Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 30 (23.7.1909)
- Date
- 1909-07-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Jahrgang HVl Dr. Bloch’s -□=□- Wien, 23. Juli 1909 Lrscbeint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. ——■——————— II———». -—»« Inhalt: Leitartikel: Arische und jüdische Verbrecher. — Sozialdemokratie und Judenfrage. — Israelitische Allianz zu Wien. — Lucille Marcel. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Dr. Gustav Karpeles gestorben. Das Fernbleiben der rumänischen Aerzte vom Internationalen Aerztekongreß in Budapest. Heine über die Taufe. Fräulein Bertha Pappenheim in Amerika. — — Korr espondenzen: Wien. Ein „Paradechrist". Der Stationsvorstand von Pisek. Paris. Der jüdische Canonicus. Juden als Förderer der Wissenschaft. Amerikanische Juden in Paris. „Leider unmöglich!" Dr. Riza Tewfik gegen den Palästinenfismus. Maitre Salem abgelehnt. Botschafter Qrkar S. Straus. — Vermischtes. — Feuilleton: Ein Brief. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. o 0 .- - o p Veznasprer» für Vestrrrrich: p Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für's Bunlanix: Halbjährig Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespaltene Petikzeile 24 Heller. G oP ■ --Qo 0(7 Q öo C| A. ft. Postsxarftassrnamk Sleartng-Verkebr Mr. S10.976. Redaktion und Administration: s» W i r n IX/i. Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. oO - -. ■■ -Oe Arische nrrd jüdische Verbrecher. Das „Deutsche Volksblatt" hat die Stirne, den russischen Staatsrat Hartiug, gebornen Abraham Häckelmann, verwandelten Landesen, geänderten Baron Sternberg den Juden aufzuhalsen. Diesen Harting hat der russische Revolutionär Buzew entdeckt, seine Verwandlungen aufgezeigt und nachgewiesen, daß dieser Chef der russischen Geheimpolizei in Paris, also Abteilungsvorstand einer Menschenfängerei im Auslande, identisch ist mit einem ehemaligen Lockspitzel, der wie Azew im Einverständnisse mit der Polizei Attentate arrangierte und die Täter dann verriet, an den Galgen brachte. Was gehört von diesem ehemaligen Juden noch dem Judentum? Er hat seine Religion in einen Weihbrunnkessel versenkt, als er in den Staatsdienst trat und war mit seiner Schufterei durchaus nur ein Stück vom System und Organismus jener Regierung, welche durch ihre tierische Behandlung der Juden das Entzücken des „Deutschen Volksblattes" erweckt. Der Zarismus, welcher die Juden wegen ihrer angeblichen Unmoral, Volksknechtung und Schädlichkeit mit Feuer und Schwert verfolgt, bedient sich zu seinen Banditeustreichen der infamsten Schurken. Der Verband echt russischer Leute, deren meuchlerische Pogroms die Praxis der christlichsozialen Theorien bedeuten, bringt solche Leute hervor, wie diesen verkommenen Lumpen, der seine Würde der Betätigung des Antisemitismus verdankt. Denn der Kampf gegen die Revolution wird in Rußland größtenteils als ein Kampf gegen den jüdischen Ansiedlungsrayon geführt. Dieser Harting ist ein Beweis für die beispiellose Gemeinheit, welche vom Antisemitismus dadurch ermöglicht wurde, daß diese Bewegung der Lüge, Anarchie und Menschenverfolgung die Kultur um Jahrhunderte zurückgeworfen hat. Den praktischen Feinden der Juden in Rußland und ihren Geistesbrüdern hierzulande gehört Harting, die Stütze dieser Gesellschaft, an. Das verbrecherische Metier dieses Harting hat ihn den Spitzen, des russischen Staates wert und kostbar gemacht.. Bei seiner Taufe und bei seiner Trauung intervenierten die höchsten Männer des zarischen Rußland, die Botschafter und die Minister. Jeder anständige Jude wird in Rußland bis aufs Blut verfolgt. Die einzelnen Verbrechertypen aus den Niederungen der jüdischen Gemeinschaft werden hervorgesucht und aufgelesen, mit prunkenden Titeln und Ehren geschmückt und zu Stützen des Zarentums erhoben. Er hat sich der arischen Gesellschaft würdig erwiesen, er wird als vollständig „assimiliert" anerkannt, als gleichwertiger Genosse all der Leute, welche gegenwärtig die Umgebung des Zaren bilden. Das Judentum belastet dieser typische russische Pvlizeichef nur mit seiner Geburt, nicht mit seinem Wesen. Sein Charakter bildete sich in dem Strome der arisch-christlichen Welt, deren ekelhaftesten Schmutz Harting verbreiten half. Als der Minister Witte zum Zwecke der Friedensunterhandlungen mit Japan nach Amerika reiste, nahm er sich als Gehilfen mit — einen jüdischen Dolmetsch. Herr Witte spricht bloß russisch und französisch; um mit den Japanern und Amerikanern sich zu verständigen, bediente er sich des Dolmetsch, welcher damals während der Verhandlungen dem russischen Staat die größten Dienste erwiesen hat. Allein da der Mann Jude blieb, so wurde ihm nach dem Friedeusschluß bedeutet, daß das Zarentum seiner nicht mehr bedarf — er kann gehen. Leute wie Harting und Azew dagegen sind kongeniale Naturen der russischen Regierung. Fall Nummer zwei, dem demagogische Irrlichter aufgesetzt wurden, ist die Defraudation des Lagerhausbeamten Lechner. Dieser ist zwar absolut kein Jude, sondern hat nur in eine sehr ehrenhafte jüdische Familie hineingeheiratet. Das genügte dem Zentralorgan des dummen Kerls, um seinen letzten Atem an den Fall zu verschwenden, Rufzeichen in Massen herauszupusten und die christliche Welt mit vielen fettgedruckten Lettern vor der jüdischen Korruption zu warnen. Wir haben trotz gegenteiligen Lügen der antisemitischen Schundpresse noch niemals einen jüdischen Verbrecher in Schutz genommen und tun dies auch nicht bei einem christlichen. Lechner hat die Unionbank um Geld gebracht und die Richter werden zu entscheiden haben, mit wie viel Jahren Kerker er seine Jahre tollen Leichtsinns zu bezahlen hat. Aber wie kommt das „Deutsche Volksblatt" dazu, diese Sache auf die Juden zu verkehren, und woher nimmt es den Mut zu dieser Verleumdung? Die zu Schaden gekommene Bank wird den Entfall immerhin noch verschmerzen können. Aber bei der großen Defraudation des Direktors Hromatka,