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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-23 · 30 (23.7.1909) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
30 (23.7.1909)
Date
1909-07-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 520 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 30 auf seinen Domänen anstellt, ist ganz selbstverständlich. So befinden sich in dem Meierhofe Steni-ZboLi zwei Menschen, die bis heute sich zum Judentum bekannten, und zwar ein gewisser Bondi aus Kolin und ein gewisier Friedrich Grimhut aus Nestrebic. Klein-ZboLi gehört zur Kultusgemeinde Nimburg und es ist selbstverständlich, daß die Genannten zur Kultussteuer herangezogen wurden und zwar mit der niedrigsteu Quote. Was taten nun beide Angestellten? Sie beantworteten die Aufforderung der Kultusgemeinde mit dem Austritte aus dem Judentum. Wenn ein solcher Schritt bei jedem Juden höchst verdammenswert ist und nicht genug stark gebrandmarkt werden kann, so läßt sich dieser Schritt bei dem sehr jungen Boudy aus Kolin, der nebenbei gesagt, der Sohn achtbarer Eltern ist, wenn auch nicht rechtfertigen, doch wenigstens erklären. Was soll man aber zu diesem Schritte sagen, den ein Friedrich Grünhut unternimmt, der der Sohn eines Schachet ist, der selbst verheiratet und kinderlos ist und dem eine jährliche Kultussteuer von etwa 4—6 Kronen vorgeschrieben wurde? J. G. Klattau. (Personalnachricht.) Herr Oberlehrer Alexander Baum wurde an der hiesigen städtischen zweiklassigen Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Handelsschule als Lehrer der deutschen Sprache und Handelskorrespondenz angestellt. Kremsier. Am 10. d. M. feierten die Eheleute Sigmund und Rosa Simon das 50jährige Jubiläum ihrer überaus glücklichen Ehe. Im Namen der Kultusgemeinde in Abwesenheit des Kultus - Vorstehers erschien Beirat Herr Gerson Kien bei dem Jubelpaare und richtete an dasselbe eine Ansprache, worin er die Verdienste derselben im Dienste der Wohltätigkeit besonders hervorhob und als Dank demselben eine kunstvoll ausgestattete Adresse überreichte. Hierauf sprach Frau Henriette Frankl im Namen des israelitischen Frauen- Unterstützungsvereines, deren Vorsteherin die Jubilantin Frau Rosa Simon gegenwärtig ist, hob die Verdienste derselben um das Gedeihen des Vereines hervor, wobei sie eine-reichliche Blumenspende als Anerkennung und Dank des Vereines übergab. Gerührt durch diese Ehrung, dankte die Jubilantin in kurzer Ansprache. Erzherzog Leopold Salvator in Sarajewo. Se. k. u. k. Hoheit Erzherzog Leopold Salvator hat anläßlich seiner Anwesenheit in Sarajewo den Tempel der österr.- nng. israelitischen Kultusgemeinde in der Therefiengasse besucht. Der hohe Besuch wurde am Eingänge zum Tempel vom Oberrabbiner Dr. Weszel, dem Präses der Kultusgemeinde Dr. Roth köpf, dem Vizepräses der Kultusgemeinde Bernardo Klein und dem Vorstandsmitglied Leopold Heim ehrfurchtsvollst empfangen und in den Tempel geleitet. Seine k. u. k. Hoheit besichtigte den schönen Bau und erkundigte sich während des Rundgauges bei den genannten Herren eingehend über die Verhältnisse der Kultusgemeinde, wie über die Zahl und Beschäftigung der Gemeindemitglieder. Nachdem Se. k. u. k. Hoheit noch die Ausführung und stilvolle Einrichtung des Gotteshauses gelobt hatte, verabschiedete sich der hohe Gast von den genannten Gemeindefunktionären in leutseligster Weise und verließ mit seiner Begleitung, Herrn Obersten Adolf W e i g n e r und Herrn Regierungskommifsär Brodnik, den Tempel. Ungarische Juden in Sarajevo. Aus Sarajevo wird geschrieben: Der Sarajevoer llngarverein hielt dieser Tage seine Generalversammlung, in welcher der Direktor der Sarajevoer Filiale der Ungarischen Handels-Aktiengesellschaft Moritz Geroe zum Präsidenten des Vereines und Dr. Paul T ö r ö k zum Vizepräsidenten gewählt wurden.Der demissionierende Präsident Dr. Josef Fischer, Präsident der bosnisch-herzegowinischen Advokatenkammer, wurde zum Ehrenmitgliede ernannt. Frankfurt a. M. Profeffor Dr. jur. B. Freudenthal ist für