Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 28 (9.7.1909)
- Date
- 1909-07-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 486 Dr. Blochs WoKenschrist. Nr. 28 urteilt. Das Gericht hatte sich damals auf den Standpunkt gestellt, daß die Veröffentlichung antisemitischer Angriffe, selbst wenn sie sich nicht gegen eine bestimmte Person richten, sondern die Absicht verfolgen, das Judentum der Verachtung preiszugeben, eine strafbare Verleumdung darstellt. Dieser Robillard hat sich der Strafe durch die Flucht ins Ausland entzogen. „Jewish Times" fordern daher das Gericht auf, auch gegen die „Verite" ihre Pflicht zu erfüllen, da ja seit jener ZciK die Gerechtigkeit keine andere geworden fei. Ein Jude als Indianerhäuptling. Die letzte Nummer des „American Hebrcw" enthält eine Sensation, die jetzt in Amerika viel von sich reden macht und trotz der unglaubwürdigen, romantischen Färbung hier wiedergegeben werden soll, weil „American Hebrew" zu den seriösesten jüdischen, Blättern der Vereinigten Staaten zählt. Der Verfasser des Artikels, Mr. Philipp Löwen, erzählt u. a.: Der Jude, welchem beschieden war, der Herrscher eines indianischen Stammes zu werden, stammte aus einer reichen jüdischen Familie in Deutschland, deren mehrere Mitglieder in der New-Iorker großen Geschäftswelt eine hervorragende Stellung einnehmen. Er suchte für sich ein Tätigkeitsgebiet im Westen und siedelte sich auf einem der westlichen Territorien an. Durch seine Geschäfte kam er mit den Indianern in nahe Beziehungen; er gewann ihr Vertrauen und sie zollten ihm Liebe und Achtung. Eines Tages bot das Oberhaupt des Stammes dem fremden Juden seine Tochter zur Fra» an. Der Jude führte die Tochter des Indianerhäuptlings heim und wurde bald darauf mit Einwilligung seines Schwiegervaters zum Ckefstellvertreter des Stammes proklamiert. Als der alte Häuptling sein Ende nabe fühlte, berief er die Häupter seines Stammes und teilte ihnen mit. daß nach seinem Tode sein Schwiegersohn sein Nachfolger werde. Diese Botschaft wurde mit großem Jubel ausgenommen und der aus Deutschland stammende Jude bekleidete seinen Herrscher Posten viele Jahre hindurch. Der jüdische Indianerhäuptling war ein überzeugter Jude, gab schließlich ferne Herrschaft auf und zog mit seinen Kindern, die er beschneiden ließ, wieder in eine Stadt, wo er unter Juden jüdisch leben kann. . . . Das klingt wie ein ersonnener Jndianerroman, aber die Redaktion des Blattes behauptet, den Namen des gewesenen „jüdischen Indianerhäuptlings zu kennen, den Mr. Löwen nicht nenne» will, um nicht eine Person zu kompromittieren, welche die höchsten, ethischen Prinzipien des jüdischen Lebens in einer Gruppe amerikanischer Indianer ciugeführt hat". IDermtöcbtes. Wie«. (Verlobung.) Ehrwürden Herr Viktor S ch ö n f e l d, gewesener Rabbiner des Bethausvereines „Montefiore" in Wien, gegenwärtig Rabbiner der „Worth Londoner orth. Gemeinde", hat sich mit Fräulein Elly Sternberg aus Budapest verlobt. Wien. Der Herr Minister für Kultus und Unterricht hat dem k. k. Supplenten Karl Ehrenfest der k. k. Zweiten Staatsrealschule im II. Wiener Gemeindebezirke eine definitive Lehrstelle an dieser Anstalt verliehen. Wien. (Verlobung.) Herr Eduard Engel, Sohn des Herrn Hermann Engel, hat sich mit Fräulein Helli Ujn g e r, Tochter des Herrn Adolf U n g e r, verlobt. Wien. (Todesfall.) Am 4. d. M. starb nach kurzem Leiden Herr Wilhelm Beck, Seniorchef der Firma Wilhelm Beck u. Söhne, im 91. Lebensjahre. Herr Beck war eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Wiener Bekleidungsindustrie und hat sich auf humanitärem Gebiete besondere Verdienste erworben, die ihm auch mannigfache Ehrungen, so die goldene Salvator-Medaille, eintrugen. Er war auch Ehrenpräsident der israelitischen Gemeinde des VIII. Bezirkes. Das Leichenbegängnis fand am 6. d. M. unter sehr zahlreicher Beteiligung aller Kreise der Bevölkerung und Deputationen verschiedener Vereine, sowie des Gesamtvorstandes des Josefstädter Tempelvereines statt. In Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde waren der Vizepräsident