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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-06-25 · 26 (25.6.1909) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
26 (25.6.1909)
Date
1909-06-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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*■" Dr. Bloch’s J*M,"nn Zentealorgan für die gesamten Interessen des Judentums. -n-~n- Wien, 25. Juni 1909 Lrscbetnt jeden zfrettag. Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. OG =DO p Vrfugsprri« für Vestrrrrich: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespal- O tene Petttzeile 24 Heller. nP- .—D o O -O o ' A. ft. Vofisxarftasserramk Q Lleartng-Verkebr m. 810.976. Redaktion und Administration: Wien IX/i. Hahngaffe Nr. 15. l) Telefon Nr. 14.847. p oP . --Qo Inhalt: Leitartikel: Der Kampf um das Defizit. — Kruschewans Geist. — „Seid fruchtbar und vermehret Euch!" — Vom Jahrmarkt des Lebens. Der Stationsvorstand von Pisek. Offenbachs neunzigster Geburtstag. Gegen die rufflsche Anleihe. Eine Rede des Präsidenten Taft in der Synagoge zu Pittsburg. König Eduard und der jüdische Erfinder. — Korrespondenzen: Kulturelle Bestrebungen der Orthodoxen in Ungarn. Auszeichnung jüdischer Arbeiter. Ignaz Spitzer-Straße in Arad. Karl Goldmark Ehrendoktor. Das Kriterium einer jüdischen Kultusgemeinde. Auszeichnung eines jüdischen Malers. Große Spende für soziale Hilfe. Bischof und Rabbiner. Der bevorstehende Besuch des Zaren in England. Jüdische Abgesandte in Konstantinopel. Die geplanten jüdischen Kolonien in Kleinasien. Zangwills Memorandum an die türkische Regierung. — Vermischtes. — Feuilleton: Der letzte Bericht über die jüdischen Gemeinden in Sizilien. — Literatur. — Briefkasten. — Aufruf. — Inserate. Der Kampf um das Defizit. Von Max Frank Ich habe zu Ende des ersten Artikels einen Vergleich zwischen den Kosten des Versorgungs- und Siechenhauses und des Spitals gezogen und möchte den gewaltigen Unterschied in den Ausgaben dieser beiden großen Institute noch an anderen Beispielen erläutern. Im Versorgungs¬ und Siechenhaus sind täglich um etwa achtzig Personen mehr zu verpflegen als im Spital, und die Verköstigung derselben kostet um K 62.000 weniger als im Krankenhaus, oder anders gesagt, die Verpflegung jeder Person im Spital kostet mehr als das Doppelte der Verpflegung im Versorgungs- und Siechenhaus (um 113 Perzent mehr). Wenn ich auch, wie bereits erwähnt, ganz genau berücksichtige, daß die Qualität der Speisen im Spital eine besonders gute ist und daß die Kosten der Ernährung von Kranken teuerer sind, als die von großenteils Gesunden — übrigens erstreckt sich auch im Spital die Verpflegung nur auf 67 Perzent Kranke und 33 Perzent Gesunde, nämlich Aerzte und Hauspersonal — so liegt doch die Vermutung nahe,' daß es in der Küche des Spitals an der nötigen Strenge mangelt und daß dort die Aufsicht keine genügende ist, oder daß der Küchenleitung die nötige Kenntnis der Führung einer so großen Wirtschaft mangelt. Es ist eben eine große Kunst, für einige hundert Personen so zu kochen, daß einerseits die Portionen nicht zu klein find, anderseits aber nicht etwa das Quantum wesentlich überschritten wird. Gewiß hätte der Vorstand die Verwaltung niemals in die Hand nehmen sollen, wenn nicht außer dem Bau auch die Betriebskosten fichergestellt worden wären, aber puisque le vin est tirö, il faut le boire, das ist heute vorbei und man muß nur versuchen, die Kosten herabzusetzen, insoweit es, ohne daß die Kranken auch nur im mindesten darunter leiden, überhaupt möglich ist. Und da gelange ich beim Studium des Budgets zu einer Post, welche eigentlich nur andeutungsweise darin erwähnt ist. und über deren Kosten sich wohl Niemand meiner geehrten Herren Kollegen im Vorstand der Gemeinde ein halbwegs richtiges Bild machen konnte, denn auch ich selbst war dies bisher fast nicht im Stande. Erst der eben im Druck befindliche Bericht des Spitals der israelitischen Kultusgemeinde zeigt mir verblüffende, ja ich kann wohl sagen erschreckende Daten der Kosten dieser Institution. Es handelt sich um das Ambulatorium, welches im Jahre 1895 dem Spital angegliedert und damals von jährlich etwa 2600 Personen ausgesucht wurde, seither ist die Zahl der Abteilungen, insbesondere feit 1903 wesentlich vermehrt worden und damit stieg auch die Zahl der Patienten, welche im Jahre 1907 die Ziffern von 15.000 erreichte. Es ist durchaus nicht in Abrede zu stellen, daß das Ambulatorium eine wunderschöne und im höchsten Grade menschenfreundliche Institution ist und daß derjenige, der eine solche allen Menschen ohne Unterschied der Konfeffion und Nationalität dienende Heilstätte schafft, hoch zu preisen ist. Aber ist es Sache einer Kultusgemeinde, dies zu tun, und vor allem ist es für die durch sie vertretene Judenschaft wichtig, wenn sie eine solche Institution gründet und erhält? Ich habe einst in einem Vortrage unter den Ausgaben einer Kultusgemeinde auch die Führung eines Krankenhauses als wünschenswert hingestellt, weil, ganz abgesehen von anderen Gründen, ein Teil unserer jüdischen Mitbürger sich tief unglücklich fühlt, wenn sich zu ihrem körperlichen Leiden auch noch der Zwang gesellt, rituell unerlaubte Kost zu genießen, und habe damals gesagt, daß dies allein schon genügender Grund zur Erhaltung eines Krankenhauses wäre, auch wenn sich nicht noch der Umstand dazu gesellen würde, daß die Spitäler Westösterreichs auswärtigen armen Juden nahezu völlig verschloffen werden. Was aber soll eine Kultusgemeinde veranlaffen, ein Ambulatorium zu erhalten? Der Zwang der rituellen Kost entfällt hier vollständig, auch die Spitalsnot hat damit nichts zu schaffen, denn ambulatorische Behandlung kann in Wien und wohl auch anderswo jeder unbemittelte Mensch kostenlos haben, und Niemand wird zurückgewiesen werden, wenn er sich dazu in den staatlichen Krankenhäusern meldet. Und in der Tat, es ist ja auch Sache des Staates und keineswegs die einer Kultusgemeinde. Nun wird man mir einwenden, daß es bei der gegenwärtigen Zeitströmung für die jüdischen Aerzte immer schwerer wird, sich auszubilden, und daß es die Wiener Kultusgemeinde ist, die ihnen durch das Ambulatorium diese Möglichkeit in hohem Maße bietet. Aber erstens trifft dies denn doch nicht ganz zu und zweitens ist dies bei aller Würdigung dieses tief

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