die Rektoratsperiode vom 1. Oktober 1909 bis Oktober 1911 vom Dozenten-Kollegium der hiesigen Akademie für Sozial- und Handelswiffenschaften zum Rektor gewählt worden. Die Aufnahme vou Juden in die russischen Hochschulen. Vor der Abreise Stolypins nach Poltawa fand ein Ministerrat über die Frage der Aufnahme von Juden in die Hochschulen statt. Me nunmehr bekannt wird, hat der Ministerrat beschlossen, die geplante temporäre Einstellung, der Aufnahme von Juden in die Hochschulen zu verwerfen und die Prozentnorm der aufzunehmenden Juden im Verhältnis zur Zahl der Gesamteintretenden zu berechnen. Dieser Beschluß bedeutet eine günstige Wendung in der Frage des Zutrittes von Juden zu den Hochschulen. Früher wurde bekanntlich der Prozentsatz der Juden durch die Bevölkerungszahl normiert. Die Kuratoren der Lehrbezirke wurden von diesem Beschluß des Ministerrates telegraphisch in Kenntnis gesetzt. London. Die Federation - Gemeinde, bestehend aus 45 Synagogen streng orthodoxer Richtung, beabsichtigt einen selbständigen Oberrabbiner aufzunehmen, der ihre Interessen nach Außen in gleicher Weise wie Dr. Adler diejenigen der United Synagoge repräsentieren soll. Ein Konkurs wurde auch in diesem Blatte vor zwei Monaten veröffentlicht. Cs liefen nur hundert Offerte ein, von denen in erster Reihe vier näher in Betracht gezogen wurden. Diese vier sollten zum Probevortrag berufen werden. Nach näheren Erkundigungen wurden von diesen vieren aber zwei beiseite gestellt. Die zwei Kandidaten, die nun ernstlich in die Wahl kommen, sind für diese Woche zum Probevortrag berufen worden. Diese sind Herr Dr. I. Seliger aus Krakau und Herr Oberrabbiner Michael Duschin sky aus Rakos-Palota bei Budapest, von denen jeder zwei Predigten in der großen Philpot Street-Synagoge abhalten werden. Ausgezeichnete Gelehrte. Die Pariser Academie de Moral et Sciences politiques hat in jüngster Zeit zwei jüdische Gelehrte mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet. Den einen Preis erhielt der Generalinspektor der Bibliotheken und Museen M. Camille Bloch für eine wertvolle Arbeit über die Armenpflege in Frankreich vor der Revolution und einen Preis erhielt der Profeffor für Philosophie M. Julius D e l v a i l l e für ein Werk über soziales Leben und Erziehungswesen in Frankreich. Girr Krief. Nach dem Russischen von Schlesinger-Silenski. „Zünde die Lampe an", sagte eine zitternde Stimme, „und lies den Brief". Die Nacht war bereits hereingebrochen, aber in dem Zimmer, in welchem sich außer der alten Feige noch eine junge Frau und ein kaum zweijähriges Lind befanden, brannte kein Licht. Wozu die Unkosten so stark vermehren. Vom kleinen Fenster her kam genug 'Helle in die kleine Stube. Der Mond sandte so viel davon hinein, wieviel die junge Frau eben zur Verrichtung ihrer Arbeit nötig hatte. Der Lnabe war eingeschlafen. Das einförmige Liedchen, das ihm seine Mutter, beinahe unbewußt, gesungen hatte, lullte ihn ein und zauberte ein Lächeln um seine vollen, roten Lippen, um die kindlich weichen Wangen. Jochebed konnte dies genau sehen, dazu brauchte sie keine Lampe. — Sie sitzt auf einem niederen Schemel, neben dem Bettchen. Auf ihren Lnien hält sie eine breite zinnerne Schüssel, in welcher sich eine Masse von unbestimmter Farbe befindet, die sie mit einem hölzernen Löffel nach einem gewissen Takte umrührt. Die junge Frau hält nur dann inne, wenn sie etwas an der Decke des schlafenden Lindes zu ordnen hat. Eigentlich ist dies gar nicht nötig. Mordchele liegt friedlich schlummernd, ohne sich zu rühren. Aber dies zeitweise Herumschmeicheln tut ihren armen, mageren Händen wohl. Und sie rührt dann weiter, wie getrieben von einer Macht, willenlos, gefühllos gegen die Schmerzen, die die unausgesetzte Bewegung ihren geröteten Handgelenken verursacht. Hat sie denn noch ein Empfinden? Jochebed weiß es nicht; sie will auch nicht denken, nicht an Vergangenes, nicht an Zukünftiges. Das tut so weh. Vom Lopf geht dann das Weh ins Herz und das tut

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