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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-06-04 · 23 (4.6.1909) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
23 (4.6.1909)
Date
1909-06-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 410 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 23 Kanitz. Im Anschlüsse an die Maskir-Predigt am zweiten Schebnoth-Tage widmete unser verehrter Herr Rabbiner Dr. F l e s ch seinem Lehrer Markus Hirsch sel. And., Oberrabbiner zu Hamburg, einen die großen Verdienste des Heimgegangenen würdigenden Nachruf, welcher auf alle Zuhörer den tiefsten Eindruck machte. Gödmg. Mittwoch den 26. Mai (m: ersten Schebuothtage) traf der Statthalter von Mähren, Baron Heinold, sunt Besuche der mährisch-polnischen Kunstausstellung in Göding ein und wurde als Vertreter Sr. Majestät unseres allergnädigsten Kaisers mit festlichem Gepränge und außerordentlichen Ehrenbezeiaunqen von Behörden, Korporationen usw. begrüßt. Unter den osfisiellen P.rsönlichkeiten, die zum Empfange des illustren Gastes in den Amts äumen der k. k. Bezirkshauptmannschaft erschienen waren, befand sich auch der Rabbiner Dr. Lazarus, der als Vertreter der hiesigen Kultusgemeinde Se. Exzellenz begrüßte. Am Nachmittag besuchte der Herr Statthalter unter Anderem die Gotteshäuser aller Konfessionen. Beim Eintritt in den festlich geschmückten Tempel wurde er vom Vorsteher Dr. Körner aufs Herzlichste begrüßt, worauf nach Absingung des „Ma tauwu" durch den Synagogenchor Rabbiner Doktor Lazarus folgende Ansprache an den Herrn Statthalter hielt: „Als Seelsorger der hiesigen jüdischen Gemeinde gestatte ich mir. Euere Exzellenz in den geweihten Räumen unseres Gotteshauses ehrerbietigst zu begrüßen. Aus der Tiefe meines Herzens rufe ich als der berufene Vertreter unserer religiösen Jntcreffen den uralten Willkommgruß aus: Gesegnet sei im Namen des Ewigen der Eintritt deffen, der da gekommen, um durch den Besuch dieser Andachtsstäite zu bekunden, daß ihm die Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Unterschied des Glaubens und des Standes nicht nur ein Gebot der Gerechtigkeit, sondern auch Herzenssache ist. Wir Juden waren allezeit loyale Untertanen unseres teueren Vaterlandes, deffen Segnungen wir genießen, eingedenk des Prophetenwortes: „Fördert das Wohl des Staates und betet für ihn zu dem Ewigen, denn in seinem Wohle liegt auch euer Heil." Unerschütterliche Treue gegen die Dynastie, unauslöschliche Liebe und unbegrenzte Verehrung — das sind die hehren Gefühle, die wir ehrfurchtsvoll an den Stufen des erhabenen Thrones Sr. Majestät, unseres guten Kaisers, stets niederzulegen bereit sind. Wir bitten Exzellenz, unseren wärmsten Dank für das bewiesene Wohlwollen gütigst entgegennehmen zu wollen und schließen mit dem altehrwürdigen Priestersegen: Der Herr segne usw." Mit einigen Dankesworten des Herrn Statthalters schloß die kurze, erhebende Feier. S. W. Ein russischer Jude — Mitglied der Madrider Akademie. Wie das „Lodzer Tagblatt" meldet, wurde der Sohn des dortigen angesehenen jüdischen Schriftstellers I. Schwarz, Herr Samuel Schwarz zum Mitgliede der Madrider Akademie der Wissenschaften gewählt. Herr Samuel Schwarz hat die Mittelschule in seiner Heimat besucht, dann in Paris die Technik absolviert und sich durch verschiedene Facharbeiten berühmt gemacht. Gegenwärtig ist Herr Schwarz Direktor einer bedeutenden Grubengesellschaft in Spanien. Der jüdische Maler D. M. Peixotto aus New-Iork, der besonders als Portraitmaler berühmt ist, erhielt jüngst den Auftrag, das lebensgroße Porträt des französischen Gesandten in Berlin, M. Jules Cambon zu malen. Cambon, der früher in Washington stationiert war, lernte den jüdischen Maler in Amerika kennen und schätzen. Peixotto hatte vor kurzer Zeit im Aufträge des Millionärs Thomas F. Ryan das Porträt des Erzbischofs von Irland fertiggestellt. Moses Ezekiel als Erbe. Welcher großen Beliebtheit sich der in Rom lebende amerikanischjüdische Bildhauer Moses Ezekiel beim amerikanischen Volke erfreut, wird durch die iutereffante Meldung der „New-Jork Times" illustriert, welche besagt, daß der gefeierte Künstler jüngst der Universalerbe des bedeutenden Vermögens eines amerikanischen Ehepaares namens Townsend-Boyer geworden ist. Das Vermögen betragt nach Abzug verschiedener Legate immerhin 50.000 Dollars. Die Erblasser, die den Künstler wiederholt in Rom besucht hatten, sagen in ihrem Testamente, daß sie mtt ihrer letztwilligen Verfügung einem großen Künstler einer großen