Herr Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, die Herren Dr. Markus Spitzer und S. Steiner erschienen. Die Bahre wurde vom Trauerhause zum Josefftädter Tempel, VIII., Neudeggergaffe 12 geführt, woselbst nach Abfingung eines Trauerpsalms durch Oberkantor Quartin mit dem Tempelchore der Vizepräses des Josefftädter Tempels Herr Architekt Jakob Modern in beredten Worten Abschied von dem Verstorbenen nahm, indem er gleichzeitig die Verdienste, die sich derselbe als ältestes Mitglied und Gründer erworben hat, hervorhob. Am Zentralfriedhof hielt Herr Rabbiner Doktor Bauer eine tiefempfundene Trauerrede. Es sprachen ferner Abschiedsworte Herr Dr. Siegmund Goldberger namens des Josefftädter Tempelbauvereines und Herr Breuer namens der zahlreichen Angestellten der Firma Wilhelm Beck & Söhne. Die kantoralen Funktionen versah Oberkantor Quartin und Kantor Grob. Wien-Fünfhaus. Wie im vergangenen Jahre, gestaltete sich auch diesmal der feierliche Abschluß des Schuljahres unserer von den Herren L. Wiesner und Teltsch mustergiltig geleiteten Talmud-Thora-Vereinsschule zu einem erhebenden Festakt. Vorigen Sonntag um Vs 12 Uhr wurde in dem unter dem Zuströmen der Schulkinder und ihrer Angehörigen rasch überfüllten Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, Turnergaffe 22, von dem Vorsitzenden des Vereines im Namen des Vorstandes an die Schüler und Schülerinnen eine Ansprache gehalten und darin die Dankbarkeit gegen Schule und Lehrer warm empfohlen. Nachdem hierauf ein Schüler in kurzer Rede geantwortet hatte, kamen 36 Schulprämien zur Verteilung. Verlesen wurde außerdem eine lange Liste von Knaben und Mädchen, die einer öffentlichen Belobung sichwürdig gezeigt hatten. Mit dem Absingen der Kaiserhymne schloß die würdige Feier. Besonders erwähnt zu werden verdient die Beteiligung ehemaliger Zöglinge der Anstalt und das allgemein geäußerte Bedauern darüber, daß aus Mangel an Geldmitteln die oberste Knabenabteilung im vergangcnen Winter hat ausgelassen werden müssen. Die Schule, in der Hunderte von Kindern aus den westlichen Bezirken in sechs Abteilungen kostenfrei unterrichtet werden, verdiente es, daß bei den herzerquickenden Andrang von Anmeldungen ihre finanziellen Kräfte ausreichten, um allen billigen Anforderungen gerecht werden zu können. Wien. (L i w i a s Chen, II., Stephaniestraße 2.) Samstag den 10. d. M, nachmittags 5 Uhr: Vortrag des Herrn I. Rosner. Thema: Pirko Ovos". Wien. Der Firma D. Schwarzmann L Co., Wien und Proßnitz, wurde das Recht verliehen, den kaiserlichen Adler in Schild und Siegel zu führen. Austritte aus dem Judentum. Vom 27. Juni bis 3. Juli 1909. Altmann Leiser, Bestellter am Vielimarkt, geb. 15. März 1870, Drohobyoz, Galizien, III., Salmgasse 15. Dawidowicz Dr. Stefanie Melanie, praktische Aerztin, geb. 10. August 1^80, Czernowitz, Bukowina, VIII., Wickenburggasse 20. Breitenfeld Max, Musiklehrer, geb. 8. Jänner 1860, Luze, Bezirk Hohenmaut, VII., Neustiftgasse 15. Broch Hermann, Privatier, geb. 1. November 1886, Wien, 1, Gonzagagasse 7. Broch Friedrich, stud. techn., geb. 17. Dezember 1889, I., Gonzagagasse 7. Kern Bruno, geb. 2. Jänner 1885, Wien, I., Universitätsstrasse 11.- Kern Johann Jakob, Privatier, geb. 19. Oktober 1879, Wien, I., Universitätsstrasse 11. Koch Karl Michael, Realschüler, geb. 22. Dezember 1893, Wien, XII., Tichlelgasse 23. Kraemer Siegfried, Kanzleibeamter, geb. 7. März 1885, Wien, I„ Rudolfsplatz 5. Maier Dr. Maximilian, K. k. Bez.-Arzt, geb. 28. Dezember 1868, Gaya, Mähren, XIX., Arbesbachgasse 21. Mautner Viktor, Ingenieur, geb. 23. Juli 1883, Prag, III., Radetzkystrasse 6. Morawitz Hugo, Ingenieur, geb. 22. Dezember 1874, Wien, VI., Kasernengasse 26. Morawitz Anna, geb. Bellak geb. 2. Oktober 1883, Wien, VI, Kasernengasse 26. Morawitz Leonie, Private, geb. 17. Oktober 1888, Wien, I.. Schwarzenbergplatz 17. Scheer Oskar, geb. 22. Juni 1886, Wien, XX., Hannovergasse 10. Stern Georg, Studierender, geb. 14. März 1889, Wien, VII., Mariahilferstrasse 4. Weiss Berta, Kunststickerin, geb. 12. Juli 1889, Wien, VII., Neubaugasse 27.