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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-06-18 · 25 (18.6.1909) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
25 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 430 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 25 des Wiener Magistrates sind verlassene Kinder solche „die der Familiensürsorge teilweise oder gänzlich entbehren, auch nicht verwaiste Kinder, die bei ihren Eltern oder bei Verwandten untergebracht sind und sür die offenbar wegen Armut der Erhaltungspflichtigen nicht ausreichend gesorgt werden kann". Wer soll nun für diese armen jüdischen Kinder sorgen? Die Waisenhäuser, die übrigens nur eine minimale Zahl unterzubriugen in der Lage sind, nehmen größtenteils nur väterlich verwaiste Kinder, der Waisenverein unterstützt in erster Linie vaterlose, aber auch mutterlose Kinder, alle anderen können aus formalen Gründen von diesen Institutionen nichts bekommen. Da diese Kinder aber mit formalen Gründen weder ihren Hunger fällen, noch sich kleiden können, bleibt eben doch nichts übrig, als daß die jüdische Gemeinschaft, und das ist doch sicher die israelitische Kultusgemeinde, sich der armen Wesen, soweit sie es finanziell im Stande ist, annimmt, wenn schon nicht aus Mitleid allein, so doch zumindest deshalb, damit sie dem Judentum nicht einst zur Schande gereichen und nicht etwa einmal die bisher von Juden unbesetzten Kolonnen der Verbrecherstatistik (Raubmord, Hochverrat rc.) füllen. Leider gestatten es die äußerst beschränkten Mittel und der ungünstige Stand der Finanzen der Gemeinde nicht, über ein gewisses Maß hinauszugehen, und es wäre recht erfteulich, wenn unsere vermögenden Mitbürger sich mit Spenden au dieser so überaus schönen Aktion beteiligen würden. Unter der Fürsorge der Kultusgemeinde stehen gegenwärtig 178 Kinder, davon 67 Mädchen. Nach Kategorien geordnet sind nach dem Stande vom 15. März 1909: unehelich 39 (Vater meist nicht eruierbar oder nicht zahlungsfähig), Findlinge 16 (gleichen Grund wie oben), doppelt verwaist 12 (bei diesen Kindern handelt es sich meist nur um eine kleine Aufbesserung von 4 bis 5 Kronen pro Monat), väterlich verwaist 2, mütterlich verwaist 2, Vater irrsinnig 25, Mutter vom Gatten verlassen 28, Eltern verschollen 6, Eltern irrsinnig 2, Vater in Strafe 1, Eltern leichtsinnig. 2, Eltern-geschieden 2, Eltern im Spital 1, Vater tot, Mutter verschollen 2, Eltern im Auslande 1, Vater siech 7, Vater siech, Mutter verschollen 1, Vater verschollen, 1, zwei Väter landesverwiesen 10, Vater verschollen, Mutter geisteskrank 1, Vater leichtsinnig 7, Vater verschollen, Mutter leichtsinnig 1, Mutter tot, Vater nicht in Wien 5, Mutter in Amerika, Vater leichtsinnig 1, Mutter geisteskrank, Vater leichtsinnig 3. Geboren find die meisten dieser Kinder (135) in Wien, bei 15 ist der Geburtsort, bei 39 die Zuständigkeit gänzlich unbekannt. Der größte Teil dieser 178 Kinder nämlich 158 sind bei jüdischen Pflegeparteien, ein Teil in interkonfessionellen Instituten (Zillingsdorf) und der kleine Rest bei nichtjüdischen Pflegeparteien untergebracht, die nach Tunlichkeit durch jüdische Pflegeeltern ersetzt werden. Es wäre gar nichts dagegen einzuwenden, diese Agenden der Gemeinde einem Vereine gegen entsprechende Subvention zuzuweisen, aber dieser Verein, der in der Zusammensetzung seines Vorstandes auch die nötige moralische Gewähr bieten müßte, wäre erst zu gründen, und man muß sich doch darüber klar sein, daß eine halbwegs nennenswerte Entlastung unserer Gemeinde dadurch nicht herbeigeführt werden würde. Die Ersparnis wäre, wenn überhaupt, eine so geringe, daß sie das Risiko eines derartigen Versuches (es handelt sich um Kinder, bei denen Experimente gefährlich sind) fast nicht rechtfertigt, dies aber umsomehr, als die Gemeinde in diesem Falle vor einem Vereine den Vorteil hat, ohne Verwaltungsspesen zu arbeiten. Die Beaufsichtigung wird nämlich neben seinen anderen Agenden von dem Wohltätigkeitsamt der israelitischen Kultnsgemeinde im Vereine unit den Bezirkskommissionen und einem Frauenvereine nahezu kostenlos geführt. Aber es gibt Posten, bei denen eine eingehende Prüfung die Möglichkeit