Kunst nur die wohlverdiente Anerkennung zollen, wenn sie dazu beittagen, daß er, aller Sorgen enthoben, ausschließlich seiner Kunst leben könne. Die Begründerin des „Kampfes gegen den Straßeulärm." Unter der Parole „Kampf gegen den Sttaßenlärm" haben sich in letzter Zeit in Deutschland mehrere Organisationen gebildet, die mit mehr oder minderen Erfolg die Bekämpfung des überflüssigen Straßenlärms sich zum Ziele gesteckt haben. Es dürfte Wenigen bekannt sein, daß diese aus Amerika herübergebrachte Bewegung von einer jüdischen Dame Mrs. Isaak L. Rice ins Leben gerufen wurde. Mrs. Rice, die als wohltätige Dame ersten Ranges bekannt ist, faßte auch den Kampf gegen den Straßenlärm als einen Akt der Humanität auf, indem sie nach langem Kampfe mit der New-Aorker Großkommune und dem dortigen Polizeidtrektor es durchsetzte, daß ein Polizeistatut ausgearbeitet wurd', durch welches zunächst in den Straßen, wo Spitäler, Sanatorien, Siechenhäuser, Schulen 2C. sich befinden, jeder Straßenlarm strengstens untersagt wird. Nach diesem ersten Erfolge wurde die von Mrs. Rice initiierte Bewegung auf alle größeren Städte in den Vereinigten Staaten ausgedehnt. Später fand sie auch in Deuischland und der Schweiz Nachahmung. Wie ans New-Iork berichtet wird, verließ Mrs. Rice mit der Mauretania New-Iork, um eine europäische Propagandatour in Europa zu unternehmen. Mrs. Rice wird hauptsächlich in Deutschland mehrere Vorträge hatten. Feuilleton. Dir jüdische« Todesopfer Uordhausens «o« 1349. Eine in Hamburg erscheinende Monatsschrift berichtet folgendes: „Vor einiger Zeit war ich in Nordhausen, der Pastor führte mich auf den alten Judenkirchhof, zeigte mir den Platz, wo die Juden Nordhausens am 6. Mai 1349 verbrannt wurden. Hier sah ich den Judenturm, wo die Juden eingesperrt waren und in dessen Mauern sich vier Grabsteine mit hebräischer Inschrift befinden. Es war jene Schreckenszeit, wo Europa vom schwarzen Tode heimgesucht war, welcher durch Genueser-Schiffe aus Asien eingeschleppt war. Doch die Feinde der Juden sagten, die Juden hätten die Brunnen vergiftet. Im Stadtarchive ist ein Markgräfliches Schreiben aufbewahrt, welches also lautet: „Ihr Ratsmeister der Stadt zu Nordhausen wisset daß wir alle unsere Juden haben lassen verbrennen (bornen), also weit als unsere Lande sind, um die große Bosheit die sie an der Christenheit haben getan, indem sie die Christenheit haben töten wollen mit Vorgift, die sie in alle Brunnen geworfen haben. Das wir gänzlich erkundet und dervarn haben, daß das wahr ist. Darum raten wir Euch daß Ihr Euere Juden lasset töten Gott zu lobe und zu Ehren und der Christenheit zu Seeligkeit, daß die Christenheit und sonst alles nicht geschwächt von ihnen werde. Was Euch darum begegnet (antryt) das wollen wir gegenüber unserem Herrn dem Könige und gegenüber allen Herrn Euch abnehmen. Auch wisset, daß wir Herrn Hcynrich Snozen unfern Vogt von Salza zu Euch senden, der soll über Euere Juden klagen um die vorgenannte Bosheit die sie an der Christenheit getan haben. Darum bitten wir Euch fleißiglich daß ihr dem recht helfet gegen sie, das wollen wir sonderlich um Euch verdienen (derarnen). Gegeben zu Jsenach an dem Sonnabende nach St. Walpurgis-Tag unter unserem heimlichen Jnsiegel." Nach Einlauf des Markgräflichen Schreibens erschien Snoze der Vogt von Salza auf dem Rathause, die Vertreter der Judengemeinde und ihr Rabbi Jakob wurden auf dasselbe beschieden. Der Vogt verlas die erwähnte Anklageschrift und dasselbe Urteil wurde gefällt. In Dr. Carmolys Bibliothek in Frankfurt a. M. befindet sich ein Notizblatt von einem gewissen Eliezer Ben Samuel, in welchem der Vollzug des Urteils bestätigt wird. Emek Habachar schreibt Seite 53 über das Jahr 1348: „Die Juden hatten sich in der Landschaft Thüringen sehr vermehrt und von Neid gegen sie erfüllt, trachteten die Bewohner des Landes darnach, sie zu töten. Als nun damals viele erkrankten, sprachen sie: Die Juden haben Gift in die Brunnen geworfen, um uns zu töten, erhoben sich plötzlich gegen sie und erschlugen viele mit dem Schwerte, andere peitschten sie mit Ruten und verbrannten sie. Siehe es, o Gott, und schaue und vertritt ihr Recht!" Professor Franz Delitzsch schildert in seinem Jahrbuche fürs Deutsche Reich 1873 unter dem Titel „Der Tanz zum Tode" diesen Vorgang folgendermaßen: „So blieb ihnen also nichts übrig, als sich auf den unentrinnbaren nahen Tod oder, wie das Manuskript sagt, „auf die Heiligung des Namens

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