Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 28 (9.7.1909)
- Date
- 1909-07-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 28 Jahrgang XXVI Dr. Bloch’s Zentraloroan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. Wien, S. Juli 1909 Lrscbelnt jeden ZfreLtag. Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. OO ■ - —~~~0 o p Bejngaprem für Vestrrreirh: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgesyaltene Petitzeile 24 Heller. G nO -Qo ° CF=" ■ - — A. ft. Postsxarftassenarnt C Slearing-Verkebr mr. 810.976. Redattion und Administration: <-- ©im H/i. Hahugaffe Nr. 15. i) Telefon Nr. 14.847. c QP - —-Oc Inhalt: Leitartikel: Stützen des Thrones und Altares. — Berek Joselewic;. — „Seid fruchtbar und vermehret Euch!" — Vom Jahrmarkt des Lebens: Ein jüdischer Minister in der Türkei. Ein Jude — Juristenkonsult im Großwesirate. Der Judenfriedhof am Lido. Ueber die Frage, ob das Judentum Dogmen habe. — Korrespondenzen: Rothschilds Diktatur in England. Eine Unterredung mit Sir Jacob Sassoon. Ueber den Militärdienst der Juden in der Türkei. Eine Gesellschaft für jüdische Statistik in Paris. Dr. Nordau über die gegenwärtige Lage des Zionismus. Juden im Kampfe gegen den Alkoholismus. London. Die Juden als Landwirte. Die Zahl der Juden in Indien. Antisemitismus in Kanada. Ein Jude als Indianerhäuptling. — Vermischtes. Feuilleton: Amerikanische Bußprediger. Jüdischer Witz und jüdische Spruchweisheit. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Stutzen des Thrones und Altares. Was man den Juden am meisten vorwirft, ist ihr Geschäftsgeist. Sie betrachten die Welt als Trödlerbude, sagt Vergani mit allerdings klotzigen Ausdrücken, sie suchen in jedem Ideal nur den Barertrag, sie schachern in der Politik, in der Kunst, sie würden sogar aus der Bibel eine Goldquelle machen, wenn sie könnten. Wer nun ist imstande, den verkommenen Jüngern des Götzen Mammon ein leuchtendes Beispiel zu geben? Natürlich die Arier, die Nichtsemiten, welche die Moral gepachtet haben, seitdem unter der linken Hand des Urriesen Imri die ersten Germanen emporgewachsen sind. Die Arier sind es, welche die Welt ausschließlich durch das Spekulierglas des Ewigkeitswertes betrachten, sie tragen ständig die blaue Blume der Romantik auf ihren Mützen, sie lieben nicht, sondern sie minnen. sie denken nicht, sondern philosophieren und jeglicher Geschäftsgeist ekelt sie bis auf die markstrotzenden, geraden Knochen. Wenn es einer nicht glaubt, so braucht er bloß den wackeren K. H. Wolf anzusehen, den trefflichen Führer im Streite, der aus der Zuckeraffäre hervorging, wie ein Lämmchen aus weißer Raffinade, oder Jro, der sein Ehrenwort so trefflich zu schwingen versteht, oder die ganze Sippe der deutschnationalen Gemeinderäte, welche sich den zur Macht gekommenen Christlich-Sozialen mit Haut und Haaren verkaufte, oder den von seinen Mannen so treu umgebenen Schönerer. Wer aber noch immer nicht überzeugt ist, der schaue hinüber nach Deutschland, wo die edelsten Nachkommen der alten Germanen noch immer zu beiden Ufern des Rheins und der Elbe sitzen und wo ihre Edelsten und Besten, wo die stolzen Stützen des Thrones und Altares soeben eine Großtat zur Rettung des Vaterlandes vollbracht haben. Das Vaterland brauchte Geld, schnödes Geld, das der Idealist verachtet und das der Noblesse eines Adeligen vollkommen ferne liegt. Darauf, auf die Noblesse und die Verachtung, bauten der deutsche Reichskanzler und die verbündeten Regierungen und sie nahmen in den Steuerplan zur Bedeckung der notwendig gewordenen fünfhundert Millionen Mark auch die Erbzufallssteuer auf. Diese Steuer ist verhältnismäßig geringfügig und sehr gerecht. Denn der Vermögenszuwachs durch Erbschaft ist fast gleich einem Losgewinn und es ist nur billig, daß die notleidende Allgemeinheit auch etwas von diesem unerwarteten Zufall hat. Natürlich verliert die Sache das Zufällige, wenn Kinder erben. Denn die wissen ungefähr, was sie zu erwarten haben, die bezahlen auch den Vermögenszuwachs mit Schmerzen des Gefühls und ihnen gegenüber muß der Fiskus feine Habsucht zurückdämmen, was er auch tut. Wenn aber Verwandte dritten, vierten Grades erben, so ist es nur billig, daß sie dem Staate sein Zehent geben. Wer nun war im deutschen Reichstag dagegen? Die Freisinnigen natürlich und die Sozialdemokraten, die mit jüdischem Geld und jüdischem Einfluß und jüdischem Schwindel unterstützten Vertreter des jüdischen Großkapitals. Warum wehrten sich diese so verzweifelt? Nicht so sehr wegen des Betrages, obwohl auch diese Leistung den geizigen Löhnen Sems sehr großes Unbehagen verursachte. Mehr noch, weil sie sich nicht in die schmutzigen Karten schauen lassen wollten. Denn, wenn die Erbschaftssteuer eingehoben wird, dann muß die Erbschaft von amtswegen geschätzt werden. Dabei würde aber herauskommen, wie groß eigentlich die Reichtümer der Juden sind. Daun könnte sich Herausstellen, wieviel der Verstorbenene an Steuern hinterzogen hat, die vielleicht nachträglich erlegt werden müßten. Ferner wäre der glückliche Erbe nicht imstande, die wahre Größe seines Vermögens vor der Steuerbehörde zu vermogeln. Grund genug, daß sich die geschäftskundigen klugen Juden mit Macht gegen die Erbschaftssteuer stemmten. Der Kaiser selbst sprach seinen Wunsch aus, die Regierungsvorlage möge angenommen werden. Die vereinigten Staatenregierungen drängten zum selben Zwecke, der Kanzler trat dafür ein. Aber diese Juden widersktzten sich in bekannter Manier allen angeblich so angebeteten Autoritäten. Die ihre Loyalität so widrig betonenden Bürger verbanden sich mit den ärgsten Umstürzlern von Staat und Kirche, mit den gottlosen Sozialdemokraten und brachten die Erbschaftssteuer zu Fall. Dafür aber mißbrauchteu sie ihre Macht und beschlossen eine Reihe anderer Steuern auf Konsumartikel und Wertpapiere. Was liegt ihnen daran, wenn Handel und Industrie empfindlich belastet werden, was schert es sie, daß das Reich durch ihren Beschluß die Folgen eines Regierungswechsels zu tragen hat! In erster Linie kommt ihr Geldbeutel in Frage, in letzter Linie bei diesen Kosmopoliten das Vaterland.