einer starken Reduktion ergibt, und das find die Ausgaben für das Schmerzenskind der Gemeinde, das Spital. Willig folge ich dem geehrten Herrn Kollegen in der Diskussion auf dieses Gebiet. Das Spital der israelitischen KuÜusgemeinde ist von der Familie Rothschild zum Andenken an den verstorbenen Freiherrn Anselm von Rothschild in überaus hochherziger Weise und mit ganz bedeutenden Mitteln erbaut und der Gemeinde überlassen worden. Der im Volksmunde allgemein gebrauchte Name „Rothschild-Spital" erweckt nun bei der Bevölkerung die irrige Vorstellung, als ob die Gemeinde nur Verwalterin des Spitales wäre, leider ist dies aber durchaus nicht der Fall. Das „Rothschild-Spital" kostet der Gemeinde jährlich den sechsten Teil der gesamten Kultussteuern (Zuschuß im Jahre 1908 : K 220.000). Ein Vergleich mit dem Versorgungs¬ und Siechenhaus, dessen Kosten übrigens weit geringer find (Zuschuß im Jahre 1908 : K 118.000), ist immerhin auch sonst sehr lehrreich, denn dort kosteten im Jahre 1908 : 114.437 Verpflegstage K 178.000, im Spital 88.373 Verflegstage K 394.000. Sicherlich find die Kosten eines Krankenhauses weit höhere, als die eines Versorgungs- und Siechenhauses, wenngleich auch in diesem letzteren die weitaus größere Zahl der Insassen Kranke sind, aber evident ist, daß im Spital viel mehr gespart werden könnte, als es geschieht, und vor allem Anderen, daß die Ausgaben den budgetierten Betrag unter keinen Umständen überschreiten dürfen, wie dies bei einer geregelten Finanzwirtschaft eigentlich selbstverständlich ist. (Ein zweiter Artikel folgt.) Mieder einer. „Helft uns die jüdische Korruption vernichten", donnern die Christlich-Sozialen bei ihrer Agitation ins Volk hinein, und betörte Massen rennen blind diesem Schlagwort bis zur Urne nach. Da sieht man einmal, daß Politik nicht nur den Charakter verdirbt, sondern auch den Verstand. Sehen denn die Wähler nicht, daß die Rufer im Streite gegen die Juden selbst die korrupteste Partei im Reiche sind? Von ihrer Prinzipienlosigkeit, vom Gebrauche aller Mittel, vom Verrat des Volkes an den Klerikalismus wollen wir nicht erst reden. Greifbare Dinge aber liegen unzählige auf der Hand und bezeichnen die schändliche Partei des Egoismus und Nepotismus. Die Führer haben sich mit Nachsicht des von ihnen begehrten Befähigungsnachweises die fettesten Stellen ergattert und strotzen von Vermögen. Alle Aemter sind voll mit Verwandten und verdienten Wahlmachern, die von ihrer Aufgabe keine Ahnung haben. Fortwährend drängen sich neue Hungrige zur Krippe und die Unfälle bei diesem Gedränge sind dann die Korruptionsaffairen, die immerfort auftauchen. Bald bei den Landesbahneu, bald in den Krankenanstalten, bald persönliche. Die Christlich-Sozialen haben jetzt die Macht und daher kommt es, daß man auf gegnerischer Seite nicht mehr den rechten Mut hat, ihnen beim Vertuschen entgegenzutreten. Daher kommt es, daß die meisten Angelegenheiten im Schlamme verlaufen, viel mehr noch, als die Oeffentlichkeit erfährt und daß die Vertreter der Korruption noch immerfort von der Korruption anderer reden können. Jetzt liegt wieder eine Sache von ihnen vor, an der schon die Dementierspritzen lange gelöscht haben, die aber wegen der Plumpheit des schuldigen Teiles sich denn doch nicht unterdrücken ließ. Sie ist bezeichnend für die Christlich- Sozialen, deren hervorragender Vertreter, deren ragende Säule dieser Bezirksvorsteher Johann Geiblinger in der Leopoldstadt gewesen ist. Er erhielt eine hohe Ehrenstelle dieses Stadtteils, den er von der jüdischen Korruption befreien half. Der Armselige und seine verblendeten Wähler! Jahrzehntelang hindurch bewährte sich als Bezirksvorsteher der Leopoldstadt der kürzlich verstorbene tadellose Ehrenmann Niebauer. Aber keine Wahrheit gilt, der Jude wurde verbrannt! Niebauer wurde gestürzt, denn der Vertreter der christlichen Moral mußte die Leopoldstadt retten. Er rettete, wie es alle Christlich-Sozialen tun. Er zündete das Haus an, um in der Verwirrung des Brandes für sich zu — retten. Die Gastwirte beschuldigten ihn vor aller.Welt des Schachers mit Konzessionen. Solche Kleinigkeiten machten die

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