Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 29 (16.7.1909)
- Date
- 1909-07-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 29 Dr. Bloch’s Jahrgang XXVI Zentraloroan für die gesamten Interessen des Zudentums. Wien, .16 Juli 1909 LrstDeLnt jeden FreLtag. Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. O u ■■ —===D o p Vexrrgsprris für Vefk er reich: p Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'« An^land: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petttzeile 24 Heller. G nO— ■—O Q N. ft. Postfxarftalsrnaml Sleartng-Verkebr Mr. S10.S7S. Redattion und Admtntstratton: Wistt IX/i, Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. Inhalt: Leitartikel: Klerikaler Terrorismus. — Gewaltakte der rumänischen Regierung. — Die Judenfrage in Rumänien. — Türkei und Judentum. — Die Taufkrankheit der Juden, ihre Ursachen und Mittel zur Bekämpfung. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Ein Denkmal für jüdische Märtyrer. Ein ausgezeichneter jüdischer Soldat. Gordin und Gorki. Juden in der Aeronautik. Juden in der englischen Politik. Ablehnung einer Ehrung für den Zaren. Der erste französische Adler im Kriege 1870/1871 von einem jüdischen Soldaten erorbert. Der König von Italien beim Bildhauer Ezekiel. Ruffische Emigrantenkinder als Preisgewinner. — Korrespondenzen: Der erste Monat im Kaiser Franz Josefs-Arberterinnen-Erholungsheim des Frauenhortes. Die österreichische Organisation „Für das Kind". Eine Rede des Banus von Kroatien in der Synagoge. Florenz. Lord Rothschild, Präsident des Ruffo-Jewish-Komitees. Die Jca als Emigrationsbeirat der russischen Regierung. Die Juden im russischen Heere. Die Entrechtung der bucharischen Juden. Graf Paalen über die bucharischen Juden. Mitteilungen aus Marokko. — Vermischtes. Feuilleton: Zwischen den Marken der Trauer. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Klerikaler Terrorismus. Der Staat Oesterreich, hat jetzt eine ungeheuerliche Tatsache erlebt. Neun Abgeordnete dürsten ungestraft sein politisches und wirtschaftliches Leben auf viele Monate hinaus stören, unterbinden. Zur Verhandlung des Parlaments sollten kommen: Das Lokalbahngesetz, das viele bisher abgeschlossene Gegenden andie Zentren der Kultur und des Erwerbes hätten anschließen sollen.' Das Handlungsgehilfengesetz, das Millionen von Menschen eine lebenswerte Existenz zu schaffen berufen ist. .Die Sanierung der Rohölindustrie, die in ihrem Werte vielleicht fragwürdig ist, aber jedenfalls die Bildung eines ausbeuterischen Petroleumkartells verhindert. Das Ermächtigungsgesetz über die Handelsverträge, das zwar leider auch der rumänischen Regierung zugute kommt, aber entschieden reiche materielle Vorteile durch die Tore Oesterreich-Ungarns leitet. Die Meliorationsvorlagen, die Ausgaben für Flußregulierungen, welche in diesem triefenden Sommer die Landwirtschaft vor einem Schaden von Millionen bewahren würden. Aber alle diese Gesetze voll innerer Notwendigkeit wurden von Schusterschitz und Genossen unbarmherzig hinausgeschoben, zur gerechten Erbitterung der ganzen Bevölkerung wurde dieser ein unberechenbar großer Schaden zugefügt. Das Parlament mußte geschlossen werden, weil neun Abgeordnete das so wollten. Ursprünglich haben diesem Häufchen südslavischer Volksvertreter die tschechischen Agrarier Gefolgschaft geleistet. Zuletzt aber war die Situation folgende:. Die Agrarier, denen die Regierung Liebesgaben antrug, wollten gerne abschwenken. In der südslavischen Gruppe selbst bestand eine Spaltung. Acht Leute von der-Fraktion Ploj waren gegen die Obstruktion, neun Partisane des Schusterschitz dafür. Die getroffenen Abmachungen aber zwangen die Agrarier und die Leute Plojs, alles mitzumachen, was Schusterschitz beschlossen hatte. Es ist nun die Aufgabe der Juden, mit dem größten Nachdruck darauf hinzuweisen, welche Abgeordnete den ungeheuerlichen Verrat an den wichtigsten Interessen des Volkes begingen und welches ihre Motive waren. Nicht die vorge. schobeneu Motive, sondern die wirklichen. Schusterschitz ist ein slovenisch-klerikaler Abgeordneter, keiner von denen, die eine populär gewordene Bewegung zu ihrem Vorteil mitmachen, sondern ein überzeugter Judenfresser und Ultramontaner, der von der Verfassung und dem Kulturstand des Vormärz alles Heil für Oesterreich erwartet. Auch seine engeren Parteigenossen und weiteren Obstruktionsfreunde sind von derselben Kouleur, schwarz in schwarz, slavische Geisteskinder der Wiener Christlich-Sozialen. Diese Leute nun haben angegeben, daß es ihnen unbedingt um das Wohl und Wehe der bosnischen Kmeten zu tun sei. daß ihnen die Regierung mit ihrer Existenz garantieren müsse, die Budapester Kommerzialbänk werde die Grundablösung der bosnischen Bauern nicht vornehmen. Da aber bereits festgestellt wurde, daß der neu zu bildende bosnische Landtag diese Frage entscheiden und eine Ausbeutung der agrarischen Bevölkerung nicht zulasten werde, so war das gewiß keine Ursache, ein österreichisches Parlament zu sprengen. Außerdem wurden slavische Hochschulen für Brünn und Laibach verlangt. Diese Schulfragen gehören in den Komplex der großen Verständigungsaktion zwischen den Deutschen und Slaven, welche die Regierung für ruhigere Zeiten plant Man war daher verpflichtet, zu warten, welche Vorschläge Bienerth zu machen habe und man wußte, daß man die Schulen nicht erzwingen werde, weil sonst die deutsche Obstruktion sofort einsetzen würde. Die Obstruktion war also innerlich ganz haltlos und ihr wahres Ziel alles eher als ein ideales. Der alldeutsche Abgeordnete v. Stransky hatte ausnahmsweise recht, als er sagte, die ganze slavische Opposition werde aufhören, wenn in der Amtszeituug das kaiserliche Handschreiben veröffentlicht würde: „Mein lieber Dr. Schusterschitz." Minister wollte der Führer der Obstruktion werden und zur Erreichung dieses seines Zieles, in der Verfolgung seines Strebens war ihm das Wohl und Wehe der arbeitenden Klaffen Hekuba, die Wohlfahrt des Staates gleichgültig, der Wille des Kaisers nicht maßgebend. „Im Parlamente muß es gehen, es wäre sonst ein Skandal," sagte der Kaiser von Oesterreich und die antisemitischen Klerikalen sprengten doch den Reichsrat für eine Ministerstelle, die sie nicht bekamen. „Die Nichtbewilligung der Finauzreform zeigt von Mangel an Verantwortlichkeitsgefühl," sagte der deutsche Kaiser, und die antisemitischen Klerikalen und Junker warfen ihm Kanzler und