze um ein Institut vermehrt werden, das für die weitere Entwicklung des Landes und vor allem für die europäische Kolonisation von einschneidender Bedeutung werden dürfte. Aus Anlaß des sechzigsten Geburtstages des bekannten Schriftstellers und Publizisten Max Nordau, des begeisterten Vorkämpfers der zionistischen Bewegung, hat das zionistische Aktionskomitee die Begründung eines Mikrobiologischen Institutes in Palästina beschlossen. Das Arbeitsgebiet des Institutes ist die Erforschung der ansteckenden Krankheiten sowohl der Menschen als auch der Haus- und Nutztiere und der Kulturpflanzen. Tierseuchen und Pflanzenkrankheiten haben der Kolonisation bereits schweren Schaden zugefügt. Einer wirksamen Bekämpfung stand als erstes Hindernis in den meisten Fällen die Unkenntnis der Krankheitserreger und ihrer Verbreitungsbedingungen entgegen. Aufgabe des Mikrobiologischen Institutes soll es sein, über diese Punkte Licht zu verbreiten und Mittel zu finden, einer Erneuerung ähnlicher Heimsuchungen vorzubeugen. Welche Bedeutung dies für das Gedeihen der bestehenden und der künftigen Kolonien und für das Land im Allgemeinen gewinnen kann, bedarf keiner Ausführung. Das Aktionskomitee ist in der Lage, die Sammlungen auf Grund eines Fonds von mehr als 10.000 Mark zu eröffnen, und es steht zu hoffen, daß dieses großzügige Unternehmen, welches geeignet ist, allen anderen Bestrebungen im Lande Stetigkeit und Sicherung zu verleihen, bei allen Freunden der Palästinakolonisation freudige Unterstützung finden wird Weitere Spenden nehmen entgegen: The Jewish Colonial Trust („Jüdische Kolonialbank"), Ltd. Brook House, Walbrook, London E. C., sowie seine sämtlichen Zahlstellen und sämtliche Sammelstellen des Jüdischen Nationalfonds. Der amerikanische Weizenspekulant Patten soll ein sehr frommer Mann sein. Es ist, schreibt die „Neue Freie Presse", merkwürdig, wie sehr der Weizenköuig von Chicago dem Petroleumkönig von New-Aork in gewissen charakteristischen Eigenschaften ähnelt. Daß Beide von den „Großen Seen" stammen, haben sie mit vielen Dollarfürsten gemeinsam. Die Frömmigkeit aber ist eine Tugend, durch die sich Patten und Rockefeller vor anderen Hohepriestern des Baals auszeichnen. Vielleicht hängt der Pietismus — vorausgesetzt, daß er nicht aSoetscl ist — mit der geringen Cerebralkultur zusammen, durch die der wahre dusineLLman gegen jede Hemmung gefeit ist. Die harte Brutalität, mit der die Leute Vorgehen, kann sehr wohl durch eine natürliche Religiosität kompensiert sein. Einfacher wäre die Erklärung, daß die Spekulanten sich in ihrer Sünden Maienblüte eine heimliche Pforte nach dem Himmel offen halten wollen. Das würde aber die Erkenntnis der Sündhaftigkeit ihres Treibens zur Voraussetzung haben; und solche Schwachheit darf man keinem Habitue der New-Uorker oder Chicagoer Börse zumulen. Von „Korn- und Viehjudeu" «sw. In der im Jahre 1786 erschienenen Geschichte des Amtes Hohnstein und Lohmen (Sächsische Schweiz), verfaßt von Pfarrer. Magister Leberecht Wilhelm Götzinger zu Sebnitz, heißt es auf Seite 326: „Bei der großen Teuerung (1720/1731) geschah eine Handlung, welche aufbehalten zu werden verdient. Ein Jude erbot sich beim König (gemeint ist der König von Polen und Kurfürst von Sachsen), den